Jahrgang 
1865
Seite
426
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eine der ſchwierigſten Fahrten ausführen zu ſollen, die der Alpen⸗ ſteiger kennt, war mir ein treibender Sporn. Friſchen Muthes wan⸗ derte ich vorwärts und erreichte Heiligenblut in zwei Stunden. Das kleine Wirthshaus war überfüllt von Touriſten aller Nationen und nur nach langem Hin⸗ und Herreden gelang es mir, von dem ganz außer Faſſung gebrachten Wirthe noch ein Unterkommen zu erlangen.

Heiligenblut iſt das höchſte Dorf in Deutſchland. Es beſteht aus ungefähr zwölf zerſtreuten Hütten nebſt einer ſchönen gothiſchen Kirche und den dazu gehörigen Pfarrhäuſern. Es liegt in dem wil⸗ den Thale der Möll, aus deſſen Hintergrunde ſich die rieſigen For⸗ men des Großglockners und des Rauriſer Tauern erheben.

Vor allem lag mir am Herzen, Erkundigungen über die Mög⸗ lichkeit oder Thunlichkeit einer Großglocknerbeſteigung einzuziehen, und da mir der Pfarrer als die geeignetſte Perſon zu dieſem Zweck empfohlen wurde, machte ich demſelben gegen Abend einen Beſuch. Ich traf ihn grade bei ſeinem Abendbrot, wozu er mich freundlich einlud. Sein Eſſen mundete mir jedoch beſſer, als ſeine Rathſchläge; er that alles Mögliche, um mich von der Fahrt abzuhalten, da die⸗ ſelbe mit unverhältnißmäßi⸗ gen Gefahren und großen Koſten verknüpft ſei. Er ſagte mir, daß von 121 Verſuchen, die während 17 Jahren ge⸗ macht worden ſeien, nur fünf! geglückt wären. Bald waren es heftige Stürme geweſen, bald Mangel an phyſiſcher und moraliſcher Kraft, die das Unternehmen ſcheitern machten. Als er jedoch ſah, daß mein Entſchluß felſenfeſt ſtand, hielt er ebenſowenig wie mit ſeinen Warnungen mit ſeinem guten Rath hinter dem Berge und ich habe mich gut dabei geſtanden.

In meine kleine Herberge zurückgekehrt, fand ich in der allgemeinen Speiſe⸗ und Rauchſtube eine ungariſche Familie, die mich, als ich eintrat, freundlich grüßte. Zwei hübſche junge Mädchen ſchienen ſich ungemein über das Fremdenbuch zu amüſiren, und man merkte ihnen an, daß ſie nur mit Mühe ein lautes Lachen unterdrückten.

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Heiligenblut mit

Ich ſetzte mich in einiger Ent⸗ fernung von ihnen an einen Tiſch und bemerkte, wie ſie mich mit mitleidigen Augen anſchauten. Entweder mochte meine ſchon bekannt gewordene Abſicht, den Glockner zu beſteigen, oder auch mein in Folge der Unterredung etwas niedergeſchlagenes Ausſehen eine ſympathiſche Saite in dem Herzen einer der jungen Schönen angeſchlagen haben, denn kurz nachdem ſie ihrem Vater etwas zuge⸗ flüſtert hatte, ſtand letzterer auf und trat, ſich ſelbſt als Graf K. vor⸗ ſtellend, auf mich zu mit der freundlichen Einladung, das bereits auf⸗ getragene Abendbrot mit ihm zu theilen.

Ohne weitere Umſtände nahm ich die freundliche Einladung an. Das bereits erwähnte Fremdenbuch lag noch auf dem Tiſche, und zwar gerade zwiſchen den beiden Damen. Ich erbot mich, einiges daraus zu überſetzen und verſchaffte mir ſo die Gelegenheit, an dieſer angenehmen Stelle Platz nehmen zu dürfen.

Unter den vielen Namen fanden ſich auch die von Herrn und Frau Franz Joſeph, beſſer bekannt unter dem Titel Kaiſer und Kai⸗ ſerin von Oeſterreich, welche auf ihrer Hochzeitsreiſe einige Tage hier zugebracht hatten. Die Kaiſerin hatte ſich mit großer Naivetät zuvor

dem Großglocner.

erſt eine Linie punktirt, um grade zu ſchreiben, welches ſich andere junge Damen, beiläufig bemerkt, als probates Recept empfohlen ſein laſſen mögen.

Nach ein Paar gemüthlich verbrachten Stündchen wollte ich mich zur Ruhe begeben. Das kleine Eckchen, welches ich mit Mühe von dem Wirth zugeſtanden erhalten hatte, befand ſich in der Speiſe⸗ kammer des Wirthshauſes, wo ich in Geſellſchaft von Schinken und Würſten behaglich einſchlief.

Als ich andern Tags in der Frühe heraustrat, prangte mir ein herrlicher Morgen entgegen. Von Muth und Begeiſterung beſeelt, entſchloß ich mich, noch denſelben Tag die Beſteigung des Glock⸗ ners zu wagen. Ich ging ſogleich zur Wohnung meines geſtern ſchon auf Rath des freundlichen Pfarrherrn engagirten Hauptführers Lachner. Dieſer, nachdem er mir guten Morgen geboten hatte, that mir die Ehre an, mich ſeiner Tochter vorzuſtellen und zwar bewerk⸗ ſtelligte er dies in der That auf eine äußerſt primitive Weiſe, indem er dem Mäd⸗ chen ſeine ſchwere Hand mit einer ſolchen Wucht auf die Schultern ſchlug, daß es faſt in die Knie ſank, und mit kräftiger Stimme zu ihr ſagte:

Lug, der Herre da geht mit mir die Berg hinauf, gib e'mal a Kußerle. Gehorſam ſchien jedoch keine ihrer her⸗ vorragenden Tugenden zu ſein, denn ſchleunigſt ent⸗ wiſchte ſie durch eine Thüre, die durch unverkennbare Spu⸗ ren als Zugang zu einem Kuhſtall gekennzeichnet war.

Lachner gab mir eine Liſte von verſchiedenen Sachen, mit denen ich mich zu verſehen hatte, z. B. großen, mit ſpitzen Nägeln beſchlagenen Schu⸗ hen, einem grünen Schleier gegen das Blenden des Schnees und dergleichen. So⸗ dann muſterte er meine ganze Perſönlichkeit von oben bis unten, doch hiermit noch nicht zufrieden, befühlte er jetzt alle meine Glieder und Mus⸗ keln, um ihre Leiſtungsfähig⸗ keit zu prüfen. Er ſchien mit dem Reſultat der Unter⸗ ſuchung zufrieden, denn er nicktevergnügtmit dem Kopfe; aber meine Handſchuhe! Die wollten ihm gar nicht be⸗ hagen, denn er betrachtete ſie mit höchſt verdächtigen Augen. Da⸗ mit auch er ſeine Vorrichtungen treffen könnte, verließ ich ihn mit der Verabredung, daß wir uns um vier Uhr Nachmittags zum Abmarſche bei dem Wirthshauſe treffen wollten.

Meine Abſicht den Glockner zu beſteigen war mittlerweile im ganzen Dorfe bekannt geworden. Ueberall wo ich mich blicken ließ, kamen die Leute an die Thüren gelaufen und die Bemerkungen, die ich rechts und links hören mußte, waren eben nicht gerade die ſchmei chelhafteſten, weshalb man mir erlauben möge, die Veröffentlichung derſelben zu unterlaſſen.

Endlich ſchlug es vom Thurme vier Uhr. Als ich vor das Wirths⸗ haus trat, fand ich dort das halbe Dorf verſammelt, worunter auch der Pfarrer und meine drei Führer, Pichler, Lachner und Kramſer waren. Als es mir ſchien, daß ich der gaffenden Menge genug gethan hätte, machten wir uns nach einem allgemeinen Händeſchütteln auf den Weg. Aber der ganze Troß, worunter auch die ungariſche Familie, lief hinten nach. Am Ende des Dorfes wurde abermals ein Hände⸗ ſchütteln vorgenommen.

Nun mit meinen Führern allein gelaſſen, kam es mir erſt vor,

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