Jahrgang 
1865
Seite
375
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35 der Tracht nothwendig iſt. Tuniken und Togen in großer Menge, und Alba, im Dunkel der Garderobenräume eng zuſammengerückt die Toga praetexta und die Pallia neben der Toga virilis oder anſchließen. Der naterielle Werth dieſer Abtheilung iſt ein ſehr der Sordida. bedeutender, da eine große Zahl der hierin befindlichen Coſtüme aus Eine bedeutende Anzahl von eckigen und halbrunden Mänteln, ſchweren Sammet⸗ oder Seidenſtoffen gefertigt iſt, und nichts ge⸗ be⸗ zum Tragen auf der Schulter oder zum Ueberſchlagen eingerichtet, ſpart wird, um dieſe wahrhaft ritterliche Zeit, dieſes Jahrhundert

ſind vorhanden. Man hat hier beſonders auf Weichheit des Stoffes der Eleganz und Pracht, auch auf der Bühne durch die Coſtümirung

34. und auf gehörige Fülle Rückſicht genommen, damit der Darſteller ſich würdig zu repräſentiren. effectvoll drappiren kann, eine Procedur, die freilich ihre großen Die Abtheilung: Erſte Hälfte des 18. Jahrhunderts*) der gent⸗ Schwierigkeiten hat und nicht immer gelingt. Hier hängen in langer franzöſiſchen Trachten iſt ebenfalls ſehr zahlreich ausgeſtattet. Sie iefel. Reihe die weißen, mit Purpur beſetzten Kleider der Senatoren zu enthält namentlich viele Hofkleider, der Zeit der letzten Regierungs⸗ ſic dem Stücke des großen Britten, zu Julius Caeſar beſtimmt, der nach jahre Ludwigs XIV nachgebildet. Die weite Kniehoſe, die lange dingt Brutus Ausſpruch:gar oft im Spiele blutet, denn dort erblicken bordirte Weſte, elegante Schärpen und Schleifen zeigen ſich in allen znir⸗ wir auch das Gewand des Darſtellers des gemordeten Helden, das Farben und Zuſammenſtellungen. Der Uebergang aus der letzten .5 rothe, goldgezierte Gewand, welches angelegt wird, wenn jenes furcht⸗ Hälfte des 17. Jahrhunderts iſt ſehr glücklich und leicht bemerkbar

bare Schauſpielnach vielen hundert Jahren ſich wiederholt auf geordnet und vorbereitet, da dieſe Zeitalter einer beſonders genauen den weltbedeutenden Brettern. Hier das koſtbare Gewand Caeſars, Unterſcheidung bedürfen. Nicht minder zahlreich als die Kleider für doaneben die Fetzen für Coriolan. Dort oben die Kleider für Titus, die höheren Schichten der Geſellſchaft ſind aber auch hier die Coſtüme Qda unten die Gewänder des fabelhaften Kreon. Hyppolitos und für Bürger, Bauern u. ſ. w. und eine reiche Auswahl glänzender, V Teyreſias Oreſt und Pylades zwiſchendurch die flatternden treuhiſtoriſcher und kleidſamer Uniformen vervollſtändigt dieſe Ab⸗ Maläntel und faltenreichen Kleider der Prieſter, die ledernen Bruſt⸗ theilung auf das Beſte. Eine ſorgfältigere Anordnung gerade für harniſche der Krieger der blitzende Kampfſchmuck Marc⸗Antons dieſe Zeit des Coſtüms dürfte ſchwerlich noch irgendwo gefunden das weibiſche Gewand Caligulas. werden, denn gewöhnlich vertritt die Tracht der letzten Hälfte des Die zweite Abtheilung wird die altdeutſche oder mittelalterliche 17. Jahrhunderts auch die viel ſpätere Zeit und doch iſt die Unter⸗ V genannt. Man könnte gegen die erſte Benennung manches ein⸗ ſcheidung eine ſehr bedeutende, wie es aus der Zuſammenſtellung der

weenden, allein vom praktiſchen Geſichtspunkte aus betrachtet, hat ſie Garderobeſtücke des königlichen Hoftheaters deutlich zu erſehen iſt.

genug für ſich. Die langen und kurzen Tuniken, in ihrem Schnitte Die nun folgenden Coſtüme(2. Hälfte des 18. Jahrhunderts)

nach an Römerzeiten erinnernd, die Mäntel, Schoßwämmſer und ſind diejenigen, welche an den meiſten Bühnen am zahlreichſten vor⸗ Schauben gleichen ſich einander ſo ſehr, daß ſie wohl in eine Klaſſe handen ſind. Es iſt ein gewaltiger Vorrath von geſtickten Röcken gebracht werden können und wenn gleich jedes Land im Mittelalter und Weſten. Namentlich häufen ſich Coſtüme dieſer Art bei Bühnen

V ſeine beſondere kleine Abweichung in der Tracht zeigt, im großen an, deren Repertoire Stücke aus dem letztvergangenen Jahrhundert Ganzen iſt Deutſchland doch tonangebend geblieben und ſo hat denn bewahren. Freilich iſt auch hier die große Verſchiedenheit der Stoffe mit der erſte Beamte der königlichen Hoftheatergarderobe die Benennung und Stickereien zu erwähnen. Die Kleider jener Zeit, welche in der um⸗Altdeutſch für alles beibehalten, was die Mode jener Zeiten Garderobe des Hoftheaters zu Berlin ſich befinden, ſtellen ſich in mit repräſentirt. Dieſe Abtheilung iſt eine der reichhaltigſten. Hagen, Bezug auf Schönheit, Reichthum und Treue der ſpaniſchen Abtheilung lerlei Siegfried und Günther die ganze poetiſch⸗hiſtoriſche Kleiderpracht an die Seite. Eine große Anzahl derſelben haben obenein den Vor⸗ Dar der Nibelungen finden wir hier vereint. Dieſe üppigen Falten in zug, daß ſie wirklich echt ſind d. h. ſie ſtammen noch aus der Zeit 3 an Sammt, mit Seide gefüttert, mit Pelz verbrämt, dazu der lange, des großen Friedrich her, andere ſind ſpäter gefertigt und datiren* teefel ſchwere, koſtbare Mantel, ſie ſollen den Darſteller Carls VII zieren, vom Jahre 1800. Alle aber ſind prächtig geſtickt und zeigen wenn ihn das Mädchen von Orleans in die Kathedrale von Rheims unverwüſtlich gute Stoffe. Dieſe Röcke und Weſten bekleideten ehe⸗ iſchen geleitet; dort, jenes blutrothe Gewand mit den räthſelhaften Wappen⸗ dem die Darſteller jener wunderlichen Rollen, deren Erfolge auf die lider. thieren, es iſt Macbeths Todeshemd; das goldſtrotzende Kleid, auf ſcharfen Contraſte hin baſirt waren, welche die Begriffe: Gut und bbafte welchem Steine in zierlicher Faſſung funkeln, umſchließt den Sänger Böſe erzeugten. Hier ſind die feingeſtickten Hofkleider der Theater⸗ fire, des Johann von Leyden, des Propheten, daneben Percy der Heiß⸗ intriguants à la Hofmarſchall Kalb zu finden, die Trachten der leicht⸗ M, ſporn, dann Carl Moor und ſeine Geſellen, nach ihnen die dunklen fertigen oder boshaften Cavaliere im Geſchmacke des biederen Lafon⸗ . Gewänder Fauſts und das weiße des Tempelherrn geſchmückt mit taine gehalten, welche ihre verderblichen Pläne, ihre glückzerſtörende, fuade rothem Kreuze endlich in langer, bunter Reihe zahlreiche Wämmſer gleißneriſche Fertigkeit durch goldgeſtickte Kleider zu verdecken ſuchen, aloſe und Mäntel, Spangen und Pauſchen, Kappen und Talare ein deren Pracht das Auge des ſchuldloſen Schlachtopfers blendet. Man iha jedes für die beſtimmte Rolle dahingehängt oder zu allgemeinem Ge⸗ kann wirklich dieſe larmoyant⸗ſüßliche Zeit der Siegwart⸗Werther lrger brauche notirt ein Gewirre von Formen, Stoffen und Farben. durch die Coſtüme herausfühlen. Neben dem goldſtrotzend geſtickten glinge Höchſt originell iſt der Anblick der langen Reihen von Schuppen⸗ Hofkleide des böſen Hochgeſtellten ruht der einfache braune oder riſche zeugen, welche in der Entfernung großen, ſtahlglänzenden Eidechſen ſchwarze Rock des biederen, unterdrückten Niedriggebornen, der zwar nahe gleichen. gewöhnlich am Schluſſe des Stückes(in den meiſten Fällen) trium⸗ auf: Nummer 3 iſt die ſpaniſche Abtheilung. Dieſe Coſtüme bilden phirt, aber doch vorher durch eine genügende Anzahl von Scenen hin⸗ n be⸗ entſchieden die Ariſtokratie der Garderobe. Sie ſind unbedingt die durchgeſchleppt und ſchrecklich tractirt wird. Zuweilen erſcheint er achten, prächtigſten, die nobelſten. Schon der Schnitt dieſer reizenden, ele⸗ auch zu Anfange des Stückes in beſſeren Kleidern, bis das rührend⸗ Die ganten Tracht gewährt einen freundlichen, künſtleriſchen Augen wohl⸗ ergreifende Unglück, welches der goldbeſtickte über ihn und ſeine Fa- engen thuenden Anblick. milie heraufziehen läßt, dieſe anſtändige Bekleidung in eine ärmliche lappen Die zierlichen Spangen, zwiſchen welche hindurch ein gefaltetes oder zerlumpte verwandelt. Auch für alle dieſe Wandlungen iſt in eines ſeidnes oder ſammetnes Beinkleid ſichtbar iſt, die ſtoffreichen Aermel, der reichen Garderobe geſorgt. Unter Nr. 1 kann man einen Rock er auf das feſtanliegende Wamms, dazu die faltenreichen meiſt koſtbar ge⸗ finden, deſſen Näthe, Aufſchläge, Taſchen und Bruſtſtücke buchſtäblich V erſön⸗ 4 ſtickten Mäntel, an den Kanten aufgeſchlagen mit Seide dieſe mit Goldſtickerei überzogen ſind, während Nr. 100 oder 200 leider, ganze Vereinigung bewirkt es, daß der Träger des Coſtüms ſich vielleicht einen Rock von unnennbarer Farbe nachweiſt, den niemand ſſtelle! 1 unwillkürlich in eine chevalereske, galante Zeit verſetzt fühlt. Die einem Trödler zum Verkauf anbieten würde und deſſen ſauberes Futter cckung königliche Hoftheatergarderobe hat einen beſondern Reichthum gerade allein das Anziehen möglich macht. Wunderbarer Weiſe ſind dieſe viele in dieſen ſchönen Coſtümen aufzuweiſen. Jede Farbe oder Schatti⸗ alten, fadenſcheinigen Röcke gerade häufig von den darſtellenden Künſt⸗ ie ein⸗ rung, die verſchiedenſten Zuſammenſtellungen ſind vertreten. Vom lern geſucht. Sie machen die äußere Erſcheinung charakteriſtiſch und bſt in dunklen, ſo höchſt treffend den ſpaniſchen Edelmann charakteriſirenden ſchwer bringt die Kunſt eines Garderobiers jene ſchäbige, wahre dm 4 Kleide des Buuandit von Puſa⸗ bis zu den d bethenden dunde Außenſeite zu Stande, welche der Zahn der Zeit aus dem Stoffe des 4, die prangenden Wämm ern und Beinkleidern der Cava iere vom Hofe d. des franzöſiſchen Heinrich, ſind alle Abſtufungen vorhanden, und.. Ieearnſtitrfen bewahrt die königliche lid i friedlich hängt Don Carlos Gewand neben dem ſeines ſtrengen Gardedelliüe San henriersſantan eſ ce wehrende Onnal⸗ was Vaters Philipps II, denen ſich Leiceſter und Mortimer, Egmont Hofkleid des berühmten Marſchalls Villars. zuglic 6