Jahrgang 
1865
Seite
399
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Am FJanilientiſche.

Heine und Rothſchild.

Es war, wenn wir nicht irren, im Anfange der dreißiger Jahre, als der Wiener Bankier S. ſich in einer Soiree des Herzog Decazes dem Baron Rothſchild näherte und zu ihm ſagte:

Sehen Sie, Baron, jenen jungen blaſſen Menſchen, der dort mit Ingres ſpricht, er iſt der Verfaſſer der Reiſebilder und des Buchs der Lieder, einer unſrer größten Dichter.

Was thu' ich damit! antwortete der Baron mit Achſelzucken.

Er iſt der Neffe von Salomon Heine, ſagte S.

Salomon Heine aus Hamburg? der große... Heine? fragte Rothſchild.

Natürlich, antwortete der andreaber er ſoll ſich haben taufen laſſen.

Was thu' ich damit? ſagte der Baronwir haben hier keine Vorurtheile wir haben jetzt erſt eine Revolution gemacht, um die letzten Vorurtheile auszurotten wir haben Gewiſſensfreiheit und meine Frau wird bei Hofe empfangen Stellen Sie mir den jungen Dichter vor es ſoll mich freuen, ihn kennen zu lernen altes, ſolides Haus, der Salomon Heine! Hab' immer die Künſte und Wiſſenſchaften protegirt, meine Frau auch! Stellen Sie ihn mir vor.

Der junge Dichter hatte aber ſchon Ingres verlaſſen und ſich einer Gruppe angeſchloſſen, deren Mittelpunkt Seribe war.Ich gebe Ihnen mein Wort, der Baron Rothſchild hat geſtern 10 Louisd'or im Whiſt verloren und hat ſie bezahlt, ohne ein Wort zu ſagen.. erzählte ein junger Offizier....

Für große Schmerzen findet man ſo leicht keine Worte, antwortete Scribe. Man lachte, und in dieſem Augenblicke erſchien der Bankier S. und bat Heine mit ihm zu kommen, da der Herr Baron ihn gern ſehen möchte... die Anweſenden hefteten mitleidsvolle Blicke auf den jungen Dichter....

N'ayez pas peur ſagte dieſer, der die Blicke zu verſtehen ſchien, im Fortgehen.

Wie oft mag wohl der Baron v. Rothſchild bereut haben, des deutſchen Dichters Bekanntſchaft gemacht zu haben? Denn von dem Tage an exiſtirte jemand, der dem Baron und allen ſeinen Millionen keck die Stirne bot, der den armen Goldkönig jahrelang auf ſolche mitleidsloſe Art und Weiſe behandelte, daß es gute Seelen gab, die ſich ins Spiel legten und bei dem faſt verarmten, verbannten Dichter um Schonung für den mächtigſten Privat⸗ mann unſrer Epoche baten. Selbſtverſtändlich bediente ſich der Dichter nur der Waffen ſeines Genies, um den Bankier lächerlich zu machen, und gewöhn⸗ lich that er dies im Beiſein des Betheiligten, ſo daß dieſer mehr als einmal ſeinen Landsmann innerlich verwünſchte, ohne jedoch irgend eine Aeußerung zu thun, die ihn hätte verletzen können, denn ſeine Furcht war doch größer als ſein Zorn! Und dieſe Tortur dauerte 1015 Jahre lang! Es wäre Roth⸗ ſchild gar leicht geweſen, jeglichen Umgang mit Heine abzubrechen aber alle Journale ſtanden dem Poeten offen... und er hatte ſich ſchon einmal den Zorn eines Poeten zugezogen Balzacs, und dieſer hatte ihn unter dem Namen des Baron Nucingen in mehreren ſeiner Romane mit einer Unſterb⸗ lichkeit von Lächerlichkeit bezahlt!

Von den hunderten von Bonmots, die Heine auf Rothſchild gemacht hat und die in gewiſſen Pariſer Kreiſen traditionell geworden ſind, wollen wir dem Leſer die originellſten citiren. Wir müſſen jedoch vorweg gegen den Vor⸗ wurf, der uns vielleicht treffen wird, eine unſchuldige Plauderei in ein Libell verwandelt zu haben, proteſtiren wir erzählen nur, was hunderttauſende von Pariſern wiſſen was ſogar gedruckt und veröffentlicht worden, wenn wir nicht irren, jedoch wir müſſen geſtehen, daß ein Gefühl von Wohlbehagen uns beſchleicht, wenn wir daran denken, daß ein Dichter ein deutſcher, unglück⸗ licher Dichter den Götzendienſt desGottes Million ſtolz verachtet hat.

Sehen Sie, Heine, ſagte Frederie Soulié eines Abends, als der Baron in eine Geſellſchaft trat und ſich ein großer Theil der Anweſenden vor ihm verneigte...das 19te Jahrhundert betet das goldne Kalb an.

Hm! antwortete Heine...Kalb?... der Baron iſt nicht mehr ſo jung, wie Sie gläuben!

Zufälliger Weiſe kam eines Abends das Geſpräch auf das in Paris ſo ſchmutzige und trübe Waſſer der Seine. Der Baron ſagte, daß er den Fluß wenige Kilometer nach ſeiner Quelle beobachtet hätte, und daß ſein Waſſer da klar und hell wie Cryſtall ſei....

Ihr Herr Vater ſoll auch ein ſehr rechtſchaffner Mann geweſen ſein, Herr Baron, ſagte Heine gelaſſen.

Die Anweſenden biſſen ſich in die Lippen der Baron verſtand nicht. Der Baron verſteht überhaupt immer noch nicht recht franzöſiſch, obgleich er doch nun ſchon ſeit beinahe 50 Jahren Frankreich bewohnt und mancher rebelliſche Subjonctif im Munde des Barons hat dem Dichter Stoff zu beißen⸗ den Bemerkungen, die für den deutſchen Leſer jedoch keinen Werth haben,

egeben. deReden Sie doch nicht ſo famillionär mit mir ſagte Heine zu ihm eines Abendsdie Leute könnten mich für Ihresgleichen halten!

Als er ihm den bekannten Witz ſeines Bruders erzählte, der, wie man weiß, nach ſeiner Erhebung in den Freiherrnſtand zu dem Herzog von Montmorency geſagt hatte:Sie ſind der erſte chriſtliche Edelmann und ich der erſte jüdiſche, antwortete ihm Heine:und Ihr Bruder war le dernier des juifs(der letzte der Juden, wörtlich kann aber auch als der ſchlechteſte der Juden verſtanden werden).

Herr Doctor, rief er ihm bei Tiſche einmal zuSie ſind doch ein Gelehrter ſagen Sie mir doch, warum dieſer Wein, den wir jetzt trinken, Lacrymae Chriſti heißt.

Nichts leichter, erwiederte Heineüberſetzen Sie doch:

unſer Salomon

Chriſtus weint, wenn reiche Juden ſolchen guten Wein trinken, während ſo viel arme Menſchen Hunger, Durſt und Kälte leiden!

Der Baron hatte ſich einſt den Zorn des Conſtitutionel zugezogen, welcher am nächſten Morgen in zwei kurzen Sätzen ſich rächte.... Er zeigte mit rührenden Worten an, daß der große deutſche Maler Cornelius den Armen in Frankfurt die beträchtliche Summe von 4000 Gulden geſchenkt hätte!... und weiter unten:der große deutſche Bankier Baron von Rothſchild hat auch geſtern den Armen von Paris 500 Franken geſchenkt.

Rothſchild war wüthend, als er am ſelben Abend Heine dies erzählte und ſich beklagte, daß ſeine Wohlthätigkeit ſo wenig Anklang fände! Schließ⸗ lich bat er Heine, in einem andern Journale etwas darauf zu antworten, was dieſer ihm auch verſprach. Zwei Tage ſpäter ſchickt er ihm den Figaro, und der Baron lieſt:Der Conſtitutionel zeigt wirklich eine jedes redliche Gemüth empörende Parteilichkeit. All ſein Lob iſt für die Günſtlinge Fortunas; keine Zeile für andre Menſchenkinder! Ein Schriftſteller hat ſich neulich verhältnißmäßig viel wohlthätiger, als der Baron von Roth⸗ ſchild gezeigt, er hat einem blinden Flötenſpieler auf dem pont des arts 10 Centimes gegeben und der Conſtitutionel hat bis heute ſeinen Leſern noch kein Wort davon erzählt.

Der Baron hütete ſich von da ab, den Dichter zu bitten, zu ſeinen Gunſten zu ſchreiben.

Was thu' ich mit all den faulen Schriftſtellern und Künſtlern? ſagte der Baron,wenn ich will, kauf' ich ſie dutzendweis, denn ich hab' Geld...

Wohl möglich, antwortet Heine gelaſſenaber wie werden Sie es anfangen, wenn Sie ſie gekauft haben, um ſie mit einem guten Verdienſt wieder los zu werden? Denken Sie an Horace Vernet! Der Baron ward blaß und ſchwieg! Sein Abenteuer mit Horace Vernet iſt nämlich der Alp, der ihn ſeit langen Jahren drückt! Er wollte ſein Bild von dem großen Schlachtenmaler gemalt haben und begab ſich in ſein Atelier, wo er natürlich, ſeinem ganzen Charakter gemäß, vor allen Dingen den Preis des Bildes wiſſen wollte Vernet ſagte ihm, daß er 150 Louisd'or nähme. Der Baron fängt an zu handeln der Maler wird ärgerlich und ſagt ihm, daß er jetzt ſein Bild unter 200 Louis'dor nicht mache und ſo geht das Ge⸗ ſpräch fort und je mehr der Baron handeln will, je theurer wird das Bild 500 Louisd'ors oder gratis, ſchreit endlich Vernet außer ſich!...Nun denn malen Sie mich gratis! ſagt der Baron!

Man kann nicht annehmen, daß es der Gedanke des Barons war, ſich wirk⸗ lich gratis malen zu laſſen; Vernet jedoch verſtand es ſo und warf den Gold⸗ könig zur Thür hinaus! In der Gemäldeausſtellung deſſelben Jahres jedoch ſollte der Baron erfahren, wie gefährlich es iſt, ſich mit Leuten wie Vernet zu erzürnen. Das Meiſterwerk des großen Malers,la prise de la Smala war ausgeſtellt und diejenigen der Leſer, welche es kennen, erinnern ſich vielleicht der Geſtalt eines fliehenden Juden ganz im Vordergrund des Bildes, der, ohne ſich im geringſten um das Gemetzel zu bekümmern, nur ein mit Gold und Edelſteinen angefülltes Käſtchen zu retten ſucht! Es iſt das ähnlichſte Bild des Barons James von Rothſchild, das wohl exiſtirt es befindet ſich im Kaiſerlichen Schloſſe von Verſailles, und es hat dem Baron keinen Pfennig gekoſtet! und doch gäbe er heute gerne jegliche Summe, da⸗ mit dieſes Bild verſchwände. Vielleicht wird der Leſer die Rache des Künſt⸗ lers als zu weit getrieben betrachten, aber der Cynismus des Barons allen geiſtig hochſtehenden Leuten gegenüber iſt wirklich ſo überaus groß, er glaubt ſich ſo ſicher, die ganze Welt durch die Macht ſeines Geldes zähmen zu können, daß er eine ſolche Lection, wenn ſie auch für ſeine Familie, die ſehr ehrenhafte und gebildete Mitglieder zählt, ſchmerzhaft iſt, doch reichlich verdient hat.

Wir haben die Wahl unter hunderten von Bonmots, die Heine auf ihn gemacht hat ein letztes und wir wollen ſchließen!

Rothſchild bewohnt, wie man weiß, das Palais der Königin Hortenſe, welches er gekauft und auf deſſen Ausſchmückung er vier Millionen verwandt hat. Er glaubte geiſtreich zu ſein, indem er jeden Beſuchenden fragte: Comment trouvez vous mon chenil?*...

Wiſſen Sie, Baron, daß chenil Hundehütte heißt? ſagte Heine zu ihm.

Nun was iſt?.. fragte Rothſchild!

Und daß Sie der Bewohner dieſes chenil ſind?... wenn Sie ſo etwas von ſich ſelbſt denken, verſchweigen Sie es wenigſtens.

Seit 1848 hatte Heine alle Beziehungen mit Rothſchild abgebrochen und das aus folgendem den Poeten im höchſten Grade ehrenden Grunde. Ein Pamphlet ohne Styl, ohne Geiſt, in dem Lügen auf Lügen gehäuft waren, war unter dem Titel:Rothſchild I und ſeine Dynaſtie erſchienen, und man konnte das Ziel, welches der anonyme Verfaſſer zu erlangen ſuchte, aus den erſten Zeilen ſchon errathen! Als die Rothſchildſche Familie dieſe Schmäh⸗ ſchrift erhielt, ſagte der Baron Salomon:

Nur ein Jude kann dieſen Schmutz geſchrieben haben wir haben immer Unannehmlichkeiten mit dieſem Volke gehabt.

Ich gebe 1000 Franken, wenn ich den Namen des Verfaſſers herausbe komme, ſagte der Baron Alphons.

Nichts leichter, ſagte der große Chef des Hauſes, der Baron James,laß Deine Offerte annonciren, und wenn es ein Jude iſt, gebe ich Dir mein Wort, kommt er ſelbſt und holt ſich die 1000 Franken Belohnung für ſeine Schurkerei 12

Die Menſchen ſind mir doch zu gemein, ſagte der ſchon kranke Heine, als man ihm dieſen Zug wiedererzählte...ich denke an jenen Ehrenmann, meinen Onkel.. wenn die Rothſchilds wieder herſchicken, um ſicht nach meinem Befinden zu erkundigen laß' ich den Diener hinauswerfen! Mn.

Eine merkwürdige Medaille.. Daß die Franzoſen Meiſter in der flüchtigen, aber deſto heißenderen Satyre ſind, iſt unbeſtreitbar, aber wenigſtens vertrauen ſie ihre Spöttereien