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V der Einführung dieſer Todesmaſchine in Frankreich beanſpruchen darf. laſſen, der jedoch bei der ſchottiſchen„Jungfrau“ nicht exiſtirte, bediente. Uebrigens beſtehen Beweiſe, daß die Guillotine, ſchon ehe ſie in Schottland In einer Nürnberger Kirche ſoll ſogar heute noch ein Gemälde jener Epoche, gebraucht war, im 13ten Jahrhundert in Italien unter dem Namen„Manaia“ den Martertod eines Heiligen vorſtellend, hängen, auf dem die Dolabra zu V bekannt war, denn die Bibliothek von Neapel beſitzt eine Bittſchrift des Paler⸗ ſehen iſt. mitaniſchen Adels an Karl von Anjou, in der er beanſprucht, durch„das Der Verfaſſer des beſagten Artikels iſt übrigens nur der allgemeinen, Manaia genannte Fallbeil“ hingerichtet zu werden, und alle Chroniken be⸗ ſogar in Frankreich verbreiteten Meinung, daß der Dr. Guillotin der Erfinder zeugen, daß durch dieſes Inſtrument Konradin von Hohenſtaufen ſein junges dieſer Maſchine ſei, gefolgt. In einem neuerdings erſchienenen Werke der Leben endete. Im 14ten Jahrhundert muß die Guillotine in Deutſchland Gebrüder Gondrecourt über die franzöſiſche Revolution heißt es ſogar, daß exiſtirt haben, und ſogar mit den heutigen Verbeſſerungen, denn ihr damaliger der Erfinder der Guillotine, der Dr. Guillotin, durch ſeine eigene Maſchine Name Dolabra, auf boͤhmiſch„Falldiele“, bezeugt, daß man ſich ſchon damals hingerichtet worden ſei, während man weiß, daß er am 26ſten Mai 1814
England ſteht in dieſer Beziehung allen Ländern als ein leuchtendes Vorbild da. Seine gefährlichen Küſtenpunkte ſind mit Rettungsſtationen aus⸗ gerüſtet, die jährlich ſechs⸗ bis achthundert Menſchen dem naſſen Grabe entreißen. Alle dieſe Stationen danken ihre Entſtehung einem Vereine, der aus dem Volke hervorgegangen iſt und von dieſem auf das Lebhafteſte unterſtützt wird. Die ganze Nation, hoch und niedrig, betheiligt ſich an dem edlen Werke und die V Beiträge fließen ſo reichlich, daß der in ſeiner gegenwärtigen Geſtalt ſeit 1850 beſtehende Verein— The Royal Life-Boat Institution— bereits 148 Rettungs⸗
boote für 100,000 Pf. St. beſchaffen und unterhalten, ſowie 18,000 Pf. St. als Prämien für Lebensrettungen austheilen konnte. Seit jenem Jahre danken nicht weniger als 7200 Menſchen ſeinen humanen Beſtrebungen ihr Leben. Im Jahre 1863 errichtete er 15 neue Stationen, bewilligte fünfzehn ſilberne Medaillen, vierzehn öffentliche Belobigungen und 1308 Pf. St. an Prämien für mit eigener Lebensgefahr ausgeführte Rettungen und es floſſen ihm 21,100 Pf. St.(145,000 Thlr.) an freiwilligen Gaben zu, darunter 5000 Pf. St. für zwölf, von den Gebern beſtimmte neue Stationen. Es wurden aber auch in demſelben Jahre 427 Perſonen durch ſeine Boote und 329 durch Raketenapparate gerettet. Wahrlich, ſo glänzende Reſultate nöthigen uns Achtung und Bewunderung ab. Soll Deutſchland in dieſer Beziehung hinter England zurückſtehen? Sollen Angeſichts jener Thatſachen unſere Küſten nach wie vor der Kirchhof von ſo vielen braven Seeleuten werden, während wir die Macht beſitzen, ihnen die rettende Hand zu reichen, die Thränen ihrer Wittwen und Waiſen zu trocknen und unzähligen Familien den Gatten und Vater zu erhalten?
Nein, wir ſind überzeugt, daß nicht Mangel an gutem Willen bisher Herz und Hand des deutſchen Volkes für ſo edle Zwecke verſchloß. Wir wiſſen, daß nur ſeine Unbekanntſchaft mit maritimen Verhältniſſen daran die Schuld trägt und wir haben deshalb in einigen unſerer früheren Nummern(vgl. Nr. 18, 20 und 21) die allgemeine Aufmerkſamkeit auf dieſen Punkt zu lenken geſucht. Wir wiſſen aber auch, daß wir jetzt nicht mehr vergeblich an das Herz und die Opferwilligkeit unſerer Mitbürger appelliren, wenn wir ſie hiedurch auffordern, ihr lebhafteſtes Intereſſe und ihre thätige Unterſtützung einem Inſtitute zuzuwenden, das ſo ſegensreiche Wirkungen erzielen kann.
Die Anfärlge ſind bereits vorhanden. Seit dem Jahre 1861 haben ſich drei Rettungsvereine, der Oſtfrieſiſche, Hamburger und Bremer gebildet. Sie haben ſeit der Zeit zwölf Stationen errichtet, in den letzten zwei Jahren nahe an 70 Schiffbrüchige gerettet und ſich dadurch ein ehrendes Denkmal im Herzen der deutſchen Nation geſtiftet. Aber das iſt nur ein Anfang. Es fehlt noch ſehr viel an der vollſtändigen Sicherung unſerer Küſten. Die 150 Meilen lange Strecke von Memel bis zur Eider entbehrt noch jeder wirkſamen Rettungsſtation. Von der Elbe bis zur Ems fehlen ebenfalls noch Stationen und die — vorhandenen müſſen, wenn ſie ihre volle Thätigkeit entfalten ſollen, theilweiſe noch mit koſtſpieligen Raketenapparaten ausgerüſtet werden. Auf der Strecke von Sela bis Swinemünde ſcheiterten im vorigen Herbſte 21 Schiffe, ohne daß ihnen vom Lande aus Hilfe gewährt werden konnte und ein großer Theil ihrer Be⸗ V ſatzungen kam in den Fluten um. Wir bedürfen für unſere Seegrenzen 40 bis 50 Stationen, um ſie ſo weit zu ſichern, wie menſchliche Macht und Kunſt dies vermögen. Die Koſten für die Beſchaffung und Einrichtung der Rettungsapparate belaufen ſich auf 100,000 Thlr., ihre jährliche Unterhaltung dagegen be⸗ anſprucht 8 bis 10,000 Thlr. Den Küſtenbewohnern, die ſich bis jetzt allein an dem Rettungswerke betheiligt, fällt es ſchwer, dieſe Summen aufzubringen, aober für das geſammte deutſche Volk iſt es eine Kleinigkeit. Es hat ſchon ſo oft und in glänzender Weiſe ſeinen Enthuſiasmus für unſere Geltung zur See bethätigt— nun wohl, hier gilt es ebenfalls, unſere Schiffe und Seeleute zu ſchützen, aber gegen unbarmberzigere Feinde, als Menſchen, gegen die Elemente. Ein möglichſt vollkommenes Rettungsweſen zur See iſt eine Ehrenſache unſeres Volkes, wenn das Ausland ihm nicht mit Recht Herz⸗
des ſo einfachen Mechanismus, den Verurtheilten auf den Block fallen zu ruhig in Paris verſtarb!. S— a— w. I 3 2 V Noch einmal: Gedenket unſerer Brüder auf der Hee! V Von Alters her haben alljährlich viele tauſende von braven Seeleuten an unſern deutſchen Küſten ihr Grab gefunden und jeder Sturm fordert neue und zahlreiche Opfer. Die einzige Hilfe, welche ihnen vom Lande aus zu Theil wurde, beſchränkte ſich auf ein frommes Gebet, das für viele nur ein Sterbegebet war. Und doch iſt es möglich, einen großen Theil jener Unglücklichen zu retten und ſie vor einem unzeitigen Tode zu bewahren. Der menſchliche Geiſt
hat Mittel erdacht, um das ſcheinbar Unmögliche zu leiſten und Rettungsboot wie Rakete haben bereits ſtaunenswerthe Thaten vollbracht.
loſigkeit und Gleichgültigkeit gegen das Wohl der Mitmenſchen vorwerfen ſoll. Bereits gehen die drei beſtehenden Vereine damit um, ſich zu einem zu ver⸗ ſchmelzen. Ein vierter, der gegenwärtig in Stettin in Bildung begriffen iſt, wird ſich ihnen anſchließen, damit dieſe Beſtrebungen als ein gemeinſames Band unſere ganze vaterländiſche Küſte umſchlingen. So fügt ſich abermals ein Glied zur Kette der deutſchen Einheit, die doch das Endziel unſer Aller Wünſche iſt. d Deshalb öffnet Eure Hand, Ihr Deutſchen, zu einem Werke, das Euch als Volk und Menſchen nur Ehre machen kann! Das Beiſpiel Englands zeigt Cuach, was eine Nation in dieſer Beziehung zu leiſten vermag. Macht, daß man Euch auch in dieſem Punkte nicht lange mehr England als Muſter vorzuhalten V braucht. Vornehm und Niedrig, Reich und Arm, betheiligt Euch nach Kräften an einem Unternehmen, das leider ſchon zu lange vernachläſſigt iſt. Ihr werdet Cuch in den Herzen der Geretteten einen Tempel errichten und die Dankgebete der Frauen und Kinder, denen Ihr den Gatten und Vater erhalten, werden den Ss egen Gottes auf Eure Häupter herabrufen!— Die Redaction iſt bereit, die eingehenden Beiträge in Empfang zu nehmen.*) Sie wird darüber im„Daheim“ auittiren und in Verbindung mit dem Comité der deutſchen Rettungsvereine über die Verwendung der Gelder ſ. Z. Rechenſchaft ablegen.— Möchten die letzteren( recht zahlreich fließen, damit ſchon die nächſten Herbſtſtürme unſere Küſten beſſer geſichert finden und damit das deutſche Volk das Seinige thue zur Erhörung des d römmen Gebetes:„Gott ſchütze unſere Lieben auf der See!“ zm; 2 b 3 lihüte unſere Fieben aliſ ber Ser Die Uedaction des Daheim in Leipzig, Poſtſtraße Nr. 2. *) Auch die Verlagshandlung des Daheim von Velhagen& Klaſing in Bielefeld erbietet ſich zur Annahme von Beiträgen und macht Geſchenkgeber in Preußen zugleich auf das bequeme Mittel der Poſtanweiſung(etwa mit dem Vermerk:„für Rettungsſtationen“) aufmerkſam. Belhagen& Klaſing in Bielefeld. b 4.... c V Mit Genugthuung verzeichnen wir die Spenden, welche in den vier, zwiſchen der Ausgabe von Nr. 22 und der Drucklegung dieſer
Nummer liegenden Tagen eingelaufen ſind, und fordern in der feſten Ueberzeugung zu weiterer, thatkräftiger Betheiligung auf, daß dieſe— hohe Sache der Menſchlichkeit und der nationalen Ehre überall offnen Sinn und offne Hände finden werde.
V Für das deutſche Rettungsweſen zur See
gingen bis heute, den 2. März, ein: Abonnent des Daheim in Breslau Thlr. 2.— K. F. Köhler in Leipzig Thlr. 10.— F. v. Eſcheve in Potsdam Thlr. 5.— Unge⸗ nannt aus Köln Thlr. 10.— Aus Lübben Thlr. 1.— Zwei Setzerlehrlinge in Leipzig 15 Sgr.— A. Velhagen in Bielefeld Thlr. 15.— A. Klaſing in Bielefeld Thlr. 15.— Ungenannt aus Braunſchweig Thlr. 2.— Aus Gotha Thlr. 2.— J. Banſi Thlr. 25.— Gottfr. Banſi Thlr. 10.— A. W. Kisker Thlr. 25.— C. Bertelsmann Thlr. 5.— E. R. in Nürnberg fl. 7.— Baron von Zettritz⸗-Neuhaus auf K. EKouhlr. 5.— L. in Hannover(„für die gemeinſame Sache“) Thlr. 1. 15.— Lenz in Berlin Thlr. 1.— Ulm in Leipzig 20 Sgr.— Ungenannt Thlr. 5.— W. R. Velhagen in Bielefeld Thlr. 50.— F. F. in Leipzig Thlr. 5.— F. W. in L. Thlr. 5.— R. K. in L. Thlr. 2. In Summa: Thlr. 206. 20 Sgr.
V Die Redaction des Daheim in Leipzig.
an die Re
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Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. Verlag der Daheim-Expedition von Velhagen* Klaſing in Bielefeld und Berlin.— Druck von Fiſcher Wittig in Leipzig.
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