Jahrgang 
1865
Seite
381
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mit ſeinen Thürmchen und Zinnen aus Sandſteinen einen faſt ſchloß⸗ artigen Hintergrund. Es zerfällt in einen aus vier Etagen beſtehen⸗

den Mittelbau, an den ſich zwei Flügel von je drei Etagen anlehnen,

mit einer Frontlänge von 240 Fuß und einer Höhe der Flügel von 60 Fuß, die der Mittelbau noch um 15 Fuß überragt.

Sämmtliche Etagen ſind durch eiſerne Balken und Säulen ein⸗ gewölbt und in dem durch vier Etagen gewölbten Mittelbau führen breite Sandſteintreppen auf die geräumigen Flure. Der Mittelbau enthält die Dampfmaſchinen, die größten, die bis jetzt wohl in einer Spinnerei vorhanden, und mit wahrem Vergnügen ruht das Auge auf dem regelmäßigen leichten Gang der Maſchine, die nur für das Kennerauge die coloſſalen Dimenſionen mit ihrer Kraft verrathen. Die Flügel enthalten im Erdgeſchoß dien Vorbereitungsmaſchinen

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daß alle Kranken nur geſund und ſo geſtärkt entlaſſen werden, daß ſie ihre Thätigkeit ſofort wieder beginnen können. Nur durch eine ſtarke Brandmauer getrennt, ſtößt an die Werkſtatt die gewölbte Schwingerei. Es werden in dieſem Raum namentlich die Flachſe des Ravensberger Landes geſchwungen. Die Flachs⸗Producenten bringen nämlich ihren Flachs zum großen Theil in gebrochenem Zuſtande zum Verkauf, d. h. es wird nur das die Flachsfaſer um⸗ hüllende Stroh durch eine Breche entzweigebrochen. Die aus hölzernen Flügeln beſtehenden Schwingen dienen dazu, die Faſer gänzlich vom Stroh zu befreien.

Ihr zunächſt liegt das Hecheleigebäude, das wie das Haupt⸗ gebäude durch den Mittelbau in drei Theile getheilt iſt. Die beiden Flügel ſind gewölbt, und eine breite Sandſteintreppe führt durch den

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Eine weſtfäliſche Spinnſtube der Nenzeit.

und in der zweiten und dritten Etage die vier Säle für Naßſpinnerei. Die Dachetagen, die durch die Asphalt⸗Filzdächer die leichteſte Holz⸗ conſtruction geſtatten, ſind von ſehr gefälliger Form. Sie dienen zum Haspeln der Garne und erhalten ihr Licht von oben durch große Fenſter aus Spiegelglas, die dieſen Räumen ein helles, ſtatt⸗ liches Ausſehen geben. Unmittelbar an das Hauptgebäude in der Verlängerung des Mittelbaues ſchließt ſich das Keſſelhaus. Sieben große Keſſel liegen hier eingemauert und liefern den Dampf zu dem ausgedehnten Betriebe. Die geſchwärzten Geſichter der Feuerleute geben Zeugniß von ihrer angeſtrengten Thätigkeit, mit der ſie täglich zwiſchen 3 400 Scheffel Kohlen verfeuern. Der nächſte Nachbar des Keſſelhauſes und daran angrenzend iſt die Werkſtatt. Durch die Schmiede und Klempnerei gelangt man zu den Schloſſern, Drehern und Tiſchlern. Es iſt ein thätiges Völkchen, das hier an Dreh⸗ und Hobelbänken, an den Bohr⸗ und Riffelmaſchinen und an den Schrab⸗ ſtöcken beſchäftigt iſt, um die täglich vorkommenden Reparaturen aus⸗

zuführen. Man könnte ſagen, dies wäre das Krankenhaus der Anſtalt. Da wird geſchnitten, geſägt und verbunden, alte fehler⸗

hafte Zähne ausgezogen und neue eingeſetzt das Beſte aber iſt,

Mittelbau zu den Dachetagen, die eine ganz ähnliche Dachconſtruc⸗ tion wie die Flügel des Hauptgebäudes beſitzen. In den Parterre⸗ räumen dieſes Gebäudes befindet ſich die Maſchinenhechelei und in den Dachetagen die Handhechelei. Es bedarf wohl ſelbſt für den Laien keiner weiteren Beſchreibung deſſen, was Hechelei bedeutet. Die Hand⸗ wie die Maſchinenſpinnerei bedarf dieſer Vorbereitung des Flachſes, und da der Flachsbau bei uns in Deutſchland ſo heimiſch iſt wie der Sperling unter dem Dache, ſo kann jede deutſche Hausfrau über die Hechelei genügende Auskunft geben. Daß die Zeit mit ihrem Fortſchritt vollkommenere Einrichtungen geliefert, daß man darauf bedacht ſein mußte, Hand und Maſchine in zweckmäßiger Vereinigung zu verbinden, und mit den geringſten Mitteln das Größte zu leiſten, bedarf kaum einer Erwähnung. Unter der Hechelei liegen die Kel⸗ lerräume zum Lagern des gehechelten Flachſes. Eine Ruhe von Wochen und Monaten thut hier dem, man könnte ſagen, mißhandelten Flachſe wohl. Man bedenke, daß, nachdem der Flachs in der Zeit ſeines Wachsthums ſich der ausgezeichneten fortwährenden Sorgfalt ſeines Gebieters erfreut, und er dann endlich, ſchlank emporgeſchoſſen, aus blauen Augen die warme Sommerzeit begrüßt, nun bald für