Jahrgang 
1865
Seite
345
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lich begonnenen und erfolgreich fortgeführten Anſtrengungen, die großen ſocialen Probleme unſerer Zeit auf dem Wege der Coopo⸗ ration(zu deutſch: Genoſſeuſchaftsweſen) zu löſen, aus eigener Anſchauung kennen zu lernen. Darum war mein Hauptziel auch nicht Mancheſter, ſondern Rochdale. Nachdem ich in Ancoats, dem älteſten Theile der großenCottonopolis, den Secretär der dor⸗ tigenCo-operative Society leider nicht angetroffen hatte, machte ich mich auf den Weg nach Rochdale. In 22 Minuten brachte mich der Schnellzug dorthin.

Die von dem Flüßchen Roch durchſtrömte Stadt enthält etwa 38 40,000 Einwohner. Die Häuſer aus rothen, allmählig ſchwärz⸗ lich-grau gewordenen Ziegelſteinen erbaut, mit Schiebfenſtern und zahlreichen Schornſteinen, dazu die ungeheuerlichen Schornſteinpyra⸗ miden der Fabriken geben ihr einen mit den meiſten Fabrikſtädten Englands gemeinſamen Charakter. Doch macht ſie einen freundlichen und angenehmen Eindruck auf den Fremden, dieſe Mutterſtadt der Cooperation.

Da ich von Edinburg einen Empfehlungsbrief an Herrn John Bright mitgebracht hatte, fuhr ich in einem Cab zuerſt zu ſeiner ele ganten Reſidenz.Mr. Bright is at his parliamentary duties in London, hieß die nicht ſehr tröſtliche Antwort des Dieners auf meine Frage nach demgroßen Manne. Sein Bruder Thomas Bright war in town(d. h. in Mancheſter); endlich fand ich ſeinen Neffen, Herrn Frank Bright, der mich ſehr freundlich empfing und mir anbot, mich durch einen ſeiner Fabrikarbeiter, einen der älteſtenPionniere umherführen zu laſſen.

Sie werden von dieſem Manne die beſte Auskunft über die cooperative Bewegung von Rochdale erhalten können, ſagte er;in⸗ deß bin ich gerne bereit, Ihnen Antwort auf irgendwelche Fragen zu geben, die Sie an mich zu richten wünſchen.

Auf meine Frage nach dem Weſen der Cooperation, ihrem Ur⸗

ſprunge und ihrer Fortentwickelung belehrte er mich in folgender Weiſe: .Was man Cooperation oder gemeinſame Arbeit nennt, iſt nur eine der vielen Formen der Aſſociation, die unter den Arbei⸗ tern ſeit langer Zeit entſtanden ſind. Es iſt freilich die höchſte Form, denn ſie erheiſcht ein größeres Capital und erfordert eine höhere In⸗ telligenz, als alle anderen; dazu kommt, daß zur Herbeiſchaffung und Verwerthung dieſes Capitals mehr Selbſtverleugnung und fortwäh⸗ rende nüchterne Wachſamkeit erforderlich iſt, als bloße Bau⸗, Kran⸗ ken⸗ und Begräbnißgeſellſchaften verlangen.*) Es iſt übrigens ein Irrthum, wenn man meint, die Cooperation, wie ſie jetzt daſteht, ſei die Frucht der letzten zehn oder zwanzig Jahre; nein, was Sie hier in Rochdale kennen lernen werden, iſt nur einer von vielen Ver⸗ ſuchen, die ſeit faſt einem halben Jahrhunderte an verſchiedenen Or⸗ ten gemacht worden ſind.

In Govan, unweit Glasgow, iſt z. B. ein ſolcher co-opera- tive store(Conſumverein), der, wie ich glaube, nahe an 60 Jahre beſteht; ein anderer iſt in Riponden, in dem Weſt Riding von York, der ſeit 40 Jahren das Hauptgeſchäft in jenem Diſtrikt gemacht hat. Im Jahre 1827 wurde in Brighton eine cooperative Geſellſchaft ge⸗ gründet, für die ſich Lord Brougham, damals Mr. Brougham, warm intereſſirte und im darauf folgenden Jahre erſchien ein Blatt, das denſelben Namen führte, wie das, welches unſere Leute jetzt in Man cheſter herausgeben,the Co-operator.

Ich bin erſtaunt, erwiederte ich,über alles, was Sie mir ſagen; wie kommt es denn, daß alle jene Vereine und Beſtrebungen zu keiner Blüthe gekommen, ja daß ſie zum Theil ganz untergegangen ſind?

beſtanden hatten in London, wo ſie am zahlreichſten und anſpruchs⸗ vollſten auftraten, erlitten ſie eine vollſtändige Niederlage. Und wo ſie Erfolg hatten, da profitirten einige wenige Actionäre davon, un⸗ ter welche die Dividenden vertheilt wurden die Arbeiter hatten

*

B. A. Huber ſagt in einer ſeiner neueren Broſchüren: Noth und Hilfe unter den Fabrikarbeitern:Der Unterſchied zwiſchen den cooperati⸗ ven Geſellſchaften und den älteren Hilfsvereinen liegt erſtlich darin, daß dieſe die Erſparniſſe der Theilnehmer nur verwahren und unter Umſtänden wieder als Unterſtützung heimzahlen, während jene dies Geſammt⸗ capital gewerblich und wirthſchaftlich verwerthen; und zweitens darin, daß zum Theil ſchon in Folge dieſer geſchäftlichen Gemeinſchaft ſich nähere, wirklich genoſſenſchaftliche Beziehungen zwiſchen den Mitgliedern entwickeln. I. 24.

Hunderte ſind zu Grunde gegangen, nachdem ſie wenige Jahre

keinen Gewinn davon. Fehlerhafte Organiſation, unzureichende Ca⸗ pitalien, vor allem Mangel an dem, was die wahre Cooperation charakteriſirt, Vertrauen zu einander und gemeinſchaftliches, genoſſen⸗ ſchaftliches Handeln das ſind die Urſachen, weshalb alle jene früheren Beſtrebungen zu Grunde gegangen ſind. Hier in Rochdale i*ſt die Sache ſeit 1844 in einen ganz neuen Weg gekommen, doch das kann Ihnen dieſer Mann hier viel beſſer erzählen, der iſt von Anfang an mit dabei geweſen.

Er wies auf einen breitſchultrigen und breitwangigen Lanca⸗ ſhireman, der ſo eben eingetreten war und der mein Führer ſein ſollte. James Tweedale, einer derdirectors d. h. ein Committee⸗ glied der Manufacturing Society, ein ſtattlicher Fünfziger, hatte ſich mir zu Ehren friſch raſirt und einen Sonntagsrock angelegt. Es that mir wohl, als er mich mit ehrlichem Handſchütteln und freund⸗ lichem Lächeln herzlich begrüßte und mir ſeine Dienſte anbot.

Einen beſſeren Führer hätte ich nicht finden können, als den braven James, einen Mann voll Mutterwitz und Humor, einen ech⸗ ten Nachkommen unſerer Vorfahren, der Angeln und Sachſen, die einſt das grüne Albion eroberten. Seit zweiundvierzig Jahren d. h. ſeit ſeinem zehnten Lebensjahre arbeitet dieſer Mann in den Fabri⸗ ken des Herrn Bright, ſeit neunzehn Jahren gehört er den Pionnieren an und iſt durch die Cooperation zu einem kleinen Vermögen ge⸗ kommen.

Ich höre von Herrn Bright, ſagte ich zu ihm, als wir ins Freie traten,Sie ſind mit einer der erſten Männer der Rochdaler Cooperation wollen Sie mir nicht einmal erzählen, wie die ganze Sache ſich entwickelt hat.

Sehr gern, war ſeine Antwort.Unſer ganzes Werk iſt das Ergebniß eines mißlungenen strike(Arbeitseinſtellung). Einen ſol⸗ chen hatten die Flanellweber im Jahre 1843 verſucht und als ſie nicht ihren Zweck erreichten, beſchloſſen ſie, nach Sir Robert Peels Rath, ihre eigenen Angelegenheiteninihre eigenen Hände zu nehmen, d. h. ſich ſelber zu helfen. Es würde Sie langweilen, Herr, wenn ich Ihnen alle die einzelnen Verhandlungen erzählte, die endlich zum Ziele führten. Kurz, am 24. Oktober 1844 wurde un⸗ ſere Geſellſchaft regiſtrirt unter dem Titel:Rochdale Society of Equitable Pioneers.

Pioneers, unterbrach ich ihn; Euch dieſen Namen zu geben?

Ach, ſehen Sie wir hatten damals gar hochfahrende Pläne und glaubten, die ganze Welt mit unſeren Ideen und Thaten refor⸗ miren und geiſtig erobern zu können. Wie im Kriege die Pionniere der Armee Bahn ſchaffen, wie in Nordamerika die erſten Coloniſten Land und Boden urbar gemacht und ſo den Niederlaſſungen Weg ge⸗ ſchafft hatten, ſo wollten wir auch unſern Brüdern muthig vorauf⸗ ziehen als Führer und Bahnbrecher.

In unſeren damaligen Statuten verkündigten wir nicht nur unſere nächſten, ſchon ſchwierig genug auszuführenden Pläne, nein, wir ſprachen von Ankauf von Ländereien, von Volkserziehung, Wahl⸗ rechten u. ſ. w. Und dabei waren wir ſo arm, daß wir nur mit Mühe wöchentlich 2 Pence( 20 Pfennige) beiſteuern konnten. Endlich, endlich hatten wir 28 Pfund St.*) zuſammen. Damit wollten wir einen Laden einrichten, die nöthigſten Lebensbedürfniſſe möglichſt billig und möglichſt gut anſchaffen und ſie unſeren Mit⸗ gliedern aber nur gegen baare Zahlung verkaufen und den ſich daraus etwa ergebenden Gewinn untereinander ver⸗ theilen.

Wir waren bei dieſen Worten in eine nicht unanſehnliche Straße gekommen; es war die Toad lane oder das Krötengäßchen.**)

In dieſer Straße, fuhr James fort,die damals noch ein elendes Gäßchen war, begannen wir unſer Werk, mietheten für 10 Pfund St. jährlich ein Gewölbe und richteten es mit unbeſchreib⸗ lich kleinen Quantitäten von Butter, Zucker, Weizen⸗ und Hafer mehl ein. Mr. William Cooper, zu dem ich Sie nachher führen werde, war unſer Caſſirer, Samuel Asworth erhielt den würdigen Titel einessalesman(Verkaufsmann). Unſer ganzer Vorrath hätte in einer Karre fortgeſchafft werden können. Sie können ſich den Spott unſerer Rochdaler Krämer, aller unſerer Nachbarn, der

wie kommt Ihr denn dazu,

8 5 Ein biser Sterling= 6 Thlr. 20 23 Sgr. Ein Penny(Plural: Pence)= 10 preuß. Pfennige⸗ eGäßche .) Urſprünglich in der Landesmundart: the owd lane, das alte Gäßchen.

Ein Schilling= 10 Sgr.