Denn bald kamen mehrere Kranke und ſtellten ſich auch die erſten Jungfrauen zur Aufnahme als Diakoniſſen ein. Auch kurz vor dem letzten Zahlungstermin der Kaufſumme lieh ein bewährter Freund V die noch fehlenden 500 Thlr. und wurde das Haus ſelbſtändiges V V
ich mit einer geringen Abſtandsſumme, freilich nicht ohne vorherige heftige Auftritte, zur Räumung verſtanden. Und das war recht gut. V Eigenthum des Diakoniſſen⸗Vereins. So wurde das Senfkorn des Diakoniſſenamtes gelegt, das jetzt ein Ruhm der evangeliſchen Kirche geworden iſt. Das damals ſo beſcheiden eingerichtete Kran⸗ kenhaus iſt jetzt eine ſtattliche, ja großartige Pflege⸗Anſtalt vieler
Kranken aller Confeſſionen geworden, als Gebäude eine Zierde der
Dr. Theodor Fliedner.
Stadt, wo allein im letzten Jahre 789 Kranke für einen äußerſt ge⸗ ringen Pflegeſatz, oder auch unentgeltlich verpflegt wurden. Hier wird an den Krankenbetten die praktiſche Ausbildung der Diakoniſſen zu ihrem zwar ſchweren, aber köſtlichen, Gott und Menſchen wohlge⸗ fälligen Beruf geübt. Aus dieſen geringen Anfängen iſt der Baum erwachſen, welcher aus dem Kaiſerswerther Mutterhauſe entſproſſen, ſeine ſchattigen Zweige über vier Erdtheile erquickend ausbreitet und gleich jenem tropiſchen Rieſenbaume wieder viele Abſenker in anderen Gegenden abgelegt und ſchon dreißig neue Diakoniſſen⸗Mutterhäuſer hat erwachſen laſſen. Daſſelbe zählt gegenwärtig 420 Schweſtern, ohne Gelübde durch freie Liebe zum Herrn innerlich verbunden, von denen 320 auf 103 Stationen außerhalb arbeiten, und zwar 30 in Aſien, 5 in Afrika, 1 in Amerika, die übrigen in Europa, wo auf Preußen allein 194 kommen.
Ehe wir der weitern Ausbreitung des Diakoniſſeninſtituts in andere Länder folgen, müſſen wir noch eines im Leben und Wirken Fliedners wichtigen Ereigniſſes gedenken. Durch den Tod der ihm innigſt verbundenen Gattin, der unermüdlichen Gehilfin an ſeinem Werkeo, drohte ſeine Thätigkeit gelähmt zu werden. Er bedurfte bei
dieſer umfangreichen Wirkſamkeit, welche ihn öfter aus dem Hauſe führte, durchaus einer Hausfrau, welche eines Sinnes mit ihm, ſeine Abweſenheit zu erſetzen und die weitverzweigte Verwaltung und die Correſpondenz ſelbſtändig verſehen konnte. Sichtlich führte ihn auch hier die Vaterhand, deren Leiten er ſich und ſeine Sache willig hingab. Durch die unvergeßliche und geiſtesverwandte Amalie Sieve⸗
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king in Hamburg lernte er die am dortigen großen Krankenhauſe als Oberwärterin thätige Fräulein Caroline Bertheau kennen. In ihr wurde ihm die für ſein Wirken unentbehrliche und durch ihre Umſicht und Liebe ihn aufrichtende und unermüdlich unterſtützende Gattin wiedergegeben. Seine Wiederverheirathung geſchah im Jahre 1843.
Als er nun ſein Haus und ſeine Anſtalten den Händen einer ſorgſamen, treuen Mutter wieder anvertrauen konnte, vermochte er den an ihn geſtellten Anſprüchen ſich auch ſorgenfreier hinzugeben. Es folgen daher auch jetzt ſeine größeren Reiſen. Schon im Jahre 1846 führte er perſönlich einige Diakoniſſen nach London, und im Jahre 1849 vier andere nach Pittsburg in Amerika, wo er ein Dia⸗ koniſſenhaus und Hospital eröffnete, welches, bald zu klein, einem größeren weichen mußte. Daſſelbe beſteht gegenwärtig als Mutter⸗ haus, alſo als eine Bildungsanſtalt von Diakoniſſen für Nordamerika.


