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weilen und unſre gänzliche Heilung abwarten, auf daß wir der Hoch⸗ V zeit beiwohnen.
Inmittelſt meine Frau Cheliebſte hereingetreten, ſolchs alles gehört, große Augen gemacht und den Kopf geſchüttelt; welches, als S. Churf. Gn. gewahreten, riefen ſie:„Potz Leib und Blut, hätt unſre edle Hausfrau uns nicht laſſen warten, bis die Lichtlein ſchier herab⸗ gebrannt, ſo hätt ſie mögen Zeugin ſeyn, wie ſie zu Ihren zwo Töchtern noch zween Söhne kriegt hat, hätt auch mögen zu rechter Zeit Einſprach thun, maßen es anjetzo zu ſpät.“ Worauf meine Frau Cheliebſte ſprach:„Wann ſolchs alſo der Junker und der Mägd⸗ lein eigner Will und Wahl, dazu Ew. Churf. Gn. Wolgefallen, ſo will ich nicht dreinreden, hätts aber nicht ſo gedacht. Weil ichs aber ſeh mit meinen Augen, nicht weniger, daß es meines Herrn und Ge⸗ mahls Meinung iſt, ſo will den Junkern, welche mir ſo lieb ſeyn als eigene Söhne, meinen mütterlichen Segen geben, dazu Gottes Gnad und alls Gute wünſchen, als eine Mutter aufs beſte kann.“ Und traten ihr die Zähren in die Augen, ohn Zweifel bedenkende, daß ſie ſo bald ſollt die lieben Mägdlein weggeben, welches auch mir gar beweglich war, allermaßen uns auch zur Hochzeit fehlen ſollt unſer lieber Sohn, als welcher in Holland bei den Generalſtaaten zu Kriegsdienſt weit weg war und noch iſt, wie dem Herrn Bruder nicht unwiſſend. Es traten aber herzu alle, die dawaren, wünſcheten den jungen Pärlein viel Glück, Freud und langes Leben, lobeten S. Churf. Gn. ſeltſame und luſtige Weis, den Junkern zu beſcheeren, und bedanketen ſich für was Sie ihnen zum heiligen Chriſt verehret. Da aber die Brautleut noch immer verſonnen und gleich als be⸗ täubt ſtunden, riefen S. Churf. Gn. dem Narrn und ſprachen: „Kunze, mein Junge, haſt du nicht ein Liedlein oder zwei, die be⸗ ginnende Unluſt in Luſt zu verkehren?“ Da thät der Narr einen Affenſprung vor den jungen Leuten und ſung:
Wolauf ihr Narren all mit mir, Nicht lacht der langen Ohren! Wollt Gott, ich wär ein Narr allein, Der iſt noch mehr geboren;
Und hätt ich aller Wünſch Gewalt, So wüßt ich, was ich wünſchen ſollt Nach eines Narren Sinne.
Und ſprach:„Es möcht nicht weit ſeyn, was ich wünſchen wollt, und wärs nicht rothes Gold, ſo wärs ein Mündlein roth, da küßt ich mich zu Tod. Dünkt mich aber ſchier, ſolch ein Narr ſey ich alleine hier, denn ich ſchau ihrer vier, ſinds in andrer Manier.“ Und ſung abermal:
Mein Herz hat ſich geſellet
Zu einem Blümlein fein,
Das mir wol gefället,
Durch Lieb ſo leid ich Pein.
He, he! Warum ſollt ich trauren
Nu rühret mich der Mai;
Schlag, ſchlag, ſchlag auf mit Freuden! Mein Trauren iſt entzwei.
Welchs Liedlein er ſo ſeltſam ſung, daß Jedermann mußte lachen und auch die Brautleut ſo ernſthaft nicht konnten bleiben. Wandte ſich drauf zu S. Churf. Gn. und ſprach:„Sagt mir doch, Gevatter, iſt denn der heilige Chriſt nicht auch für die Narren kommen?“ Worauf S. Churf. Gn.:„Ja, mein Kunze, erſt recht für die Narren, denn er von den Weiſen und Klugen dieſer Welt nicht wollt wiſſen.“ Da ſagte der Narr:„So wundert mich ſchier, Gevatter, daß er ſeinen Sinn hat alſo gewandelt, ſintemal er heute allein die Weiſen und Klugen bedacht, des Narren aber ſchier vergeſſen.“ Worauf hinwieder S. Churf. Gn.:„Sollteſt du nu nicht Ruthenſtreiche haben, Geſell, daß du ſolches dem heiligen Chriſt und mir zutrauſt? Da haſt du eine neue Kappen, welcher Du ſollt Ehre machen! Greif aber zuvor in den Grund, ehe Du ſie aufſetzeſt.“ Zoge dabei eine neue bunte Schellenkappen mit langen Ohren aus der Taſchen und gab ſie dem Narren, welcher, als er hineingriff, holete etliche blanke Dublonen heraus, ſteckte ſie vergnügt ein, be⸗ dankete ſich in Narren Weis, und ließ darnach ſein alte und ſeine neue Kappen ein gar kurzweilig Kampfgeſpräch führen, uns allen zu vielem Ergötzen.
Darnach ſo ſandten S. Churf. Gn. alle andern hinweg und ließen ſich in ein ander Gemach tragen, allwo mit Ihnen allein zu Nacht ſpeiſen mußte und leereten wir dabei noch etliche gute
Becher. Es ſprachen aber S. Churf. Gn. viel Gutes von meinen
beiden Junkern, gelobten auch, ſo ſie ferners würden ſich treu, redlich und tapfer halten, ihnen Ehren und alles Gute nicht mangeln zu laſſen. Darnach ſo erzähleten Sie als ein ſonderbarer Liebhaber der Sternekunſt viel von Ihrem Hof⸗Astrologo, Dr. Schürlin, und meineten, ein weiſer Mann ſolle ſich nichts unternehmen, ohne denn zuvor die Sterne befraget zu haben, ob Zeit und Stunde glückver⸗
heißend oder bedrohlich ſey, wie es Sie denn noch immer gereuet, ſo
Sie der Constellationi und dem Rathe der Philosophorum nicht ge⸗ folget. Hätten auch zu dieſem Jagdzuge die Sterne befragen laſſen, wo
Ihnen dann wäre zur Antwort geben, Sie würden auf St. Thomas
Tag eine Fährlichkeit auszuſtehn haben, doch mit dem Leben davon⸗ kommen, als auch eingetroffen, darnach aber könnten Sie leichtlich allerhand Verkehrtes thun und Verwirrung anrichten, würden aber auch fröhliche Leute machen und mit Hochzeiten zu thun kriegen. Sintemal nun auch dieß in Ausſicht, wollen Sie deſto mehr Ver⸗ ſtands und Fürſicht gebrauchen, um ſich vor Verkehr- und Verwir⸗ rung zu hüten, maßen gleich nach dem Feſt etliche Ihrer Churf. Gn. Räthe ſollten herauskommen, mit denen Sie hohe und weitläuftige Sachen zu bedenken. Sie wollten auch, ich ſollt Ihnen Tag und Stunde meiner Geburt aufſchreiben, ſo wollten Sie mir meine Nativitaet aufſtellen laſſen, worauf aber ſagte:„Gnädiger Herr Churfürft! Wann es gleich hoch zu loben, daß ein ſo großer Fürſt aller Wiſſenſchaft und Kunſt brauchet, um nicht fehlzugehn oder in Unfall zu gerathen, ſo erſehe doch, daß Ew. Churf. Gn. zum Erſten dennoch eignen Verſtands und Fürſicht noth haben, das Andre aber nicht meiden konnten, wiewol Sie es zuvor gewußt. Alſo bedünkt michs einen ſchlichten Ritter genug ſeyn, daß er allzeit Verſtands und Für⸗ ſicht weislich gebrauche, als ich denn auch zu thun nicht ohne Frucht mich fleißige, Unfalls aber und Glücks von Gott zu gewarten, der Beides ſchickt. Hätt aber der allmächtige Gott gewollt, daß wir das Zukünftige ſollten zuvor wiſſen, ſo würd ers uns ohn Zweifel ſo wol zu wiſſen thun, als er Störchen und Schwalben anzeigt, wann der Winter kommt; gleichwie uns auch wol kund, daß ſo wir Sünd und Unrecht begehn, allezeit die Strafe zukünftig, ſo wir aber ſeinen Willen thun, auch der Lohn nicht ausbleibt. Woran mir will für dieß Leben, welches nicht mehr wird lang ſeyn, begnügen laſſen.“
Da lobten S. Churf. Gn. meine Antwort, wollten aber, ich ſolle die
hohe Wiſſenſchaft nicht verachten; denn, ſprachen Sie, hätte mir mein Astrologus nicht die dräuende Fährlichkeit vorangezeigt, ſo würde wol Medicum und Feldſcheer am warmen Ofen haben ſitzen laſſen, als welche zur Heilung verwundter Eber und Hirſche mir im Walde nicht Noth waren. Als ſie aber nun gleich zur Stellen, ſo zeiget ſich klärlich, daß ſolches zum Segen war und die Astrologia keine verbotene fürwitzige Kunſt. Da ſagt ich:„Welches auch nicht meine Meinung, anſonſt ſie Ew. Churf. Gn. nicht würden treiben noch beſchützen.“ Alſo redten wir, bis die Aerzte kamen, S. Churf. Gn. Bein zu verbinden, worauf Ihnen eine gute Nacht wünſchete und zu den Andern in den Saal ging. Die beiden Junker von Rüthe waren aber nicht daſelbſt, maßen ſie mit ihren Bräutlein bei meiner Frau Cheliebſten ſaßen. die andern guten Geſellen wegen der Verlöbniſſe hart zuſetzeten, ſo ward mit ihnen noch mancher gute Trunk gethan und weiß wiederum nicht, wie ich bin in mein Bett kommen.
Andern Morgens, als am h. Chriſttage, gingen wir alle im näheſten Dorf zur Kirche, wohin auch S. Churf Gn. als ein gar andächtiger Herr, Abmahnens unerachtet, ſich hatten tragen laſſen und dem Gottesdienſte mit großer Andacht beiwohneten, auch nach dem Schluß den Prieſter kommen ließen und ernſtlich ausſchalten, daß er in ſeiner Predig Ihrem Beiſeyn zu viel Ehre gethan, ſo doch an ſolchem Platz die Ehre Gott alleine gebühre, ſonderlich an einem ſo gnadenreichen Tage. Schicketen aber doch dem ganz betretenen Prieſter darnach etliche Maaß Wein ins Haus, auf daß er des ge⸗ habten Schreckens ſollt vergeſſen. Als wir aber über den harten Froſt S. Churf. Gn. wiederum heimgeleitet, hörete mit vieler Ver⸗ wunderung, wie daß meine Frau Cheliebſte ſich bei denſelben gleich als heimlich eine beſondere Audienz erbat, und hießen auch S. Churf. Gn. ſie alsbald mit hinaufkommen. Welchs auch geſchah. Da ſie aber zurückkommen, ſchickete ſie die zwei Brautpaare zu S. Churf. Gn., lachet und ſprach zu mir:„O Jürgen, Jürgen! was vor Noth würdet Ihr Männer in der Welt anrichten, ſo wir Weiber nicht wären.“ Worauf mich bedachte, was geſchehen ſein möcht, es aber nicht ausfinden konnt, auch meinete, es werde wol kein groß Ding
Da aber noch Durſt verſpürete, auch mir
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Dörj V und zur genu ob a⸗ wäre meine Mein ſchnei heilig deroh Rüth Theil der J allge am! könn Ihre liche eüfte im e vielen und mit C daran einem als die geſun beſchen lieber Kute, Scloß Nömiſ mein ſoviel böpfer thanen ſeligei drieg Ihr R nir di ſollte weder werden würde ſeliger Fürſt dn man
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