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Anders der Vater! Der ſcharfe Bolzen des Sohnes, den ſeine Hand noch rechtzeitig vom Leben des Herzogs abgewendet, war ihm ſelbſt ins Herz geflogen, und an dieſer ſchmerzlichen Wunde verblutete er faſt. Daß er ſich in dem Charakter des von ihm ſo innig ver⸗ ehrten Fürſten getäuſcht, hatte ihn mit einem brennenden Schmerz erfüllt; daß man es hatte wagen dürfen, ſeinen reinen Namen mit dem ſchmachvollen Verdacht des Landesverraths zu beflecken, das hatte ihm den beſten Theil ſeiner Manneskraft gebrochen; aber die jähe, entſetzliche That ſeines Sohnes, die gegen das Haupt ſeines, wenn auch ſchwer irrenden, Fürſten erhobene Waffe deſſelben, hatte ihm den Lebeusnerv durchſchnitten, und dumpfbrütend ſaß er Tage und Nächte da, ein völlig veränderter, düſterblickender, gebrochener Mann, der vergebens an dem duuklen Horizonte ſeines Denkens nach einem lichten, hoffnungerregenden Punkte ſpähte. Wohin er blickte, ſah alles grau und troſtlos aus. Der unglückliche, ſo heiß geliebte Sohn, der vielverſprechende Stammhalter ſeines alten Ge⸗ ſchlechtes, das Ebenbild der theuren Gattin, der Erbe aller männ⸗ lichen Tugenden, die von jeher bei ſeinem Stamme heimiſch geweſen waren,— er war für ihn verloren, und ſchreckliche Worte,— Worte, die ſie für immer ſchieden, waren auf dem Heimritt von jener ver⸗ hängnißvollen Jagd zwiſchen ihnen gefallen. Was konnte der unglückliche Jüngling auch hinfort den Seinen, der Familie, dem ganzen Geſchlechte noch ſein? Gehörte doch nicht einmal das Leben mehr ihm ſelbſt! Denn mit ſeiner frevlen That, mochte ſie gleich der Fürſt in der allgemeinen Erregung nicht bemerkt haben, hatte er dem Rechte nach ſeinen Stand, ſeinen Namen, ja ſein Leben ſelbſt verwirkt und führte es nur als ein geſchenktes, geliehenes aufs un⸗ beſtimmte hin weiter. Jede übelwollende Zunge konnte ihm das Todesurtheil ſprechen, denn, war auch dem Herzog die That ver⸗ borgen geblieben, hundert Augen hatten's geſehen, und an ihrem Wink hing fortan ſein Leben. Seine Selbſtändigkeit war dahin, und auf ſein fremder Willkür verfallenes Daſein ließen ſich die Hoff⸗ nungen eines alten Geſchlechtes nicht verpflanzen. Der Erbe der Bruſchaver mußte ſtark, frei und unantaſtbar daſtehen! Dieſer unglückliche Jüngling konnte nur noch ſterben, ſeine That zu ſühnen und einem andern Erben des edlen Namens Platz zu machen!
heißblütigen Jugend des Sohnes ſie ent—
Ihm ſelber aber, dem ſchmerzgebeugten Vater, lag eine andere Pflicht ob. Wohl hatte er, da der übelberathene Fürſt ſich zu jener hämiſchen Verdächtigung hinreißen ließ, in entſchiedener Weiſe Wort gegen Wort geſetzt; aber damit war nur das Nächſterforderliche gethan. Jetzt galt es den Beweis zu führen, daß die Bruſchaver in der That mit den Landesfeinden nicht im Einverſtändniß ſeien, daß ſie vielmehr Leib und Leben daran ſetzen könnten, den treulos ver⸗ lorenen Platz dem Lande Pommern wiederzugewinnen, und dann— dann war es Zeit, die heimlichen Verläumder, die des Herzogs gerechten Sinn verwirrt und der Bruſchaver edlen Namen bemakelt hatten, zum letzten Kampf auf Tod und Leben in die Schranken zu fordern.
Von dem Augenblick an, wo er ſich zu der Klarheit dieſes Entſchluſſes durchgearbeitet hatte, raffte er ſich aus dem dumpfen Hinbrüten, das Frau Käthe mit ſchier unerträglichem Schmerz erfüllt hatte, wieder auf und begann nun eine raſtloſe, all ſein Zeit, all ſeine Kraft, all ſein Sinnen und Denken ausfüllende Thätigkeit. Es galt die Ueberrumpelung der nahen Feſte Garz, die wie ein ſtetes, zur That mahnendes Zeichen in blauer Ferne dalag. Kein Mittel blieb unverſucht, die Schwäche des Platzes zu erkunden, keins, ſich mit den etwa noch pommerſch geſinnten Bewohnern des Ortes in Ver⸗ bindung zu ſetzen. In zahllos wechſelnden Verkleidungen umſchlich Herr Bartolomäus Wälle und Thore, prüfte von jedem Punkte aus die Höhe der Mauern und erwog die Möglichkeit, Leitern anzulegen, Feuer in den Ort zu werfen, Minen zu graben oder ſonſt irgendwie Eingang zu gewinnen. Auf Meilen in die Runde hatte er ſich mit dem Adel und den Städten in Verbindung geſetzt, daß ſie beim erſten Zeichen, das er ihnen geben würde, herbeizögen zum Beiſtande wider die märkiſche Beſatzung. Alle Bewohner des flachen Landes um Garz herum, Bauern, Koloniſten, Hirten, Fiſcher, Holzwärter, Theer⸗ ſchweler, Aeſcherer; ja ſelbſt die fahrenden Leute, Packträger und Hauſirer, Keſſelflicker und Topfbinder weit umher ſtanden in ſeinem Solde, den Ort zu überwachen, ſich womöglich einzuſchleichen und
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ihm über beſtimmte Punkte, auf die ihre Aufmerkſamkeit gelenkt war, Kunde zu bringen. Mit vollen Händen ſtreute er Geld und Geldes— werth aus. Die Wirthſchaft des Gutes hatte faſt völlig aufgehört, denn alle Leute waren zu Tag⸗ und Nachtdienſt im Intereſſe der einen großen Sache in Anſpruch genommen; niemand durfte ruhen oder raſten, denn auch Herr Bartolomäus gönnte ſich keinen Augenblick Erholung oder Erquickung, und ob ihm auch oft die Augen zuſauken vor Ermüdung oder die Beine unter dem Leibe zuſammenbrachen vor Ueberanſtrengung,— wie im Fieber trieb's ihn vorwärts, alles an die Erreichung ſeines großen Zweckes zu ſetzen.
Während ſo der edle Bruſchaver in der raſtloſen Unruhe ſeiner Seele ſich verzehrte und ſo Tag wie Nacht umherſchweifte, ſaß Frau. Katharina ſorgenbeladenen Herzens an der Lagerſtatt ihres Erſt⸗ geborenen und ſchaute mit trüben überwachten Augen in das bleiche, abgezehrte Antlitz des Schwererkrankten. Des Vaters verbannendes Wort hatte ihn gleich am Abend der Rückkehr auf ſein Kämmerlein im oberen Gaden des Hauſes verwieſen, bis über ſeine Zukunft und ſein ferneres Loos entſchieden ſein würde; aber es hätte dieſes Gebotes nicht einmal bedurft, um ihn den Augen des Vaters zu entziehen, denn körperliche wie geiſtige Leiden bannten den unglücklichen Jüng— ling ſo wie ſo an den engen Raum ſeines Zimmers, ſeines Bettes, und bald ſchien es, als ob ein früher Tod die wirr verſchlungenen Fäden der Verhältniſſe, in die er ſo hoffnungslos verſtrickt war, löſen werde. Die Schulterwunden, die ihm das wüthende Raub⸗ thier beigebracht, befanden ſich in einem Bedenken erregenden Zu⸗ ſtande, und trotz aller angewandter Mühe und Pflege Seitens des eilends herzugerufenen Arztes, der angſtvollen Mutter, war, wie es ſchien, auf eine baldige Heilung um ſo weniger zu hoffen, als ſich alle Lebenskräfte des Verwundeten in fieberhafter Aufregung befanden und jedes Beruhigungsmittels ſpotteten. Die wildeſten Phantaſien füllten ſeine Seele Tag und Nacht! Die erlauſchte, tief auf— regende Mittheilung des Oheims, des Vaters Erzählung von dem Glindeſchen Verrath; die Scenen an der Gruft des Herzogs Otto, unter der Kirchhofslinde zu Schildersdorf, in deren nächtig rauſchen dem Gezweig der böſe Feind ſelbſt Zuſchauer des hölliſchen Verrathes geweſen; der wilde, blutige Kampf mit der wüthenden Wölfin, die ſchreckliche Scene mit dem Herzog, ſeine eigene jähe That dann und der entſetzliche Heimritt mit dem Vater— alle dieſe fürchterlichen Vorgänge, die innerhalb weniger Stunden auf das reizbare Gemüth des Jünglings eingeſtürmt waren, hatten, vereint mit einem heftigen Wundfieber, ſeinen Geiſt aus dem Gleichgewicht gehoben, und wie oft auch die Heilmittel des erfahrenen Arztes ihren zerrüttenden Wirkungen entgegenarbeiteten, immer ſtiegen nach kurzen Zwiſchen⸗ räumen die geſpenſtigen Geſtalten ſeiner furchtbar arbeitenden Phantaſie von neuem wieder auf und zogen ſeinen Geiſt widerſtandslos in ihre unheimlichen Kreiſe. Kopfſchüttelnd trat endlich der Arzt zurück, verordnete einiges zur Erleichterung und Erfriſchung des in ſchwerem Fieber Liegenden und rieth, im übrigen der Natur ihren Lauf zu laſſen. Mit ärztlicher Kunſt ſei hier nichts mehr zu erreichen.
Frau Katharina hörte dieſen Schreckensausſpruch mit faſt ver⸗ zagender Seele an; es war ihr, als führe ein ſcharfes Meſſer ihr mitten durchs Herz und wühle dort mit unausſprechlicher Pein am Sitz des innerſten Lebens. Aber weil ſie zugleich fühlte, daß Dietmars Leben nun allein auf ſie und ihre Sorge angewieſen ſei, ſo raffte ſie noch einmal alle Kräfte zuſammen, die die verfloſſenen ſchrecklichen Tage und Nächte ihr übrig gelaſſen hatten, und nahm von neuem ihren Sitz am Schmerzenslager des theuren Sohnes ein. Was in den langen bangen Stunden, die ſie hier im Jammer ihrer Seele einſam verbrachte und durchlebte, alles durch ihren Buſen zog, wie ſie hier im heißen Gebet mit Gott rang um das Leben ihres Erſtgeborenen, um den Frieden ihres Gatten, um das zerſtörte Glück ihres Hauſes— wer vermöchte das zu ſchildern! Oft fluteten ihr die Wellen des Jammers bis an die Seele und droheten, ſie mit ſich hinwegzureißen in den Strudel der Verzweiflung, aber doch gewann ſie immer wieder den feſten Boden gläubiger Zuverſicht, und jeder neue Tag der Prüfung gedieh ihr zu neuer Stärkung und Läuterung. Manche Schwäche, manche Schlacke, die der reine, edle Kern ihres Weſens in den Zeiten des Glücks unvermerkt angeſetzt, fiel da nach und nach von ihr ab; der Stolz, die jähe Leidenſchaft, der Zorn— alles dämpfte ſich zu milderen Tönen ab, ihre Seele ward ſtill und gelaſſen, und mit ernſter Ruhe ſah ſie allmählig dem entgegen, was die Zukunft bringen werde. Was es auch ſei, ſie wollte nicht


