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Auge der Pavianin behütet indeß jede Bewegung der poſſirlichen Ko⸗ bolde, ſie miſcht ſich ſelbſt tändelnd in ihre drolligen Spiele und Purzelbäume und ſcheint in ihren mütterlichen Empfindungen ganz aufzugehen, unverkennbar malt ſich die Freude auf ihrem Geſicht. Langeweile und Freßluſt machen ſich dann bemerkbar, der dahineilende Käfer wird gehaſcht und raſch verſchlungen, jeder Stein am Waſſer umgedreht, um irgend welches Inſect darunter zu ſuchen, ſelbſt der gefürchtete Scorpion iſt ſeines Lebens nicht ſicher, mit geſchickten Fingern hat ihn ein Pavian am giftigen Schwanze gepackt, und wie ſehr der arge Wurm ſich krümmt, er wird in Stücke zerriſſen und wandert ohne weiteres in den Gaumen.
Eins der Kleinen hat ſo eben einen ungewöhnlich großen Käfer gehaſcht und führt ihn zum Maule, doch ſeine Mutter hat es bemerkt und wie groß auch ſonſt ihre Liebe, in dieſem Punkte waltet auch bei ihr der kraſſeſte Egoismus vor, blitzſchnell hat ſie das Kleine, welches ahnungsvoll das Weite ſuchen will, erfaßt, ſein Sträuben hilft ihm nichts, feſt hat ihm die Rabenmutter das Köpfchen zwiſchen ihre Arme geklemmt, ſie reißt ihm das kleine Maul rückſichtslos auf und holt trotz alles Gekreiſches den ſchon zerquetſchten Leckerbiſſen heraus, um ihn ſelbſt mit Seelenruhe zu verzehren. Dieſem mütterlich⸗kindlichen Streite folgt bald ein andrer. Ein halbwüchſiges Pavianchen hat einem älteren einen Schabernack geſpielt und flüchtet ſich behende. Der Betroffene verfolgt indeß den Muthwilligen und eine kleine Balgerei entſteht, an der auch andere nicht unbetheiligt bleiben. Quicken und Schreien erfüllt die Luft, der Kampf wird allgemeiner, ſelbſt das Grunzen des Stammhalters ſtellt die Ordnung nicht wieder her, und ſchon läßt er ſich an, von dem Sitze herab zu ſteigen, um ſeiner Stimme Geltung zu verſchaffen, als ein unerwarteter Vorfall die Scene völlig ändert.
Es rauſcht im Gebüſch, und in mächtigem Satze hat ein großer Leopard ſich auf ein junges Männchen geſtürzt, und ſchlägt die Krallen in ſeine Kehlader.— Paniſcher Schrecken— die Weibchen mit den Jungen flüchten rückwärts, in weitem Kreiſe ſtiebt der kämpfende Knäuel auseinander, das zum Tode verwundete Thier aber winſelt jämmerlich unter ſeinem Würger.
Jetzt iſt es der Patriarch, welcher durch Entſchloſſenheit ſeines Charakters die Bande ſchützt. Verwegen vertritt er der gewaltigen Katze den Weg, ſein brüllendes Grunzen iſt das Kommandowort für die übri⸗ gen männlichen Individuen, und von drei Seiten umſtellt fühlt auch der Leopard das Gefährliche ſeiner Lage, unſchlüſſig zeigt er ſein grimmiges Gebiß, er wagt weder anzugreifen noch zurückzuweichen und durch grollendes Knurren ſcheint er ſich ſelbſt zum Muthe zwingen zu wollen.
Für beide Theile ein peinlicher Augenblick!
Da rollt, wohl zufällig, ein loſe gewordener Stein vom erhöhten Ufer herab, und gerade auf den Leoparden zu. Der bannende Blick deſſelben wendet ſich darauf hin und iſt dem Räuber verderblich; im näch⸗ ſten Augenblick fällt Stein auf Stein auf den Erzfeind herab, welcher wie ein Eiertänzer zur Seite hüpft, um den gewichtigen Würfen zu ent— gehen. Ein Kampf beginnt mit einer Wuth, einer Erbitterung ohne Gleichen, mehr und mehr wird das Raubthier in die Enge getrieben, ſeine Haare ſtieben von der Wucht geworfener Steine, die verblutende Beute hat es ſchon längſt fahren laſſen, iſt nur auf ſeine Vertheidigung, ſeine Rettung bedacht, da erſieht es den günſtigen Augenblick, thut einen gewaltigen Sprung ſeitwärts auf ein ganz junges Männchen zu, wel⸗ ches vorwitzig die erſte Probe ſeines Muthes ablegen wollte, und daſſelbe niederſchlagend und ohne Weiteres im Genick packend, entweicht der Leopard in die Büſche, ihm nach die wuthſchnaubende Rotte der Affen und durch das tiefe heulende Brüllen der Verfolger dringt noch immer gellend das Geſchrei des geraubten Thierchens.
Ferner wird der gewaltige Lärm, am Waſſer iſt es ruhig ge⸗ worden, das noch zuckende Thier liegt im Verſcheiden, und über ihm, hoch in der Luft, zieht langſam ein Geierpaar ſeine Kreiſe.
Der Mantelpavian iſt der gefürchtete Feind der Eingebornen, und gegen ſeine verheerenden Einfälle in die Durrhafelder ſtehen letzteren wenig Mittel zur Vertreibung der Näuber zu Gebote. Ohne Feuergewehr, ſelbſt ohne Bogen, nur mit Lanze, Schwert und Schild bewaffnet, wie könnten die Armen einer Pavianenherde, die oft zu vielen Hunderten auftritt, erheblichen Wiederſtand leiſten. Und der Hamadryas fürchtet ſich keineswegs vor dem nackten, braunen Manne, ohne Scheu geht er an ihm vorüber, und wenn er mit ihm am Waſſerplatz zugleich eintrifft, ſo ſcheint er ihn blos zu dulden.
Seine Größe und Stärke verleihen ihm eine Sicherheit des Auftretens, die, wenn nicht geradezu demüthigend für den Eingebornen, ihm doch genügend zeigt, daß der kräftige Pavian ſich ihm ebenbürtig fühlt. Nimmt man noch hinzu, daß die Paviane ſelten allein, ge⸗ wöhnlich in zahlreichen Familien und Banden angetroffen werden, ſo wird man die Furcht des Abyſſiniers gerechtfertigt finden. Auch der verwegenſte Feind des Hamadryas, der Leopard, würdigt vollkommen den Muth und die Stärke derſelben, und ſtiehlt mehr ſeine Beute, als daß er ſie durch Kampf zu erlangen ſucht. Und beſonders ſind die jungen Exemplare, zumal wenn dieſelben ſich mehr ſeitab von der Bande bewegen, ſeinen Angriffen ausgeſetzt.
Die meiſte Furcht hat der Hamadryas wohl vor dem Feuergewehr. Knall und Wirkung vereinigen ſich hier, um dem ungebändigten Sohne der Wälder das Uebergewicht des Jägers fühlen zu laſſen. Daß jedoch auch das Feuergeſchoß noch nicht im Stande iſt, ihn zu gänz⸗ licher Wehrloſigkeit zu vermögen, davon liefert nachfolgender Vorfall einen ſprechenden Beleg.
Es war am Iten Oſtertage, den 21ſten April 1862. Wir waren eine Stunde das Bett des Flüßchens Lava hinabgeritten, die hohen, ſteilen Bergrücken zwängen auch hier das Thal ein, welches mit dichtem Niederholz beſtanden, nur theilweiſe den Blick in die Ferne geſtattet. Das Parkähnliche, die hohen Baumgruppen in gefälliger Abwechſelung mit niederem blumigen Geſträuch, welches jenem tro⸗ piſchen Tyrol ſo eigen, fehlt auch hier nicht.
Gemächlich trödelt der Zug zwiſchen den großen Steinen hin⸗ durch, welche der Regenſtröme Gewalt von den Höhen herabgewälzt, und die nur ſchmale Päſſe für die Caravane laſſen. So eben bei einer Biegung um einen Felſenvorſprung kommt Gerſtäcker herange⸗ ſprengt.„Es ſollen Affen in der Nähe ſein, ein Abyſſinier will ſie geſehen haben.“
Freiwillig hält die lange Reihe der Maulthiere, die Jäger ſteigen ab, die Kameele werden weitergeſchickt. Haſſenſtein und ich bleiben auf dem Thiere ſitzen, und während meine Falbe lüſtern am Laube eines Strauches ſchnobert und ſich gütlich thut, kann ich mich der eigenthümlichen Empfindung hingeben, Augenzeuge einer Jagd zu werden, wie ſie nicht leicht einem Europäer zu Theil wird.
Die jagenden Herren verlieren ſich im Gebüſch, jetzt donnert die Büchſe des Fürſten von Hohenlohe und nachhaltiges Echo hallt durch die Schluchten wieder. Ein großer Pavian iſt vom Baum geſchoſſen worden, das Thier ſtürzt von Aſt zu Aſt, der graue Haarmantel fliegt im Winde, vergebens verſucht es noch, ſich mit den Händen anzu⸗ klammern. Und wie durch einen Zauberſchlag hat der Knall des Feuergewehrs den Wald belebt, aus allen Sträuchen kriecht es hervor, und ein Geſpenſterzug huſcht dicht an uns vorüber; mit Grunzen und Quiken und Geſchrei klettern ſie über die Steine, die Weibchen mit den Kleinen voran, die ſtämmigen Männer ſcheinen den Nachtrab zu bilden und bei der Eile ihrer Flucht weht die ſilbergraue Perrücke, das lange Mantelhaar wie ein Schleier um die dämoniſchen Geſtalten. Geſchützt durch das niedere Buſchwerk ſuchen ſie das Weite, klimmen die Felſen hinauf, behende, voch etwas langſamer als die anderen Affen, und kommen nun, zu ihrem Unglück, auf die freie Böſchung des Bergrückens. Von allen Seiten krachen Schüſſe auf ſie los, der eine, getroffen, hängt ſterbend an der Felswand, bis die Kraft ihn allmälig verläßt und er kopfüber herunterpurzelt, ein anderer iſt in die Geſäß⸗ ſchwiele geſchoſſen, und kratzt nachhinkend die verwundete Stelle, und wie folgenſchwer für den Aermſten auch das Ereigniß, ſo komiſch war doch ſeine Geſte. Noch mancher beißt ins Gras, doch die Verzweiflung gibt ihnen auch den Muth zum Widerſtande. Die Männchen kehren ſich um, wälzen aus ſicherer Höhe mächtige Steine herab, die in großen Bogen herabtanzend, herunterpraſſeln, um in hundert Splitter zu zerſpringen. Ein altes Männchen mit greiſigem Haar erklettert ſogar mit einem gewichtigen Steine einen überhängenden Baum, um den Wurf noch erfolgreicher zu machen. Dicht in unſrer Nähe bohrt ſich der Stein tief in den Boden, wir waren zum Weichen gezwungen, da der Platz mit jedem Augenblick gefährlicher bedroht wurde. Die Flucht wurde unterdeß fortgeſetzt, in langen Reihen ſieht man das ganze Heer der Vierhänder über die Felsblöcke klimmen und genau kann man die mantelloſen Weibchen mit den Jungen auf dem Rücken von den nachfolgenden Männchen unterſcheiden..
Zuletzt verſchwinden ſie hinter den Felſen, welche die Berglehne krönen, an Zahl mußten es viele Hunderte ſein.
Wieviel man auch Uebles dieſen berüchtigten Pavianen nach⸗


