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ten wir viel darüber. Auch hießen mich S. Churf. Gn. an Ihrem Tiſche niederſitzen, allwo Papier, Tinte und Federn, und da Sie denn in der Poeterey und Meiſterſang wohl erfahren, dictirten Sie mir etliche artige Reimen in die Feder, welche ſollt der Narr lernen
und in ſeinem Kopfe behalten, daß er ſie zur rechten Zeit aufſagete,
und habe ich das Blättlein darnächſt aufbewahret. Denn S. Churf. Gn. wohl wußten, daß ich von jungen Jahren her in studiis nicht gänzlich unerfahren, auch eine wackere Handſchrift übete, ſo ihm das Junker Hans von Rüthe gerühmet.
(Schluß folgt.)
Häusliche Kunſtarbeiten.
Von A. v. Zahn.
Man hat irgend einmal die Frage:„Was iſt ein Dilettant?“ dahin beantwortet:„der die Kunſt zum eignen Vergnügen und zu anderer Qual betreibt;“— und wenn an jedem paradoxen Wort ein Körnchen Wahrheit iſt, ſo wollen wir auch dieſem harten Ausſpruch zugeſtehen, daß er in fünf von zehn Fällen Recht hat,
dowiecki, der cum grano salis der Ludwig Richter des achtzehnten
Jahrhunderts heißen darf, aber— man werfe nur einen prüfenden Blick gerade in die von ihm geſchilderten Lebensumgebungen, in die Wohnungen ſeiner ſchlanken und zierlich coſtümirten Geſtalten— ſie ſind wüſte und leer von allem, was Form heißt,
und dieſe Form
wenn es ſich um den Dilettantis⸗ mus unſrer Ge⸗
war verloren mit der letzten Tra⸗
genwart in der bildenden Kunſt
dition des Roco⸗ co. Von da an
handelt. Glück⸗ licherweiſe ſind Stiftund Farben ſtumm und ein friedliches Dun⸗ kel verbirgt in verſtaubten Rol⸗ len und Mappen die zahlloſen Sünden, welche unſre jugend⸗ lichen Kunſtjün⸗
geſtaltete ſich die Kunſt auf eigne Hand. In kleinen Kreiſen vollzieht ſich und wird ihrem Weſen nach verſtanden die wunderbare Regeneration der römiſch⸗deutſchen Schule, die archi⸗ tektoniſchen Be⸗
ger und Kunſt⸗ jüngerinnen in den Jahren be⸗
ſtrebungen im
gehen, auf deren Programm der
wöchentlich zwei⸗
ſtündige Zeich⸗
nenunterricht als
Beſtandtheil der höheren Bildung ſteht. Auch haben die Früchte des Fleißes gewöhnlich den einen Zweck, bei Eltern, Onkeln und Tanten zu gefallen, reichlich erfüllt, und ſie thun eben niemand etwas zu Leide als— einem für Kunſt empfänglichen Auge, das ihnen ungerufen begegnet. Dem iſt es freilich betrübend, wenn immer und immer wieder in den Prüfungsausſtellungen der Schulen ſich die Wahr⸗ nehmung aufdrängt, wie unter dem Titel„Kunſt“ eine Beſchäftigung getrieben wird, welcher keine Muſe ihren ernſt- weihevollen Blick ge⸗ gönnt, und wie die praktiſchen Früchte ſolches Dilettantenthums gerade das entbehren, was in ihnen hätte reifen ſollen, den Sinn für das Schöne.
Dieſen trüben Wahrnehmungen gegenüber wollen wir nicht ver⸗ geſſen, daß der große Entwicklungsgang der neueren deutſchen Kunſt einen vielſeitigen Zug nach dem Genuß des Bildlichſchönen im Volke hervorgerufen hat,— und den im Dunkeln tappenden Dilettantismus begrüßen wir in dieſem Sinne als ein immerhin günſtiges Zeichen wachſenden Intereſſes. Nur ein Jahrhundert rückwärts blickend, welchen Contraſt müſſen wir conſtatiren! Als Gellert unſere Urgroßeltern überzeugt hatte, daß man„früh lernen ſoll, das Nützliche dem Schönen vorzuziehen“— damals ward auch der bildenden Kunſt im Volke gründlich der Garaus gemacht. Man lebte noch unter dem unſchätzbaren Vortheil eines einheitlichen Bau⸗ ſtils, der allem Kunſtgewerbe ſein zwar monotones aber doch künſt⸗ leriſches Gepräge ließ, die Maler verſtanden noch ſämmtlich zu malen (was ſie heutzutage zum größeren Theil nicht können), es gab auch einen trefflichen Meiſter der volksthümlichen Kunſt, Daniel Cho⸗
gleichen Sünden mehr vorkämen;— es ließe ſich genug erzählen, aber
antiken wie im
romantiſchen Stile— aber es waren große 5 Thaten auser⸗ Schmuckkaſtendeckel. wählter Geiſter, nicht Thaten
eines Volkes. Wohl verbindet die Erhebung des Nationalgefühls ſich mit den Erſcheinungen der bildenden Kunſt, aber ein neuer Stil konnte nicht daraus entſtehen. In den dreißiger Jahren beginnt mit dem Aufblühen der Düſſeldorfer Schule die einſeitige Popularität der Malerei und der vervielfältigenden Künſte. Tauſende von Oelbildern, hunderttauſende von Kunſtblättern wandern vermittelſt der Kunſt⸗ vereinsverlooſungen in die Häuſer des Bürgers. Man wird Kunſt⸗ freund für einige Thaler jährlich und gewinnt abwechſelnd Madonnen, Landſchaften und„Großvaters Geburtstag“ ꝛc., dabei aber erhebt ſich was wir„Geſchmack“ nennen, nicht über die niedrigſte Stufe. Häuſer, Möbel, Tapeten, weibliche Arbeiten— alles in formloſer Mannigfaltigkeit, ſtilwidrig und häßlich. Der„Heirathsantrag auf Helgoland“ in Canevas geſtickt iſt das richtige Emblem und Banner gewiſſer Erſcheinungen im„Kunſtſinne der Kunſtvereine“. In⸗ zwiſchen bereitete ſich daneben mancher Umſchwung zu geſünderen Zuſtänden.
Von dem glücklichen Einfluß der großen monumentalen Kunſt⸗ unternehmungen zu ſchweigen, erlebte der Kunſtſinn des Volkes eine weſentliche Förderung durch die immer ſteigende Achtung vor dem Guten der Vergangenheit. Hierin ſind wir denn in der That„beſſre Menſchen“ als unſre Vorfahren. Was hat zuerſt die Renaiſſance und die Zopfzeit von mittelalterlichen Denkmalen, dann der Neu⸗ Claſſicismus von allem Vorhandenen ruinirt und verfallen laſſen, und was hat namentlich der moderne Staat durch ſeine antikünſt⸗ leriſche Bureaukratie hierin verbrochen! Nicht als ob etwa keine der⸗


