Jahrgang 
1865
Seite
351
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lii neben one ſo huin und gen G die das Kiri Knaben Klaus war ſete ſich bald 8. Sorglos rtsſchule, r vor Ueber⸗ zen Sommer m ſechzehnten iſpielvogt in nen hier mit erzeige lehr⸗ e Entſchluß, ach Tondern ſtbildung im glänzend be⸗ urückberufen ndeseindrücke kehr im viel⸗ r Umgebung, d höher ge⸗ Tilingſtedt, Narſch, egen, er⸗ Reiſen, Main und 3 Vaterland i ſelbſt dem ätzen lernte. m 20. Jahr venn er von her die alten umfänglich⸗ echen droht. Schaffens in nem Freund, det, bis zur te und tritt eimonatliches uder Johann Freund und er des Gloſ⸗ lt 1855 am und lebt ſeit gegenwärtig ſche Literatur erin, eine nach Femarn Knaben von en auf ſeine glos bei der e Natur des

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mans nicht zu machen habe.

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Uhr an einem an ſeinen Arm befeſtigten Band wecken zu laſſen, um faſt ohne Unterbrechung bis 10 Uhr Abends zu arbeiten.

Erſt als er nach Femarn ging, war er ſich deſſen bewußt, was er wollte. Bis dahin hatte er nur Kenntniſſe in ſich aufgenommen, unbekümmert darum, wie ſie ihm dereinſt dienen könnten. Dieſe Zeit war nun gekommen. Er faßte, wie von ſelbſt, den Gedanken, nicht nur ein Dichter, ſondern ein Dichter ſeines Volks und ſeiner ihm eigenthümlichen Sprache zu werden. Der Gehalt war da oder wenigſtens durch die Vorbildung einer gediegenen Kraft erreichbar und wie die innige Liebe zu ſeinem Vaterlande als bereiter Stoff leicht gefunden war, ſo doch nicht völlig ſo leicht die doch anſcheinend zu ſolchem Werk vorbeſtimmte Sprache. Sie war einerſeits gebie⸗ teriſch gefordert ſie ſchien ſchon, halb heimiſche Poeſie, einen Theil des Gehalts in ſich zu tragen. Doch ſo günſtig ſie in dieſer Rückſicht dem Gedeihen einer Kunſtgeſtaltung ſchien, ſo war doch die Schweſter⸗ ſprache des Hochdeutſchen dieſem gegenüber lange, lange vernachläſſigt worden. Sie mußte, wie bei Uhland der Gehalt der alten Wunder⸗ ſage, aus dem Schlafe geweckt werden, in den ſie ſeit Jahrhunderten verſunken war. Sie hatte ein Leben, aber nur ein Traumleben ohne das klare Bewußtſein der Schrift fortgeführt. Sie war nicht fertige Form tieferen poetiſchen Gehalts. Hatten Voß, Borne⸗ mann, Bärmann und Sophie Dethlefs in ihr gedichtet, ſo mochten ſie immerhin im komiſch⸗derben Ton glücklich geweſen ſein, im übrigen zeigten ſie unſerm Dichter für ſeine Zwecke nur, wie Es iſt nach dem, was hierüber vor⸗ liegt, nicht zu viel geſagt, wenn behauptet wird, Klaus Groth ſchuf ſich auch das Gewand ſeiner Dichtung, er geſtaltete ſich die volks⸗ thümliche Sprache ſeines engeren Vaterlandes um, ein ächter Sohn des Dithmarſchen Volkes, für den Zweck einer daſſelbe verherrlichenden Dichtung, aus der uns grunddeutſches Weſen in urwüchſiger Kraft anweht, und er errang damit ſeiner Poeſie den deutſch⸗nationalen Zug, der dem Dichter unſerer Tage ſo wohl anſteht, einer Literatur gegenüber, die in aller Herren Ländern zu Hauſe iſt und deutſches Leben und deutſche Tüchtigkeit vielfach doch nur in die Fremde zu tragen wußte..

Seit Ende 1852 iſt derQuickborn in 9 Auflagen von je 2000 Exempl. verbreitet(verlegt von Perthes⸗Beſſer und Mauke in Ham⸗ burg), die erſte Auflage mit einem empfehlenden Vorwort von Klaus Harms, von der dritten mit Müllenhofs Gloſſar und Ein⸗ leitung, die vierte mit Otto Speckters Jlänzenden, an Ort und Stelle aufgenommenen Illuſtrationen, die fünfte mit hoch deutſcher Ueberſetzung, es erſchienen daneben noch drei Ueber⸗ ſetzungen, leider keine derVertelln, die deſſen zu leichtem Genuß doch noch mehr bedürftig ſchienen. Compoſitionen ſangbarer Lieder erſchienen von Selle, Garlitt, Schöne, Johannſen, Ritter, Meinardus, Otto, Hinrichſen, Bank, G. Eggers, Heyſe⸗Rothenburg, Silcher u. a.

Sppecielle ehrende Beweiſe der Aufmerkſamkeit erhielt der Dichter zunächſt von G. G. Gervinus, der ſeine Dichtungeneine Oaſe in der Wüſte der Gegenwart nannte, vom alten Arndt in der

Kölner Zeitung, der ihn in gelinder Uebertreibung alseinen größten

dramatiſchen Dichter characteriſirt, und von Humboldt, der ihm

in tiefer Nacht 2 Uhr ſchreibt:Ich verſtehe, was ich leſe, denn ich habe nicht umſonſt, als ich auf der Handelsſchule bei Buſch in Ham⸗

burg war, im Hauſe von Matthias Claudius mühſelig Schwediſch

und Däniſch gelernt. Damals wurde mir gleich Ihre Mundart lieb. dieſe Skizze unſeres Quickborndichters.

Humboldt wußte unſerm Dichter auch in zarteſter Weiſe ein Ehren⸗ geldgeſchenk Friedrich Wilhelm IV. zu vermitteln. Auch die beſſere, die gelehrte Kritik ſprach ſich außerordentlich günſtig für Groth aus: Schöll, Freytag, Müllenhof, R. Prutz, Prof. Curtius (der Grieche), Hebbel, Prof. Emil Kuh in Wien, der Kopen⸗ hagener Gelehrte Roſenberg, neuerdings Max Müller, Prof. in Ox⸗ ford in Mac Millans Magazine, der einige der Schleswig⸗Holſtein⸗

Lieder ins Engliſche übertrug, während Reinhart(Slomann: leichte Blätter 1859) einige andere Lieder ins Franzöſiſche übertrug. Beide Ueberſetzungen ſind außerordentlich gelungen, obwohl Inhalt und Form dem Engliſchen näher ſtehn.

Der Deutſche liebt den Vergleich. Man hat Klaus Groth den plattdeutſchen Hebel genannt. Inſoweit beide Dichter das Verſtändniß ihrer engern Heimat vermitteln, mag der Vergleich hin⸗ gehn. Die Verſchiedenheiten ſcheinen beträchtlicher, ſowohl hinſichtlich der Eigenthümlichkeiten ihrer Dicht⸗ und Auffaſſungsweiſe, als hin⸗ ſichtlich der Geltung und des Umfangs ihrer Sprache. Das Platt⸗ deutſche iſt für 9 Millionen Deutſche Mutterſprache.

Noch weniger iſt ein Vergleich Groths und Fritz Reuters geboten, ſie ſind in nichts vergleichlich, als hinſichtlich des gleichen Sprachgewands ihrer Dichtungen und in der Liebe zu ihrem engern Vaterlande. Reuter iſt vorzugsweiſe Humoriſt und hat das bisher in Deutſchland wenig cultivirte Genre des komiſchen Romans und der Memoiren in einer Weiſe behandelt, daß er hier den beſten Dichtern aller Zeiten und Länder ebenbürtig erſcheint. Daher gerade auf dieſem, dem Plattdeutſch ſo ſehr zuſagenden Boden der große Erfolg des Mecklenburger Dichters. Die ſtrengere und ernſtere Kunſtform iſt ihm wenigſtens nicht in gleicher Weiſe zugänglich. Aber in ſeinem Humor ſteckt ein ſchöner Ernſt. In feiner Beobachtungsgabe des Volkslebens läßt keiner unſerer Koryphäen der plattdeutſchen Literatur etwas zu wünſchen.

Hat Klaus Groth in ſeinen Briefen über das Plattdeutſche auch unſerm Reuter einmal wehe gethan, ſo darf doch nicht ver⸗ ſchwiegen werden, daß beide Dichter ohne Rivalität ihren Werth gegenſeitig erkannt haben und Klaus Groth, der die Werke Reuters vom erſten Theil der Ollen Kamellen an ſtets mit Enthuſiasmus öffentlich beſprach, ſagt ſchon bezüglich jenes erſten Theils in der Bei⸗ lage zu Nr. 304 des Altonaer Merkurs von 1859:Ut de Franzoſen⸗ tid iſt eine Geſchichte von ſo köſtlicher Lebendigkeit, voll von ſo ächtem Humor, daß man ſie dem Beſten, was in der Art je von Spa⸗ niern oder Engländern geſchrieben iſt, kühn an die Seite ſetzen darf. Dieſer talentvolle Mann hat hier plötzlich ſeinen Gegenſtand gefunden und die Freude des Schaffens ſelber, mit der dieſe Erzählung ge⸗ ſchrieben ſein muß, wird ihm geſagt haben, daß er ihn gefunden. Ich habe Fritz Reuter einmal aus innerſter Ueberzeugung wehe thun müſſen für ſeineLäuſchen und Rimels, ich konnte nicht anders, als ihm ſagen, daß man auf Koſten der Würde des Volks nicht lachen dürfe. Habe ich je ſeit dem Erſcheinen der Pickwickier aus voller Seele gelacht, ſo iſt es hier über dieſen koſtbaren Amtshauptmann

aus dem ächteſten Holz norddeutſcher Biederkeit, ſeinen köſtlichen Rathsherrn Herſe, über den komiſchen Müller und ſeinen Knecht Friedrich.

So verkündete unſer Dichter die Bedeutung Reuters ſchon zu einer Zeit, wo ſein Ruhm noch im erſten Keim ruhte und mit dieſem auch ſpäter ſtets bewährtem Zuge neidloſer Gerechtigkeit ſchließen wir E. Hobein.

Am Familientiſche.

Zur Geſchichte der Guillotine.

rer werthen Zeitſchrift begeht der Verfaſſer des ſehr inter⸗ fanehr Aererelarhen das do Zofigaren nbene der Madame Tüfſaut iden Irrthum, welcher der ungeheuren Mehrzahl Ihrer Leſer wahrſcheinlich bm e⸗ merkt entgangen iſt, da das Geſagte ſeit Jahren als ein unbeſtreitbares Faktum angeſehen wird. Auf Seite 316 heißt es, daß ein Modellder nach ihrem Erfinder Guillotin benannten Guillotine in dem erwähnten Muſeum gezeigt werde. Erlauben Sie mir, dieſes zu berichtigen und in Ihrem Blatte dem ſo hart verläumdeten Dr. Guillotin eine poſthume Genugthuung zu verſchaffen. Guillotin, Deputirter in der Verſammlung des tiers état für Paris, ſchlug als ſolcher vor, die Gleichheit der Todesſtrafe zu decretiren, denn wie Sie wiſſen, hatte vor der Revolution nur der Adel in Frankreich das Recht, ent⸗

hauptet zu werden. Eine Commiſſion wurde ernannt, um dieſen Antrag zu prüfen, und nach einer Vorarbeit von mehreren Jahren gab dieſe Commiſſion ihr Gutachten dahin ab, daß die Gleichheit der Todesſtrafe den Principien der Revolution gemäß ſei, und beauftragte den berühmten Dr. Louis, einen Rapport über die am wenigſten ſchmerzhafte Art der Todesſtrafe anzufertigen. Dieſer ſchlug das ſeit mehr denn hundert Jahren in Schottland unter dem Namendie Jungfrau gebrauchte Fallbeil vor und bezeichnete die Verbeſ⸗ ſerungen, die ſeiner Meinung nach an dieſem Inſtrumente zu machen ſeien. Die Convention nahm den Vorſchlag ihrer Commiſſien an, die grauſenhafte Maſchine wurde verfertigt und von den Pariſerndie Louiſette getauft. Wie und wann dieſer Namen ſich in Guillotine veränderte, bin ich nicht im Stande Ihnen mitzutheilen, aber der in den Archiven des Hotel de Ville noch iſtirende Rapport des Dr. Louis bezeugt deutlich, daß er allein die Verantwortlichkei