Jahrgang 
1865
Seite
320
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Amt eines Majordomo verſieht.

an, ſagte, ich ſolle ihn zufrieden laſſen, da er fremde Gäſte hätte, die, obgleich ſie ihm wie politiſche Flüchtlinge vorkämen, doch viel Geld hätten ich bat, ich flehte er fing an zu fluchen, drohte mich hinaus zu werfen; kurz wir ſprachen beide ſo laut, daß man es durchs ganze Haus hörte. Plötzlich öffnete ſich die Thüre, die aufs Billardzimmer ging ſehen Sie jene Thür dort drüben und ich ſah einen höchſtens zwanzigjährigen jungen Menſchen, der den Kopf hinausſteckte und fragte, was los wäre! Gott weiß wie es kam ich begreife es noch heute nicht, wie ich den Muth dazu hatte ich ging auf ihn zu und erzählte ihm meine ganze Leidensgeſchichte! Kaum hatte ich geendet, als er mich bei der Hand nahm und mich in dieſes Zimmer führte, wo wir jetzt ſitzen, in dem noch drei andre junge Herrn ſich befanden, von denen ein jeder ein Billardqueue in der Hand hielt.Meine Herrn, ſagte er, wir zerbrechen uns ſeit einer Viertelſtunde den Kopf, worauf wir ſpielen wollen ich hab's gefunden der Strom hat in der vergangenen Nacht das Mühlenrad dieſer armen Frau zerſchellt ſpielen wir! wer verliert, läßt ihr ein neues Rad machen!Angenommen! riefen die andern und die Partie

begann Sie können ſich denken, wie mir zu Muthe ward! ich glaubte zu träumen.Gehen Sie, ſagte der junge Mann, den die andern Louis nanntenfür Sie iſt es gleichgültig wer gewinnt oder verliert Ihr

Rad bekommen Sie doch! Ich lief davon um es meinem Manne zu erzählen, der Anfangs gar nicht daran glauben wollte, und der mich hierher zurück be⸗ gleitete, um ſich davon zu überzeugen. Als wir wieder da waren, kam uns der junge Mann entgegen, und lachend gab er mir 30 franzöſiſche Goldſtücke: Es iſt mir ganz Recht, ſagte er,warum ſpiele ich mit meinem Bruder, wel⸗ cher der ungeſchickteſte Spieler der ganzen Welt iſt nun muß ich mit ihm bezahlen! Denken Sie ſich wie ich glücklich war... und mein Mann erſt!... und als wir erfuhren, wer unſre Wohlthäter wären..... Schweigen Sie! rief der Conſul B.Pietro, bringen Sie das alte Fremdenbuch Ihres Vorgängers, damit die Herren ſich überzeugen, daß dieſe Geſchichte authentiſch iſt. Der Wirth brachte ein altes fettiges Buch und zeigte den erſtaunten Gäſten des Conſuls B. folgende eigenhändig einge⸗ ſchriebene Namen:Prinz N. Bonaparte Prinz L. Bonaparte Graf Areſe Graf F. Orſini. Das Mühlenrad exiſtirt noch heute, Schreiber dieſer Zeilen hat es ſelbſt geſehen ebenſo wie die eingeſchnittenen Buchſtaben. Die Müllerin iſt todt, aber faſt alle ältlichen Leute des Städtchens entſinnen ſich der von ihr ſo oft erzählten Geſchichte. Von den vier Billardſpielern ſtarb der eine einige Monate ſpäter, der andre, der Graf Areſe, iſt italieniſcher Senator und Ver⸗ trauter des Königs der dritte iſt Kaiſer der Franzoſen und der Vierte der Graf F. Orſini... der Leſer kennt ſein Ende!!! S.

Santa Caſa da Miſericordia.

Dem Berichte eines Landsmannes entnehmen wir folgende Nachrichten über die Wohltätigkeits⸗Anſtalten in Oporto.

Die trefflichſte dieſer Anſtalten iſt die Santa Caſa da Miſericordia das heilige Haus des Erbarmens. Sie ſteht unter der Leitung einiger der be⸗ deutendſten Männer der Stadt, die reichliche Mittel zur Verfügung haben, um Hoſpitäler zu unterſtützen, Kranken ärztlichen Beiſtand und Nahrung zu ſchicken und die Armen zu begraben. Zu den unter ihrer Leitung ſtehenden Stiftungen gehört das großartige Hospital des Santo Antonio in der Cor⸗ doaria, bei welchem abwechſelnd einer der Directoren einen Monat lang das Es wird von zwei Aerzten und drei Wund⸗ ärzten bedient. Das Gebäude, in ſehr luftiger Lage, iſt von ungeheurer Größe, aber noch unvollendet, ja der Plan war viel zu groß für die Bedürf⸗ niſſe des Bezirks. Schon in ſeinem jetzigen Zuſtande kann es mehrere hundert Menſchen faſſen. Die Säle ſind hoch, luftig und werden äußerſt reinlich gehalten; die Nahrung der Kranken iſt von der beſten Art und alles, wonach ſie Verlangen haben, wird augenblicklich gewährt. Die Apotheke gilt für vortrefflich. Vornehme Kranke, die hier Aufnahme wünſchen, können für unbedeutende Vergütung beſondre Zimmer erhalten. Auch mit dem Ge⸗ fängniß iſt ein Krankenhaus verbunden, das unter der Obhut der Miſeri⸗ cordia ſteht.

Auf dem Platze St. Lazaro befindet ſich eine Anſtalt, dasCollegio de Noſſa Senhora da Eſperanca das Orfias genannt, die ebenfalls von der Miſericordia geleitet wird, und in welcher verwaiſte Mädchen angeſehener Familien aufgenommen und erzogen werden. Jede Waiſe, der die Behand⸗ lung ihrer Vormünder mißfällt, kann ſich unter den Schutz dieſer Anſtalt ſtellen und die Erziehung, die dieſe Zuflucht gewährt, iſt dieſelbe wie in den meiſten Mädchenſchulen; man lehrt da auch Muſik, Zeichnen und andere Fertigkeiten.

Oporto hat ein Aſyl, in welchem Ehemänner, die auf Reiſen gehen, ihre Frauen unterbringen können und das bei ſolchen Gelegenheiten von den Frauen eben ſo häufig freiwillig geſucht wird. Eine andre Anſtalt iſt eine Art Bußhaus, wo diejenigen, die durch ihr Betragen ihren Ehemännern Ver⸗ drießlichkeiten gemacht oder ſich wahrhafte Untreue haben zu Schulden kommen laſſen nach dem Willen und Belieben ihrer rechtmäßigen Herren eingeſperrt werden.

In keinem Lande erfreut ſich das ſchöne Geſchlecht jeglichen Standes eines ſorfältigeren Schutzes, als in Portugal; hier gibt es Stiftungen zur Aufnahme von Wittwen, Frauen und Waiſen, von Verlaſſenen und Hilfloſen.

Zwei Anſtalten für Kinder, die von ihren Eltern verlaſſen ſind, die eine für Knaben, die andere für Mädchen, verdienen beſondere Erwähnung. Zwei Kinderſchulen, unter der Leitung einiger der vornehmſten Frauen Oportos, die abwechſelnd die Aufſicht übernehmen und deren viele täglichen Unterricht

Briefe und Sendungen ſind zu richten an die

Redaction desDaheim in Leipzig,

ertheilen, ſind in voller Thätigkeit und im trefflichſten Zuſtande. Die Mittel zu ihrer Unterhaltung beſtehen in freiwilligen Beiträgen und dem Ertrage eines Balles, der alljährlich zu ihrem Beſten veranſtaltet wird.

Es gibt auch eine Anſtalt für Waiſenknaben von höherem Stande, die hier in allen Kenntniſſen, deren ſie zu ihrem Eintritt in die Welt bedürfen, unterrichtet werden.

Auch fünf bis ſechs reicher und höchſt achtungswerther Brüderſchaften muß ich erwähnen, die meiſt aus allen Ständen zuſammengeſetzt ſind und Krankenhäuſer für ihre armen und kranken Brüder und Schulen für ihre Kinder beſitzen. Die Brüder übernehmen abwechſelnd die Verpflichtung, die Leichenbegängniſſe der ihrer Körperſchaft angehörenden Verſtorbenen zu be⸗ gleiten, ihre Kranken täglich zu beſuchen und darauf zu ſehen, daß ſie mit allen Bedürfniſſen und Bequemlichkeiten verſehen ſind und von ihrem ärzt⸗ lichen Bruder ſorgfältig behandelt werden. Sobald einer auf der Straße krank oder verwundet niederfällt, eilen ſie augenblicklich zu ſeinem Beiſtand herbei und übergeben ihn entweder ſeiner eigenen Brüderſchaft oder einem öffentlichen Krankenhauſe. Man kann ſie mit Recht Brüder der Barmherzig⸗ keit nennen, denn ſie erfüllen dieſe größte aller Pflichten in jeder Beziehung.

G. H.

Zwei Lebensmaximen.

Zwei der bedeutendſten Männer: Oſtermann und Münnich, welche zu gleicher Zeit in Rußland die wichtigſten Stellungen inne hatten, Oſtermann als erſter Miniſter und Präſident des Staatsrathes unter der Kaiſerin Anna, Münnich als Generalfeldmarſchall, gingen bei Leitung ihrer Staatsgeſchäfte von ganz verſchiedenen Grundſätzen aus. Oſtermanns Regel war:Man muß niemals heute thun, was man auf morgen verſchieben kann. Münnich dagegen adoptirte den Satz:Verſchiebe nie auf morgen, was du heute thun kannſt. Vielleicht hatten beide nach der Verſchiedenheit ihrer Geſchäfte Recht. Oſtermanns Verfahren mochte für den Staatsmann erſprießlich ſein, Münnichs, für den Feldherrn. Gleichwohl erlitten beide Männer trotz der Verſchiedenheit ihrer Grundſätze gleiches Schickſal. Oſtermann endete nach der Thronbeſteigung Eliſabeths in dem wüſten Bereſow, Münnich bezog, nach Sibirien verbannt, daſſelbe Haus, welches nach ſeiner Zeichnung für Biron

erbaut worden war. Einu Wunderkind.

Der Sohn des Schauſpielers Beauchateau, geboren im Jahre 1645, war eines der berühmteſten und gefeierteſten Wunderkinder. Alle Schriftſteller huldigten ihm. In ſeinem achten Jahre machte er Verſe, die man für unter⸗ geſchoben hielt, denn es ſchien unmöglich, daß ein Knabe von acht Jahren in ſo hohem Grade Meiſter des Wortes und Verſes ſein könne. Man ſchloß den Knaben in ein Zimmer und gab ihm verſchiedene dichteriſche Aufgaben, die er alle zur Verwunderung der Sachverſtändigen trefflich und leicht löſte. In ſeinem zwölften Jahre ſchrieb er: La lyre d' Apollon, eine Göttercomödie in Verſen. Mit einem Prieſter ging er nach England, woſelbſt er von Cromwell und deſſen Hofe mit den größten Ehrenbezeigungen aufgenommen wurde. Ueber die Fortſchritte ſeines Talentes hat man nichts erfahren können, denn Beauchateau folgte ſeinem Freunde nach Perſien und von dieſem Augenblicke an hat man weder von dem Leben noch von dem Tode des genialen Jünglings eine Spur. V.

Einfluß der Gasbeleuchtung auf die Zimmerpflanzen.

Es iſt beobachtet worden, daß in Zimmern, welche durch Gas beleuchtet werden, die Decorationspflanzen, Topfblumen u. ſ. w. zu kränkeln beginnen; um dies letztere möglichſt zu verhüten, muß man 1) genau unterſuchen, ob die Gasleitungsröhren luftdicht ſchließen; 2) der friſchen Luft durch Ventilation in der Nähe der Decke Zutritt verſchaffen; 3) die Gewächſe ſo weit von den Gasflammen entfernen, daß ſie nicht durch die erzeugte Hitze leiden; 4) für den nöthigen Waſſergehalt der Luft Sorge tragen theils durch Beſprengen der Gewächſe, theils durch Aufſtellen von flachen Waſſergefäßen.

Zimmergewächſe zu beſprengen.

Die Gärtner bedienen ſich zum nothwendigen Beſprengen ihrer Pfleglinge in den Gewächshäuſern beſonderer Spritzen, mit deren Hilfe ſie einen feinen Sprühregen erzeugen. Im Zimmer kann man den Blattpflanzen dieſelbe Wohlthat mit Hilfe einer ſcharfen Bürſte zu Theil werden laſſen. Man taucht die letztere in Waſſer und fährt dann mit dem Finger ſo über die Borſten, daß zahlloſe feine Waſſertröpfchen gleich einem Thau über die Gewächſe ſprühen.

Hängende Gärten in Deutſchland.

Die hängenden Gärten der Semiramis ſind als ein Weltwunder ge⸗ prieſen worden, man hat auch in Deutſchland hie und da verſucht, dieſelben nachzuahmen. Am bekannteſten ſind jene hängenden Gärten geworden, welche Friedrich II. von Hohenſtauffen zu Nürnberg anlegen ließ und welche der Dichtér Conrad Celtes in ſeiner poetiſchen Schilderung von Deutſchland in lateiniſchen Verſen als neues Wunder von Babylon beſang. Wahrſcheinlich waren ſie eine Terraſſe vor der Burg, welche durch einen gewölbten Unterbau gewonnen oder breiter gemacht wurde.

Im 18. Jahrhundert legte der Biſchof von Paſſau ſchwebende Gärten vor ſeinem Reſidenzſchloß an, von denen noch Abbildungen vorhanden ſind. Dieſe befanden ſich auf einer Terraſſe, welche ſtatt einer Futtermauer ein an⸗ ſehnliches, zwei Stock hohes Gebäude hatte. Der Garten war ſcheinbar und zum Theil auch wirklich auf dem Dach des Hauſes. Er war ziemlich groß, hatte eine Orangerie, einen Springbrunnen, ein franzöſiſches Parterre, an den Wänden gemalte Landſchaften, welche Alleen mit Gebäuden am Schluß, mit Springbrunnen u. dgl. vorſtellten. Nach der Tiefe zu war er von einer reichen

Balluſtrade eingefaßt. H. W

Boſtſtr. Nr. 2.

Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig.

Verlag der Daheim-Expedition von Velhagen a Klaſing in Bielefeld und Berlin. Druck von Liſcher* Wittig in Leipzig.