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Haus und Gehöft in zwei vollkommen gleiche Hälften theilen, wenn wir ſie uns als vom Mittelpunkt ausgehende Linien denken. Und warum der Dorfring ſo ſchweigend liegt? Weil kein Fenſter auf ihn hinausgeht. Aber wenn wir über die weite, dunkle Hausflur, auf die rechts und links das Vieh ſchaut, wo oben am Wiem die Schinken, Speckſeiten und Würſte hängen, hinübergehen, und den alterthümlich überbauten Herd paſſiren, ſo treffen wir auf die Stube, und ihre Fenſter gehen auf den Hof mit Bäumen, auf das Backhaus und die Schweineſtälle im tiefen Schat⸗ ten, endlich in—— S die grüne Klan⸗——— zei, die ſich daran= 5— ſchließt und kür⸗ zer oder länger bis zur Wieſe oder zum Acker reicht. Hier ſtehn die ſchlanken Ei⸗ chen, des Wend⸗ länders Stolz und Kapital. So erklärt ſich's, daß man vom wendiſchen Dorf von außen nichts ſieht. Wie ein Vogelneſt liegt's im grü⸗ nen Buſch, rings von Wald um⸗ hegt, oft mit nur einem Eingang durch die Klan⸗ hindurch zum Dorfring, der dann die Form des Huf⸗ eiſens hat. Man geht hinein, ſieht ſich um und geht zu demſelben grünen Thore wieder hinaus. Wenn die Feld⸗ arbeit Statt hat, ſo liegt das Dorf ſo ſtill, ſo ſtill, daß das Wort, in der Mitte ge⸗ ſprochen, den Widerhall weckt. Aber lebendig wird's Abends. Die Kühe, heim⸗ getrieben, ſtehen vor den Thü⸗
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Hofordnung heißt:„Saufen iſt der Deutſchen uralt ehrlich Her⸗
kommen.“— Der Wenden aber nicht minder.
Wenn die Pfingſtzeit ins Land kommt, ſo rüſtet ſich der Dörfer zum Pfingſtbier. Am erſten Pfingſttag Abends liegen die aus der Stadt ge⸗ holten Fäſſer auf einer der großen mit Maien geſchmückten Fluren parat. Am zweiten Pfingſttag Nachmittag iſt das Kranzjagen. Die Burſchen mit Bändern um die Mützen jagen, oft zwölf bis zwanzig zugleich, auf ein Zeichen los, es ſtürze, was da ſtürzen will; es gilt den Kranz.
In dieſem
3 Kranzjagenſteckt — õ⁰ auch noch alte 5 heidniſche Wen⸗ denart. Drei Wochen vorher ſtecken die Bur⸗ ſchen ſchon aus den Dörfern die Köpfe zuſam⸗ men und füt⸗ tern die Pferde, die Jungfrauen ſtecken die Köpfe zuſammen und
rüſten die Sträuße. Ge⸗ machte Blumen, Kränze, breite prächtige Fleu⸗ dern und Bän⸗ der, und ein ſchönes Seiden⸗ tuch für den Kö⸗ nig kommen aus der Stadt. Nun beginnt das Ue⸗ bungsreiten auf der Weide; dann kommt das Bier ins Dorf gefah⸗ ren. Endlich iſt der Tag da. Die Burſchen putzen die Pferde, um⸗ winden die Zäu⸗ me mit bunten Bändern, klei⸗ den ſich feſtlich, ſchneiden ſich, das gehört dazu — die Haare. Der Dampf ſteigt aus allen Backöfen des Dorfes, welches das Feſt gibt, an ſc dem die Reihe 2 2nh iſt. Mitten auf
S
ren und werden— den Dorfring unterm blauen treten nun die Himmel abge⸗ Wendländiſche Mädchen im Sonntagsſtaat. Muſikanten die 3 7 molken, wenn Hörner wecken
ſchon die Wagen auf dem Flur ſtehen. Das Brüllen füllt den Platz, die Hunde halten Rathsverſammlung in der. Mitte des Ringes unter der alten Weide, wo die hohen Steine liegen, der Storch oben auf der Firſt des Daches ſchaut behaglich, auf einem Bein ſtehend, ernſt⸗ haft hinab, und vielleicht wirft der Mond ſein ſilbernes Licht über die Bäume und das Bild, welches außerordentlich heimlich und ſtill in ſeiner Abgeſchloſſenheit die Seele anſpricht. Der Dorfſchulz aber ſteht vor ſeinem Hof und ruft dreimal laut: To hop— to hop— to hop— wenn die Gemeinde auf den Schulzenhof kommen ſoll.
Es iſt wahr, wie es in des Kurfürſten Chriſtian II von Sachſen
das Echo. An den Häuſern ſammeln ſich die Jungfrauen mit Blu— men und Kränzen, und nun erſcheinen die Burſchen auf dem Platz, oft bis zwanzig oder mehr Reiter, die blanken, wiehernden Roſſe ohne Sattel tummelnd, die, ins Gebiß ſchäumend, ſtolz ſich bäumen. Und nun bricht alles zum Rennplatze auf. Eine große Weide, im hellen Sonnenſchein ſticht ſie ſcharf ab gegen das tiefe Dunkel des Erlen⸗ gebüſches zur Seiten. In Reih und Glied, in„Mahn“, ſchließen ſich die Reiter, und halten die ſcharrenden Roſſe feſt im Zügel. Dorfpanner oder Flurſchütz ſagt den Zug, das heißt, er gibts Signal V zum Fortſtürmen. Welch ein Jubel begrüßt den brauſenden Zug, wie er mit dumpf ſchallendem Hufſchlag auf dem weichen dns
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