ger bevorzugter Exemplare weiſt auf ihre nahe Verwandtſchaft mit der indiſchen Muſchel hin, die koſtbare Perlen birgt; Schätze, zu deren Erlangung jährlich Menſchenleben geopfert werden, im Kampfe mit dem tückiſchen Element und den„Ungeheuern der traurigen Oede.“
Erkennen wir wenigſtens dankbar an, daß unſere Zeit die Schätze des Wiſſens und der Erkenntuiß ſo wohlfeil bietet, jedem der lernen will.
Heutzutage hätte Schiller ſeinen„Taucher“, der unter höchſt ungünſtigen Umſtänden ſeine Beobachtungen anſtellte, nur auf ein halbes Stündchen in die Hamburger Aquarien zu ſchicken brauchen, ſo wäre der Mann am Leben geblieben, hätte dem wißbegierigen Könige viel Neues erzählen können und endlich durch die Heirath mit der Prinzeſſin ſein Glück gemacht.
Soll ich noch von den Hohlthieren erzählen, die nur Maul, Magen und Fuß ſind? Ich will es verſuchen. Ein ſolcher Blumen⸗ polyp ſitzt an der Glastafel links in der Ecke des Hauptbildes. In dieſer Lage findet man ſie häufig und kann dann bequem mit der Lupe den inneren Bau des Fußes beobachten. Auf dem rechten Seitenbilde haben wir unten zwei grüne Seeroſen, darüber zwei dickhörnige Seeroſen, und oben die kühn auf⸗ ſtrebende Seenelke. Sie können ihre Beute nicht verfolgen, ſondern warten, bis das reiche Meer ihnen eine Gabe zuſpült, nur verlangend ſtrecken ſie ihre Arme nach allen Richtungen aus. Geduldig ſind ſie wie die indiſchen Büßer, die ihr Leben lang auf einem Fuße ſtehen, und mäßig wie St. Simon Stylitis, der Säulenheilige, der täglich eine Linſe genoß. Die„grüne“ Seeroſe nennen wir eine und ſo gibt es auch eine„rothe“ und die Seenelke iſt„gelb“ oder
„orange“, aber die Farbe, welche ſonſt wie ein kompakter Stoff die Oberfläche der Körper zu durchdringen ſcheint, ſchwebt hier vielmehr wie ein ätheriſcher Duft über den weichen Formen, und jede Bewegung des Thieres ruft andere Nüancen hervor. Genug, es iſt unmöglich, die Farbenpracht der Polypen zu beſchreiben, ich verzichte und bedaure den Spötter, der in der ganzen Sache nur einen„wohlangerichteten Heringsſalat“ ſehen konnte.
Von den beiden Nebenzimmern enthält das ſüdliche in oben offenen Glaskaſten die zarteſten Thiere, junge Polypen, Seeſterne ꝛc.; das nördliche kleine Baſſin, die wie die großen konſtruirt ſind, mit Waſſerkäfern und deren Larven oder jungen Fiſchen, die ſpäter in die großen Behälter verſetzt werden.
Es bleibt mir noch zu ſagen, daß die ſämmtlichen Pläne zu den Aquarien nach Angabe des Herrn Alford Lloyd, jetzigem Cuſtos derſelben, ausgeführt ſind, welcher damit eine äußerſt ſchwierige Auf⸗ gabe auf das glücklichſte gelöſt hat. Seit dem 25. April 1864 ſind die Hamburger Aquarien dem Publikum geöffnet, und die Stufen, welche in dieſe Unterwelt führen, wurden ſeitdem nicht leer von den Schritten der Beſuchenden. Hamburg beſitzt die erſten Aquarien der Welt, ſie allein würden hinreichen, dem zoologiſchen Garten, der unter dem glücklichen Zuſammentreffen einer überaus günſtigen Lage und umſichtigen Leitung ſo raſch emporgeblüht iſt, eine große Be⸗ deutung zu geben.
Und welcher Stadt ſtünde es beſſer an, dem Waſſer ſolche Auf⸗ merkſamkeit zu erweiſen, als Hamburg, das dem Waſſer ſeine Größe verdankt? A. Mosengel.
Am Jamilientiſche.
Theure Muſcheln.
Muſcheln haben von jeher das Intereſſe des Menſchen erregt, ſo daß manche ob Erlangung derſelben gern große Entbehrungen ertrugen. Die verſchiedenartigſten Formen, die unendliche Farbenpracht, mit welcher die Natur die zahlloſen Arten ausſtattete, das ſeltene Vorkommen mancher Arten machte den Beſitz ſo lockend. So wird z. B. die ſchöne und ſeltene Carinaria vitrea aus dem indiſchen Meere, von reichen Liebhabern noch immer für 2— 300 Thlr. gekauft. Früher zahlte man gern 100 Louisd'or für einen Scalaria preciosa, und die Cypraea aurora, die die neuſeeländiſchen Häupt⸗ linge als das Zeichen ihrer Würde um den Hals tragen, koſtet noch jetzt über 200 Thlr.
Auch die zweiſchaligen Muſcheln ſind nicht weniger ſchön gefärbt und eben⸗ falls von der eigenthümlichſten Form, auch ſie ſpielen eine große Rolle in den Muſchelſammlungen und werden von den Sammlern ebenfalls ſtark geſucht. Zu der ſchönſten und deshalb theuerſten Art gehören die Spondylen, welche die tropiſchen Gewäſſer bewohnen, ſich an Felſen hängen und wie Auſtern ge⸗ geſſen werden, wiewohl ſie lange nicht ſo gut ſchmecken.
Sie unterſcheiden ſich durch lebendige Farben, beſonders aber durch die langen Stacheln, mit welchen die Schalen bedeckt ſind. Deshalb heißen ſie auch Stachelauſtern.
In keinem Muſeum ſind die Spondylen ſo reich vertreten, als in der reichſten Sammlung der ganzen Welt, in der des Herrn B. Deleſſert zu Paris, in welcher ſich u. a. die zwei ſchönſten bekannten Exemplare von Spondylus regius befinden; dies iſt eine ſo ſeltene Muſchel, daß man ſie außerdem nur noch ein Paar Mal in ganz Europa findet.
Keine Tulpenzwiebel hat je mehr Verwirrung im Gehirn eines Menſchen angerichtet, als eine ſolche Auſterſchale im Kopfe des Profeſſors der Botanik R. zu Paris. Sechstauſend Franken wurden für ein hübſches Exemplar ge⸗ fordert; aber dieſe Summe übertraf weit die Erſparniſſe des Gelehrten und der Verkäufer wollte leider von Kreditiren nichts wiſſen. Die Verlegenheit war groß, größer aber noch das Verlangen des Profeſſors, der zuletzt den Entſchluß faßte, das Tafelſilber zu verkaufen und dies durch zinnerne Löffel und Gabeln zu erſetzen, um auf dieſe Weiſe in den Beſitz des prächtigen Spondy- lus zu kommen.
Aber es wird Mittag und man denke ſich das Entſetzen ſeiner Frau über die Metamorphoſe, die mit ihrem Silberzeug ſtattgefunden. Indeſſen eilt der glückliche Profeſſor überſelig nach Hauſe; aber je näher er ſeiner Wohnung kömmt, deſto langſamer werden ſeine Schritte; ſeine Stirn bewölkt ſich und der Empfang, der ſeiner harrt, ſteigt als eine Schreckensgeſtalt vor ſeiner Seele auf.
die Redaction
Aubei ein Beſtellzettel.
läßt ihn, und er vergißt ſogar die koſtbare und köſtliche Muſchel, wirft ſich voller Verzweiflung auf einen Stuhl nieder und— ein fürchterliches Krachen in ſeiner Rocktaſche erinnert ihn an die theure Urſache ſeines Unglückes. Glücklicher Weiſe waren nur zwei Stacheln abgebrochen, aber die Betrübniß des armen Gelehrten war ſo groß, daß die erzürnte Dame außer Stande war, ihm weitere Vorwürfe zu machen, ſondern ſtatt deſſen ihn tröſten und er⸗ heitern mußte. H. M.
Ein geiſtreicher Ausweg.
Der franzöſiſche Maler Doyen, welcher unter vielen andern guten Werken auch die Reſtaurirung der Kuppel des Invalidenhauſes zu Paris vollendete, war ein großer Menſchenfreund. Er hatte Erkundigungen über die vielfachen Froſtleiden eingezogen, welchen namentlich die im Winter Schildwacht ſtehenden Soldaten unterworfen waren, und erfahren, daß die Wachen ſich namentlich häufig die Beine erfroren. Doyen bat den Herzog von Choiſeul um Ab⸗ änderung des ſtrengen Reglements, erhielt aber zur Antwort: der Miniſter könne keine Rückſicht auf die im Dienſte befindlichen Soldaten nehmen. Doyen malte nun auf die Wand eines Corridors, den Choiſeul öfter paſſiren mußte, einen Invaliden mit hölzernem Beine, welches in die Erde feſtgemacht war, und dabei einen Gärtner, der ringsumher den Boden aufwühlte. Des Herzogs Frage: was das Bild bedeuten ſolle, beantwortete Doyen:„Mon⸗ ſeigneur, dies Bild ſtellt einen Vorfall vor, der kürzlich im Invalidenhauſe ſich ereignet hat. Man ließ einen Alten, der ein Bein von Weidenholz trug, ſo lange unabgelöſt ſtehen, bis das Holz im Boden Wurzel gefaßt hatte. Ein Gärtner befreite den Angewachſenen.“— Choiſeul lachte und das Reglement ward geändert. V.
Gneiſenau als Student.
Am 1. Okt. 1777 wurde der ſiebzehnjährige Gneiſenau in Erfurt als Studioſus der Philoſophie eingeſchrieben und nicht lange nachher hatte er ſich das Renommée eines„flotten Burſchen“ erworben; doch blieb ihm Rauchen und Spielen fremd und ſelbſt in viel ſpäteren Jahren konnte er auch in Be⸗ zug auf das große Kriegsſpiel mit Wahrheit von ſich ſagen:„Gewagt habe ich viel in meinem Leben, geſpielt nie!“ Indem nun aber Gneiſenau ſich, ſorglos um die Zukunft, den Freuden des Lebens überließ, gingen ſeine Mittel ſchneller zu Ende, als er geglaubt hatte, und ſchon im Laufe des zweiten Studienjahrs war das kleine großväterliche Erbe verſchwunden. In die peinlichſten Verlegenheiten geſtürzt, ſah er kein andres Mittel ſich zu retten, als auf die ſtille Beſchäftigung mit den Wiſſenſchaften, worin er ſeine Freude fand, zu verzichten. Die ſelbſtverſchuldete Noth machte ihn zum Soldaten, ſein Verdienſt als ſolcher zum Feldmarſchall! F. L.
Die zweite Quittung über die eingegangenen Beiträge für die deutſche Rettungsſache zur See erfolgt in Nr. 26.
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