Jahrgang 
1865
Seite
412
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zweites Exemplar zu erlangen. Es ſteht zu befürchten, daß dieſe Vögel bereits zu den ausgeſtorbnen Thieren zählen und daß dem letzten vom Stamme der Kiwi-Kiwi im zoologiſchen Garten zu London vielleicht auch ſchon die Friſt gemeſſen iſt. Solche durch Menſchenhand oder durch Naturgeſetze dem Untergang zueilende Thiergeſchlechter thunlichſt zu erhalten, fällt den zoologiſchen Gärten als ſchönſte Aufgabe zu. Sie öffnen ſich den Bedrängten als ſichere Zuflucht, ſuchen ſie zu vermehren und ermöglichen unſern Enkeln

Große Ereigniſſe treffen den Menſchen meiſt unvorbereitet! Dies galt im vollen Sinne von dem am Abend des 23. Februar ſtatt⸗ gehabten Brande des Braunſchweiger Schloſſes, und wenn man auch mit einigem Rechte ſagen kann, daß man auf derartige Ereig⸗ niſſe ſtets vorbereitet ſein ſollte, ſo iſt es doch mehr zu bedauern als zu tadeln, wenn man ſich von Anfang an über die Gefahr täuſchte und in Folge davon zögerte, dem Uebel ſogleich mit den äußerſten Mitteln zu ſteuern. Bedenktman zugleich, daß die Rück⸗ ſichten auf den fürſt⸗ lichen Bewohner des Schloſſes und auf die bei ihm verſammelten Ballgäſte hindernd auf das erſte Ein⸗ ſchreiten wirkten, in⸗ dem man ſo lange zögerte, die ganze Größe der Gefahr anzuerkennen, bis die Schnelligkeit der Ver⸗

breitung des Feuers, dann allerdings mit einem Male leider zu ſpät, alle Rückſichten und Ueberlegungen über den Haufen V warf, ſo wird man muiilder über die etwa voorgekommenen Verſäumniſſe urtheilen und ſich mit Unwillen von Meinungsäußerungen abwenden, deren Tendenz mit jener widerwär⸗ tigen Tadelſucht zuſammenfällt, die alles beſſer gemacht hätte, und in jedem Vorfall die Gelegenheit ausſpürt, die beſtehenden Verhältniſſe zu verunglimpfen und zu beweiſen, wie ſchlimm die Welt berathen ſei, ſo lange ſie nicht auf die unfehlbare Weisheit ſolcher Splitterrichter achtet.

Braunſchweig iſt im allgemeinen ein ruhiger Ort. Selten wird die Aufmerkſamkeit der Außenwelt auf das im ſtillen Einerlei dahinfließende Leben des Fürſten und der Bevölkerung der Stadt ge⸗ lenkt. Um ſo größeres Aufſehen erregte dies Ereigniß, welches un⸗ erwartet die Blicke auf den halb vergeſſenen Welfenſitz lenkte, man erinnerte ſich der obwaltenden Verhältniſſe und es konnte nicht fehlen, daß myſteriöſe Anſpielungen auf den Zuſammenhang dieſes unheil⸗ vollen Vorfalls mit dem Schickſal des erlöſchenden Herrſcherſtammes in die Welt geſandt wurden. In Braunſchweig ſelbſt bewirkte der⸗ ſelbe nur eine herzliche, lebhafte Aeußerung der gegenſeitigen An⸗ hänglichkeit zwiſchen Fürſt und Volk, und da die Zerſtörung des Schloſſes nur eine theilweiſe war, ſo wird aller Wahrſcheinlichkeit nach in kurzer Zeit der Herzog daſſelbe wieder beziehen können und jene fataliſtiſchen Phantaſien, die allerdings gerade hier vielen geeigneten Stoff vorfanden, zerfallen in ihr Nichts. Es war ohne Zweifel ein ſchmerzlicher Anblick, als das ſchöne Gebäude, die Zierde der

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Die Brunonia vor dem Brande.

lebendig zu ſchauen, was ihnen außerdem vielleicht nur die Muſeen als Mumie zeigen würden.

Wie verſchiedenartig die Ziele der zoologiſchen Gärten ſind, die Kenntniß der Thierwelt zu erweitern, neue Haus⸗, Jagd⸗ oder Luxusthiere zu erobern oder gefährdeten Geſchlechtern ein Aſyl zu bieten, immer wird die Freiheit der Inſaſſen einem edlen Zwecke geopfert gelten.

Zoologiſcher Garten, Breslau. Dr. Schlegel.

Der Schloßbrand zu Braunſchweig.

Stadt, von den gierigen Flammen ergriffen wurde, und erſchütternd wirkte der Fall der großartigen Brunoniagruppe, aber das Schloß wird neu erſtehen und auch die Brunonia hoffentlich ſpäter wieder darauf prangen, wir können daher in der Hoffnung auf dieſe Wiederer⸗ ſtehung Troſt ſuchen und uns mit Faſſung und Ruhe das Er⸗ eigniß zurückrufen, deſſen momentane Wirkung allerdings eine tief ergreifende war.

Beſonders nieder⸗ ſchlagend mußte der Anblick des brennen⸗ den Schloſſes auf die⸗ jenigen Bewohner Braunſchweigs wir⸗

des 6. September 1830 Zeugen jener Feuersbrunſt waren, die dem Herzog Karl zu ſeiner Flucht aus dem angeſtammten Lande leuchtete und in Folge deren das alte Schloß dem neuen prachtvolleren Bau weichen mußte. Uebrigens weiß auch ſchon die frühere Ge⸗ ſchichte der Stadt Braunſchweig von großen Schloßbrän⸗ den zu berichten. So iſt namentlich eine Feuersbrunſt denkwürdig, welche im Jahre 1251 bei der Vermählung einer Tochter des Herzogs Otto mit dem römi⸗ ſchen Könige, dem Grafen Wilhelm von Holland, ausbrach und dier damalige Reſidenz, die Burg Dankwarderode, zerſtörte. Dieſes Feuer iſt nicht nur deshalb bemerkenswerth, weil es ſo raſch um ſich griff, daß kaum die fürſtlichen Perſonen gerettet werden konnten, ſondern es vertrieb auch die Herzöge aus der Stadt Braunſchweig nach Wol⸗ fenbüttel, wo ſie ſo lange reſidirten, bis Herzog Karl der Erſte im Jahre 1754 wieder nach Braunſchweig überſiedelte und dort jenes Schloß bezog, welches dann 1830 dem Feuer erlag.

Wenn man annehmen wollte, daß der erwähnte Brand der alten Burg Dankwarderode keine myſteriöſe, aber eine ganz reale Bedeutung hatte, ſo dürfte man im Hinblick auf die damaligen Ver⸗ hältniſſe vielleicht nicht zu viel wagen. Das gewaltig aufblühende Bürgerthum ſah mit Groll auf die Reſidenz des Herzogs, deſſen Anweſenheit in der Stadt den dünkelhaften herrſchbegierigen Raths⸗ herren ein Dorn im Auge war. Ganz nach ihrem Sinne war es dagegen, wenn die Herzöge ſpäter von Wolfenbüttel kommen mußten, um ſich von der Stadt huldigen zu laſſen. Bei ſolchen Gelegen⸗ heiten konnte die reiche Stadt dann ſo recht ihre Anmaßung hervor⸗ kehren: bald ließ der Rath den Herzog ſtundenlang vor den Thoren harren, weil die Schlüſſel verlegt ſeien, bald verweigerten ſie die Huldigung gänzlich. Nahm dann ſpäter einer der Herzöge, weil die

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