Jahrgang 
1865
Seite
323
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Stimme:Ha, Eſeborn, finden wir uns hie? Warum haſt Du mir und den Meinen dazumal die Ochſen und den Speck genommen?

Eſeborn erwiederte kecklich:Gnädiger Herr! es war dazumal Fehde. Da lachte der Herzog grimmig durch die Zähne und ſprach: Es iſt noch nicht großer Fried' zwiſchen uns; darum müſſen wir mehr davon men Du mußt es mit dem Kragen bea ſen, Eſeborn faßte ſich einen trotzigen Muth und ſprach:Das hoff ich nicht! Geſchiehet mir etwas, ich hab' Freundſchaften, die es wohl rächen können. Da nahm der Herzog den Strick, an dem er ſeine Rüden hatte, warf ihm die Schlinge über den Kopf und rief:Mit Deiner Freundſchaft mag ich mich vertragen, als ich kann! hielt ihn mit gewaltiger Haud, ob jener gleich ein ſtarker Mann war, und befahl den Knechten, ihn aufzuheben und auf einen Klepper zu ſetzen. So ſchlang man das Seil um einen Eichenaſt, hieb den Klepper mit der Peitſche, daß er unter ihm weglief, und blieb Eſeborn todt am Baume hängen.

Abſcheulich, fuhr Frau Käthe auf, und ihre Augen flackerten förmlich vor innerlicher Glut,fürwahr abſcheulich! Nein, lieber Herr, die That könnt Ihr nicht loben, ich glaub's nimmermehr. Ich könnt' den Herzog haſſen um deswillen. So ſieben Jahre den Groll um ein Paar Speckſeiten mit ſich herumtragen und dann, da niemand mehr der Kleinigkeit gedenkt, den ſchutzloſen Mann überfallen und, Kläger, Richter und Henker in einer Perſon, ihn ohne rechtlich Abhören der Sach' am nächſten Baum aufknüpfen

das iſt gräulich und empört mich im Innerſten!

Herr Bartelmes ſchüttelte ernſt den Kopf und verſetzte auf dieſen leidenſchaftlichen Ausbruch ſeiner Gattin in feſtem Tone:Die Pflichten eines rechten Fürſten ſind oft ſehr ſchwer und drücken ihn ſelbſt nicht minder, als ſie anderen in der Ausführung mißfallen. Du weißt nicht, in welch trauriger Verfaſſung das Land vordem war, da niemand eine Stunde ſeines Lebens und Eigenthums ſicher ſein durft', und was es durch dieſes Fürſten unermüdete Wachſamkeit und ſtarken Arm geworden. Nur ſeiner Strackheit und ſcharfen Juſtiz iſt es zu danken, daß dermalen, wie man ſagt, ein Kind mit einem offenen Geldbeutel von Barth bis Stettin gehen kann, ohne eines Vinrichen Werth davon einzubüßen. Wohl fährt er nun in ſſeinem raſtloſen Eifer, das Recht zu ſchützen und das Unrecht zu ſtrafen, dann und wann ein wenig zu haſtig zu und verſieht es in dem und jenem; aber, Käthchen, dennoch ſag ich, es iſt ein ſeltner Fürſt, und werth, geliebt zu werden. Kann ſich ein Familienvater, auch der beſte, nicht davor bewahren, gegen die Seinen einmal jäh und ungerecht zu werden, wie viel weniger ein Landesvater, zu dem Hunderttauſende aufſehen und Schutz und Hilfe verlangen, und deſſen ſtrafender Arm über das ganze Land geht. Nein, nein, liebes Weib, mag Wartislav irren, wie jeder andere Menſch: dennoch lieb' und ehr' ich ihn, denn ich weiß, daß er's wohl meint, und daß, wo er von Unrecht und Verbrechen hört, ein zehrend Feuer in ſeinen Eingeweiden brennt, bis er's gerächt und den Frevler beſtraft hat. Möchte er doch auch hier in ſeines Neffen Antheil Landes, ſo lange er noch das Regiment führt, beſſer Ordnung und Recht einführen; fürwahr, es thäte uns Noth.

Frau Käthe war bei den letzten Worten ihres Mannes aufge⸗ ſtanden und hatte auf einen ſuchenden Blick deſſelben eine Kanne heißen Würzweins herbeigeholt. Nun ſetzte ſie dieſelbe vor ihm auf den Tiſch und erwiederte ernſt:Das magſt Du wohl ſagen! Gewalt geht nur zu oft noch vor Mecht, und auch Deine Streitſache mit Jaſper von Appenborch u die Oderwieſen erdantelt ſich immer mehr, liegt auch das Recht ſo klärlich auf unſerer Seite, daß ein Kind es ein⸗ ſehen könnt.

Herrn Bruſchavers Antlitz überzog eine Wolke tiefen Miß⸗ muthes bei dieſer Erwähnung, und finſter ſtützte er den Kopf.

Ja, ſagte er nach einigen Minuten Schweigens,auf der Juſtiz⸗Canzlei zu Stettin iſt man andrer Anſicht geworden, ſcheint es, denn zuvor, wo man mir ſagte, daß mein gutes Recht ſo licht ſei, wie der Tag. Die letzten Beſcheide waren faſt feindſeligen Tones, gleich als ſtrecke ich die Hände nach fremdem Gute aus, da ich doch nur das Meine feſtzuhalten trachte. Gott mag wiſſen, wie ſolche Veränderung bewirkt ſei.

Frau Katharina ſah ihrem Gatten feſt in das umdüſterte Antlitz und ſprach: Argliſt und verläumderiſche Zwiſchenrede treibe da ihr böslich Spiel und habe allbereits die Richter zu unſeren Ungunſten umgeſtimmt.

Mein Bruder iſt des feſten Glaubens, verſteckte

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Herr Bartelmes ſchüttelte ungläubig den Kopf. nicht denken, erwiederte er ernſt;es wäre einen wie für den anderen, und wen könnte man als Verläumder in Verdacht nehmen?

Wer hat denn Intereſſe an der Sache, denn allein Jaſper von Appenborch! entgegnete mit etwas unſicherer Stimme Frau Katharina, die den Namen ungern auszuſprechen ſchien.Von ihm weiß man zudem, wie Thilo mir berichtete, daß er ſchier allwöchentlich in Stettin aus und ein reitet; Gerth Pawelsz hat ihn auch des öfteren mit den herzoglichen Räthen ſlüſtern und verhandeln ſehen, und ſeine Freunde Dietrich Rameln und Buslaf Krakewitz rühmen allerwege laut, wie hoch er bei Sr. Fürſtlichen Gnaden in Gunſt und Ver⸗ trauen ſtehe.

Mag immerhin ſo ſein, verſetzte ruhig Herr Bartelmes;

Jaſper iſt ein kluger, wohlerfahrener Mann, bei dem ſich ein Fürſt wohl einmal Raths erholen mag. Wie ich aber den Herzog kenne, würde er bei dem eine ungerechte Sache nicht fördern. War⸗ tislavs Sprüchlein lautet wohl:Gleich zu trifft am beſten! doch iſt ihm Bedachtſamkeit nicht fremd, und nimmer würde er für die eine Partei ſich entſcheiden, ehedem er die andere gehört. Immerhin aber iſt es gut, daß ich heute hinüberreite; es drängt mich, mit dem Herzog ein offen Wort zu reden über mannichfache Gebrechen, daran unſer Land hier krankt und hinſiecht, und gibt's die Gelegenheit, kann ich da auch meiner Sache gedenken.

Mir iſt nicht wohl dabei, ſprach Frau Katharina nachdenklich, doch weißt Du das beſſer. Ich bitte Dich aber, fuhr ſie fort, und das Blut ſtieg ihr in die Wangen,ich bitte Dich, thue Dich nicht herab vor Wartislav und zeige Dich ihm nicht allzu ergeben. Mag er immerhin ein Herzog zu Pommern ſein und derzeit Admini⸗ ſtrator hieſigen Landes, doch iſt er nicht Dein Lehnsherr, und ich ertrüg' es nicht, wenn Du Dein freies Haupt, das Du wohl vor Kaiſer und Reich erheben könnteſt, vor ihm ſenkteſt. Laß mich's geſtehen, daß Deine Worte mich nicht überzeugt haben, und daß in meiner Bruſt ein unbeſieglich Mißtrauen wider den Herzog erwachſen iſt, als ſtünde uns noch viel Leides von ihm bevor. Kann ich mich doch auch des Verdachtes nicht entſchlagen, daß der feindliche Beſcheid aus Stettin nicht ohne ſein Vorwiſſen erlaſſen ſei, und daß er wirklich Partei wider Dich ergriffen, ehedem er Dich gehört.

Käthchen! rief Herr Bruſchaver unwillig dürs⸗ indem er den erhobenen Krug faſt hart auf den Tiſch ſetzte;wie Du nur ſo reden magſt! Den beſten, gerechteſten und umſichtigſten Fürſten willſt Du alſo ſchwer beſchuldigen? Habe ich nicht hundert Proben davon, wie er allezeit die justitia gleich wie mit einer feinen, gerechten Wage abmißt und jedem ſein Recht zuertheilt ohne Anſehen der Perſon! Nein, ſprich nicht ſo, Du kränkſt mich damit!

Das wolle Gott nicht, mein lieber Herr, ſprach bewegt Frau Käthe, die, mochte ſie auch noch ſo feurigen und leidenſchaftlichen Charakters ſein, lhienehann über alles liebte und ehrte und ihm nun innig die Hand hinſtreckte, während ihr zärtliches Auge das ſeine ſuchte.Gern will ich ja Unrecht haben, nur allzugern, doch iſt meine Seele voll S gen um Dich. Jaſper von Appenborch iſt ſehr liſtigen Gemüthes und heftig und rückſichtslos in ſeinem Haſſe

Wie in ſeiner Liebe, Käthchen, fiel Herr Bartolomäus lächelnd ein, die treue Gattin herzlich an ſich ziehend.Wie in ſeiner Liebe! Sieh, ich verarg's ihm faſt nicht, was er wider mich thut. Kann er es mir doch nie verzeihen, daß ich ihm die ſchöne und hoch⸗ geſinnte Katharina von Huxhol abſpänſtig gemacht, und muß es mir ewig nachtragen.

Ueber Frau Käthes Wangen flog bei dieſer ſüßen Schmeichelei des theuren Mannes ein faſt mädchenhaftes Erröthen, und vergebens bemühte ſie ſich, ihrer Verwirrung Herr zu werden. Still lehnte ſie

ihr glühendes Geſicht an ſeine Schulter und ſo verharrte ſie einige Minuten in Schweigen und ſtiller Erinnerung. Endlich hub ſie noch einmal an:Verſprich mir nur, daß Du auch heute Streit und Hader mit ihm meiden willſt. Ich weiß nicht, es dräct mich heute wie eine böſe, ſchreckliche Ahuung. Sind ſo viel wilde und jähzornige Männer beiſammen, kommt's leider nur zu leicht zu heftigen und ſchneidigen Worten, und vom Wort bis zur That iſt, Gott ſei es geflagt, nur ein kurzer Weg.

Herr Bartelmes lächelte ernſt.Sei ohne Weib; ich bin kein Haderer und Raufbold und weiß mich zu be

Ich mag's

Sorgen, herzes

zu ſchmachvoll für