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und Bräutigam heute die Ehrenplätze hatten. Wir alle waren in der glücklichſten Stimmung, und nach dem hausüblichen Tiſchgebet konnte man von uns wie von den Israeliten zu Salomos Zeit ſagen,„ſie aßen und tranken und waren fröhlich“. Damit aber die Bedeutung des Hausfeſtes darüber nicht vergeſſen werde, wurde dieſelbe durch eine Reihe mannig⸗ faltiger Tiſchreden und Trinkſprüche wiederholt in Erinnerung gebracht. Die Tafel war ſo geſtellt, daß wir den freien Blick in den Hausgarten hatten, denn die Thüren des Saales waren geöffnet, die gegenüberſtehenden Thüren des Gartenzimmers gleichfalls, und die angenehmſte Sommerluft ſpielte herein.
Gegen Ende des Mahles aber erblickten wir fremde Geſtalten im Garten, die ſich auf dem freien Platze vor der Thür um den runden Gartentiſch niederließen. Es war ein Verein freundlichgeſinnter Sänger, die uns alsbald durch den trefflichen Vortrag paſſender vierſtimmiger Lieder überraſchten. Das leitete denn gar ſchicklich zum Beſchluſſe der Mahlzeit hinüber. Darnach begaben wir uns ſämmtlich in den Garten hinaus, deſſen reichliche Roſen unter dem heiterſten Himmel aufs ſchönſte blühten, und vertheilten uns nach Begrüßung der Sänger in den Wegen, während jene in ihren anmuthigen Liedern fortfuhren.
Plötzlich flog aus hoher Luft eine einzelne Taube hernieder und ſetzte ſich auf die Giebelſpitze des hinausgebauten Gartenzimmers, von dorther, wie es ſchien, dem Geſange eine Zeitlang zuhorchend, während ihr bronce⸗ farbiges Gefieder in der Sonne glänzte. Kaum hatte das folgende Lied begonnen, als ſie die Flügel abermals ausbreitete, herabflog und ſich auf der Rücklehne eines zwiſchen den Sängern ſtehenden leeren Stuhles nieder⸗ ließ. Jedermann war überraſcht von der ſeltſamen Zutraulichkeit des artigen Geſchöpfes, die Singenden ſchloſſen ihr Lied, die Geſellſchaft eilte herzu. Aber wie ſteigerte ſich unſre Verwunderung, als die Taube, die keinem der Anweſenden bekannt war, ſich von dem Nächſtſtehenden ohne Scheu auf die Hand nehmen und der ſtaunenden Braut hinreichen ließ. Von dieſer ließ ſie ſich eine Zeitlang liebkoſen und ſtreicheln, flog ihr dann aufs Haupt und ſchlug mit den Flügeln, ließ ſich darauf von ihr wieder herabnehmen, dem Bräutigam auf die Hand ſetzen, von ihm auch mir und ſo von einem dem andern hinreichen, uns alle mit klugen ſanften Augen betrachtend, als fühle ſie ſich wohl und heimiſch unter uns. So weilte ſie und ließ ſich im Garten umhertragen, bis noch einige Geſänge vorgetragen waren, aber bei dem letzten Tone des letzten Liedes ſchwang ſie ſich wieder empor und flog in ſüdöſtlicher Richtung über die Dächer der Nachbarhäuſer davon.
Daß keiner der Unſrigen oder der Hausfreunde die Taube beſaß, wußten wir, vermutheten daher Anfangs, ſie gehöre einem der Sänger, der ſie gezähmt und abgerichtet habe; aber auch dann wäre es wunderſam geweſen, daß ſie gerade nur die Braut durch ihre Zutraulichkeit und ihr Gehaben ſo ausgezeichnet, ſonſt aber mit jedem andern gleich vertraut ge⸗ than hatte. Allein ſämmtliche Sänger, erſtaunt wie wir über die zierliche Begebenheit, verſicherten feierlich, daß ihnen die Taube vollkommen fremd ſei, und einer von ihnen, der im Stande war, dies auch für die Uebrigen zu verſichern, rief lebhaft ergriffen aus, dies ſei das Unerhörteſte, was er je geſehen und er preiſe ſich glücklich, doch einmal ein wirkliches Wunder er⸗ lebt zu haben. Einen ähnlichen Eindruck hatten wir alle empfangen, der auch nicht dadurch abgeſchwächt wurde, daß wir ſpäter erfuhren, die Taube, die einem jungen Mann in der Stadt gehöre, ſei allerdings gezähmt und durchaus nicht menſchenſcheu. In dem Garten hat ſie ſich nie wieder blicken laſſen. Wir aber durften es wohl für ein freundliches Wahr⸗ zeichen für das geliebte Brautpaar halten, daß es an ſeinem Feiertage und an ſeinem dereinſtigen Wohnorte dergeſtalt von dem Friedensvogel ohne Falſch, dem Symbole treuer Liebe, dem Bilde des göttlichen Geiſtes begrüßt worden ſei.
Unſer ganzes Haus⸗ und Familienſeſt aber erhielt dadurch eine Be⸗ ſiegelung, welche mich öfter zum Nachdenken veranlaßt und zu den Be⸗ trachtungen geführt hat, welche die Mittheilung dieſer ungewöhnlichen Be⸗ gebenheit eröffnen. T.
Das Rieſenſtammbuch Weimars.
Ein Rieſenſtammbuch! Wer die Ruheſtätte der Todten betritt, vor dem liegt es aufgeſchlagen. Ruft nicht jeder Name, jeder Spruch auf Kreuzen, Steinen und Urnen: Gedenke mein!?
Und nun das Rieſenſtammbuch der Stadt, die man die„Stadt der großen Todten“ nennt. Wer alles ſchläft in Weimars Erde! Würden auch die Blätter dieſes Stammbuches vergilben, verwehen— ewig werden doch die Namen genannt werden, die darauf geſchrieben, denn ſie ruhen ja nicht im Herzen einer kleinen Gemeinde, ſie werden ja geprieſen und genannt ſo weit die deutſche Zunge klingt...
Wir wollen es aufſchlagen dieſes Rieſenſtammbuch Weimars und darin leſen.
Betreten wir zuerſt den Jakobskirchhof, ſo begrüßt uns, die ſchlichte Mütze in der Hand, Lukas Cranach der Aeltere, den wir in ganzer Geſtalt an ſeinem Grabſtein ſehen. Im Jahre 1553 verſchied er fromm„der fertigſte Maler und Wittenbergs Bürgermeiſter, der wegen ſeiner Tugenden dreien Churfürſten von Sachſen lieb und theuer war.“ Gleich daneben finden wir die Denkſteine zweier Collegen Cranachs, der Maler Löber und Kraus. Ihre Namen ſind in die Bücher der Geſchichte eingezeichnet, ihre Werke längſt übertroffen worden. Auf einem andern Grabſtein ſteht zu leſen: Chriſtoph Bode. Wer denkt noch ſeiner Ueberſetzungen von Sterne und Goldſmith? Aber der heilige Ernſt, mit dem er das Leben erfaßte, wird ſtets zum Vorbild dienen, denn er ſchwang ſich durch raſtloſen Fleiß von einem blutarmen Hautboiſten in Celle zu einem höchſt geachteten Schriftſteller hinauf, den Leſſing und Goethe Freund nannten. Nicht fern von dieſem Ueberſetzer engliſcher Humoriſten ein deutſcher Humoriſt, deſſen liebenswerthes Bildniß ſich über der Inſchrifttafel befindet: Dem ver⸗ ewigten Johann Karl Muſäus im Jahr 1787. Unvergeßlich wird der goldene
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Schatz der Volksmärchen bleiben, den Muſäus gehoben! Ach, leider raffte ihn, den einſtigen Candidaten der Theologie, der die Pfarrſtelle verſcherzt, weil er getanzt hatte, der Tod zu früh hinweg, und Herzog Karl Auguſt klagte an ſeiner Gruft:„Mein lieber Freund hat mich verlaſſen.“ Und dort ein Cippus mit einem Helm geſchmückt. Darunter ſchläft ein echter Soldat, der preußiſche Generallieutenant Wilhelm von Schmettau, dem das Herz brach und der ſich aus hohem Fenſter auf das Pflaſter ſtürzte, als die Sieger von Jena in die Thore Weimars ſtürmten. Und nun werfen wir noch einen Blick auf ein Erbbegräbniß, nachdem wir uns mit feuchtem Auge von dem Kaſſen⸗ gewölbe gewendet, in dem 22 Jahre lang Schillers Gebeine ruhten; in dieſem Erbbegräbniß ſchlummert deſſen Gattin, der das„Licht! Liebe! Leben!“ in die Welt rief— Caroline von Herder. 3
Das ſind ſieben Blätter in Weimars Rieſenſtammbuch. Verlaſſen wir jetzt den Jakobskirchhof und ſchreiten zum neuen Friedhof hinaus, um weiter zu leſen.
Gleich beim Eintritt fällt unſer erſter Blick auf einen beſcheidenen Ban mit doriſchem Portal, der ſich in der Mitte erhebt. Es iſt die Fürſtengruft, in der ein kleiner und doch ſo unendlich großer Regent mit ſeinen beiden Freunden ausruht. Karl Auguſt, Goethe, Schiller, welche Trias! Und nun längs den Mauern die übrigen Geiſter ringsumher— iſt es nicht, als wollten ſie einen Schatz hüten? Dem erſten dieſer Hüter, dem Humoriſten Stephan Schütze, gilt ein mit Kranz und Leier gezierter Denkſtein. Er war ein wackerer Dichter und der beſte Menſch, der an allem Freude und überall Freunde hatte. Weiterhinab glänzt an einem Pfeiler das Bronce⸗Medaillon Johann Nepomuk Hummels. Wie ein Meteor erſcheint er gegen den ſanften Humoriſten Schütze, ja man könnte ihn wohl Franz Liszt den Erſten nennen, denn auch ſeine Kunſt⸗ reiſen glichen Triumphzügen. Der nicht weit davon ſchläft, war der wahre Vater und Kinderfreund.„Unter dieſen grünen Linden— Iſt durch Chriſtus frei von Sünden— Herr Johannes Falk zu finden“ ꝛc. lautet die Inſchrift. Fromm, mildthätig ohne Grenzen, adlig durch ſeine Geſinnung— ſo war Falk. Nachdem er ſeine vier blühenden Kinder in einem Monat durch den Tod verloren, breitete er die Arme aus und rief:„Laſſet die Kindlein zu mir kommen,“ und ward der Gründer einer Anſtalt für verwaiſte Knaben und Mädchen, die ſich bis zum heutigen Tage des beſten Gedeihens zu erfreuen hat. Falks Nachbarn, deren Namen, von Epheu und Immergrün umrankt, an der Mauer zu leſen, ſind wohl oft ſchon bei Lebzeiten, ſei es als Könige oder Bettler, als Todte umhergewandelt, bis der große Senſenmann das Spiel übelnahm und ihm ein für allemal ein Ende machte. Jetzt liegen ſie ſtill in einer Reihe, die damals, als ihre Wangen noch glühten, vor ihrem Commandeur Goethe wie die Garde in einer Reihe ſtanden und auf ſein Vor⸗ wärts! die weltbedeutenden Bretter betraten. Auguſt Dürand, der noch unübertroffene Taſſo; Pius Alexander Wolff, der Dichter der Precioſa; Ludwig Oels, der trefflichſte Darſteller Egmonts; Moltke, der Minneſänger des neunzehnten Jahrhunderts— das bleiben dramatiſche Eckſteine, die die Flut des heutigen Virtuoſenthums nicht wegzuſpülen vermag.
„Was wären wir, wenn das Schöne auf Erden ſich halten könnte!“ Das iſt jetzt auch unſer Gedanke, nachdem wir den letzten dieſer Namen ge⸗ leſen. Aber können wir auf den Markt des Lebens zurückkehren, ohne noch zweier Edlen unſerer Literatur gedacht zu haben?— Der eine ſchlummert an der Stätte, wo ſo oft ſein hohes, ernſtes Wort erklang; in der Stadtkirche, rechts vom Taufſtein, finden wir auf einer gegoſſenen Platte, die mit einer geſchloſſenen Schlange und dem Wahlſpruch: Licht! Liebe! Leben! geſchmückt iſt, den theuren Namen: Joh. Gottfr. von Herder.— Und der andere? Da greifen wir zum Wanderſtabe und ſchreiten die Straße nach Jena entlang, bis ein freundlich gelegener Gutshof Oſtmannſtädt unſern Schritt hemmt. Wir eilen dem ſchattigen Haine zu, der den Garten begrenzt, wir ſtehen vor einer Pyramide, die hinter drei Hügeln hervorragt. Schlafe ſanft, Sänger des Oberon, zwiſchen der treuen Gefährtin deines Lebens und deiner jungen Freundin Sophie Brentano!— Der Name Martin Wieland iſt für uns der letzte im Rieſenſtammbuche Weimars. Karl Neumann⸗Strela.
Ein triftiger Grund.
Der hochbejahrte Schauſpieler Frederic Lemattre, welcher in ſeiner Kunſt noch von keinem ſeiner Nachfolger erreicht worden iſt, war das Mo⸗ dell aller derer, die mit der größten Energie den Beſitz einer Summe Geldes zu erlangen ſuchen, und die, wenn ſie ſie erreicht haben, ſich beeilen, das errungene Geld wieder los zu werden. Von 1840 bis 1848 war ſein Ruhm durch einige Rollen, welche er mit einer bisher nie dageweſenen Meiſterhaftigkeit ſpielte, dermaßen geſtiegen, daß durch die bloße Annonce ſeines Namens auf dem Theaterzettel ſämmtliche Plätze des Theaters der Porte St. Martin ſchon am Morgen verkauft waren. Demungeachtet be⸗ fand ſich der Direktor dieſes Theaters, der nicht minder berühmte Harel, in beſtändiger Geldverlegenheit. Er bezahlte deshalb dem großen Künſt⸗ ler ſeine Gage nur theilweiſe, und täglich kamen bei den Proben und hin⸗ ter den Couliſſen die unangenehmſten Scenen zwiſchen beiden vor.
Eines Tages erklärte Frederie Lemattre ſeinem Direktor, daß er, des ewigen Wartens müde, nicht allein ſeinen Contract als aufgehoben betrach⸗ ten, ſondern ſich ſogar an die Gerichte wenden würde, wenn ihm die ſchuldigen 11,000 Franken nicht in den nächſten 24 Stunden ausgezahlt wären!— Wir können dem Leſer nicht mittheilen, auf welche Art und Weiſe Harel dieſe nicht unbeträchtliche Summe in ſo kurzer Zeit auftrieb, aber wahrſcheinlich durch die Drohung des großen Künſtlers eingeſchüch⸗ tert, hatte er irgend einen Genieſtreich ausgeführt, der ihn in den Stand ſetzte, am andern Morgen die verlangte Summe an Lemaitre zu ſenden. — Zwei Tage ſpäter ſehen die erſtaunten Mitglieder des Theaters der Porte St. Martin eine höchſt elegante, von zwei prächtigen Schimmeln gezogene Equipage vorm Thore des Theaters anhalten— ſie glauben, daß irgend eine hohe Perſönlichkeit die Erlaubniß erhalten hat, der General⸗ probe mit beizuwohnen und treten neugierig vor die Thüre!... Wer kann ihr Erſtaunen malen, als ein Diener in Livree den Schlag öffnet,


