Jahrgang 
1865
Seite
272
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tragenden Halmen verwebt ſind. Oben iſt eine Oeffnung für den Eingang gelaſſen, und das Ganze hat die Geſtalt einer großen, läng⸗

grünen, gelben, weißen Flecken, d. h. das eigentliche Neſtchen: denn die umgebogenen Binſenhalme, an welche es ge nähet iſt, laſſen es doch größer erſcheinen. Trotz der theilweiſen, wirklich ſchleierartigen Dünn⸗ wandigkeit iſt das Neſtchen doch feſt genug: denn die unruhigen, kletter⸗ luſtigen Kleinen werden ja darin groß gezogen. Ich beſitze manches kunſtvoll gebaute Neſt aus allen Erdtheilen, und habe noch mehr in Leyden, Paris, Berlin, Dresden, Wien u. ſ. w. geſehen: aber von allen erſcheint mir das des Ciſten⸗Rohrſängers das bewunderungswürdigſte. Mindeſtens gilt das von dem Prachtexemplare meiner Sammlung.

Halten wir gleich das vielgerühmte und vielbeſchriebene des oſtindiſchen Schneidervogels, Orthotomus longicaudus, daneben. Es iſt freilich auch ein Kunſtwerk, aus gleichem und ähnlichem Mate⸗ rial und auf dieſelbe Weiſe gefertigt, d. h. genähet: hier wie dort hat der Schnabel Löcher durch die Blätter gebohrt, Inſekten-Ge⸗ ſpinnſt durchgezogen und außen verknotet, auch das Blatt oder die Blätter zuſammengezogen und mit dem übrigen äußerſt feinhalmigen Neſtmaterial innigſt verwoben und verfilzt; auch die Größe und Ge⸗ ſtalt ſind faſt dieſelbe: aber die zuſammengenähten Blätter find nicht ſchmale Binſenblätter, ſondern zoll⸗, hand⸗ und fußbreite. So iſt z. B. das eine meiner Sammlung in ein einziges großes Blatt einer oſtindiſchen Rubes⸗(Brombeer⸗) Art, ein anderes in drei einen Zoll breite und 5 Zoll lange Blätter eingenähet. Uebrigens iſt das Neſt des Schneidervogels, das einem zuſammengerollten Blatte gleicht, zu⸗ mal unter dem üppigen Pflanzenwuchſe der Tropen, wohl äußerſt ſchwer aufzufinden.

Deſto leichter dieſer rieſige, ſchwarze Keulen-Kürbis, den man kaum für ein Vogelneſt halten ſollte, und der oft zu Hunderten von den Aeſten eines einzelnen Rieſenbaums über den Spiegel der Rieſen⸗ ſtröme des tropiſchen Südamerika herabhängt, gleich den ſilbergrauen, grünen und ſchwarzen Rieſenbartflechten, welche den Patriarchen des

Urwaldes einen ſo eigenthümlichen Schmuck verleihen. Der Erbauer

und Eigner dieſes für die Größe des Vogels koloſſalen Neſtes gehört zur

lichen Birne, und das Anſehen eines weißen Schleiers mit einzelnen Familie der Beutelſtaare(Jcteriden), die alle mehr oder weniger

beutelförmige(daher der deutſche Name) und kunſtvolle Neſter flechten. Die über hundert Arten zählende Familie iſt über das ganze tropiſche und gemäßigte Amerika verbreitet und dieſem eigenthümlich. Unſere Art gehört zur Gruppe derCaziken genannten Beutelſtaare und heißt Cassicus cristatus. Und nun das Neſt! Die beſte Vorſtellung von Geſtalt und Größe deſſelben gibt ein großer Keulen⸗Kürbis, wie man ſie im ſüdlichen Rußland und Ungarn, auch wohl hin und wieder bei uns ſieht. Mit demStiele der Keule an einem Aſte befeſtigt, mißt das Neſt ſeine 4 bis 6 Fuß in der Länge, bei einem Durch⸗ meſſer der Verdickung der Keule des eigentlichen Neſtes von einem halben bis über drei Viertel Fuß. Die Oeffnung iſt, zuweilen eine doppelte, oben am Anfange der Verdickung, alſo des Neſtes. Der übrige 2 ½ bis 4 Fuß lange Theil iſt nur der ſolide Henkel, an welchem das Neſt aufgehängt iſt. Wenn es eine allgemein gültige Regel iſt, daß faſt alle Vögel ihr eigenthümliches Neſtmaterial wählen, wo es irgend zu erreichen iſt, ſo gibt es gar viele Arten, welche in der Wahl dieſer Neſtſtoffe, oder eines ei nzigen, geradezu eigenſinnig erſcheinen. Beſonders gilt das von den Neſtkünſtlern. So wählt nun unſer Vogel als ausſchließlichen Neſtbauſtoff die ungemein zähen und elaſtiſchen, pferdehaarähnlichen, ſchwarzen Blattfaſern einer Pal⸗ menart, die er aus den Blättern herausſchält, und aus denen er ein äußerſt feſtes, wie Pferdehaar⸗Geflecht elaſtiſches Gewebe herſtellt, von durchſchnittlich nicht über einen Viertelzoll Stärke. Die Enden dieſer Faſern nach andern ſollen es Wurzelfaſern einer Palme ſein ſind ſo gut verflochten, daß ſie nur ſchwer aufzufinden ſind.

Ja die Neſter der Vögel! Noch gar eine große Menge ſolcher Kunſtwerke könnte ich aus meiner Sammlung herausgreifen! Mich erfüllt ſie, ſo oft ich meine Blicke darüber hinſtreifen laſſe, oder ſie einem empfänglichen Gemüthe vorzeige, immer von neuem wie mit andächtiger Freude!

Am FJamilientiſche.

»Napoleon und Wellington ſind in einem Jahre geboren worden. Die Vor⸗ ſehung war uns einen Erſatz ſchuldig.

Belohnungen.

Beſonders große Belohnungen für ihre Tapferen hat die engliſche Nation Sir Ralph Abercrombys Wittwe erhielt eine Belohnung von

vertheilt. 2000 Pfund St. als Penſion. Nelſons Verdienſte trugen ihm auch zugleich eine ungeheure materielle Anerkennung ein. Nachdem er ſich in Folge der Wunde von Santa Cruz den Arm amputiren laſſen mußte, votirte ihm das Parlament eine Penſion von 1000 Pfund St. Der Sieg von Abukir brachte

ihm eine Penſion von 2000 Pfund, die ſogar auf ſeine Erben überging. Für eben dieſen Sieg ſchenkte ihm die oſtindiſche Compagnie baare 10,000 Pfund. Als er die Wiedereinſetzung der Bourbonen in Neapel möglich gemacht hatte,

überreichten die Mitglieder dieſer Familie ihm eine Dotation von 3000 Pfund. Welche Belohnung würde ihm erſt nach der Schlacht bei Trafalgar zu Theil geworden ſein, hätte ihn nicht eine franzöſiſche Kugel getödtet? man über⸗ trug jedoch die Dankbarkeit auf die Familie des Todten. Seine beiden Schweſtern erhielten jede 10,000 Pfund, ſein Bruder den Grafentitel, eine Rente von 6000 Pfund und 10,000 Pfund zum Ankauf von Grundſtücken. Indeſſen erreichen alle dieſe Belohnungen noch nicht die Höhe der dem Herzog von Wellington zugefloſſenen. Nach dem Treffen von Talavera erhielt er eine Rente von 2000 Pfund, die Pairswürde und den Titel: Viscount of Talavera. In Folge der Einnahme von Cinudad Rodrigo ward ihm der Grafentitel und eine Erhöhung ſeiner Rente um 2000 Pfund bewilligt. Bei ſeinem Einzuge in Madrid verlieh das Parlament ihm das Marquiſat und ein Geſchenk von 100,000 Pfund. Der Friede von 1814 brachte ihm die Herzogswürde nebſt einem Geſchenk von 300,000 Pfund, zugleich wurden ſeine Einkünfte bis auf 17,000 Pfund jährlich erhöht. Als der Sieg von Waterloo erfochten war, beſchenkte das Parlament den Herzog mit 200,000 Pfund und dem Landſitze Strathfieldſay; der König der Niederlande vermachte ihm eine Jahresrente von 20,000 Gulden. Wellington pflegte von ſich zu ſagen: Ich bin wahrhaftig ein Glückskind. Originell ſind zwei Titel, die er führte: Doctor der Rechte an der Univerſität von Oxford und der Titel eines Marſchalls von Frankreich, den ihm Ludwig XVIII. gab und dabei äußerte:

Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction desDaheim

Maueranſchläge aus den Zeiten der Schreckensherrſchaft.

Zur Nachricht: Acht junge Leute, die den Tod nicht fürchten, werden geſucht, um als Freiwillige an Bord eines Corſaren in Saint Malo zu gehen. Man wende ſich an den Bürger Godefroi, Walker Straße in Rennes.

Darunter:.

An die patriotiſchen Bürgerinnen:

Diejenigen, die ihre Muße benutzen wollen, für unſere Brüder an den Gränzen Strümpfe zu ſtricken, kͤnnen ſich an die Bürger Bascon in der Straße d'Eſtrées, Bonnard im Rathhauſe und an den Kanonier Gatbois, Platz d'Eſtrées, wenden, die ihnen den Bedarf liefern werden.

Darunter:

Municipalitäts⸗Beſchluß:

. Die ſchlechten Bürger zerfallen in 3 Klaſſen: 1) Die Verſchwörer und die Parteihäupter. Ihre Köpfe werden ſofort fallen.(1) 2) Diejenigen, welche durch Reden und Handlungen Unruhe ſtiften. Für ſie iſt der Kerker. 3) Alle Moderantiſten, Verdächtigen und Heuchler. Ihr Gefängniß iſt die Stadtmauer.

Darunter:

Buchanzeige:

Der Bürger Ballneau in der Straße du Cog hat ein Lexikon erſcheinen laſſen, in welchem alle Ausdrücke, die ſeit dem Sturme der Baſtille entſtanden ſind, und deren Gebrauch die früheren freiheitsfeindlichen Bezeichnungen verdrängt hat, enthalten ſind. Patriotiſche Eltern werden beſonders auf dieſes Buch aufmerkſam gemacht, um durch häufige Anwendung deſſelben ihre Kinder ſchon ſo früh als möglich an die republikaniſchen Laute und Benen⸗ nungen zu gewöhnen. Ueber den Wiegen der ſpartaniſchen Kinder hingen Schwert und Schild. V.

in Leipzig, Poſtſtr. Nr. 2.

Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. Verlag der Daheim⸗-Expedition von Velhagen Klaſing in Gielefeld und Berlin. Druck von Liſcher a Wittig in Leipzig.

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