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und der treibenden Kraft des Windes und ſchneller und ſchneller durchſchneidet ſein ſcharfer Kiel die Fluten.
Da wimmelt es noch einmal in den Wanten von Blaujacken, da drängt ſich noch einmal Kopf an Kopf in der Takelage. Diesmal geſchieht es jedoch ohne Commando; es iſt eigener Impuls und drei donnernde Hurrahs, als letzter Abſchiedsgruß an die Heimat, hallen dem Lande zu, das ſich mit wachſender Schnelligkeit entfernt. Schon ſind die Züge der am Ufer Stehenden nicht mehr zu erkennen, das Wehen weißer Tücher bildet noch die einzige Brücke der Gedanken zwiſchen Schiff und Land, doch bald verſchwindet auch dies im Nebel.
Der Wind iſt günſtig; Felder, Dörfer, Auen fliegen mit Blitzesſchnelle vorüber und die Fregatte ſchießt durch die ſchmutzig⸗ gelblichen Wellen des Fluſſes, als zöge eine geheimnißvolle Macht ſie zu den cryſtallhellen Azurfluten des Oceans. Jetzt wird das äußerſte Feuerſchiff paſſirt. Als letzter verlorener Poſten des Lan⸗ des ſchwebt es einſam auf den Gewäſſern zur Geſellſchaft nur den Sturm und die Möven, die ſchreiend ſeine kahlen Maſten um⸗ kreiſen.
„Segler voraus!“ ruft der Ausguck auf der Vormarsraa und die Fernröhre richten ſich auf das gemeldete Schiff. Noch iſt es nur als ſchneeweißer Puukt am dunklen Horizonte zu unterſcheiden, denn die Sonne iſt endlich durchgebrochen und hat den Nebel verſcheucht, der im Weſten als blauer Streifen ſich lagert. das Fahrzeug ſchnell empor und wird an ſeiner Flagge als Lootſen⸗ kutter erkannt, der den Lootſen der Fregatte aufnehmen ſoll.
„Klar zum Braſſen!“ commandirt der erſte Offizier.„Vor⸗ und Kreuzraaen an den Wind, Ruder in Lee.“ Die Raaen fliegen längſchiffs, der„Seeſtern“ gehorcht wie der Blitz dem Ruder und ſein Kielwaſſer beſchreibt einen großen Bogen. Der jetzt mehr von vorn einkommende Wind beginnt durch das Takelwerk zu pfeifen und legt die Fregatte ſchief. Spritzwaſſer ſchlägt über den Bug und
Bald jedoch wächſt
das Tauwerk reckt ſich und knackt, als ob es ſeine Stärke probiren wollte. Der Gegendruck des backgelegten Großmars- und Bram⸗ ſegels bringt jedoch das Schiff bald zum Stillſtande. Es liegt bei⸗ gedreht am Winde und treibt langſam ſeitwärts ab. Das Boot des Lootſenkutters kommt auf die Seite, der Lootſe ſteht am Fallreep und nimmt die ihm zur Beſorgung anvertrauten Briefe entgegen. Jetzt ſpringt er in das Boot; mit dem Winken der Hand und„Glückliche Reiſe“ zerreißt das letzte Verbindungsglied mit dem Lande.— Die See iſt jetzt die neue Heimat; Waſſer und Himmel, ſo weit das Auge reicht. Noch mancher ſieht dem ſcheidenden Boote nach und wirft einen letzten langen Blick nach der Richtung, wo als grauer Streifen das Land ſich unter dem Horizonte ſenkte. Eine Thräne zittert an den Wimpern und ſtiehlt ſich langſam an der gebräunten Wange herab.
In der Batterie ſteht ein alter Unteroffizier mit grauem Haar und ſchaut gedankenvoll durch die Kanonenpforten auf die vorbei— rauſchenden Wellen. Ein tiefer Seufzer entringt ſich ſeiner Bruſt, aber er gilt weder dem Lande noch den Zurückbleibenden, ſondern dem Schiff.„'s iſt Freitag,“ murmelt er leiſe,„und Freitagſegeln bringt nimmer etwas Gutes.“—
„Braßt voll!“ ertönt es von der Commandobank und abermals fliegen die Raaen herum. Der„Seeſtern“ wird vor den Wind ge⸗ bracht und geht wieder ruhiger durch die Wogen, die ihr ſchmutziges Gelb bereits mit hellem Smaragd vertauſcht haben und deren ſchäu⸗ mende Köpfe den blitzenden Giſcht am ſchlanken Bug der Fregatte emporſchleudern. Der erſte Offizier übergibt das Commando dem wachhabenden, nachdem die Unterſegel geſetzt und die Freiwache unter Deck gepfiffen iſt und verfügt ſich in die Cajüte des Capitäns.
„Der Lootſe iſt von Bord,“ meldet er.
„Ich danke Ihnen, ich komme ſogleich an Deck, ſteuern Sie indeſſen Weſt⸗Nord⸗Weſt!“
No die Pögel im Winker bleiben.
So lautet die von„einigen Leſern des Daheim“ an mich ge⸗ richtete Frage, um deren„begründete“ Antwort man bittet. Ich könnte mich kurz faſſen, wenn der oder die Frager Schalke wären, und etwa ſagen:„da bleiben die Vögel, wo ſie alle Be⸗ dingungen ihrer Exiſtenz vorgeſehen finden“; oder auch, weniger gelehrt klingend; da, wo ſie ihre genügende Nahrung finden.“— Und dieſe Antwort wäre allerdings kurz und rund, wie die Frage, und„begründet“ obendrein. Denn daß hinreichende Nahrung die erſte Bedingung des Lebens, die eigentliche Exiſtenzfrage iſt, werden wohl vie wißbegierigen Frager nicht in Abrede ſtellen, woraus denn,— da die Fledermäuſe nicht mehr ganz zu den Vö⸗ geln gerechnet werden,— alſo mit einiger Sicherheit zu ſchließen ſein dürfte, daß die Nahrungsverhältniſſe die hauptſächlichſte, wo nicht einzige Urſache des verſchiedentlichen Winterverbleibs der Vögel ſeien.
„Weßhalb ſollten denn aber auch dieſe Frager gerade die Abſicht haben, welche die„Leute von Nebraska“ vielleicht nicht ein— mal hatten, als ſie den großen Alex. v. Humboldt durch eine ganz ähnliche Frage über den„Winterverbleib der Schwalben“ arg in Verlegenheit ſetzten? So frug ich mich, faßte die Feder und den Vor⸗ ſatz, ſo ausführlich zu antworten, als es die Redaktion, die Wiſſenſchaft und jeglicher Sinn der Frager zulaſſen oder erheiſchen. Außerdem kann ich doch wenigſtens von manchen meiner Lieblinge reden, mit denen zu reden dieſer häßliche lange Winter noch immer hindert.
Ja, wo bleiben ſie, die lieben Boten des Frühlings, die ſonſt um dieſe Jahreszeit ſchon Garten, Wald und Flur belebten? Zügelt die Vorahnung der ausnahmsweiſen Unwirthlichkeit ihrer Heimat, die heiße Sehnſucht nach ihrem Daheim? Lauſchen und harren ſie jenſeits der Alpen rings an den Küſten des Mittelmeeres der linden Lüfte, welche die lange Starre dieſes Winters brechen ſollen? Sind einige der allzu ungeduldigen Vorzügler froſt⸗ und hunger⸗ ſchauernd zu ihnen zurückgekehrt, und haben von den Schneeglöckchen und Märzpeilchen berichtet, die unter der Schneedecke ſeufzen oder im ſchneidenden Oſtwinde erſtarren? O bleibt nur noch wo ihr ſeid! Ihr ſeid vorläufig dort beſſer aufgehoben, als in eurer Heimat, die ihr jetzt kaum erkennen würdet.„Ja, aber wo ſind ſie denn? Wo verweilen ſie während des Winters, unſere Schwalben, Nachti⸗
gallen, Grasmücken, Rohrſänger, Pirols, kurz alle unſre Sommer⸗ vögel?“
Zunächſt wo ſie nicht bleiben! Alſo nicht im Schlamm und Waſſer unſerer Deiche, wie man das von den Schwalben Jahrhunderte lang behauptet hat und noch hin und wieder behauptet, oder in Baum⸗ und Felshöhlen mit den Fledermäuſen in Erſtarrung liegend.
„Du haſt aber davon, als von einer durch glaubwürdige Zeugen bewährte Thatſache reden hören, daß man beim Schlämmen der Teiche„ganze Klumpen von Schwalben im Schlamme gefunden, die, in der Stubenwärme aufgethaut, munter davon geflogen?“— „Du haſt es ſelbſt geſehen?“— Wirklich und mit Deinen eigenen, wachen Augen?“
Ich hatte einmal bekannt werden laſſen, wie mir viel daran gelegen ſei, aus dem Munde eines Augenzeugen über dieſe„That⸗ ſachen“ berichtet zu werden. Da wird mir ein ſolcher bezeichnet. Ich ſchreibe ihm. Er antwortet, daß er das Faktum als ſolches nöthigenfalls gerichtlich beeidigen wolle. Als es damit Ernſt werden ſollte, hatte er das„Faktum“ von einem„ſehr ernſthaften und glaubwürdigen Manne“; auch war es nicht„im Winter“, ſondern „im Herbſte paſſirt“, ꝛc.
Doch genug von ſolchen Bürgſchaften! Auch ſtehen dem nega⸗ tiven Beweiſe,„daß im Schlamme oder ſonſtwo bei uns über⸗ winternde, d. h. wieder aufgelebte Schwalben oder andere Vögel noch von keinem Naturforſcher beobachtet worden ſind“, die ſehr poſi⸗ tiven zur Seite, daß eine ſolche Ueberwinterung aus phyſiologiſchen Gründen unmöglich“ und„daß Abzug und Ankunft der Schwalben und andrer Zugvögel dieſſeit und jenſeit des Mittelmeeres exakt genug beobachtet wurden.“ Man kann es ja alljährlich oft genug ſehen, wie ſich z. B. die Schwalben tagelang vor ihrem Wegzuge zuſammenſcharen, kleinere oder größere Flugübungen mit ihren Jungen anſtellen, auf den Dächern der Kirchen oder hoher Häuſer raſten, und Zeitpunkt und Art und Weiſe des Wanderzuges zu berathen und zu beſchließen ſcheinen. Da ſind eines Morgens die vertrauten Scharen verſchwunden und andre an ihre Stelle getreten. Daß es andre ſind, fremde aus nördlichen oder nordöſt⸗
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