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Burg nicht mehr in wohnlichem Zuſtande war, im Hauſe des Bürgermeiſters oder bei einem der Rathsherren Wohnung, ſo boten ſie um ſo mehr alles auf, ihm ihren Reichthum prunkend zu zeigen. Alles, was die Herzöge unternahmen, fand bei den Geldſäcken der reichen Hanſaſtadt Widerſpruch. Sie wollten kein Militär, weil ſie nicht einſahen, zu was es nütze ſei, ſie jagten den Drucker Lucius, dem Herzog Julius im Seitenflügel der Burg eine Buchdruckerei errichtet hatte, zur Stadt hinaus, weil ſie keinen Vortheil für die Stadt in ſolchen Einrichtungen ſahen. Dagegen übten ſie in der Stadt ſelbſt das roheſte Willkürregiment, namentlich wenn es galt, den Herzog zu ärgern, wie dies die grauenhafte Verurtheilung und Hin⸗ richtung des Hennig Braband zeigt, der des Einverſtändniſſes mit Wol⸗ fenbüttel verdächtig war. Was das materielle Wohl heben konnte, war ihnen willkommen— von der geiſtigen und ſittlichen p Wernfffffffffſf Entwicklung hielten ſie Rüſha 1 .. 3 ſſnderanng nicht viel, und nach der Pgenggngg S Reformation mußte na⸗ i mentlich die Religion gar oft der Deckmantel ihrer egoiſtiſchen Zwecke ſein. Verurtheilten doch die Pre⸗ dikanten den unglücklichen Hennig Braband als Teu⸗ felsbeſchwörer im Auftrage des Rathes von der Kanzel herab.
Der plumpe Uebermuth der Bürger verhinderte ſpäter den Wiederaufbau der Burg und Herzog Ru⸗ dolf Auguſt faßte im Jahre 1671 den Beſchluß, ein anderes Gebäude in der Stadtals eigenes Abſteige⸗ quartier zu erwerben. Er kaufte den ſogenannten „grauen Hof“, welcher an derſelben Stelle ſtand, wo jetzt das herzogliche Schloß ſich erhebt. Dieſer graue Hof exiſtirte ſchon zu Hein⸗ richs des Löwen Zeit, und zwar war er von ihm aus Dankbarkeit für Dienſte, die ihm die Tempelherren im gelobten Lande erwie⸗ ſen, für dieſen Orden er⸗ baut worden. Im drei⸗ zehnten Jahrhundertkaufte das Kloſter zu Riddags⸗ hauſen den Tempelherren dieſen Hof ab, um für die Kloſterwirthſchaft ein Vor⸗ werkzu haben. Die Mönche zu Riddagshauſen gehörten dem Ciſterzienſer-Orden an und tru⸗ gen über graulem Gewande ein ſchwarzes Oberkleid, weshalb ſie die grauen Mönche und ihre Höfe die grauen Höfe hießen. Wahr⸗ ſcheinlich war der Braunſchweiger graue Hof ſchon zum Theil von einem der früheren Herzöge angekauft worden, der es läſtig fand, bei den Rathsherren zu Gaſte zu ſein, und Herzog Rudolf Auguſt vergrößerte nur das Gebäude durch den Ankauf aller dazu gehörigen Theile, die er dann zu einem Ganzen ausbauen ließ. Dieſes provi⸗ ſoriſche Abſteigequartier wurde von Herzog Auguſt Wilhelm im Jahre 1721 zu jenem ſtattlichen Schloſſe umgebaut, welches bis 1830 die Wohnung der braunſchweigiſchen Herzöge war. In ſeiner äußeren Form wich das alte Schloß weſentlich von dem ſpäter, unter dem jetzigen Herzoge Wilhelm vom Hofbaurath Ottmer erbauten Prachtgebäude ab. Es hatte ein mittleres corps de logis— deſſen Ausbau unter dem Herzoge Carl Wilhelm Ferdinand, dem Großvater des jetztregierenden Herrn, geſchah— mit zwei ſchräg davon abſtehen⸗ den Flügeln, deren unterer Theil laubenartige Durchgänge bildete.
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Die Brunonia nach dem Brande.
Dieſes alte Schloß, welches etwas über hundert Jahre ſtand, war der Schauplatz zweier intereſſanter hiſtoriſcher Fälle. Erſtens beherbergte es den König Jerome auf der Rundreiſe durch ſeine Staa ten was vielleicht einer Poſſenſcene ähnelt— und dann beſuchte der Herzog Friedrich Wilhelm, der Vater unſeres jetztregierenden Her⸗ zogs, daſſelbe, als er auf dem heldenmüthigen Zug nach England eine Nacht vor den Thoren Braunſchweigs zubrachte, gewiß ein wahrhaft tragiſcher Moment, in welchem ſich die Gefühle des tapferen vertriebenen Fürſten, der hier zugleich ſein trauriges Schickſal als Gatte und Vater beweinen mußte, zum bitterſten Schmerze ſteigerten.
Die Umſtände, welche den Aufſtand im Jahre 1830 und da⸗ mit zugleich die Zerſtörung des alten Schloſſes veranlaßten, ſind allge⸗ mein bekannt und Herzog Karl, der bis vor kurzer Zeit in Paris lebte, jetzt aber im Haag(Gra⸗ venhagen) wohnt, ſorgtvon Zeit zu Zeit dafür, daß das Andenken an die Ex⸗ centricitäten und Launen ſeiner verſchrobenen Natur in der Oeffentlichkeit nicht erliſcht. Herzog Wilhelm ließ darauf von dem Hof⸗ baurath Karl Theodor Ottmer das prachtvolle Schloß errichten, welches ſoeben von einem ſo trau⸗ rigen Schickſale heimge⸗ ſucht wurde. Ottmer war im Jahre 1800 zu Braun⸗ ſchweig geboven und ſtarb daſelbſt im Jahre 1843. Außer mehreren anderen öffentlichen Bauwerken hat er namentlich auch die Ber⸗ liner Singacademie ge⸗ ſchaffen, ein Gebäude, wel ches leider durch ſeine Um gebung verſteckt iſt, aber zu den ſchönſten architek⸗ toniſchen Schöpfungen der neueren Zeit gehört. Wäh⸗ rend der Bau des Braun⸗ ſchweiger Schloſſes eifrig betrieben wurde, wohnte der Herzog anfänglich auf dem vor der Stadt ge⸗ legenen kleinen Luſtſchloſſe Richmond, deſſen Name an ſeine Erbauerin, die Großmunter des jetzigen Herzogs, eine engliſche Prinzeſſin, mahnt. Spä ter wohnte er in dem ſogenannten Bevernſchen Schloſſe in der Stadt — dem jetzigen Miniſterium bis im Jahre 1837 das neue Prachtgebäude ſoweit vollendet war, daß der rechte Flügel be⸗ wohnt werden konnte. Ottmer hatte früher für den Herzog Karl im Parke zu Richmond ein zweites Luſtſchloß, New⸗Richmond, erbaut, deſſen ſpitze Thürmichen jeden Reiſenden, der mit der Eiſen bahn Braunſchweig berührt, aus dem Grün der darumſtehenden Bäume entgegenwinken. Dieſes Gebäude iſt ſeit der Flucht des Beſitzers unbenutzt geblieben und im Innern bereits vielfach vom Zahne der Zeit benagt.
Das Braunſchweiger Reſidenzſchloß liegt an der belebteſten Straße der Stadt, dem Bohlwege, und gewährt von dort aus einen wahrhaft impoſanten Anblick, wir ſagen gewährt, denn auch jetzt noch, nach der Kataſtrophe, iſt die Fronte des Gebäudes nur wenig verändert und die 400 Fuß lange und bis zur Balluſtrade 80 Fuß hohe Facade macht noch immer denſelben großartigen Eindruch. Die Seitenfronten ſind 215 Fuß lang und die leider am meiſten be ſchädigte Seitenfronte des rechten Flügels, wo die Wohnräume des


