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„croff an⸗
gſchnitten,
Hierauf ſetzte er ſeinen Anzug, ſo viel es ihm möglich war, in Stand, und wartete auf die Rückkehr des Capitäns, der ihn an das Land und zum Sennor Palacios bringen ſollte, an welchen er durch ſeinen Freund, den Minenbeſitzer, empfohlen war, als aber der Capitän nach ziemlich langer Zeit endlich zurückkehrte, ſagte er mürriſch:
„Sputet Euch, nehmt das Boot, fahrt hinüber, ſendet aber das Boot ſogleich zurück. Wir beginnen noch heute mit dem Löſchen.“
„Ihr geht alſo nicht mit,“ verſetzte Benito,„es wird ſchwer für mich ſein, das Haus des Sennor zu finden unter dieſen vier⸗ eckigen Dingern, von welchen eins ausſieht wie das andere.“
„Dort, dort!“ rief der Capitän ungeduldig, mit dem Finger in der Luft umherfahrend, und ungefähr die Richtung gegen die Stadt einhaltend.„Dort, und jetzt beeilt Euch, Ihr ſolltet ſchon auf halbem Wege ſein.“
Benito ſtieg ſchweigend in das Boot, und als er am Lande endlich, nach längerem Suchen, das Haus des Sennor Palacios ge⸗ funden hatte, wurde er von dieſem mit außerordentlicher Artigkeit und mit den freundlichſten Worten empfangen.
„Nehmt Platz, Don Benito,“ ſagte der Sennor,„nehmt Platz und betrachtet mein Haus als das Eurige, und ich ſage Euch gleich, heute könnt Ihr Eure Reiſe auf keinen Fall fortſetzen. Morgen mit dem früheſten aber ſoll alles zu Eurer Abreiſe bereit ſein.“
Benito war wie aus den Wolken gefallen und ſah ſeinen Gaſt⸗ freund erſtarrt an.
„Morgen ſoll ich abreiſen,“ ſagte er endlich,„und ich dachte hier in Bolivien eine Freiſtätte gefunden zu haben, wo ich einige Wochen wenigſtens ausruhen könnte von den Anſtrengungen der letzten Zeit!“ 3
Der Sennor Palacios hörte ihn mit liebenswürdigem Lächeln an, und dann ſagte er:
„Ich weiß alles, theurer Don Benito, unſer gemeinſchaftlicher Freund hat mir durch den Capitän ſeines Schooners genaue Nach⸗ richten zukommen laſſen, und eben deshalb müßt Ihr ſobald als mög⸗ lich Eure Reiſe weiter fortſetzen.“
„Wo ſoll ich denn von hier aus hinreiſen?“ rief Benito halb erſchrocken, halb ärgerlich.
Jetzt ſetzte ihm der Sennor Palacios vor allem die Gründe auseinander, wegen welcher er, ſeiner eigenen Sicherheit halber, mög⸗ lichſt bald abreiſen müſſe. Die Freiſtaaten an der Weſtküſte, ſagte er, hätten in neuerer Zeit dringender als je das Bedürfniß gefühlt, ſich an einander anzuſchließen, ſich die Bruderhände zu reichen, vor allem aber mit eben dieſen Bruderhänden die politiſchen Flüchtlinge zu ergreifen, welche von einem auf das andere Gebiet ſich geflüchtet hätten, da ihnen die allzuhäufigen Aufſtände bedenklich erſchienen wären.
Benito unterbrach ihn, indem er ſagte, daß ihm zwar von dieſem neuen Uebereinkommen nichts bekannt ſei, daß er aber, im Falle es ſich ſo verhalte, ja an der ganzen Weſtküſte nicht ſicher ſei.
„Eben darum,“ erwiderte Palacios pfiffig lächelnd, eben darum. Ihr reitet ein wenig hinüber nach Potoſi. Das gehört zwar auch zu Bolivien, aber es liegt drüben auf der andern Seite, wie wir hier zu ſagen pflegen, und dort kümmern ſie ſich verzweifelt wenig um ſolche Händel.“
„Nach Potoſi, ein„wenig“ hinüberreiten! wahrhaftig! zuerſt durch die Wüſte, dann über die Cordillera!“ ſagte Benito.
„Wüſte,“ rief jetzt Palacios verwundert,„Wüſte! Was nennt Ihr Wüſte? Unſer Cobija iſt der einzige Hafen Boliviens an der Weſtküſte, und alle unſere Waaren werden bekanntlich durch das, was Ihr Wüſte nennt, hinüber geſchafft. Die ſchwer beladenen Thiere brauchen bisweilen, nicht immer, zwei Tage, bis ſie zu den Bergen kommen. Ein Reiter aber legt mit der größten Leichtigkeit in einem Tage die Strecke zurück. Und welch einen angenehmen Weg habt Ihr da! Habe ich Weg geſagt? Ich hätte Heerſtraße ſagen ſollen! Breit, bequem, eben! Ihr lauft nicht Gefahr, Euch in irgend einer einfältigen Waldung zu verirren. Ihr habt nicht nöthig, über reißende Ströme zu ſetzen und werdet nicht von wilden Thieren beläſtigt werden. Valga me Dios! Hätte ich im Augenblicke nicht ſo ungeheuer viel zu thun, ich würde mit Euch hinüberreiten, denn ich ſchwärme für die Partie.“.
Freilich war es Benito ziemlich klar, daß man ſich hier, ſo wie anderwärts, ſeiner ſo bald als möglich zu entledigen ſuchte, indeſſen war kaum etwas anders zu thun, als ſich zu fügen. Doch erhielt er
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endlich die Erlaubniß, noch drei Tage bleiben zu dürfen, und erſt nach Verlauf dieſer Zeit, während welcher der Sennor Palacios für ein tüchtiges Pferd ſorgen wollte, ſeine Vergnügungsreiſe an⸗ zutreten.
Benito unternahm hierauf einen Spaziergang durch die Stadt und in ihrer nächſten Umgebung. Er beſichtigte die zwei Quellen, die einzigen, deren man ſich dort erfreut, und von welchen die eine Kupfer enthält und den Bewohnern Cobijas, ſowie den Fremden Leibſchmerzen verurſacht, während die andere, in welcher bis jetzt die Wiſſenſchaft noch kein Kupfer nachgewieſen hat, blos die Fremden krank macht, mit einiger Uebung aber und in Ermangelung einer dritten von den Leuten in Cobija getrunken wird, ohne daß dieſelben ſich bedeutend unwohl fühlen.
Dann betrachtete er die Berge im Rücken der Stadt und zer⸗ brach ſich den Kopf, wie dieſe faſt ſenkrechten Wände, über welche der Weg in die reizende Wüſte führte, beſtiegen werden ſollten. Da er aber hierauf nichts weiter fand, was ihm Intereſſe verurſachte, ſo begab er ſich wieder in das Haus des Sennor Palacios, und fand bald, daß nicht Ungaſtlichkeit ihn aus dem Hauſe deſſelben trieb, ſon⸗ dern, wie es auch in Chile der Fall war, einfach die Furcht, irgendwie mit den Behörden in unangenehme Berührung zu kommen.
Nun Palacios ſicher wußte, daß ſein Gaſt ihn in drei Tagen verlaſſen würde, bot er in der That alles auf, ihm das Leben ſo an⸗ genehm zu machen, als nur immer möglich.“ Trotzdem aber ſagte Benito am Ende des zweiten Tages:
„Es bleibt mir immerhin unbegreiflich, wie irgend jemand auf den Gedanken kommen kann, hier in Cobija ſeinen Wohnſitz aufzu⸗ ſchlagen. Hier, wo die Sonne den Boden zu Aſche gebrannt hat, wo kein einziges grünes Blatt zu ſehen, und wo das Waſſer giftig iſt, an einem Orte, der alle acht oder zehn Tage durch Proviantſchiffe alle ſeine Nahrungsmittel beziehen muß und an welchem die Erd⸗ beben faſt noch häufiger ſind als bei uns, ſo daß dieſe viereckigen, kiſtenähnlichen Häuſer, obgleich ſie kaum umfallen können, doch keinen Augenblick ſicher ſind, nicht vom Meere verſchlungen zu werden.“
Palacios lachte und machte mit dem Daumen und Zeigefinger die Bewegung des Geldzählens.
„Da ſteckt der Grund. Cobija iſt der einzige Stapelplatz Bo⸗ liviens an der Weſtküſte, ein großer Theil des Landes muß durch uns mit Waaren verſehen werden, und wir machen denen da drüben die Preiſe. Verſtehn Sie nun? Man verdient hier Geld, viel Geld, und wo das der Fall iſt, trotzt der Menſch jeder Unbequemlichkeit, jeder Gefahr, ja ſelbſt dem Tode!“
Am Morgen des dritten Tages, beim erſten Grauen des Morgens, trat Benito ſeine Reiſe an, und Palacios hatte ihm einen Führer mitgegeben, der ihn eine Strecke begleiten und oben auf der Höhe der Berge den richtigen Weg bezeichnen ſollte.
Benito fand an ſeinem Sattel zwei Taſchen hängen, die eine mit Brot nnd Charque(an der Sonne getrocknetem Ochſenfleiſche) gefüllt, die andere mit Gerſte, um ſein Pferd füttern zu können, und ferner eine Blechflaſche voll Waſſer, mit etwas Branntwein gemengt.
„Werde ich dieſe Mundvorräthe nöthig haben?“ fragte er ſeinen Führer.
„Quien sabe?“¹*) verſetzte jener.
„Ich meine,“ ſagte Benito,„ob ich wohl an einem Tage hin⸗ überkomme?“
„Einige,“ verſetzte der Mann,„ſind hinüber gekommen, andere nicht.“
„Carajo!“ rief Benito,„ſagt mir einfach, ob die Mehrzahl hinüberkommt?“
„Gebet Acht, Sennor,“ rief der Knecht,„der Weg wird hier äußerſt ſchmal,“ trotzdem aber, daß dies ſeine vollkommene Richtigkeit hatte, trieb er dennoch ſein Pferd zu raſcherem Gange, und da Benito ſah, daß eine beſtimmte Antwort kaum zu erhalten war, folgte er ihm..
In der That iſt jener Weg wirklich ſchmal. Kaum zwei Fuß breit zieht er ſich längs einer hohen Felswand hin, welche die eine Seite eines tiefen und mächtigen Flußbeites**) bildet, wie man dort
*) Wer weiß? Eine an der ganzen Weſtküſte beliebte Redensart, wenn man keine beſtimmte Antwort geben will.
**) Es waruns vergönnt, dort ſowohl, als auch an anderen Stellen jenes Auslaufes der Wüſte, Unterſuchungen anzuſtellen, als deren faſt unzweifel⸗ haftes Reſultat ſich ergab, daß jene Vertiefungen keineswegs verſiegten Flüſſen


