Jahrgang 
1865
Seite
319
Einzelbild herunterladen

d über⸗ ſtudiren/

4 Bod durch zeln kennbar) en Augen⸗

Tber, wohl 80 Mann an der Zahl, ihr gegenſeitiges Zurufen, wenn ein verſtecktes Rudel entdeckt wurde oder Gemſen zurückwollten, das Steingerumpel und nun das Wild natürlich nicht mehr vertraut, ſon⸗

dern in voller Flucht durch die Schluchten niederſpringend, dazu das

Knallen der Büchſen, es war eine Aufregung, die man einem Waid⸗ mann nicht zu beſchreiben braucht, einem anderen aber auch vielleicht nicht begreiflich machen kann.

Die Jagd hatte drei Stunden gedauert. Das Reſultat war ein ſehr glänzendes, namentlich in Anbetracht der geringen Zahl der Schützen. Es waren neun und fünfzig Gemſen erlegt.

Dceer König zählte 24 Stücke, die anderen Schützen zuſammen 35, V wozu ich 8 Stücke geliefert hatte. Hatte der Anfang der Jagd durch

(Einſteigen der Jäger in die Schluchten, wo die Gemſen lagen, das Abtragen auf den ſchmalen Steigen oder wenn ein angeſchoſſenes Gems noch von dem Schützen angebirſcht und erlegt wurde, der Jubel der Treiber, daß es ſo gut gegangen, und dazu die großartige, wilde Natur ringsum, es war einzig in ſeiner Art und ſelten iſt der Wein beim Male fröhlicher gefloſſen, als an dieſem von St. Hubertus ſo ſehr begünſtigten Tage.

Wenn man gewöhnlich bei der Gemsjagd an gefährliche Aben⸗ teuer denkt und manchen vom Erzählen ſchon ein Schwindel anwan⸗ delt, ſo gilt dieſes natürlich nicht von ſolchen Jagden, wie die hier beſprochene und muß derjenige, welcher das Gemsgejaid von dieſer Seite kennen lernen will, das Wild auf der Birſche aufſuchen und

Gemſelim Schuß.

die Einſamkeit und Stille in den öden Wänden und Gräben etwas Feierliches, ſo entfaltete der Schluß überall Leben und Bewegung. Man denke ſich die mannigfaltigen Bilder, welche da wechſelten, das

erlegen. Wiederholte Birſchgänge werden ihn dann bald belehren, daß die betreffenden Erzählungen der Jäger, wenn auch zuweilen übertrieben, doch nicht in das Reich der Fabeln gehören.

Ein hiſtoriſches Mühlenrad.

Der jüngſt verſtorbene Conſul B. aus Florenz hatte vor einigen Jahren eine Geſellſchaft von Freunden und Bekannten zu ſich geladen und mit ihnen einen Ausflug nach dem zwiſchen Piſa und Carrara gelegnen Städtchen Seravezza gemacht, wo er bedeutende Marmorbrüche beſaß, und von wo aus der Gipfel des Altiſſimo, des höchſten Berges der Apeninnenkette, einen merkwürdigen Anblick darbietet. Unglücklicher Weiſe begann ½ Stunde nach der Ankunft der Gäſte ein ſo heftiger Regen, daß gar nicht daran zu denken war, eine Partie nach den Bergen zu unternehmen. Man ſchlenderte in den Straßen des Städtchens, indem man ſich ſo gut wie es nur irgend ging mit Regenſchirmen beſchützte, dem einzigen Kaffeehauſe, welches exiſtirte zu, und man paſſirte eben eine kleine ſteinerne Brücke, die neben einer Waſſermühle vorbei führte, deren Rad in dieſem Augenblicke im vollen Schwunge war, als der Conſul B. ſeine Gäſte bat, ſich genau die Buchſtaben anzuſehen, die in dem Balken, welcher über dem Rade befeſtigt war, eingeſchnitzt waren, da an dieſes Rad eine ſehr merkwürdige Geſchichte ſich knüpfte, die er ſeinen Gäſten ver⸗ ſprach, von den dabei Betheiligten ſelbſt erzählen zu laſſen. Die Buchſtaben waren folgende:N. A. N. o. und unten die Jahreszahl 1831. Die beiden N waren vielleicht dreifach ſo groß als das A und o und der Ver⸗ fertiger hatte darüber einige ovale Einſchnitte gemacht, die wie eine Krone ausſehen ſollten. Endlich langte man in dem beſagten Kaffeehaus an und eine Partie Billard wurde arrangirt, jedoch bald wieder unterbrochen, da der Be⸗ ſitzer des Lokals anzeigte, daß die vom Herrn Conſul her beſchiedene Müllerin draußen harre. Eine rüſtige, hoch in den Fünfzigern ſtehende Frau trat ein und grüßte freundlich...Ich kann mir ſchon denken, was Sie wollen, Herr Conſul,

Am Familientiſche.

ſagte ſie ich ſoll wohl wieder die Geſchichte mit meinem Mühlenrade erzählen ich bin gern dazu bereit, zumal da, wenn der Regen noch ein Paar Tage ſo wie jetzt anhält, wir uns in derſelben Lage wie damals befinden könnten. Sie ſetzte ſich ohne Umſtände und begann:So wie Sie jetzt den Regen ſehen, ſo hatte er damals ſchon elf Tage gedauert; die Serra und die Vezza, die Sie jetzt ſo ſeicht ſehen, daß die Kinder ſie durchwaten, waren beide ſo angeſchwollen, daß ein Kriegsſchiff, wie ich deren im Hafen Livorno geſehen, darauf hätte fahren können und wie Sie mich jetzt als eine alte Frau ſehen, war ich damals ein junges blühendes Weib, die ſeit einem Monate erſt von ihrem erſten Kinds⸗ bette geneſen war. Mein Mann Gott habe ihn ſelig hatte am Abend vorm Schlafengehen unſer Rad angekettet, hatte jegliche Vorſichtsmaßregel getroffen, wie wir es noch heute thun aber wenn der böſe Geiſt will, hilft alles nichts! Um ½ 4 des Morgens wurden wir durch ein furchtbares Ge⸗ räuſch geweckt mir war's als wenn der Altiſſimo auf unſre Mühle gefalleu wäre mein Mann ſtürzt halb nackt hinaus.... Was wars? Der Druck des Waſſers hatte das alte Brett der Schleuſe zerſchmettert und da die Kette des Mühlenrades nicht nachgeben wollte, ſo hatte der furchtbare Strom den Balken und unſer ganzes Rad zertrümmert. Mein Mann kam leichen blaß zu mir hinein und erzählte mir alles! Ich begriff, daß wir verloren wären, denn wir waren zu arm, um ein neues Nad, das damals nah an 100 Francesconi koſtete, uns anzuſchaffen. Sie können ſich denken, wie ich weinte, jedoch was half's? mit allen meinen Thränen konnte ich kein neues Mühlenrad anſchaffen! Gegen 10 Uhr ging ich zu meinem Onkel, der damals dieſes Kaffeehaus und den nebenanliegenden Gaſthof hatte ich erzählte ihm alles und bat ihn, uns zu helfen, da er es doch könne. Er fuhr mich barſch