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Herzogs ſich befanden, war beſonders reich an architektoniſchen Aus⸗ ſchmückungen. Während die Hauptfacade mit dem prachtvollen Mittelbau einen feierlichen Eindruck macht, trug dieſe Seitenfagade mit der großen Freitreppe mehr den Charakter eines heiteren Sommeraufenthaltes, dem dann auch die Gartenanlagen, welche ſich davor ausbreiten, entſprachen, während der geräumige Schloßhof vor der Hauptfronte ganz vorzüglich zu dieſer paßt. Der Bau ſoll mehr als eine Million gekoſtet haben. Seltſamerweiſe iſt der linke Flügel im Innern nie völlig vollendet worden. Hätte Herzog Wilhelm ſich verheirathet, ſo würde die vergrößerte Hofhaltung allerdings dieſe Räume auch nöthig gemacht haben.
Das Verhältniß zwiſchen dem jetzt regierenden Herzoge und ſeinem Lande war zu allen Zeiten ein ſehr gutes. Auf die fort⸗ währenden Aufregungen, welche die maßloſen Launen des Bruders in Stadt und Land hervorgerufen hatten, wirkte die ruhige Haltung Herzog Wilhelms doppelt wohlthuend. Stadt und Land erfreuen ſich des beſten Wohlergehens, und die Zeit ſchleicht gleichmäßig da⸗ hin— aber, wenn ſie auch ſchleicht, ſo muß ſie doch einmal zu einem Ziele kommen, deſſen Herannahen man nicht mit Freudigkeit ſieht. Mit verſtärkter Anhänglichkeit ſuchen daher die Stände des Landes dem Herzoge ihr Wohlwollen zu zeigen und es ſtört ſie nicht, daß die paſſive Haltung des hohen Herrn auch bei Gelegenheiten, wo dieſe Anhänglichkeit recht lebhaft zum Ausdruck kommt, ſich nie ver⸗ leugnet. So gab denn auch das Jubiläum der 25jährigen Regie⸗ rungsperiode die Veranlaſſung zu einer Aufmerkſamkeit von Seiten der Stände, indem ſie beſchloſſen, das herzogliche Schloß durch die Aufſtellung einer plaſtiſchen Gruppe, darſtellend die Brunonia auf einem Siegswagen von vier Pferden gezogen, zu ſchmücken. Die Ausführung dieſes Planes wurde in großartigem Maßſtabe unter⸗ nommen. Der geniale Rietſchel entwarf das Modell und der Braunſchweiger Howald führte das Werk in getriebener Arbeit aus. Das Ganze koſtete mehr als 70,000 Thaler und war erſt im Herbſte 1864 aufgeſtellt worden. Man konnte mit Recht ſagen, daß ſowohl das Schloß wie die ganze Stadt durch dieſes Meiſter⸗ werk ihre ſchönſte Zierde erhielten. Das feurige Leben in den vier prachtvollen Roſſen und die impoſante Ruhe in Kopf und Figur der Brunonia verfehlten nicht, in jedem Beſchauer den Eindruck eines wahrhaft erhabenen Kunſtproductes hervorzurufen. Wenn daher irgend etwas für die Reſtauration des Brandſchadens zu befürchten ſteht, ſo betrifft es dieſes plaſtiſche Werk, denn Howald hat in ihm nicht nur die Gedanken Rietſchels ausgeführt, ſondern er that dies in jener potenzirten Weiſe, welche die reproducirenden Künſte weit über die bloße ſklaviſche Nachahmung der Compoſition ſtellt. Ob er nun beim beſten Willen jene günſtige Stimmung wiederfinden wird, die ihn bei der Herſtellung des verlorengegangenen Werkes begeiſterte, muß abgewartet werden. Howald hatte, überwältigt von ſeinen Empfindungen, kurz vor dem Falle der Brunonia den Schauplatz des Unglückes verlaſſen und ein heftiger Krankheitsanfall folgte der gewaltigen Aufregung; jetzt aber ſoll er mit großer Freu⸗ digkeit von der bevorſtehenden Erneuerung der Gruppe ſprechen. Möge der Segen künſtleriſcher Weihe darauf ruhen!
Man kann auf den Braunſchweiger Schloßbrand auch den Spruch anwenden, daß große Ereigniſſe ihre Schatten voraus⸗ werfen. Schon mehrere Tage vor dem Ausbruch des Feuers wurde Brandgeruch verſpürt, aber— unſre Zeit iſt gar zu klug, und wo ſich die Spur eines romantiſch⸗myſtiſchen Zuſammenhanges zeigt, da kommt die Wiſſenſchaft mit der Laterne und beweiſt, daß alles ganz natürlich zuging. So zeigt ſie denn auch, daß es ſich hier nicht um geiſterhafte Vorboten handelte, ſondern daß die Heizröhren ſchon Tage vorher das Holz, dem ſie zu nahe gelegt waren, zu verkohlen begonnen hatten, bis endlich an dem verhängnißvollen Abende ir⸗ gendwo ſich eine Flamme entwickelte. Die Heizröhren waren näm⸗ lich mehrere Tage vor dem Hofballe ſtärker in Anſpruch genommen worden, um die Feſträume, welche das ganze Jahr nur ein, höchſtens zwei Mal benutzt werden, zu erwärmen.
Der Herzog hatte ſich um halb neun Uhr aus ſeinem Schreib⸗ zimmer in den Ballſaal begeben und dort war die Luſt im vollen Gange. Mehrere fremde Offiziere, namentlich diejenigen vom preußiſchen Regimente des Herzogs, welches in Oſchersleben ſtatio⸗ nirt iſt, waren anweſend. Als ſich das Gerücht verbreitete, daß es in den Zimmern Sr. Hoheit brenne, glaubte man, im Hinblick auf die ungeſtörte Heiterkeit des hohen Herrn ſelbſt, es handle ſich nur
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um ein unbedeutendes Gardinenfeuer oder dergleichen, deſſen man bald Herr werden könne. Bald begann jedoch der Rauch ſich in den Corridoren zu verbreiten, die Sturmglocke läutete nnd die Löſch⸗ mannſchaft bemühte ſich, das Feuer zu unterdrücken. Nach einiger Zeit ſchien dies wirklich zu gelingen, als eine unberufene Hand, in der Abſicht, dem Rauche einen Ausgang zu eröffnen, die Fenſter der Zimmer, neben denen es brannte, aufriß und dadurch dem Feuer Zug verſchaffte. Sogleich ſchlug eine hohe Flamme aus den Fen⸗ ſtern und die Gefahr wurde offenkundig. Der Herzog verließ mit ſeinen Gäſten den Saal und verweilte ſelbſt im Schloßhofe bis gegen 12 Uhr in der Nacht. Es fehlte an Equipagen und die Damen mußten größtentheils zu Fuße ihre Behauſungen aufſuchen. Das Militär wurde requirirt, die Alarmtrommel gerührt und alle Löſch⸗ apparate zur Stelle geſchafft. Man ſuchte mit redlicher Anſtrengung das Möglichſte zu leiſten, aber verſchiedene beklagenswerthe Miß⸗ ſtände begünſtigten die Fortſchritte des entfeſſelten Elementes. Das ganze Gebäude hatte keine einzige tüchtige Brandmauer und das maſſenhafte Gebälke unter dem Dach war zur Abhaltung der Feuch⸗ tigkeit getheert. Mit raſender Schnelligkeit fanden daher die Flam⸗ men ihren Weg unter dem Dache. An Waſſer war Mangel. Die Oker, von welcher nur ein ſehr kleiner Arm hinter dem Schloßhofe vorbeifließt, war zugefroren, die Waſſerleitung im Schloſſe war nicht ſogleich zu benutzen, Schrauben waren nicht aufzufinden, Schläuche in unpraktiſchem Zuſtande, kurzum das Feuer wuchs und wuchs, bis endlich der größte Theil des Gebäudes lichterloh brannte.
Von Anfang an war das Schickſal der Quadriga, die in ma⸗ jeſtätiſcher Ruhe auf dem brennenden Gebäude prangte, der Gegen⸗ ſtand vieler Befürchtungen und je näher die Gefahr rückte, um ſo ge⸗ ſpannter richteten ſich die Blicke auf ſie hin. Nach und nach ſtürzten im Innern des Ballſaales, unter der Kuppel, die Gallerien und Balluſtraden krachend zuſammen, auch die zierliche Einrahmung der Plattform, auf welcher Howalds Werk ſtand, ſtürzte herab. Nun begann das Kupfer am Boden zu ſchmelzen und es leckten bunte Flammen an dem ſchönen Standbilde empor. Langſam ſchmolzen die Füße der Pferde und das ganze Werk begann ſich nach und nach zu ſenken. Da mit einem Male brach der Boden, der es trug, und nachdem ein heftiger Ruck vorhergegangen war, ſtürzte die herrliche Quadriga donnernd in den Ballſaal, der einem coloſſalen Glutofen glich.
Alle Anweſenden ſtarrten tief ergriffen auf dieſen Fall. Es war nicht jenes verwirrend aufregende Gefühl, welches die Zuſchauer erfaßt, wenn es ſich um Menſchenleben handelt, und dennoch hatte jeder eine Art von tiefem Schmerz, als ſei ihm ein theures Weſen entriſſen. Aber mit dem Sturz der Brunonia, der nach 11 Uhr er⸗ folgte, hatte auch das Feuer ſeinen Culminationspunkt erreicht. Die Feuerwehr von Wolfenbüttel war zu Hilfe gekommen und die Miß⸗ ſtände der hieſigen Löſchanſtalten waren zum Theil gehoben worden, auch war es gelungen, das Waſſer beſſer zu erreichen. So wurde es möglich, den linken Flügel großentheils zu retten. In den bren⸗ nenden Theilen wüthete das Feuer noch die ganze Nacht hindurch. Gegen vier Uhr Morgens brach das Gewölbe unter dem Ballſaal und die Brunoniagruppe fiel in den Durchgang des Mittelbaues. Dort liegt ſie noch: ein unförmlicher Trümmerhaufe von geſchmolze⸗ nen und zerbrochenen Kupferplatten, aus denen der Kopf des einen Pferdes und der ganze obere Theil der Brunonia hervorragt. Die Einwirkung des Feuers iſt jedoch auch auf dieſe erhaltenen Theile ſo ſtark geweſen, daß ſie kaum wieder zu verwenden ſein dürften. Die Haltung der Brunonia, die ſonſt ſo ſiegesgewiß und erhaben war, iſt jetzt merkwürdigerweiſe vornübergeneigt, ſo daß die Figur in der That den Eindruck macht, als betraure ſie ihren Fall.
Wenn man nun ſagt, daß das ſchöne herzogliche Reſidenzſchloß nur noch eine Ruine ſei, ſo iſt dies nicht buchſtäblich zu nehmen. Von der hinteren Seite geſehen, bieten der rechte Seitenflügel und die Rotunde allerdings einen traurigen Anblick und auf das Innere der früheren Wohngemächer des Herzogs läßt ſich die Bezeich⸗ nung im vollſten Sinne anwenden. Dagegen bedarf die Haupt⸗ fagade nur geringer Ausbeſſerungen und der linke Flügel würde in wenig Wochen wieder zu beziehen ſein, wenn er überhaupt ausge⸗ baut geweſen wäre. Bis zum Herbſte hofft man dieſen Theil völlig ſo weit eingerichtet zu haben, daß der Herzog einziehen kann. Ueber⸗ haupt macht ſich, im Gegenſatz zu der früher erwähnten Zerſtörung der Burg Dankwarderode, jetzt das Streben bemerklich, den Herzog um jeden Preis in Braunſchweig feſtzuhalten— ein Beweis dafür,
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