Jahrgang 
1865
Seite
468
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häuſer ſind zugleich die Börſen, an denen der Austauſch ſolcher nütz- lichen Kenntniſſe in großem Maßſtabe ſich vermittelt. Will man nicht Schaden leiden, ſo ſei man gegen Fremde, die unter irgend einem Vorwande unerwartet die Wohnung zu betreten ſuchen, behutſam, und unter Umſtänden weiſe man ſie möglichſt kurz und bündig ab. Colporteurs, die allerhand Schriften, Journale und heftweiſe erſcheinende Romane ausbieten, zu denen man wo möglich noch eine ſchlechte Lithographie als Preis hinzu empfangen ſoll, Unbekannte, die nach unbekannten Perſonen oder nach Wohnungen fragen kommen, welche etwa zu vermiethen ſein ſollen, arme Reiſende, die gern ein Paar Stiefel haben möchten, Bettler, die auf ihre ver⸗ krüppelten Arme Geſchäfte machen, Blinde, die mit ſehenden Augen von einem Kinde ſich führen laſſen, Taugenichtſe, die mit meiſterhafter Gewandtheit Sprache und Gehör zu verbergen und durch Mienenſpiel und Handbewegungen die Hilfloſigkeit der Taubſtummen zu copiren wiſſen: man ſehe zu, ob nicht mancher unter ihnen iſt, der nur einmal auf dem Hausflur, in dem Entree, in der Küche ſich um ſehn will. Im Nu hat er die Lage der Zimmer, die Stellung der Schränke aufgefaßt. Iſt die Magd ſo unvorſichtig, ihn auch nur eine Minute an der geöffneten Thüre oder innerhalb der Wohnung allein zu laſſen, um etwa der Herrſchaft Meldung zu geben, ſo wird ſchnell in Wachs ein Abdruck vom Schloſſe genommen, und vielleicht auf der Stelle ein ſilberner Löffel, oder was ſonſt zu erwiſchen iſt, eingeſteckt. Es iſt mehr als ſchmerzlich, daß Vertrauen und Wohlthätigkeit, der wir ſonſt in jeder Weiſe das Wort reden möchten, um des Mißbrauches willen, der mit ihnen getrieben wird, in nothwendige Schranken ſich zurückziehen und daß wir zur Sicherung des Hauſes daſſelbe in eine Art Vertheidigungszuſtand ſetzen müſſen. Aber für viele Fälle iſt das in der That unerläßlich. Mägde ſollten die ſtrenge Anwei⸗ ſung von ihrer Herrſchaft erhalten, daß ſie zweifelhafte Leute niemals ohne weiteres die Küche oder ein Zimmer betreten laſſen, und daß ſie, falls dies dennoch geſchähe, dieſelben unter keinen Umſtänden auch nur einen Augenblick allein laſſen. In jeder Küche müßte eine Klingel ſein, durch welche die Magd in ſolchen Fällen der Herrſchaft, falls ſie einen Zudringlichen nicht allein los werden kann, ein Zeichen zu geben im Stande iſt. Und auf dies Zeichen müßte womöglich eine männliche Perſon ſofort der Magd zur Aſſiſtenz erſcheinen, nicht die Frau, am wenigſten ein Kind, damit ſchnell, verſtändig und energiſch erledigt werde, was zu erledigen iſt. Bittende frage man nach Namen und Wohnung, und ziehe dort Erkundigung nach ihnen ein, dann wird man nicht nur vor Täuſchungen ſich möglichſt ſicher ſtellen, ſondern, wo wirkliche Noth vorhanden iſt, in ganz anderer Weiſe zu helfen im Stande ſein, als mit dem Almoſen, mit dem der Bettler abgefertigt wird. Für alle Fälle iſt es zweckmäßig, wenn Leute der erwähnten Art auf der Stelle die Erfahrung machen, daß ein Mann im Hauſe iſt. Sehr zu empfehlen iſt übrigens die Art kleiner Glasgucker an den Thüren, die, ohne daß die Sicherheit der Thüre irgendwie gefährdet wird, es möglich machen, ſofort zu con⸗ ſtatiren wer draußen iſt, wenn die Hausklingel gezogen wird; und ebenſo die kleinen Ketten an der Innenſeite der Hausthüre, die von der Wand zur Thüre reichend, ein theilweiſes Oeffnen der Thüre möglich machen, ohne daß der draußen Stehende einzutreten im Stande wäre. Aber dieſe Ketten dürfen nicht ſchwach und müſſen ſicher be⸗ feſtigt ſein, ſonſt werden ſie gelegentlich von gewaltthätiger Hand ge⸗ ſprengt. Man darf auch, im Vertrauen auf ſie, die Thüre nicht un⸗ verſchloſſen laſſen, wenn man es nicht erleben will, daß ein auf Diebſtahl abgerichtetes Kind die Thüre öffnet und, falls gerade nie⸗ mand gegenwärtig iſt, unter der Kette durchkriecht und nach vollzo⸗ gener Auskundſchaftung oder nach vollzogenem Diebſtahl ebenſo wieder verſchwindet.

Selbſtverſtändlich kennt der Gauner alle Jahrmärkte und Meſſen, denn ſie bieten ihm zu ſeinen Geſchäften die beſte Gelegen- heit, und jeder Eiſenbahnzug, der zur Frankfurter oder zur Leipziger Meſſe Scharen von Kaufleuten hinführt, bringt auch die Scharen der Diebe, wie die der liederlichen Frauenzimmer mit, die häufig mit einander zu gemeinſamen Geſchäften ſich die Hand bieten. Welch eine verhängnißvolle Rolle gerade jene Frauenzimmer dabei ſpielen, wollen wir hier nur andeuten; ausführen dürfen wir das an dieſer

Stelle nicht. Ebenſo wie die Meſſen, kennt der Spitzbube auch die Hebungs- und Zahlungstermine, zu welchen Pächter, Förſter, Kaſſenführer und andere Beamte größere Summen bereit halten; er weiß auf Woll- und Kornmärkten, welche Banquiers vorzüglich viel Geld zum Zahlen ſtehen haben und wer davon Geld mit in die Heimat bekommt; er erſpäht, wer mit der Poſt und den Dampfſchiffen Con⸗ tanten empfängt und weiß wo eine Hochzeit nahe iſt und wo die Aus⸗ ſteuer dazu liegt. Hat er ſelbſt das nicht ausgekundſchaftet, ſo haben es ſeine Genoſſen und Bekannten gethan, meiſtens am Orte oder in der Nähe wohnende Gaunerwirthe, alte, abgeſtumpfte, zum Stehlen nicht mehr taugliche Subjekte und deren Sippſchaft. Mit Sorgfalt wird dann erſpäht, wie viele männliche und weibliche Be wohner das zu beſtehlende Gebäude hat, wie die Tagesordnung dort iſt, wenn man zu Mittag ſpeiſt und ob man Abends frühe oder ſpät zu Bette geht, ob unruhige kleine Kinder in der Familie ſind, oder alte Leute, die an Schlafloſigkeit leiden; ob Widerſtands waffen zur Hand ſind, wo die Schlafzimmer liegen, wo Knechte und Mägde ſchlafen, ob Hunde im Hauſe oder in deſſen Nähe ſind, ob und was für Nachtwächter am Orte ſind, ob junge oder alte, u. ſ. w. Man meine auch nicht, daß der Auskundſchaftung eines Diebſtahls die Ausführung deſſelben immer auf dem Fuße folgt; oft liegt lange Zeit zwiſchen beiden, bisweilen verſtreichen Jahre, damit jeder Verdacht ſchwinde. Man erſieht ſich eben den rechten Zeitpunkt. Um ſo vorſichtiger muß man ſein.

Schon oben erwähnten wir, daß beim Baldowern häufig in indirekter Weiſe ein Anfang des Diebſtahls gemacht wird; man nimmt einen Wachsabdruck von einem Schlüſſel oder vom Schlüſſelloch; iſt die Gelegenheit gut, ſo zieht man auch einen Schlüſſel ab und nimmt ihn mit. Von irgend einem Fenſter wird ein Ueberfallhaken abge⸗ hängt, eine zum Einſteigen gelegene Fenſterſcheibe wie durch Zufall oder Ungeſchicklichkeit eingeſtoßen, damit man bald darauf den friſchen Kitt der neu eingeſetzten Scheibe um ſo leichter mit dem Meſſer löſen könne; ein Hund wird vergiftet, Entfernungen werden mit dem Auge oder Schritte gemeſſen. Zu möglichſter Sicherung des Unternehmens wird unmittelbar vor Ausführung des Diebſtahls ein Genoſſe der Schandthat abgeſandt, um noch einmal genau nachzuſehn und die Situation zu prüfen. Durch einen Scheinangriff wird erprobt, ob kein Hinderniß im Wege ſteht; es wird leiſe an Fenſter, Thüren oder Wand geklopft, ob niemand wach iſt, ob kein Hund bellt. Steht alles gut, ſo wird raſch Hand aus Werk gelegt; ſteht es bedenklich, ſo hat man die Möglichkeit des Rückzugs. Natürlich ſucht man denſelben zu decken. Es werden ein oder mehrere Poſten ausgeſtellt, um jede Störung fern zu halten. Dieſe Poſten ſtehen verſteckt oder offen. Nähern ſich Menſchen, von denen eine Störung zu ge⸗ wärtigen iſt, ſo werden dieſelben, wenn es möglich iſt, durch Unterhaltung beſchäftigt oder mit Liſt auf einen andern Weg gelenkt. Dienſtmägde ſucht man bisweilen am andern Ende des Hauſes in irgend ein zärtliches Geſpräch zu verwickeln, bis die That ausgeführt iſt und man ſich in unbefangenſter Weiſe entfernt. Iſt Noth an Maun, daun wird ein verabredetes Zeichen gegeben, mit Schnalzen, Rufen, Pfeifen oder wie ſonſt, und eiligſt die Flucht ergriffen. Man ſieht, es iſt ein vollkommener Krieg, der gegen die Geſellſchaft und ihre Sicherheit geführt wird, und darum gewinnt die verworfene Macht, die dieſen Krieg führt, in ſo vielen Fällen die Oberhand, weil man ihre Taktik nicht kennt und ſorglos ſich ihr ſelber in die Hände liefert.

In den obigen Charakteriſtiken ſind wir zum Theil den lehr⸗ reichen Darſtellungen des Verbrechens gefolgt, die Dr. Avé⸗ Lallemant in ſeinem Werke vomdeutſchen Gaunerthum gibt (4 Bände, Leipzig 1858). Daſſelbe liefert ſehr werthvolle Bei⸗ träge zur Geſellſchaftskunde unſeres Volkes und verdient nicht nur von denjenigen gekannt zu werden, die durch ihren Beruf mit jenen Entartungen und Nachtgeſtalten des Lebens in Berührung gebracht werden. Wer ſelbſt auf feſtem und ſittlichem Grunde ſteht, wird auch ſolchen Erſcheinungen gegenüber weder der Troſtloſigkeit eines abſoluten Mißtrauens, noch der Hoffnungsloſigkeit verfallen, ſondern vielmehr in den Ernſt der Frage hineingeführt werden: wie iſt ſolches ſchmachvolle Verderben zu überwinden?

(Schluß folgt.)

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