Jahrgang 
1865
Seite
400
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nur dem Papiere an; was wird der Leſer von einer Nation denken, die, um ein Bonmot zu verewigen, eine Medaille prägen läßt, und welche andre Na⸗ tion als die holländiſche wäre wohl eines ſolchen trait d'esprit fähig? Nach der für Frankreich ſo ſchmählichen Schlacht bei Roßbach erzählt man, daß der Marſchall von Soubiſe, ſtatt an der Spitze ſeiner Armee, ſich während des Gefechtes in der Badewanne befunden habe. Ob dieſe Thatſache nun wahr oder aus irgend einem witzigen Gehirne entſprungen, iſt nicht feſtgeſtellt; ſogleich aber erſchien eine holländiſche Medaille, welche auf der einen Seite die fliehenden franzöſiſchen Truppen mit der Unterſchrift Roßbach, auf der andern aber den Prinzen von Soubiſe in der Badewanne darſtellte mit der Unterſchrift: Dat is e General, wat sich gewasche hett.(Das iſt ein General, der ſich gewaſchen hat.)

Herder und ſeine Gemahlin.

Nicht ohne die innigſte Rührung kann man die Beſchreibung leſen, die eine Greiſin von ihrem erſten Zuſammentreffen mit ihrem ſpäteren Gemahle, dem liebenswürdigen und berühmten Dichter Herder macht!.

Am 19. Auguſt, ſchreibt ſie,predigte er in der Hofkirche. Ich hörte die Stimme eines Engels, und Seelenworte, wie ich ſie nie gehört! Zu dieſem großen, einzigen, nie empfundenen Eindruck hab' ich keine Worte ein Himmliſcher in Menſchengeſtalt ſtand vor mir. Den Nachmittag ſah ich ihn, ſtammelte ihm meinen Dank und von dieſem Augenblicke an waren unſre Seelen nur Eins und ſind Eins geblieben, unſer Zuſammenfinden war Gottes Werk. Inniger können ſich die Seelen nicht zuſammen verſtehen, zuſammen gehören. Er hörte von andern, wie ich meine Geſchwiſter liebte und auch hierin war unſre Liebe nur Ein Gefühl, Harmonie, Dank zu Gott. Ach, ge⸗ wiß hat niemand ſeine heilige Seele ſo gekannt, wie ich! Von dieſem Tage an ſahen wir uns täglich! Den 2. Auguſt feierten wir ſeinen Geburtstag; da gab er mir ſeinen erſten Brief! Ach, ich empfing mit dieſem Briefe das Heiligſte, was dieſe Erde für mich hatte ſeine Liebe; ich konnte nur Gott

und ihm danken! S a- w. Das Alter der Hirſche

iſt von jeher ein Gegenſtand der mannigfaltigſten Erörterungen und Sagen geweſen. Schon Ariſtoteles hat den Glauben an die übermäßig lange Lebens⸗ dauer dieſer edlen und ſchönen Thiere mit wiſſenſchaftlichen Waffen bekämpft. Indeſſen iſt noch heute die Annahme: der Hirſch erreiche ein faſt übernatür⸗ liches Lebensalter, in vielen Gegenden allgemein verbreitet. Die Phantaſie der Völkerſtämme, in deren Nähe ungeheure Wälder ſich über das Land hin erſtrecken, kann ſich den Hirſch, den König der dunklen Waldgründe, nun ein⸗ mal nicht anders ausmalen, als mit dem Zeichen hohen Alters verſehen, und erblickt auch darin ein Auszeichnung vor dem niederen Gethier. Insbeſondere iſt dies in den ſchottiſchen Hochlanden der Fall, wo noch heutzutage eine Art von Cultus für die Jagd vorhanden iſt. Der berühmte Jäger Sir William Scrope, ein Mann, deſſen auch Walter Scott in ſeinem Tagebuch gedenkt,

und der einen großen Theil ſeines faſt unermeßlichen Vermögens der Ver⸗

beſſerung und Betreibung des Waidwerkes beſtimmte, gab auch zugleich mehrere Bücher über Hirſchjagd heraus. In einem dieſer Bücher trat Scrope als Vertheidiger der Annahme des hohen Alters der Hirſche auf. In den ſchottiſchen Hochlanden ſchweiften, nach ſeiner Verſicherung, verſchiedene ſehr alte Exemplare von Hirſchen umher. Einer der älteſten war der ſogenannte: Simſon von Lochtreig. Dieſes gewaltige Thier, berichtet Scrope, war vom Capitän Macdonald von Tulloch, der im Jahre 1776 in einem Alter von 86 Jahren ſtarb, während der letzten fünfzig Lebensjahre des Capitäns von demſelben häufig geſehen worden. Des Capitäns Vater wollte den Simſon einen gleichen Zeitraum ſeines Lebens hindurch gekannt und von ſeinem Großvater ſchon auf den uralten Waldbewohner aufmerkſam gemacht worden ſein. Viele Landleute der Umgegend kannten den Hirſch ebenfalls. Er war ſchneeweiß, ohne einen Flecken zu haben. Man ſah ihn niemals allein und erinnerte ſich nicht, daß je ein Schuß auf ihn abgegeben worden ſei. Allge⸗ mein ſchätzte man den Simſon 150 Jahre alt. Durch irgend einen Zu⸗ fall ward er von ſeinem Rudel getrennt und ſeitdem ſtets allein, jedoch in ſo ungeheurem Raume ſtreifend geſehen, daß dem mächtigen Thiere kein Jäger beikommen konnte.

Capitän Macdonald von Tulloch ging eines Tages dem Hirſche 5 Stunden weit nach und hatte ihn endlich in Schußweite. Er gab Feuer auf den rieſigen Waldbewohner und ſah deutlich durch ſein Fernrohr, daß die Kugel hoch das linke Blatt gefaßt hatte. Der Simſon brach zuſammen, kam jedoch wieder auf und verſchwand bald. Macdonald berichtete nun zwar,er habe den Simſon erlegt, doch zweifelte man daran. Dies geſchah im Jahre 1775.

Zweiunddreißig Jahre ſpäter, im Jahre 1807, wurde der Simſon von Lochtreig von Johann Macdonald, dem Bruder des Capitän, 4 Meilen von Lochtreig, bei Badenoch erſchoſſen. Als man den Körper unterſuchte, fand ſich wirklich die im Jahre 1775 auf ihn abgegebene Kugel im linken Blatt einen Zoll unter dem Rückgrad, wo eine vernarbte Wunde als Merkmal jenes Schuſſes zu erkennen war. Höchſt wunderlich war das Geweih geformt. Die Muthmaßungen über das Alter des merkwürdigen Thieres mögen dahin⸗ geſtellt bleiben z aber in Schottland, welches eine ſeltne Fülle des prächtigſten Wildes beſitzt, ſteht der Glaube an das hohe Lebensalter deſſelben feſt. Be⸗ zeichnend dafür iſt ein noch heute bekannter Vers in celtiſcher Mundart, der ungefähr folgendes ſagt:

Dreimal das Alter eines Hundes erreichet das Pferd. Dreimal das Alter eines Pferdes erreichet der Menſch; Dreimal das Alter eines Menſchen erreichet der Hirſch; Dreimal das Alter eines Hirſches erreichet der Adler; Dreimal das Alter eines Adlers erreichet die Eiche.

Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Red

Einer der älteſten Hirſche in Europa war der bekannte Naphill⸗Hirſch in Richmond⸗Park, dem der König Georg III beſondre Sorgfalt widmete. Trotz aller Pflege lebte das ſchöne Thier doch nur einige 30 Jahre. Den Hirſchen der ſchottiſchen Hochgebirge wird wohl deshalb von den Bewohnern ein ſo hohes Alter zugeſchrieben, weil ihnen wegen des waldigen und ge⸗ birgigen Terrains ſchwerer beizukommen iſt; in Folge deſſen werden die Exemplare häufig verwechſelt und jüngere Thiere für ältere, ſchon früher ge⸗ ſehene gehalten, ſelbſt wenn ſolche längſt verendet ſind. Eine Täuſchung iſt dort um ſo eher möglich, als das Wild der Hochlande meiſt gleich geſtaltet und gefärbt erſcheint.

Philipp II und die Kanonenkugeln..

Während der Belagerung von St. Quentin befand ſich der König Phi⸗ lipp II im Lager. Eines Nachmittags unterhielt er ſich mit dem Grafen Connetable de Montmorency, welcher als Gefangener der Spanier ſehr gut gehalten wurde und mit dem königlichen Hofe verkehrte. Gerade als der König die Worte ausſprach:Ich hoffe, Herr Connetable, Ihr Neffe Coligny wird meine Bedingungen zur Uebergabe der Stadt erfüllen, fuhr eine Ka⸗ nonenkugel zwei Fuß über den Kopf des Königs hinweg.Was war das? fragte Philipp zitternd und leichenblaß.Sire, ſagte lachend der Conne⸗ table,es war ein Parlamentär, den Ihnen mein Neffe ſendet. Das Zelt des Königs wurde augenblicklich abgebrochen und außer Kanonenſchußweite aufgeſchlagen. Der König hatte ſchon einige Tage vorher die Erfahrung gemacht, daß das Pfeifen der Kugeln für ſeine Ohren keine angenehme Muſik ſei. Da die Belagerung ſehr langſam vorrückte, ließ er ſich beikommen, in den der Courtine von Remicourt gegenüber angelegten Laufgraben zu ſteigen, um den Arbeitern und Kanonieren Muth einzuſprechen. Er hatte für alle Fälle ſeinen Beichtvater mitgenommen. Coligny, der Befehlshaber der be⸗ lagerten Stadt, befand ſich gerade auf den Wällen. Er bemerkte den König und rief ſchnell einige Arquebuſiere herbei, denen er Philipps Geſtalt im Laufgraben zeigte. Sogleich pfiffen mehrere Kugeln dem Könige um das Haupt. Dieſer wendete ſich zu ſeinem Beichtvater und fragte:Mein Vater, wie findet Ihr dieſe Muſik?Sehr unangenehm, Sire.Ich auch. Ich begreife nicht, wie mein Vater, Karl V., daran ſo viel Vergnügen finden konnte. Machen wir uns davon. Er iſt nie wieder in einen Laufgraben geſtiegen.

Raffinirte Grauſamkeit.

Deſſalines, der berüchtigte Negergeneral auf St. Domingo, beſaß eine Doſe, nach welcher er, gleich den Ordalien der Vorzeit, über Schuld oder Unſchuld, Leben oder Tod entſchied. Der Franzoſe Descourtitz ſah es mit an, als

Deſſalines Gericht hielt. Der Angeklagte ward vorgeführt, die Anklage ver⸗

leſen und der ſchwarze Wütherich glotzte mit ſeinen furchtbaren Augen den Un⸗ glücklichen ſtarr an. Dann öffnete er ſeine Doſe, welche inwendig mit einem kleinen an dem Deckel befindlichen Spiegel verſehen war, und unterſuchte den daran hängenden Tabak; war dieſer feucht, ſo ließ der Tyrann es als ein Zeichen der Unſchuld gelten, war er trocken, ſo mußte der Angeklagte ohne Gnade als Verbrecher oder Aufrührer ſterben. V.

Für das deutſche Rettungsweſen zur See gingen bis heute, den 21. März ferner ein:

Aus Reichenbach in Oſtpreußen(An Gottes Segen iſt alles gelegen) Thlr. 27. E. M. Thlr. 10. Profeſſor Lange Thlr. 1. C. Bockhacker Thlr. 3. W. Lehmann Thlr. 2. W. Lehmann jun. Thlr. 1., ſämmtlich in Bonn. Berlin K. 52 weitere Thlr. 5. R. Werner in Danzig Thlr. 10. und Thlr. 10. jährlichen Beitrag. Aus dem Pfarrhauſe zu Bl. Oſtpreußen Thlr. 2. Plitt in Bonn Thlr. 1. G. Naſſe in Bonn Thlr. 1. Fräu⸗ lein Thewing in Wenningen a. M. Thlr. 1. v. H. in Aſchersleben Thlr. 6. Pf. Eyle in Mühlhauſen Thlr. 1. Von einer heiteren Geſellſchaft bei Wolkenſtein durch v. O. Thlr. 4. 10. Ein Leſer zu C. in Franken Fl. 1.45. General⸗Superintendent Dr. Wiesmann in Münſter Thlr. 5. W. H. in Halle a. d. S. Thlr. 1. E. B. in Bielefeld 20 Sgr. H. Marcotin Thlr. 2. A. Mels Thlr. 2. v. d. Hagen in Droſſen Thlr. 5. N. N. in Dortmund Thlr. 1. N. N. in Dortmund Thlr. 5. Beide durch Buch⸗ händler Köppen. Pf. Klingemann in Levern Thlr. 1. Haelſchner in Bonn Thlr. 1. von Dewitz zu Wuſſau Thlr. 5. X. in Münſter Thlr. 5. Graf R. in C. Thlr. 5. Buſch in Bonn Thlr. 1. Abonnentin M. P. in Augsburg fl. 5. G. Trompetter Thlr. 1. von Hofmann⸗Chappuis Thlr. 1. J. Klein Thlr. 1. G. Hammerſchmidt Thlr. 1.ſämmtlich in Bonn. von L. in Steterburg Thlr. 2. F. K. in Altenburg Thlr. 1. H. Schmithals in Bonn Thlr. 5. Freiherr von Biedermann in Leipzig Thlr. 1. Dr. L. Ziemßen in Stargard Thlr. 1. v. J. in Dresden Thlr. 5. Gr. in Burgſteinfurt Thlr. 1. Juſtizrath Heidſieck in Halle i. W. Thlr. 3. Betrag unſerer vorigen Quittung Thlr. 419. 21 ½. Summe: Thlr. 561. 16 ½.

Wir machen darauf aufmerkſam, daß es mit einer einmaligen Summe nicht gethan iſt, ſondern, daß ſelbſt nach Erreichung des erſten Ziels jede Sta⸗ tion mindeſtens Möchten deshalb beſonders bemittelte Freunde der Sache ſich nach dem Beiſpiel in unſerer heutigen Quittung nicht mit einer augenblicklichen Gabe begnügen, ſondern ſich auch zu einer jährlichen Beiſteuer verpflichten. Wir werden in einer der nächſten Nummern eine Darlegung der nächſten Ziele, der bedroh⸗ teſten Punkte und der zunächſt unerläßlichen Mittel geben. Jedenfalls hegen wir nach dieſem erfreulichen Anfang die feſte Hoffnung, daß ſich die Bewegung immer weiteren Kreiſen mittheilen und daß beſonders kein Abonnent des Die Redaction.

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Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Kor Verlag der Daheim⸗Expedition von Velhagen& Klaſing in Bielefeld und Berlin.

nig in Leipzig. Druck von Fiſcher« Wittig in Leipzig.

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