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Sine Srinnerung an Oeverſee. (Mit Abbildung.)
Eine kleine Viſitenkarte mit einem Empfehlungsgruß, die ich lieben Freunden verdankte, war das Material, welches mich bald nach meiner Ankunft im Hauptquartier Hadersleben zu einem Beſuche bei dem berühmten k. k. Generalmajor von Noſtitz, der mit ſeiner Brigade die ſchönſten Lorbeeren dieſes Feldzuges gepflückt hatte, ermuthigte. Die Aufnahme, die mir von dieſem Herrn wurde, wird mir ſtets unvergeßlich bleiben. Sofort ſtand mir alles zu Gebot; zur künſtleriſchen Benutzung wurden Mannſchaften und Pferde, Ge⸗ ſchütze und Rüſtwagen bei jeglichem Wetter vorgeführt und treu an meiner Seite war immer mein Freund, der Hauptmann v. A., Stabschef der Brigade Noſtitz, gleichviel ob im ſchmelzenden Schnee oder im fegenden eiſigen Oſtwind. Der liebevollen Aufnahme bei dem Regiment Belgier, wo mich Hauptmann v. S., der bei Oever⸗ ſee die 1. Diviſion des Regiments geführt und nur durch ein Wun⸗ der mit heiler Haut davon gekommen war, in einem von Kugeln durchlöcherten Leibrock empfing, erwähne ich nur mit wenigen Wor⸗ ten, obgleich ich dort in kurzen Augenblicken reiches Material für lange Jahre geſammelt habe.
Aber zu den ſtattlichen ungariſchen Huſaren zog's mich unwider⸗ ſtehlich hin. Freund v. A. ließ ſatteln und wir ritten hinaus zu den Lichtenſteinern, wo wir die Grafen A. und L., Rittmeiſter in dieſem Muſterregiment, trafen. Der erſte, der mir als Gegen⸗ ſtand einer Studie vorgeſtellt wurde, war ein ſo charakteriſtiſches Huſarenexemplar, ſein rüſtiger Schimmel ein ſo treffender Typus, daß ich ſofort beſchloß, ihn ins Skizzenbuch einzureihen. Das Arbeiten im Freien mitten im Februarſchnee hatte allerdings ſeine Beſchwerden, indeſſen fand ich bei dem intereſſanten Stoff die Zeit um ſo mehr kurz, als die Offiziere, welche mich ab und zu mit theilnehmendem Intereſſe umſtanden, mich aufs angenehmſte unter⸗ hielten.
Als ich den Abend bei Frau Peterſen wie gewöhnlich unter den Offizieren des Hauptquartiers und der Brigade Noſtitz ſaß und das Album die Runde machte— was ſtellenweiſe bei einer hervorragen⸗ den Aehnlichkeit dieſes oder jenes im Laufe des Tages croquirten Kriegskameraden die Bemerkung:„Ganz dos Gfrieß“ unter ſchallen⸗ dem Beifallsgelächter hervorrief— trat der junge Fürſt L. an mich heran und bat mich, wenn es mich nicht ſtörte, ihn doch hinaufbe⸗ gleiten zu wollen, der Prinz Arenberg wünſche mein Album zu ſehn. Oben angelangt und den Herren, meiſtens vom Regiment Win⸗ diſchgrätz⸗Dragoner vorgeſtellt, bemerkte ich ſofort, daß bei weitem das Hauptintereſſe des Prinzen ſich auf den heute aquarellirten Hu⸗ ſaren und auf ſeinen alten Schimmel richtete.„Ganz der Freund Lippert!“ rief er aus. Der Huſar hieß allerdings Emmerich Lippert, was aber der„Freund“ damit zu thun hatte, war mir unverſtändlich. Ich erfuhr es ſofort.
Prinz Louis von Arenberg, Rittmeiſter im Regiment Windiſch⸗ grätz⸗Dragoner, einem der älteſten und berühmteſten der ganzen öſterreichiſchen Armee war für den Feldzug dem Hauptquartier des Feldmarſchalls v. Wrangel attachirt; auf dem Vormarſch von Schleswig nach Oeverſee war er bei der Brigade Noſtitz, als die Kavallerie der Brigade, 2—3 Schwadronen des Regiments Fürſt
Lichtenſtein Huſaren No. 9, zum erſten Anprall auf die däniſche Stel⸗ lung am Jankelmarker See hinter dem Kirchdorfe Oeverſee vor⸗ galoppirte.
Der ritterliche Prinz, nebenbei bemerkt, durch und durch ein perfekter Sportsman, vor Eifer glühend, endlich einmal Dänen an die Klinge zu bekommen, ſtellte ſich an die Spitze der Attacke. Bis auf ſiebzig Schritt ungefähr jagte dieſe auserleſene Reiterei an einen Knick links der Chauſſee heran; eine wohlgezielte Salve von einigen, dicht Mann an Mann hinter dieſem Knick gedrängten däniſchen Compagnien begrüßte ſie. Aber der Zweck des Angriffs war er⸗ reicht, man wußte, daß hier die däniſche Poſition war und daß ſie gehalten werden ſollte, wahrſcheinlich um der in Eile retirirenden Armee etwas Vorſprung zu geſtatten.
Ueber 20 Mann und Pferde lagen vor dem Knick, unter den Vorderſten der Prinz. Sein vorzügliches Rennpferd war von einer däniſchen Kugel gefallen. Als Lippert das ſah, ſprang er von ſeinem Schimmel herunter, bot ihn dem Prinzen an und half ihm aufſitzen. Ein Händedruck und der Prinz jagt zu der Truppe, während Lippert das Gewehr eines gefallenen Infanteriſten ergriff, mit den Neuner⸗Jägern vorging und tüchtig mit der Kolbe unter den Dänen aufräumte.
Der brave Soldat erhielt für ſeine aufopfernde That die Tapferkeitsmedaille und der Prinz von Arenberg ſetzte ihm eine Leib⸗ rente aus, die ihm eine ſorgenloſe Zukunft gewährt. Dem Prinzen verehrte der Feldmarſchall Wrangel als Erſatz für ſein gefallenes Pferd einen edlen Schimmelhengſt. Das Schönſte iſt aber das Freundſchaftsband, welches den Rittmeiſter und Prinzen mit dem Huſaren ſeitdem verband. Lippert fand während des ganzen Feld⸗ zuges offenes Haus bei dem Prinzen; er frühſtückte bei ſeinem Freunde, beſuchte ihn, wenn er aus den Kriegsquartieren beurlaubt werden konnte, und es war für jedes Soldatenherz ein erhebendes Gefühl, die beiden ganz zutraulich mit einander ſprechend einhergehen zu ſehen.
Für ſeinen Prinzen geht aber auch Lippert durchs Feuer, und ſchon die Art, wie er mir Modell ſtand, als er ſich dachte:„Das läßt ſich mein Prinz zum Andenken an mich malen“, konnte mir dies beweiſen. Zwei bis drei Stunden zu Pferde ſitzend in der ſchärfſten Oſtluft im fußtiefen, halbgeſchmolzenen Schnee hielt er unausge⸗ ſetzt ſein muthiges, ungariſches Auge auf mich gerichtet, verwandte keine Miene, kein Glied—„Ruhen Sie doch aus!“—„Nix nöthig,“ erwiederte er; das Pferd fing an vor Kälte am ganzen Leibe zu zittern(was ich auch bis dahin noch nicht an ſeines Gleichen bemerkt hatte), wollte den warmen Stall aufſuchen, des Hu⸗ ſaren eiſerne Schenkel klemmten es aber wie in einem Schraub⸗ ſtock feſt und ſchnaufend gab es gezwungen dieſe Unabhängigkeits⸗ regungen wieder auf. Ich mußte ihm geſtehen, daß er ein ebenſo gutes Modell als ein wackrer Huſar ſei. 3
Dem Prinzen ſah ich ſpäter noch, als wir uns in den Trancheen vor Düppel wiedertrafen, am weißen Paletot ſehr deutliche und unwiderlegbare Spuren dieſer Epiſode von Oeverſee an.
E. H.
Alter und Arſprung des Menſchengeſchlechtes.
Von Friedrich Pfaff.
Was einer auch von der Bibel denken mag, als etwas höchſt als das letzte aller belebten Weſen.
Merkwürdiges wird er es doch anerkennen müſſen, daß in ihr ſo be⸗ ſtimmte Ausſagen über den Urſprung und das Alter des Menſchengeſchlechts zu einer Zeit niedergelegt wurden, wo eine Naturwiſſenſchaft noch gar nicht beſtand, ja Jahrtauſende früher, ehe dieſe auch nur daran denken konnte, ihrerſeits etwas zur Erforſchung dieſer Dinge beizutragen.
Die geſammte Menſchheitſtammt von einem ein⸗
zigen Paare und dieſes Paar erſchien auf der Erde
Dies iſt in Kürze die Ausſage der Geneſis. 4
Wie verhält es ſich nun mit den bis jetzt gewonnenen Re— ſultaten der Naturforſchung über denſelben Gegenſtand? So nahe verwandt mit einander auch die Frage nach der Abſtammung und die nach dem Alter des Menſchengeſchlechtes iſt, ſo wenig haben ſie doch beide gleichzeitig die Naturforſcher beſchäftigt; bis in die neueſte Zeit war es faſt ausſchließlich nur die nach der Abſtammung der Menſchen von einem Paare, welche der Gegenſtand ihrer Thätigkeit nach
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