Jahrgang 
1865
Seite
391
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Beethoven dagegen war ein ödes und trauriges.

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Das Haus der jungen Wittwe des kurkölniſchen Hofraths von Breuning war ein ſehr heiteres. Ein ziemlicher Wohlſtand machte die vortrefflichſte Erziehung der nicht unbegabten Kinder möglich, der Verkehr mit manchem gebildeten Hausfreunde erweckte den Sinn für ein edleres Daſein, und ſo ging durch die geſelligen Unterhaltungen und Spiele in dieſem Hauſe bei allem jugendlichen Muthwillen ein ungezwungener, gebildeter Ton und die Fröhlichkeit eines glücklichen Lebens. Es war ein wirklich ſchönes Daheim, was die Familie von Breuning beſaß.

Das Haus des erzbiſchöflichen Hoftenoriſten Johann von Freilich ſtammte er ſelbſt aus einer nicht übel angeſehenen Familie; denn ſein Vater, ob⸗ wohl auch nur Sänger und Komödiant, alſo einem damals noch ver⸗ rufenen Stande angehörig, hatte ſich doch ſowohl durch ſeine künſt⸗ leriſchen Leiſtungen wie durch ſeinen ehrenhaften Charakter die Achtung der Leute zu gewinnen gewußt, war ſogar kurkölniſcher Hof⸗ capellmeiſter geworden und hatte durch ordentliche Führung ſeines Hauſes einen ziemlichen Wohlſtand erworben. Sein Sohn Johann nun war zwar auch ein tüchtiger Muſikante und hatte auch ſchon früher eine beſoldete Stelle in der Hofcapelle erlangt. Allein die Beſoldung war knapp, und als er nun noch eine unvermögende junge Wittwe, die Tochter des kurtrierſchen Leibkochs von Ehrenbreitſtein, geheirathet hatte und bald hintereinander mehrere Söhne bekam, wur⸗ den die Verhältniſſe der kleinen Familie immer mißlicher; das geringe Vermögen des verſtorbenen Großvaters war bald verzehrt und es trat ſogar Noth ein. Allein das wäre noch zu ertragen geweſen, wenn nicht der Vater einem Laſter gefröhnt hätte, das zugleich den Frieden des Hauſes zerſtörte: er liebte den Wein mehr als ſelbſt dem Rheinländer geziemt, und war dann im trunkenen Zuſtande ſehr heftig und gewaltthätig. Darunter litt die ſanfte gute Mutter ſo ſehr, daß ſich bei ihr bald eine Lungenkrankheit einſtellte, der der Tod raſch folgte.

Jetzt fiel noch die ganze Sorge der Ernährung auf die Schul⸗ tern des ſechzehnjährigen älteſten Sohnes Ludwig. Der Vater, der frühe deſſen eminente Begabung für die Kunſt erkannt hatte, war im Bewußtſein der eigenen Schwäche auch von vornherein darauf be⸗ dacht geweſen, dieſe Talente zum Vortheil der Familie auszunutzen und hatte zum Theil durch eigenen Unterricht, zum Theil durch tüch⸗ tige Lehrer, die der Kurfürſt bezahlte, den Knaben zu einem ausge⸗ zeichneten Clavierſpieler heranbilden laſſen. Ja, mit fünfzehn Jahren war Beethoven ſchon kurkölniſcher Hoforganiſt geworden und bald darauf vom Kurfürſten Maximilian Franz, dem Bruder Joſephs II, nach Wien geſandt worden, um ſich unter Mozart zum vollendeten Künſtler auszubilden. Die Krankheit der Mutter aber hatte ihn bald von dort zurückgerufen, und nun begann für ihn, den kaum heran⸗ wachſenden Jüngling, die ſchwere Pflicht der Erhaltung der Familie. Denn der Vater verſank von Tag zu Tag mehr in den Sumpf ſeines Laſters, ſo daß er ſogar ſeinem Dienſte nicht mehr vorzuſtehen ver⸗ mochte und darum aus demſelben entlaſſen und in ein kurkölniſches Landſtädtchen verwieſen wurde. Doch hatte Max Franz die Gnade, ihm die Hälfte des Gehaltes als Penſion zu belaſſen und die andern hundert Reichsthaler ſeinem jungen Schützling zu gewähren,damit er die Schulden des Vaters tilge und ſeine beiden Brüder erziehe. Von dieſen bildete er denn auch den einen zum Muſiklehrer, den andern brachte er ſo weit, daß er als Lehrling in die Hofapotheke aufgenom⸗ men werden konnte.

Es war natürlich zunächſt der Muſikunterricht, was dem jun⸗ gen Hoforganiſten als Mittel zum Broterwerb diente, und dieſe Thätigkeit war es auch wohl geweſen, die ihn in das Haus des Hof⸗ raths Breuning brachte. Denn er unterrichtete dort Lenz, den jüngſten Sohn, und das ſchlankeKind Lorchen mit den ſchönen braunen Augen und dem intereſſanten Geſichtsausdrucke. Sie war nur um drei Jahre jünger als Beethoven, allein der Ernſt des Lebens, der ſo früh an den jungen Künſtler herangetreten war, hatte ihn auch frühe gereift und den angebornen Ernſt ſeiner Seele früh entwickelt und zur Grundſtimmung ſeines Weſens gemacht. So konnte man ſich keinen größeren Gegenſatz denken, als den jungen Beethoven, der bis dahin nichts als herbes Leid erfahren und nur die Schwierigkei⸗ ten des Daſeins kannte, im Kreiſe dieſer vom Glück begünſtigten Menſchen. Dazu nun jenes ſtolze Selbſtbewußtſein, das ihm, der ſeine geiſtige Kraft ſchon früh erkannte und ſeine Ueberlegenheit über die geſammte Umgebung tagtäglich lebhaft fühlen mußte, obendrein

noch der Umſtand gab, daß er, ſo jung er war, ganz allein der Grün⸗ der ſeines Glücks war und nicht blos ſeines, ſondern auch des Glückes ſeiner Familie! Auch war er für den Umgang mit Menſchen ſchon von Natur wenig geſchickt, und das einſame Leben, an das ihn der Vater gewöhnt hatte, als er den Knaben mit ſtrengem Gebot unaus⸗ geſetzt an die Muſikübungen auf ſeiner Stube feſſelte, hatte ihn nur noch zurückhaltender gemacht.Er war ſcheu und einſilbig, weil er mit Menſchen wenig Gedanken wechſelte, beobachtete und dachte mehr als er ſprach und überließ ſich den durch Töne und durch Dichter ge⸗ weckten Gefühlen und der brütenden Phantaſie. So berichtet uns einer ſeiner Jugendgenoſſen.

So ſchien er denn freilich ein ſchlechter Spielgenoſſe für die frohen Kinder des Breuningſchen Hauſes zu ſein. Allein es war die Frau Hofräthin, die den Gegenſatz dieſer beiden Elemente zu mildern und den jungen Genius an ihr Haus zu feſſeln wußte. Sie kam ihm mit Liebe entgegen, und Liebe Liebe war es, wonach Beethoven in tief⸗ ſter Seele ſich ſehnte und was er ſeit dem Tode der zärtlich geliebten Mutter nicht mehr genoſſen hatte.Sie war mir eine ſo gute, lie⸗ benswürdige Mutter, meine beſte Freundin, hatte er nach dem Tode derſelben einem Freunde in Augsburg geſchrieben;o, wer war glücklicher als ich, da ich noch den ſüßen Namen Mutter ausſprechen konnte, und er wurde gehört, aber wem kann ich ihn jetzt ſagen? Den ſtummen, ihr ähnlichen Bildern, die mir meine Einbildungs⸗ kraft zuſammenſetzt? So lange ich hier bin, habe ich noch wenige vergnügte Stunden genoſſen, die ganze Zeit bin ich mit der Eng⸗ brüſtigkeit behaftet geweſen und ich muß fürchten, daß gar eine Schwindſucht daraus entſteht. Dazu kommt noch Melancholie, welche für mich ein faſt ebenſo großes Uebel als meine Krankheit ſelbſt iſt.

Allein Frau von Breuning ward ihm in der That eine zweite Mutter, eine wahrhaft mütterliche Freundin. Sie behandelte ihn, den ſtörriſchen Knaben, der von Körper faſt plump organiſirt und ſelbſt als Jüngling noch ohne feinere Weltſitten war, mit dem un⸗ widerſtehlichen Einfluß, den ein echtes Frauengemüth auf junge Männer hat, und gewann durch ihre Liebe bald die größte Macht ſelbſt über ſeine Launen und ſeine Unfreundlichkeit; und wenn es gar nicht mit ihm gehen wollte, ließ ſie ihn eben ſeiner Wege gehen mit den Worten:Er hat wieder ſeinen Raptus. Sie nahm ihn aber faſt völlig als Kind des Hauſes auf; er brachte nicht nur den größ⸗ ten Theil des Tages, ſondern ſogar manche Nacht dort zu. Und hier fühlte er ſich frei, hier bewegte er ſich mit Leichtigkeit, und alles wirkte zuſammen, um ihn heiter zu ſtimmen und ſeinen Geiſt zu entwickeln.

Hier nun war es auch, wo die erſte Regung des liebenden Herzens über den Jüngling kam. Wir ſind freilich wenig darü⸗ ber unterrichtet; denn unſer Gewährsmann erzählt nur, daß eine Freundin Lorchens, ein Fräulein Jeannette d'Honrath, die zuweilen einige Wochen in der Breuningſchen Familie zubrachte, ſowohl Beethovens wie Stephan von Breuningserſte Liebe ge⸗ weſen ſei.

Sie war eine Kölnerin und wird uns geſchildert als eine ſchöne lebhafte Blondine, von gefälliger Bildung und freundlicher Geſinnung, welche viel Freude an der Muſik und eine angenehme Stimme hatte. So iſt es erklärlich, daß die Jünglinge in anmuthigem Spiel der Zeit, Ballſchlagen oder Verſtecken ſich zuneigungsvoll um das Mäd⸗ chen bewegten und in Beethoven ſogar ein tieferes Gefühl für ſie er⸗ wachte; denn ſie verſtand ja die ihm angeborne Sprache des Gefühls, die Muſik. Aber mochte er auch am Klaviere ſeine Empfindungen in voller Herrlichkeit ausſtrömen und ſeinen Nebenbuhler, der ihn im täglichen Verkehr mit dem Mädchen durch angenehmeres Weſen und zarteres Benehmen wohl übertraf, durch die Enthüllungen ſeines Genies ganz in den Hintergrund ſtellen, das blonde Mädchen ſchien ſeine Empfindungen eben ſo wenig verſtehen zu wollen, als die des Freundes. Ja, ſie neckte unſern Freund manchmal durch den Vortrag eines damals bekannten Liedes:

Mich heute noch von Dir zu trennen Und dieſes nicht verhindern können Iſt zu empfindlich für mein Herz! und reichte ihre Hand einem flotten öſterreichiſchen Werboeoffizier in Köln, dem Hauptmann Karl Greth.

Wie ſich nun unſer junger Titane bei dieſer Enttäuſchung ge⸗ berdete, wiſſen wir nicht; aber wohl erfahren wir, daß ſolche Vor⸗ gänge zuweilen Scenen herbeiführten, die die ganze Melancholie wie