Jahrgang 
1865
Seite
444
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muthigen Vertheidiger des Taubenſchlages ihre Stellung noch immer feſt, und hinderten durch ihr Gewehrfeuer die Kaiſerlichen an der Beſitznahme des Hofes. Prinz Eugen, der nicht zweifelte, daß ein Corps von tauſend Mann wohl ein Gehöft erobern werde, erhielt die Meldung von der Wegnahme des Hauſes bis auf die oben bezeichneten Punkte. Der Prinz von Würtemberg, erſtaunt über die Tapferkeit der Franzoſen, ließ ihnen ehrenvolle Bedingungen anbieten, welche ſie mit einem neuen Gewehrfeuer erwiederten, darüber ver⸗ ſtrich die Zeit, und Vendome von dem Vorgange unterichtet konnte friſche Truppen heranziehen; in Folge deſſen mußte der Prinz von Würtemberg das Unternehmen aufgeben und ſich mit einem Verluſte von 500 Todten und Verwundeten zu⸗ rückziehen. Vendome fand von der Beſatzung, die über 200 Todte hatte, nur noch 14 Mann vor. Sieben davon ſteckten in dem Taubenſchlage, den ſie, bis der Succurs herankam, heldenmüthig vertheidigt hatten. Er belohnte die Tapfern reichlich. Prinz Eugen gab die Stellung, die zu unſicher ward, auf und marſchirte, indem er ein Scheinmanöver machte, in der Nacht durch den Engpaß bei Osſetto. V.

Ein Urtheil über Gebrauch und Nutzen des Thees aus dem 17. Jahrhundert.

Baldäus, ein berühmter und ſehr verdienter holländiſcher Miſſionar auf der Inſel Ceylon, erzählt in ſeinerBeſchreibung der Küſten Malabar und Coromandel 1672 uns auch, was die damaligen Niederländer in Oſt⸗ indien über Gebrauch und Nutzen des Thees urtheilten. Wir geben den Be⸗ richt ganz wörtlich, aber etwas gekürzt:

Die beſte Thee kommt aus China. Sie wird aber nunmehr auch durch gantz Indien gebraucht und ſelbſt in unſerm Vaterland iſt ſie allbereit ſehr gemein worden. Gewiß iſt es, daß die Thee viel Kräfte und Tugenden an ſich hat, ſie vertreibet zumahl Schläfrigkeit und Faulheit, macht nüchtern und frölich, vertreibet und verhindert die Trunckenheit, entlediget das Haupt und Gehirn von ſchweeren, ungeſunden Dünſten, die dem Verſtand zu ſeinen Verrichtungen hinderlich ſind. Sie iſt daher ſehr gut für diejenigen, welche mit dem Kopf arbeiten müſſen und kan ſelbſt auch den Nachtſchlaf aus den Augen halten. Der Geſchmack von der Thee iſt etwas bitter und nicht ſehr angenehm, als man zum erſtenmahl davon trinckt, doch man gewohnet leicht⸗ lich daran, ſo daß man auch hernach nicht wol davon kan laſſen. Der Türkiſchen Cauwa(Kaffee) und der Chocolate aus Hispanien und Mexico will man gleichfalls die Kraft der Thee zuſchreiben: allein die Erfahrung lehret uns, daß die Cauwa die Galle zu ſehr eutzündet, die Chocolate zu viel nähret und in heißen zeiten das Geblüt anſtecket, da die Thee einer viel gemäßigtern Natur und Eigenſchaft iſt.

Es iſt unter unſern Leuten und ſonderlich dem Frauenvolk ein großer Mißbrauch der Thee, nicht allein weil ſie zu viel getruncken wird, ſondern dies iſt zumahl auch eine üble Gewohnheit, dieſelbe alſofort auf einen vollen Magen zu gebrauchen. Es iſt auch eine große Tohrheit, daß man bey der Thee Zuckerkandi gebraucht: dann ſolches zu nichts anders dienet, als die Galle zu erwecken.

Man ſchreibet der Thee eine Kraft zu, die überflüßigen Feuchtigkeiten wegzunehmen: allein ſo ſie übermäßig gebraucht wird, vertrucknet ſie auch zu ſehr, und macht frühzeitig alte Männer und Weiber. Die Thee, als ſie noch friſch und ſich erſt geöffnet, hat ſolche Kraft(wie ich ſelbſt in India befunden habe), daß, wann man 4 oder 5 Becherlein davon getruncken, ſich alle Glied⸗ maßen regen und das Haupt leicht wird. Weiters vertreibet die Thee das Hauptweh und Schweermühtigkeit; ſie muß fleißig und wol verwahret werden in Flaſchen von Zin oder Bley lieber dann in Glas; man muß ſie bey keiner Leinwand oder Büchern ſetzen, auch nicht an eine feuchte Maur, es iſt beſſer, daß ſie von Männern als Frauenperſonen handtiret werde. Die Thee mit ihrem Gebrauch und Mißbrauch iſt nicht allein in China und Japan geblieben, ſondern auch zu uns übergeflogen und wird darin viel vertahn. Mauchmal bezahlet man in Holland fürs Pfund bis 24 Gulden, doch dann iſt ſie auch von der beſten.

Die gute und beſte Thee hat ſchier einen Geruch wie friſch Heu, alzeit wol ſo lieblich. Wofern ſie zwey⸗ oder dreymahl warm Waſſer kan vertragen und zimlich kräftig bleibet, iſt es ein unfehlbares Zeichen, daß es von der beſten Sorte iſt. Die Thee, nachdem ſie im Waſſer gebraucht iſt, wird von unſerm Volk zu Schiffe, mit Eſſig, Baumöhl und Pfeffer zugerichtet, alſo für Salat gegeſſen und iſt nicht unbillig von Geſchmack. Dis ſei dann genug von der Thee und ihrem Gebrauch und Misbrauch. W. G.

Die Literatur auf dem franzöſiſchen Throne.

DasLeben Caeſars, Napoleons III neueſtes Werk, bildet überall das Tagesgeſpräch. Ein Literat auf dem Throne! aber keineswegs der erſte. Frankreichs Herrſcher ſind bereits mehrmals ſeine Vorgänger geweſen, frei⸗ lich meiſt mit geringem Erfolge. Schon im Jahre 1651 erſchien eine Ueber⸗ ſetzung des erſten Buches der Commentare Caeſars u. d. T.:Guerre des Suisses, traduite du premier livre des Commentaires de Jules César, par Louis XIV, Dieu-Donné, roi de France et de Navarre. Aber Louis XIV war auch nicht der erſte franzöſiſche Monarch, der ſich an Julius Caeſar gewagt hatte. Ihm war Heinrich IV vorausgegangen, der das ganze Werk überſetzte. Wird es dem jetzigen Beherrſcher der Franzoſen vergönnt ſein, das begonnene Werk zu vollenden?

Als Frankreich noch ein deutſches Reich, ein Reich der Franken war, verſuchten ſich ſeine Fürſten bereits mit der Feder. Das erſte königliche literariſche Werk war freilich kein ſehr ruhmvolles. König Chilperich war

es, der eine ſehr ſchwache Abhandlung über die Dreieinigkeit ſchrieb und ſich mit noch geringerem Erfolge in dichteriſchen und philologiſchen Darſtellungen verſuchte. Unſer Karl der Große, der in manchen franzöſiſchen Ge⸗ ſchichtswerken fälſchlich als Franzoſenkönig angeführt wird, ſammelte unſere alten Heldenlieder und begann eine deutſche Grammatik zu entwerfen. Robert II war nicht nur ein Gelehrter, ſondern auch ein Muſiker, er dichtete mehrere lateiniſche Hymnen, welche noch jetzt in der katholiſchen Kirche geſungen werden, und componirte die Melodien dazu. Es wird er⸗ zählt, daß ſeine Gemahlin Conſtantia ihn eines Tages im Scherze bat, doch auch etwas zu ihrem Andenken zu dichten. Er entwarf darauf die Hymne: Oconstantia martyrum(OBeſtändigkeit der Märtyrer), was die Königin, die nicht lateiniſch verſtand, für ein ihr zu Ehren geſchriebenes Gedicht hielt. Der durch ſeinen Aberglauben, wie durch ſeinen Geiz übelberüchtigte Louis XI ſoll zu den wenig erbaulichen Cent Nouvelles nouvelles einige beigetragen haben. Der galante Franz J. war ein Dichter. Ein ganzer Band von ſeinen Poeſien befindet ſich handſchriftlich in der kaiſerlichen Bibliothek zu Paris. Auch Louis XIII ſchrieb Sonnette und componirte die Muſik dazu. In dem Geſchmacke der Zeit beſang er Madame de Hautefort als Amaryllis:

Tu crois, o beau soleil!

Qu'à ton éclat rien n'est pareil;

Mais quoi! tu palis

Auprés d' Amaryllis! Sonſt war Louis XIII freilich mehr Gärtner, Paſtetenbäcker und Land⸗ wirth als Schriftſteller. Louis XIV ſchrieb, außer der vorhin erwähnten Ueberſetzung, noch ein Buch:Mémoires historiques, politiques et mili- taires, aber viel Werth hatte auch das nicht, da ſeine Erziehung von ſeiner Mutter und Mazarin ſo vernachläſſigt worden war, daß wie ſein Kam⸗ merdiener, La Porte, erzählt ihm nicht einmal die Geſchichte Frankreichs vorgeleſen werden durfte.

Louis XV ſchrieb eine kleine Abhandlung über den Lauf der euro⸗ päiſchen Flüſſe und druckte dieſelbe höchſt eigenhändig. Sie beſtand aus 62 Seiten und enthielt durchaus nur allgemein bekannte Dinge. Im Jahre 1766 erſchien eine Beſchreibung des Waldes in Compiègne von Louis, nach⸗ her Louis XVI, verfaßt von dem unglücklichen Fürſten im Alter von zwölf Jahren. Louis XVIII beſchrieb eine Reiſe von Paris nach Coblenz, die im Jahre 1823 veröffentlicht wurde eine an Ungenauigkeiten und Irrthümern überreiche Schrift. Bekannt iſt es, daß Napoleonl viel geſchrieben hat. Seine Werke ſind zuerſt unter dem Titel: Oeuvres de Napoléon Bonaparte 182122 erſchienen. R. K.

Für das deutſche Rettungsweſen zur See gingen bis heute den 8. April ferner ein:

Max Stern in Mannheim Thlr. 3. Hauptmann Lange in Berlin, durch Buchhändler Matthies Thlr. 1. v. Baumbach zu Sontra Thlr. 3. Ein Kaufmann im Hohenlohenſchen Thlr. 1. J. Thiele in Sonnenburg Thlr. 2. Aus Coswig,von einem Mädchen, welches gern mehr geben möchte Thlr. 2. Zwei Leſerinnen des Daheim in Augsburg Thlr. 1. 24. Gr. Domprediger Lange in Halberſtadt Thlr. 2. Conducteur Gerlach in Hal berſtadt Thlr. 2. Pf. Feller in Petkus Thlr. 1. v. d. G. in Coblenz Thlr. 1. P. Trinius in Voigtſtedt Thlr. 2. Deichhauptmann von Haugwitz in Bres⸗ lau Thlr. 5. Pf. Backs in Keuſchberg Thlr. 1. G. B. in Laage Thlr. 2. Frau von Hymmen in Endenich Thlr. 5. Notar Schüller in Bonn Thlr. 1. Geh. Räthin von Rappard in Bonn Thlr. 1. Profeſſorin Bleek in Bonn Thlr. 1. Frl. von Kreyfelt in Bonn Thlr. 1. Durch einen Abonnenten des Daheim in Stavenhagen geſammelt Thlr. 20. 10 Gr. H. in L. 1 öſter. Silbergulden. Frau Mumm in Bonn Thlr. 10. S. G. in Ronneburg Thlr. 1. Pf. Schultze in Wuſterhauſen Thlr. 1. Pf. Berger in Peetzen bei Bückeburg Thlr. 1. Aug. Thurneyſen in Paris, durch die Franckſche Buchhandlung Frcs. 50. Dr. Körner in Frankenberg Thlr. 1. W. C. Poſtz. Ichtershauſen Thlr. 1. Th. Pixis in München Thlr. 5. Ertrag einer Sammlung in der Privat⸗Unterrichts⸗Anſtalt von Frl. P. von Gayette in Hirſchberg Thlr. 9. Pf. O. K. in B. Thlr. 1. Juſtizrath Bachmann in Bielefeld Thlr. 1. Dr. Seinecke in Hannover Thr. 1. Pf. Volkening in Jöllenbeck Thlr. 2. Fanny Wilkens in Saarbrücken Thlr. 6. K.& S. in Gakoſe Thlr. 2. Pf. Korſch in Mohrungen Thlr. 1. 5 Gr. Sp's in Remagen 20 Gr. Die Pfarrer von Velſen 1& II in Unna Thlr. 5. Unge⸗ nannt aus Ruethen Thlr. 1. 15 Gr Hedwig Gräfin Stoſch zu Hartau Thlr. 1. 10 Gr. Von einem Daheimleſer am Mittelrhein das Dombau⸗ loos Nr. 117,720 mit dem Wunſch vieler Nachfolge und daß Gottdie Hand der Cölner Waiſenknaben lenken möge zur Ziehung eines hohen Gewinns für die deutſche Rettungs⸗ ſache. Amtsräthin Morgenſtern in Eisleben Thlr. 3. Chauſſeeaufſeher Flamme in Halle Thlr. 1. Aus Brandenburg Thlr. 2. Aus Heeſſen Thlr. 5. Pf. Axenfeld in Cöln Thlr. 1. A. von Reder zu Cammin Thlr. 2. 15 Gr. Ger.⸗Rath Kisker in Cleve Thlr. 5. Pf. Frühbuſſ in Prittag Thlr. 1. Diaconus Dr. Raathmann in Heiligenſtadt Thlr. 1. O. Siebke in Kettwig Thlr. 5. Abonnent in Chemnitz Thlr. 2. In Langen⸗ berg geſammelt von Guſtav Hermann Thlr. 104. 24 Gr. M. Bredt in Leipzig Thlr. 3. Ewald in Leipzig Thlr. 2. Betrag unſrer vorigen

Quittung Thlr. 561. 17 Gr. Summa Thlr. 825.

Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des Daheim in Leipzig, Po

ſtſtr. Nr. 2.

Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. Verlag der Daheim-Expedition von Velhagen Klaſing in Bielefeld und Berlin. Druck von Liſcher a Wittig in Leipzig.