Jahrgang 
1865
Seite
451
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verfolgt ein halbausgewachſenes Zicklein, das ſich in die Legföhren flüchtet. Der Knabe raſch entſchloſſen wirft ſich mit hochgeſchwunge⸗ nem eiſenbeſchlagenem Bergſtecken raſch ins Gebüſch, in welchem ſich der Raubvogel völlig verſtrickt hat, ſo daß er augenblicklich von der Gewalt ſeiner Flügel keinen Gebrauch machen kann. Hier hämmerte ſodann der Geißer mit ſolchem Nachdruck auf den königlichen Vogel los, bis er ſeinen Schlägen endlich erlag.

Nicht weniger Muth und Kühnheit entwickeln unſere Geiß⸗ buben, wenn irgend die eine oder die andere Ziege ſichverſtiegen oderverjuckt hat. Wo nämlich nur irgend eine grüne Stelle auf ſchmalem Felſenvorſprung lockt, da ſpringen die verwegenen Thiere von Abſatz zu Abſatz keck hinab, bis ſie nicht mehr weiter aber auch nicht mehr rückwärts können. Das ſoverſtellte oder verjuckte Thier zu löſen, iſt nun des Geißbuben lebensgefähr⸗ liche Aufgabe. Dazu ſucht er in der nächſten Alpenhütte, wo er ohnehin wie zu Hauſe iſt, bereitwillige Hilfe. Der Senn bindet ihm ein feſtes Seil um den Leib und läßt ihn über den Felſen hinunter. Hat endlich der Geißbub das Thier wirklich erreicht, ſo kommt nun erſt das Lebensgefährliche des Unternehmens. Auf ſchmaler Felſen⸗ kante muß er die Geiß ergreifen, an ſich ziehen und über dem ſchaurigen Abgrund ſchwebend, auf die Schultern laden, und ſo ſich mit ihr heraufziehen laſſen.

Und bei allen den Gefahren, Mühſalen und dem erbärmlichen Lohne noch die Entbehrungen der kümmerlichſten Lebensweiſe! Ein Stücklein ſteinhartes Brot und Käſe, mitunter ein Paar Aepfel, die in der Kapuze ſeines Hirthemds ſtecken, ſind die Gerichte ſeiner Mittagsmahlzeit. Hat er Durſt, ſo zieht er die erſte beſte Ziege her⸗ bei, legt ſich unter ihr Euter, und melkt ſie in den offenen Mund hin⸗

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ein, daß es ſchäumt. Sehr früh am Morgen zieht er, ob's regnet oder ſchneit, im Sommer jeden Tag ins Gebirg hinauf, und während er hier ſeine Geißen nach Belieben laufen läßt, verträumt er irgend an einem bequemen Plätzchen auf dem Bauche liegend, im ſüßen Nichtsthun den Tag. Rückt der Mittag heran und erhitzt mit ſeiner ſengenden Glut die Felſenwände, dann ſucht der Geißbub mit ſeiner Herde unter einer wohlbekannten Wettertanne Schatten und Kühlung. Gegen hereinbrechende Hochgewitter flüchtet er ſich in Höhlen und Felſenſchluchten. Gegen Schnee und Regen ſchützt ihn blos ein alter Sack, den er über die Schultern wirft. Die Unbilden der Witterung vermögen nicht, ſeinen heiteren Sinn zu trüben. Abends, wenn die Sonne hinter die Berge ſich herunterſenkt, ruft ſein Horn und der helleDräntnerruf das muthwillige Volk der Ziegen mit vollen Eutern zur Sammlung, und jede hat ihren Namen, auf den ſie hört. Dann treibt er heim, den alten Filz gewöhnlich mit ſeltenen Alpenblumen geſchmückt, und ſo friſch und geſund wie er am Morgen ausgezogen. So gehts vomLanzig*) bis zum Spätherbſt fort. Oft verunglückt mitunter auch eine Ziege, die etwa durch einen fallenden Stein getroffen wurde. So fand ich einſt im Mudtethal am ſpäten Abend den Geißbub neben einer auf der Erde liegenden Ziege jammernd am Wege ſtehen. Ein fallender Stein hatte ihr das Schenkelbein gebrochen. Er wollte das hilfloſe Thier nicht verlaſſen und bat mich, vom nächſten Hauſe, das etwa eine Viertelſtunde entfernt war, ihm Hilfe zu ſchicken, was dann auch geſchah. Das iſt das Leben des Geißbuben in unſern Bergen.

*) Lanzig, ſchwyzeriſch Frühling.

Tin Tag in Bayerns erſter Realſchule.

Von K. Schneider.

Ein Schulepamen iſt an und für ſich ſchon nicht blos für einen Pädagogen von Profeſſion ein freundliches Bild, das den Geiſt zu beſchäftigen vermag, denn es liegt in demſelben ein gutes Stück Zukunft vor unſeren Augen halb enthüllt; wenn es nun vollends in einem alten Nürnberger Kloſterſaal abgehalten wird und das Täfelwerk, die kleinen Fenſter und der dunkle Oelanſtrich des Zimmers uns aus der nüchternen Gegenwart in die Lieblingszeit unſerer Poeten zurückverſetzen, ſo laſſen wir uns ſchon einen Augen⸗ blick aufhalten, um zuzuhören.

Es war eine Realſchule, genauer geſagt, ein Realinſtitut, das in der herbſtlichen Zeit des Jahres 1809 ſeine Prüfung ablegte. Der Vater der Anſtalt, ihr Schöpfer war kein Ge⸗ ringerer als Meiſter Schelling. Nach den großen Triumphen, die er als Jüngling ſchon in Jena gefeiert hatte, war ihm in München eine glänzende und einflußreiche Stellung geworden. In Gemeinſchaft mit Niethammer und Roth ging er von dort aus an eine Umgeſtaltung des geſammten höhern Unterrichtsweſens in Bayern. Da ſollten dennneben den Gymnaſien, wo die alte ſtreng philologiſche Zucht wieder eingeführt wird, zwei polytechniſche Schulen oder wie man ſie zu nennen gedenkt, Realinſtitute zu Nürnberg und Augsburg errichtet werden, beſtimmt zur Bildung ſolcher Köpfe, die für Natur und Kunſtideen treibendes Talent haben: für künftige Chemiker, Phyſiker, Naturforſcher überhaupt und Künſtler. Dadurch, daß dieſe Schulen dem freilich nothwendigen Gymnaſialpedantismus in gewiſſem Betracht entgegengeſetzt ſind, werden ſie ſchon von ſelbſt ein freieres, höheres Leben gewinnen. So inſtruirte Schelling ſelbſt. Demnach ſteht die damalige Realſchule Bayerns als ein Kind der Romantik vor uns; ein freierer, idealerer Zug noch ſollte durch dieſelbe gehen, als durch das Gymnaſium; ſie war als eine höhere Form des Unterrichtes gedacht und gewiß nicht für den unmittelbaren Dienſt des praktiſchen Lebens beſtimmt.*)

Den nächſten Beruf zur Pflege der Anſtalt hatte der Schulrath zu Nürnberg, den wir auf dem Bilde, wie es uns vorſchwebt, eben im

*) In Preußen waren esSchulen von überwiegend realiſtiſchem Charakter. Den Namen hatte zuerſt der Diakonus Semler in Halle gebraucht. Er gründete daſelbſt 1738 einevon K. preuß. Regierung des Herzogthums Magdeburg und von der Berlin. K. Soc. der Wiſſenſchaften

ernſten Geſpräch mit dem jungen Rector, einem Jünger Schellings, ſehen. Er ſchüttelt den Kopf zu dem, was ſich da vor ihm begeben hat. In den achtzig Jahren, mit denen er geſegnet worden iſt, hat Eber⸗ hard Paulus ſich nicht immer damit begnügt, das Haupt zu Schellings Worten und Thaten zu ſchütteln. Schärfer konnte kein Gegenſatz gefunden werden, wie zwiſchen dem Altmeiſter der Natur⸗ philoſophie und dem Vater des ſogenannten Rationalismus vulgaris, auf deſſen ſittenreinem Leben ein einziger Flecken liegt, ein Werk des Haſſes gegen Schelling, zu dem er ſich noch als Greis hat ver⸗ leiten laſſen. Damals ſtand ſein Groll gegen ihn, der ſich von der Zeit ihrer gemeinſamen Lehrthätigkeit in Jena herſchrieb, in ſeiner Blüthe. Der Erfinder und Apoſtel der natürlichen Wunder⸗ erklärung, durch den Krieg und andre Verhältniſſe aus ſeiner ge lehrten Thätigkeit herausgeriſſen, nicht blos zum Dienſt der Akten verurtheilt, ſondern auch noch genöthigt, einer Verwaltung zu dienen, deren Geiſt er bekämpfte, fühlte ſich in Nürnberg ſehr unglücklich und ſeine Untergebnen empfanden das. Dazu meinte nun der wunderliche Mann, es beſtehe in Deutſchland eine große mächtige Obſcurantenverſchwörung und er ſei berufen, ihr zu begegnen. Es kann nichts Nüchterneres erſonnen werden als ſeine Vorträge waren aber man darf auch nicht unbillig ſein. Paulus war der Sohn eines Geiſtlichen, den ſein Myſticismus um ſein Amt, deſſen düſtres Weſen den reichbegabten Sohn um ſeine Jugend gebracht hatte. Es war ihm ein Blick in die tiefen ſittlichen Gefahren religiöſer Ueberſpanntheit, durch die er ſelbſt als Knabe und Jüng⸗ ling gegangen war, aufgethan worden, vor dem er entſetzt ins andre Syſtem umſprang. Jetzt hatte die üppige Friſche des jungen Rectors für ihn etwas Herausforderndes und er würde wohl auf Tod und Leben mit dieſem begeiſterten Anhänger ſeines Gegners gekämpft haben, wenn er lange genug in Nürnberg ge⸗ blieben wäre.

Ein hochgewachsner ſchöner Mann, aus deſſen Auge mehr der Dichter, als der Gelehrte redet, dabei mild und offen in ſeinem ganzen Weſen, ein geborner Lehrer, wenn je einer geboren worden iſt, ſteht

approbirte mathematiſche, mechaniſche und ökonomiſche Realſchule. Dieſelbe hatte nur kurzen Beſtand. In Berlin ſtiftete Joh. Zul. Hecker 1747 die erſte Realſchule.(Wieſe, das höhere Schulweſen in Preußen.)