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hatten dies Mal gut errathen, denn auch die ganze Geſellſchaft des Badeortes, faſt nur aus chriſtlichen Familien beſtehend, war eine ganz andere, als die, welche Lia gewöhnlich beſuchte, und übte durch den Reiz der Neuheit eine ſehr wohlthätige Wirkung auf das ſeelen⸗ kranke Mädchen aus.
Hulda war bald ihrer leidenden Freundin dermaßen zugethan, daß ſie keinen Tag, ohne ſie zu ſehen, verbringen konnte, und jedes Mal, wenn eine Ohnmacht ſie befiel, was immer das Ende eines krampfhaften Weinanfalles, an dem ſie oft litt, war, ängſtigte und grämte ſie ſich, als wenn es ihre Schweſter wäre. Sie verſuchte alles, um ſie zu zerſtreuen und freute ſich wie ein Kind, wenn ſolches ihr manchmal gelang. Zu dieſem Zwecke hatte ſie auch eines Tages alle ihre Freundinnen aus der Reſidenz bei ſich verſammelt, und nachdem ſie ſich mit ungeheurer Vorſicht überzeugt hatte, daß niemand ſie hören könne, hielt ſie ihnen folgende Anrede:
„Meine Damen!— wenn ein wildes Thier ſich in einem Landſtriche zeigt, dann rotten ſich die Bauern zuſammen und machen Jagd auf daſſelbe; nicht wahr? Sind wir dümmer als die Bauern, meine Damen? nein, gewiß nicht!— und ich bin überzeugt, daß, wenn ich Euch erzählt haben werde, daß ein wildes Thier uns Mädchen in dieſem Winter in der Reſidenz bedrohen wird, Ihr alle Euch um mich ſammeln und mein chignon als Eure Fahne anſehend, mir folgen werdet zu der Jagd, die ich auf dieſes Ungethüm anzuſtellen gedenke!“
„Und was für ein Ungeheuer iſt denn das, Hulda?“ fragte ein ſechzehnjähriger Backfiſch.
„Liebes Kind,“ ſagte die ſiebzehnjährige Fernande ſchnippiſch, „Du wirſt ſpäter einmal erfahren, daß die einzigen wilden Thiere, vor denen wir Mädchen uns hüten müſſen, die Männer ſind.“
„Nun hört, liebe Kinder, die ganze Geſchichte an,“ fuhr Hulda fort,„und Ihr werdet ſchaudern: Neulich ſaß mein Bruder Ernſt ruhig im Kaffeehaus und las eine Zeitung, als er neben ſich an einem Tiſche, wo einige Offiziere ſaßen, Folgendes hörte: Ein gewiſſer Aſſeſſor Merkel...“
Unſre Leſer werden errathen, welch eine Geſchichte Hulda Ark heim ihren Freundinnen erzählte.
Heftige, unerwartete, alle Erwartung übertreffende Unglücks⸗ fälle kann man gut mit Giften vergleichen, von denen man eine zu große Quantität genommen hat, entweder ſie tödten auf der Stelle wie ein Donnerſchlag oder ſie richten geringeren Schaden an, als wenn es weniger geweſen wäre.
Da Lia beim Anhören des von Hulda Erzählten nicht augen⸗ blicklich dem übermenſchlichen Schmerze, der ihre Seele erdrückte, unterlag, ſo konnte man leicht vorausſehen, daß ſie ihn ertragen würde, und daß dies in allen ihren hohen Gefühlen ſo hart gekränkte Mädchen eben hierin eine neue Kraft finden würde, ihr ſo hartes Geſchick mit Ruhe und Würde zu ertragen. Und ſo war es auch. Lia kehrte ruhig und gelaſſen nach der Reſidenz zurück und bereitete ſich auf den Augenblick, wo ſie den Schändlichen wieder ſehen würde, vor.
Mit einer von ihrem ſchwärmeriſchen Gemüthe kaum zu er⸗ wartenden Standhaftigkeit hatte ſich das arme Mädchen geſagt, daß ihr Herzensleben vollendet ſei, und daß ſie von nun an nur daran zu denken habe, ein gewöhnliches Mädchen, wie alle ihre Freundinnen, zu werden. Mit unerbitterlicher Strenge verbannte ſie ſelbſt aus ihrem Geiſte alle die Idole, die ſie früher angebetet, und ſchien ſich die Aufgabe geſtellt zu haben, von jetzt an bis ins Innerſte der Proſa des Lebens zu dringen. Ihr Bücherſchrank ward verſchloſſen, ihr Piano nur geöffnet, um irgend eine Polka ihren Freundinnen vorzu⸗ ſpielen; ſie beſuchte alle Bälle, alle Vergnügungen und, was für ſie noch ſchwerer ſein mußte, ſie widmete ſich gänzlich der Häuslichkeit. Noch weiter wollte ſie in der Züchtigung, die ſie ihrem Herzen ange— deihen ließ, gehen, indem ſie ohne Zaudern in die erſte Verbindung, welche ihr Vormund ihr vorſchlug, einwilligte.
Die Natur ſchien dieſem jungen Mädchen eine wirklich außerge— wöhnliche Energie gegeben zu haben, denn, ohne daß ihr Herz einen Pulsſchlag mehr als gewöhnlich ſchlug, erfuhr ſie, daß Merkel ſich mit einer Wittwe verlobt hätte, und als ſie ihm in den Soireen des nächſten Winters begegnete, konnte ſie ihm kalt ins Angeſicht ſehen, ohne daß ihre erbleichende Wange den Anweſenden verrathen hätte, daß ein Schlachtopfer vor ſeinem Henker ſtehe.
Doch die Natur kann es nicht erdulden, wenn der ſchwache Menſch ſie durch außergewöhnliche Feſtigkeit des Willens beherrſchen will; ſie beugt ſich eine Zeit lang, doch wehe, wenn ſie die Gelegenheit einmal erſpäht hat, wo ſie vergelten kann! Sie läßt dann den ſieges⸗ trunkenen Menſchen ihre Gewalt eiſern fühlen, und unbarmherzig ſucht ſie ihre kurze Niederlage zu rächen.
Gleichgültig hatte Lia den Herrn Julius Falk als Bräutigam angenommen und ſich mit ihm verlobt; gleichgültig hatte ſie die feurigen Liebesbetheurungen des jungen Kaufmanns angehört; ein „Warum denn nicht?“ von einem gleichgültigen Achſelzucken begleitet, war die Antwort auf die beſorgte Frage Hulda Arkheims:„Wirſt Du auch glücklich ſein, Lia?“— Doch als ſie Monate lang täglich V den, der ihr Gefährte durchs ganze Leben ſein ſollte, bei ſich ſah, als ſie die unendliche Leere ſeines Geiſtes erkannte, als ſie begriff, daß ſie Hand in Hand mit dieſem Manne vom Altar bis zum Grabe zu wandeln verurtheilt ſei; da ergriff ſie ein unnennbares Gefühl, dem gleich, das ein von unſichtbarer Kraft einem Abgrund zugetrie⸗ bener Menſch wohl fühlen mag. Zu ſpät begriff ſie, daß ſie das Ziel überſchritten, und daß ſie, die Unſchuldige, ſich ſelbſt zu einer Tortur verurtheilt hatte, gegen die alle vorhergangenen Leiden nichts waren.
Eine Frau, die über ihren Mann erröthen muß!
Unſere Leſerinnen werden das Gefühl, welches Lias Herz marterte, verſtehen. Auch der Gedanke, daß Franz Merkel im Beſitze jener Briefe ſei, welche ſie ihm in jener Stunde, wo ein liebendes Herz alles vergißt, geſchrieben hatte, trug viel dazu bei, um ihr hartes Loos noch härter zu machen!
Zur Zeit, wo dieſe Erzählung beginnt, hatte Lia zwei große Entſchlüſſe gefaßt, die, nachdem ſie lange in ihrer Seele gekeimt, zu einer völligen, ganz ihrem energiſchen Charakter entſprechenden Reife gediehen waren. Vor allen Dingen wollte ſie die Briefe aus den Händen des Aſſeſſors wieder haben, und dann... dann war ſie ent⸗ ſchloſſen, mit dem Schickſale, das ſie ſeit ihrer Geburt verfolgte, Rechnung zu halten. Wie wir es geſehen haben, hatte ſie Herrn Merkel einen Brief geſchrieben und mit großer Ungeduld ſeine Antwort erwartet, war jedoch im erſten Augenblicke, erſchrocken vor dem Ge⸗ danken des ihr gegebenen Rendezvous, zurückgewichen, bald aber hatte ſie auch dieſe Scheu beſiegt und ohne Zittern war ſie gegen neun Uhr am folgenden Abende in jene Laube getreten, wo ſie in einem Augenblicke ſoviel Wonne und Schmerz durchlebt hatte.
Der Garten der Familie Selling grenzte an der Seite, wo die Laube ſich befand, an ein großes Gebäude, welches früher zu einer Fabrik gedient hatte, jetzt aber unbewohnt war mit Ausnahme eines geräumigen Parterrelocals, das, wie man ſagte, einem Steinmetz als Niederlage und wahrſcheinlich auch als Werkſtatt zu gewiſſen Arbeiten diente, denn man hörte häufig das der Familie Selling ſehr unangenehme Geräuſch des Meißels. Ein Fenſter dieſes Locals hatte Ausſicht auf den Garten faſt ganz in der Nähe jener Laube, war aber beſtändig durch einen weißen Vorhang bedeckt, der jedoch nicht ſtark genug war, um nicht manchmal noch ſpät in der Nacht einen Lichtſchein durchſchimmern zu laſſen.
Eine halbe Stunde hatte Lia in ängſtlicher Erwartung dage⸗ ſeſſen, als die Thüre des Gartens, welche auf die Straße führte, ſich leiſe öffnete und ein Mann hereintrat, welcher, nachdem er ſich einige Augenblicke ſcheu umgeſehen hatte, den geraden Weg zur Laube ein— ſchlug. Schon von weitem hatte Lia den Aſſeſſor erkannt und ſich zu ſeinem Empfange erhoben. Sie fühlte, daß wiederum die Laube beſtimmt ſei, die Scene eines verhängnißvollen Augeublickes ihres Lebens zu werden, und ſie dankte faſt dem Aſſeſſor, dieſen Schau⸗ platz erwählt zu haben.
„Guten Abend, liebe Madame Falk! oh pardon! ich wollte Fräulein Salomon ſagen,“ ſagte der Aſſeſſor im Herantreten.„Ich muß Sie benachrichtigen, daß das Dienſtmädchen der Frau Selling ſehr fahrläſſig iſt; mein Weg führt mich alle Abend hier vorbei, und ich habe mich überzeugt, daß unter drei Abenden ſie wenigſtens an zweien vergißt, die Gartenthür zu ſchließen. Indem ich Ihnen für heute Abend dieſes Rendezvous beſtimmte, traute ich meinem guten Glücke und Sie ſehen, ich habe mich nicht getäuſcht, ich fand die Thüre offen.“
„Sie verſprachen, mir meine Briefe zurückzugeben, mein Herr?“ ſagte Lia gelaſſen.
„Wie preſſirt Sie heute ſind, liebes Fräulein!“ erwiederte der


