Jahrgang 
1865
Seite
457
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Lin Churfürſtlicher Beſuch gegen Inde des ſechszehnten Jahrhunderts.

Mitgetheilt von Victor von Strauß.

(Schluß.)

Darnach ſo mußten meine Frau Eheliebſte und die Mägdlein auf S. Churf. Gn. Gemach ſieben zierliche Weihnachtsbäume auf⸗ ſchmücken mit Wachslichtlein, Aepfeln und Bändern, auch Goldflittern, welche waren für die Fünf vom Adel, ſo bei S. Churf. Gn. geblieben, dazu für die beiden Junker von Rüthe. Ehbevor aber S. Churf. Gn. daſelbſt zurichteten, ließen Sie ſich in meiner Frau Eheliebſten Ge⸗ mach tragen, allwo auch ein Chriſtbäumlein brennete, und des Herrn Bruders Nichten Etliches beſcheeret ward nach Hauſes Brauch. Es hatten aber S. Churf. Gn. hinzugefüget etliche Stück brabanter Seiden, koſtbar von Art, dazu güldene Spänglein mit edelen Steinen, und ſagten, das ſolle ſchier bereitet werden zu Hochzeitkleidern für die Jungfräulein, maßen ſie des fröhlichen Tages balde ſollten genießen, denn es ſich wol zieme für ein chriſtlich Haus, der heiligen Kirchen Brauch nachzugehn, welche auch gar bald nach dem Chriſtfeſt leſe die Hochzeit zu Cana; worüber die Mägdlein nicht wenig roth wurden. Meiner Frau ECheliebſten verehreten S. Churf. Gn. ein ſchön Stück geriſſenen Sammet und mir ein trefflich ſpaniſch Mäntelein, dazu eine güldene Ehrenketten, daran eine große Münzen hänget mit Churf. Gn. Bildniß. Nachdem wir uns für alle die Fürſtliche Verehrungen gar ziemlich bedanket, forderten S. Churf. Gn. mich und die beeden Mägdlein allein auf Ihr Gemach, daß wir ſollten die Beſcheerung der Edelleute Ihres Geleits zurichten, welches auch in Beiſein S. Churf. Gn. geſchah. Es half aber der Narr dabei, nicht ohne manchen artlichen Schimpf. Es waren aber hinter den Bäumlein unſrer Junker ein paar Leinwand geſpannet von der Decken herab, und ſagten, als die Lichtlein alle brenneten, S. Churf. Gn.:Darnach es ſich nicht wol fügen will, daß ehrbare Jungfrauen ſichtlich da ſtehen, ſo ich meinen Edelleuten beſcheeren thu, als wollen die beeden Jungfräulein, bis ſolches geſchehen, hinter die Leilachen treten. Worüber bei mir lachete, jedennoch nichts vermerken ließ, ſondern S. Churf. Gn. Mei⸗ nung ernſthaft beitrat, die Mägdlein bein Händen nahm, hinter die zwo Leinwand führete, da ſtill ſtehn hieß und wieder hervor kam. Hatte aber, wie wirs zuvor beredet, die Gertrud geſtellt hinter das Bäumlein des Junker Hans, und die Marie hinter des Junkern Engelbert ſeins. Da ſprachen S. Churf. Gn. zum Narren:Nun eil, Kunze, hol uns die Edelleut herein, daß wirs alles vollenden, ehe denn die Lichtlein abbrennen, und heiß auch die werthe Hausfrauen mitkommen. Und da der Narr gethan, wie ihm geheißen, kamen die Edelleut herein, darunter die zween Junker, neigeten ſich ehrbarlich, und führte der Narr Jeden zu ſeinem Bäumlein und Tiſchlein, that dazu auch einen luſtigen Spruch zu Jedermanns Ergötzen. Es war

aber meine Frau Cheliebſte nicht mit hereinkommen, welches mich

etlichermaßen verdroß, ſintemal es S. Churf. Gn. ausgedrückten Willen nicht gemäß war, und fürchtete ein Unwetter. Dieſelben merketens aber nicht ſogleich. Als nun der Narr die zween Junker von Rüthe einen jeden an ſein Bäumlein bracht, ſchwang er ſein Kolben, fing ſeinen Spruch an und ſagte:

Nu merkt auf, edle Herrn und Fraun, Was ihr allhie ſollt Wunders ſchaun!. Denn ſintemal der heilige Chriſt

Zur Hochzeit Kanä kommen iſt,

Thät er uns freier Weis bekannt,

Wie wol ihm g'fall der Eheſtand.

Drum wolln auch Sein Churfürſtlich Gnaden Die zween Junker zur Hochzeit laden,

Da mit zwo edlen Jungfräulein

Sie ſelbſt die Bräutgam ſollen ſeyn. Weil aber Chriſten Brauch nicht iſt, Hochzeit halten am heilgen Chriſt,

Will mans heut auch ſo weit nicht treiben Und ſoll alls beim Verlöbniß bleiben.

Ob Ihrs nun träg thut und nicht gern, Iſts doch Befehl von Eurem Herrn,

Nach Herrn Gebot thut jeder Ritter, Obs ihm auch ſaur ſchmeckt oder bitter. So thut dieß ſchwer Stück Arbeit nun, Das Euch Eur Churfürſt heißet thun. Und haltt allzeit hoch, lieb und werth, Was Euch Sein Gnad zum Chriſt beſcheert.

(Zoge damit der Narr eine Schnur, daß die Leilachen zurückfuhren, und

ſtunden dahinter die Mägdlein ganz ſchüchtern und als mit Blut be⸗

goſſen. Der Narr aber ſagt weiter:

Wolauf, Herrn Junker! Tapfer drein! Ich denk, es ſoll Eur Tod nicht ſeyn; Und wärs, ſo ſtreitt ein guter Held, Wohin ſein Feldhauptmann ihn ſtellt. Herr Hans, geht Jungfraun Gertrud an, Küßt und umfaht ſie als ein Mann! Alls drauf, Herr Engelbert! Und hie Umfaht und küßt Eur Braut Marie! So geſchieht Eures Fürſten Will. Nun, ſchön Jungfräulein, haltet ſtill!

Dabei gab der luſtige Narr einem Jeden einen Ruck in die Schul⸗ tern nach den Mägdlein zu, und war es allen Gegenwärtigen eine große Ergötzlichkeit zu ſehen, wie die Mägdlein die Farben wandelten und hin und her kucketen, als wollten ſie in den Boden ſinken, die bei⸗ den Junker aber zaudernd und zage ſtunden und bald auf die Mägd lein ſahen, bald auf S. Churf. Gnaden. Welchen aber Säumens und Harrens gar bald zu viel ward, alſo daß Sie auf Ihrem Armſtuhl vor Ungeduld hin und her rucketen und unwirſch herausfuhren:Potz Leib und Blut, Ihr Junker! ſchämt Ihr Euch nicht, daß Ihr auf ſolch preißliche Geſtattung vor den holdſeligen Jungfrauen ſtehet als die Katz vorm heißen Brei? Hätt Euer Vater ſeliger alſo Euch ſehen zappeln von einem Bein aufs ander, wie die ſcheuen Roß vor der Brücken, ich wähn, er würd Euch mit einer guten Maulſchellen Eurer Pflicht gemahnt haben, und wandelt mich ſchier die Luſt an, Vaters Stelle an Euch zu vertreten. Sollts mir nicht unleidlich ſeyn, junge Leut um mich zu haben, die ſo faul, kalt und ſtrohern, ſich gleich als eine Vogelſcheuch in Wicken drehn, ſo man ihnen die ſchöneſten Jung⸗ frauen im Land zu Bräuten verlobet und ſie ſelbige umfahen und küſſen heißt? Auf welche heftige Rede meine Junker ſich ein Herz faſſeten und gehorſamlich thaten, wie S. Churf. Gn. befohlen, alſo daß ein Jeg⸗ licher ſein zugewieſen Bräutlein umfing und küſſet, wiewol in ſolcher Weis, als wären die Mägdlein ein Stück glühend Eiſen, dran man ſich könnt das Maul verbrennen, ſo denn auch die Mägdlein thäten, als gelts zur Pönitenz gehn, und ließen ihnen die Zähren über die Backen laufen. Da ich aber wahrnahm, daß S. Churf. Gn. aber⸗ mal darüber ergrimmeten, ſich ſchüttelten, hin und her rucketen, ſahen

finſter drein und wollten losfahren, als legte mich ins Mittel und

ſagte:Gnädigſter Herr Churfürſt, ich wähn, es ſey der Liebhabenden

Art und Natur, daß ſie nicht wollen noch mögen vor den Leuten thun,

darnach ſie doch eine unmäßige Begier treibt, und meine, was den Pärlein vor der weggezogen Leinwand ſo hart ankommt, würd ihnen hinter derſelben abgangen ſeyn wie der Katz das Mauſen. Worüber S. Churf. Gn. lacheten und durch ſolche Fröhlichkeit wieder verſöhnet wurden, wie Sie denn leicht beweglichen Herzeus ſind, und ſagten: Da ſollt Ihr Recht haben, mein werther Hauswirth; wiewol ich meine, ich und Ihr hätten zu unſern Zeiten luſtiger zugriffen, ſo uns ſolchs wäre geboten; weiß auch nicht, was wir heut noch thäten, unſern Jahren zu trutz, und ſollt mich gar nicht reuen, könnt ich an eins der Junker Stelle treten. Mags aber wol leiden, ſo junge Leut gegen einander etlichermaßen blöde und nicht ſo unverſchamt und frei ſind, dann ſich damit ein lauterer Wandel anzeigen thut.

Wolan nun, mein Ritter, bringt uns die beiden Pärlein, daß wir ſie

ordentlicher Maßen verloben! Worauf die jungen Leute ſchier bebende zu S. Churf. Gn. führete, als welche einem Jeden von ihnen ein gülden⸗Ringlein an die Finger ſtecketen und dabei ſprachen: Alſo ſollt Ihr wiſſen: beringt, bedingt! und könnt nun nicht mehr von einander, ſo Ihr ehrbare Junggeſellen und Jungfrauen ſeyd. So ſollt Ihr auch wiſſen, ſintemal Medicus und Feldſcheer ſprechen,

daß wir vor heiligem Dreikönigsfeſt doch nicht würden heimreiten

können, auch der Jungfräulein Ausſtattung, als der Vater ſagt, all⸗ bereit zugerichtet in Schreinen und Läden lieget, als ſoll die Hochzeit Beider ausgerichtet werden auf den Tag vor dem erſten Sonntag nach Epiphanien, ſo in der Kirchen geprediget wird von der Hochzeit zu Kana, und wollen wir bis über ſolchen Tag hinaus hier ver⸗