Jahrgang 
1865
Seite
384
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und ſie ihren Kameraden Lemattre ausſteigen ſehen, der ſich lächelnd an ſie wendet und zu ihnen ſagt:Wie findet Ihr meine Equipage, Kinder, nicht wahr, ich habe guten Geſchmack ſeht meine Livree an] gefällt ſie Euch der ganze Kram koſtet kaum 10,000 Franken!

Boutin, der Komiker, den ganz Paris kennt, der einzige, welcher einen gewiſſen Einfluß auf Lemaitre ausübte, nähert ſich ihm, und ſagt mit vor⸗ wurfsvollem Tone zu ihm:

Haſt Du Deinen Verſtand verloren, Frederie? Wie lange denkſt Du denn dieſen Wagen und Pferde zu beſitzen? Ein Wucherer wird ſie Dir für ein Paar tauſend Franken aus den Händen ſchwindeln! Menſch, Du biſt wahrhaftig verrückt!

Frederie Lemaftre ſchlägt den Blick zu Boden, ſcheint äußerſt beſchämt über die Vorwürfe ſeines Freundes, dann geht er nahe an ihn heran, hebt den Fuß in die Höhe, und indem er mit dem Finger auf ſeinen Stiefel zeigt, ſagt er mit ernſter, faſt weinerlicher Stimme:

Sieh Dir meine Stiefel an, Boutin ſieh ſie genau an und ſage Du ſelbſt, ob ich wohl anſtändiger Weiſe mit ſolchen abgelaufenen Hacken über die Straße gehen konnte.

Man kann ſich denken, mit welchem homeriſchen Gelächter die Um⸗ ſtehenden dieſen trait d'esprit des großen Schauſpielers begrüßten! In der Equipage ſahen die Pariſer eine ganze Woche lang ihren gefeierten Künſtler in den Eliſäiſchen Feldern und im Boulogner Gehölz den Millio⸗ när ſpielen, dann dochwo iſt der Schnee des vergangnen Winters? ſagt ein altes franzöſiſches Lied! Sa-w.

Die Leiche Karls I. von England.

Am 28. März des Jahres 1813 waren die Arbeiter der Windſor⸗ capelle des heil. Georg beſchäftigt, einen Gang unter dem Chore auszu⸗ mauern. Bei dieſen Arbeiten wurde zufällig eine Oeffnung in die Mauern des Gewölbes Heinrichs VIII gemacht. Bevor dieſelbe geſchloſſen wurde, gab der Prinzregent Befehl, das Gewölbe zu unterſuchen und zwar ſollte dieſe Unterſuchung in ſeiner Gegenwart geſchehen. Begleitet von dem Herzog von Cumberland, dem Dechanten Legg von Windſor und dem Arzte Dr. Halford, begab ſich der Regent am 1. April in das geöffnete Grabgewölbe. Gleich vorn an in der Gruft fand man einen zinnernen Sarg mit der Inſchrift:König Karl 1648. Nach den Zeugniſſen des Geſchichtsſchreibers Herbert war der Sarg mit des Königs Leiche hier beigeſetzt worden. Mancherlei Entgegnungen hatte Herbert erfahren, aber es zeigte ſich nun, daß der von ihm angegebene Ort der richtige war. Um vollſtändige Gewißheit zu erlangen, befahl der Regent in den Deckel des Sarges ein Loch zu machen. Nach Durchſchneidung der Zinnplatte fand man einen hölzernen Sarg, welcher jedoch in ſehr ver⸗ dorbenem Zuſtande zu ſein ſchien, denn man ſah durch die Spalten den in Wachstuch eingehüllten Leichnam. Die Fugen hatte man mit einer Art Harz oder Wachsmaterie gefüllt, vermuthlich um die Einwirkung der Luft abzuhalten, da dieſe Füllung aber in großen Quantitäten ausgegoſſen worden war, ſo hatte ſie den Sarg faſt ganz überſchwemmt und das Wachs⸗ tuch ſo feſt zuſammengeklebt, daß es nur mit großer Mühe entfaltet wer⸗ den konnte. Nachdem es gelöſet war, erblickte man das Antlitz der könig⸗ lichen Leiche. Die Haut war dunkel und entfärbt, Vorderhaupt und Schlä⸗ fen hatten wenig von ihrer Muskelſubſtanz verloren, dagegen war das Na⸗ ſenbein ganz geſchwunden. Als man das Geſicht bloßlegte, ſah man das linke Auge geöffnet, es ging aber wenige Minuten darauf ein. Vollſtän⸗ dig erhalten war der ſpitze Kinnbart und alle kamen darin überein, daß das Antlitz noch im Sarge vollkommen den berühmten Portraits des Königs von Van Dyk gleiche. Die Zähne waren alle vorhanden und faſt ganz friſch fand ſich das linke Ohr, welches eine große Quantität der ange⸗

lührten Flüſſigkeit umgab, wodurch es beſonders geſchützt worden war. nn Wahrüſthne des umhüllenden Tuches lag das Haupt ganz frei ut ward leicht herausgenommen. Der Hintertheil deſſelben zeigte ſich voll⸗ ſtändig erhalten und war mit ſtarkem Haarwuchs bedeckt. Die Paröe der Haare war ſchön dunkelbraun, während der Bart eine röthliche Färbung zeigte. Die Unterſuchung ergab, daß durch den Streich des Henkerbeils die vierte Vertebra durchſchnitten worden und zwar waren die durchhauenen Theile vollſtändig eben und glatt. Ohne den Körper zu unterſuchen, ver⸗ löthete man, nachdem das Haupt ſorgfältig wieder in die hüllende Wachstuch⸗ decke gelegt worden war, den Sarg und vermauerte das Gewölbe. V.

Anonymus in Dresden. Es iſt ganz unmöglich, die Monats⸗ hefte oder gar die einzelnen Nummern nähen zu laſſen. Bedenken Sie doch, daß die Ausgabe der Monatshefte an demſelben Tage erfolgt, wo die letzte darin enthaltene Nummer erſcheint, daß wir alſo zur Herſtellung nur 2 ½ 3 Tage Zeit haben. Ziehen Sie ferner den Preis in Betracht, ſo werden Sie einſehen, daß Ihr Verlangen ganz unberechtigt iſt. Wollen Sie das Daheim geheftet ſtatt broſchirt leſen, ſo kann Ihnen das ja jeder Buchbinder beſorgen. Die Expedition.

Für das deutſche Rettungsweſen zur See

gingen bis heute, den 16. März ferner ein:

S. in Wiesbaden Thlr. 2. C. Schleicher in Schönthal Thlr. 2. Commerzienrath Hermann Delius Thlr. 10. Th. Tiemann Thlr. 5. Sanitätsrath Dr. Tiemann Thlr. 25. Hermann Consbruch Thlr. 1. Auguſt Friedhoff Thlr. 2. Dr. Schreiber Thlr. 4., ſämmtlich in Bielefeld. Ss. in Goslar Thlr. 2. Pf. Hartnick in Orzeszkowo Thlr. 1. G. R. in Leipzig Thlr. 5. Stud. jur. Otto Graf Stoſch auf Hartau Thlr. 3. Eure Freunde, die Schüler von S.(Kreuzerſammlung von Kindern unbemit⸗

telter Bergleute in Naſſau) fl. 1. Ungenannt vom Bodenſee Thlr. 5.

Ungenannt in B. Thlr. 5. Pfr. Schmidt in Lebehnne Thlr. 2. K. 52. in Berlin Thlr. 2. Frau Poſtmeiſter Natus in Beescow Thlr. 1. Graf Zech⸗Burkersrode in Wiesbaden fl. 35. Die Tertia der Realſchule zu Frau⸗ ſtadt Thlr. 1. 11 ½. Aſſ. B. in Leipzig Thlr. 2. Die Gehülfen der Vel⸗ hagen und Klaſingſchen Buchhandlung und Buchdruckerei in Bielefeld Thlr. 6. 20. M. Bannerman aus Monmouth Thlr. 2. G. Thomas aus Oxford Thlr. 2. Aus Landsberg a. d. Warthe Thlr. 1. H. G. M. aus dem Süden Thlr. 10. Paſtoren Heidſieck I. und II. in Heepen Thlr. 2. Cinige Patrioten in Schildau Thlr. 2. 15. Sup. Rogge in Egeln Thlr. 1. Ein deutſcher Student(C. M.) in Roſtock Thlr. 1. Pfr. Corſepius in Schönbruch Thlr. 1. Dompred. Focke in Halle Thlr. 3. C. S. in Bonn Thlr. 10. Von Scriba in Flensburg Thlr. 1. Die Prima und Sekunda der Realſchule zu Frauſtadt Thlr. 1. 17. W. von Bismark in Trieſt Thlr. 5. Agnes Erdmann in Breslau(im Namen ihrer Kinder, die, lebhaft angeregt von den Schilderungen des Daheim, freudig ihre Sparkaſſen öffneten) Thlr. 5. Frau von Scheibler in Bonn Thlr. 5. Dr. K. in L. Thlr. 1. Sup. Siebenhaar in Penig Thlr. 1. Ein Preuße in Wiesbaden Thlr. 1. N. Claſon in Bonn Thlr. 5. Die Quarta der Realſchule zu Frauſtadt Thlr. 1. 6. Sup. Münter in Holzhauſen Thlr. 2. C. F. Nachtigall in Stendal 10 Sgr. F. A. Spies in Bonn Thlr. 5. H. Böcker in Bonn Thlr. 5. Pf. Vömel in Marxheim, Naſſau Thlr. 1. C. F. Klein in Bar⸗ men Thlr. 5. von Diergardt in Bonn Thlr. 5. Paſtor Engeling in Biele⸗ feld 15 Sgr. v. Bonin in Gumbinnen Thlr. 2. C. S. in Leipzig Thlr 3. E. Joſephſon in Unna Thlr. 8. H. J. F. in N. Thlr. 1. 10.C. D. Brülle in Lippſtadt Thlr. 5. Betrag unſerer vorigen Quittung Thlr. 206.20. In Summa: Thlr. 419. 21 ½.

Seeleben von Corvettencapitän Werner Leipzig, Ende März 1865.

Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des Daheim in Leipzig⸗ Poſtftr⸗ Nr. 2.

Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bieleſeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig.

An unſre Leſer.

Mit der nächſten Nummer tritt das Daheim in ſein zweites Halbjahr. Das verfloſſene Quartal hat unſre Abonnentenzahl auf 33,000 geſteigert, ein Reſultat, das uns auf dem bisherigen Wege nur zu beſtärken vermag.

Das nächſte Quartal wird unter Anderm enthalten: Künſtlers Leid und Freud, Novelle von H. Marcotin. Die Frauenſchlacht auf Borkum, von L. Roſen. Die Mordnacht von Haidelliſt, von George Heſekiel. Am Fuß des Arber, von Andr. Oppermann. Ein Churfürſtlicher Beſuch von V. v. Strauß. Beethovens Jugendliebe, von L. Nohl, mit Illuſtration von Lindenſchmit. Uhland und Kerner, Erinnerungen von Ottilie Wildermuth, mit Illuſtration von Schütz. Schillers Daheim, mit Illuſtration von L. Pietſch. Prinz Aremberg bei Oeverſee, mit Illuſtration von E. Hünten. Zum 18. April: Feldwebel Probſt, Gedicht von J. Sturm, mit Illuſtration von E. Hünten. Hinter den Brettern, die die Welt bedeuten, techniſche Couliſſengeheimniſſe mit Illuſtrationen. Aus den alten Tagen der Baſtille, mit Illuſtrationen, von Georg Hiltl. Aus dem zoologiſchen Garten zu Köln, von Bodinus, mit Illuſtrationen von Beckmann. Menſchenjagd Sund Menſchenhandel am weißen Nil, von Robert Hartmann. Die Gefangenen unſrer zoologiſchen Gärten, von W. Schlegel. Aus Kurprinz Friedrich Wilhelms Kinderzeit von W. Hahn. Heine und Rothſchild von Mn. Schweſter Mariade las Angustias, einſpaniſches Myſterium der Neuzeit von M. C. Hören und Nichthören, von Dr. Erhard, mit Illuſtration. Auf der Rehjagd, mit Illuſtration von Guido Hammer.Eine Wetterhornfahrt, von Gerwer, mit Illuſtration von E. Rittmeyer. Aus dem Ries, von Melchior Meyr, mit Alluſtration von Beyſchlag. Eine Veſuvpartie, mit Illuſtration von Pixis. Bilder aus dem

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Die Redaction.

Verlag der Daheim⸗Expedition von Velhagen* Klaſing in Bielefeld und Berlin. Druck von Liſcher* Wittig in Leipzig.

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