Von dem Ueberbringer der Skizze, dem dieſelbe der kräftigſte Empfeh⸗
erzählt, bis auf den Namen des Malers; den aber noch zu berichten, hieße wohl der Phantaſie des Leſers gar zu wenig zutrauen. A. Mosengel.
Der Thurmbrand zu Nürnberg.
faſt über ganz Deutſchland ziehende Gewitterſturm angerichtet hat, gehört ohne Zweifel der Brand des älteſten und ſchönſten der Thürme der Lorenz⸗ kirche zu Nürnberg.
Werfen wir, ehe wir von dem verderblichen Blitzſtrahle ſelbſt ſprechen,
aufbewahrt hat.
Vor der Erweiterung Nürnbergs ſoll auf dem Platze, wo jetzt die Kirche ſteht, eine kleine Kapelle„zum heiligen Grabe“ geſtanden ſein, ja, das ſcheint jetzt ziemlich unzweifelhaft aus noch vorhandenen Dokumenten hervorzugehn. Ob aber, wie man erzählt, ein Graf Adolph von Naſſau in der That jene Kapelle abbrechen und 1274 dem heiligen Laurentius zu Ehren den Grundſtein zur jetzt ſtehenden größeren Kirche legen ließ, wird bezweifelt, denn es liegt bereits vom Jahre 1162 eine Bulle vor, in welcher der Kapelle des heiligen Laurentius in Nürnberg gedacht wird.
In welchem Jahre alſo man begann, die jetzt ſtehende größere Kirche zu bauen, iſt mit Genauigkeit kaum mehr zu ermitteln, der vordere Theil aber wurde, wie aus dem Charakter des Baues ſelbſt hervorgeht, höchſt wahr⸗ ſcheinlich Ende des 13. und Anfangs des 14. Jahrhunderts hergeſtellt, Ver⸗ größerungen aber und Neubauten fanden ſpäter mehrfach ſtatt.
im Jahre 1400 begonnen und bereits 1403 vollendet. Er wurde auch ſchon zu jener Zeit mit Zinn gedeckt, aber bereits 1680 mußte dies abermals geſchehen.
Der ältere, jetzt ſchlimm zugerichtete, gegen Norden ſtehende Thurm ſoll um das Jahr 1283 begonnen worden ſein, es ſcheint aber blos das mit Gewißheit vorzuliegen, daß er 1498 mit Kupfer⸗Ziegeln bedeckt wurde, welche theilweiſe ſtark vergoldet waren und eine vorzügliche weithin leuchtende Zierde deſſelben bildeten. Die Länge eines dieſer Ziegeln beträgt 40 Centi⸗ meter, ihre Breite 27 C. und das Gewicht 750 Grammes, die Höhe des auf ſolche Weiſe bedeckten und jetzt gänzlich niedergebrannten Daches oder Helmes aber betrug 60“ und hatte die Vergoldung 9007, den Gulden zu fünf Pfunden und 18 Pfennigen gerechnet, gekoſtet.
Die Höhe des ganzen Thurmes betrug 264“ und großentheils trägt dieſe bedeutende Höhe wohl die Schuld an den häufigen Blitzſchlägen, welche den Thurm auch ſchon in früheren Zeiten betrafen.
So 1363, und es mußte jenesmal ein neuer Thurmknopf gefertigt werden. Dann 1400, merkwürdiger Weiſe gerade am St. Laurentius⸗Tage, damals ſchlug der Blitz auch in die Kirche, beſchädigte den Taufſtein und erſchlug einen Knaben.— 1504 am Maria Magdalena⸗Tage. Er ſchlug diesmal in beide Thürme und ſtellte nicht unbedeutenden Schaden an, ſo wurde zum Beiſpiel wieder der Taufſtein beſchädigt und derſelbe Fall fand ſchon im folgenden Jahre 1505 abermals ſtatt, wo wieder der Taufſtein zer⸗ ſchlagen wurde.— Im Jahre 1535 am Abende Trinitatis: Zertrümmerung der Kette des Taufſteindeckels. Am 29. April 1582 ſchlug der Blitz den Knopf ſammt den Wetterhahnen herunter und am 6. Mai deſſelben Jahres wurde dem eben mit der Trompete auf dem Kranze ſtehenden Thürmer dieſe aus der Hand geſchlagen und der Mann ſtarb einige Tage ſpäter.— Fernere Blitzſchläge, die mehr oder weniger Schaden thaten, fanden noch ſtatt: 1669 am 25. Mai, 1687 am 24. Juni, 1712 am Sonnabend vor Invocavit, 1717 am 25. December, 1772 am Petri⸗ und Paul⸗Tage und endlich am 10. Januar 1863. Ich komme ſogleich auf dieſen letzten Blitzſchlag zurückh, von dem ich glücklcher Weiſe Augenzeuge ward und welcher merkwürdige Erſcheinungen bot.
Von dem Ereigniſſe des 6. Januar l. J. iſt hier aus dem Grunde nur wenig zu ſagen, weil die Thatſachen an und für ſich in den Zeitungen wohl zur Genüge gemeldet ſind. Darum nur Folgendes in der Kürze. Etwa 6 bis 10 Minuten vor 1 Uhr trat bei offenbar höchſt niedrigem Gange der Wolken plötzlich dichter Hagel und Schneegeſtöber ein und bald darauf folgte ein einziger Blitz und Donnerſchlag. Der Wiederſchein des elektriſchen Funkens am bewölkten Himmel, welchen ich vom Fenſter aus beobachten konnte, war violett mit röthlichem Saume, was wohl zu beachten, und der kurze heftige Donner ließ ſogleich vermuthen, daß es eingeſchlagen habe.
Nach einer halben Stunde ertönte Feuerlärm und jetzt ſchlugen bereits aus der oberſten Spitze des Thurmes, dicht unter dem Knopfe, die Flammen empor.
Drei Viertelſtunden ſpäter ſtürzten Thurmknopf und Wetterhahn auf den Seitenbau der Kirche, zerſchlugen das Dach, wurden aber von dem trefflich gearbeiteten Gewölbe aufgehalten; oben aber verbreitetete ſich das Feuer jetzt raſcher und heftiger, da die durch den geſtürzten Knopf entſtandene Oeffnung der Luft, beſſer dem Sturmwinde, freien Zutritt gewährte.
lungsbrief wurde, habe ich das Pferd und die Geſchichte, und ſomit iſt alles
Zu den beklagenswertheſten Unfällen, welche der am 6. Januar l. J.
einen Blick auf das, was Sage und Geſchichte über den Bau des Thurmes te b mitten im Winter auftretende Gewitter aller Orten mehr Schaden angerichtet
Was die Thürme betrifft, ſo wurde der neuere, gegen Süden ſtehende,
ihre Träger zwei Wolkenſchichten ſind, welche in der Luft ihre gegenſeitigen
Juli daſelbſt wieder vorbei kam, fand er, daß ein Zaunkönig die Bügel voll
Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bieleſeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Lripzig. Verlag der Daheim⸗Expedition von Delhagen 2 Klaſing in Bielefeld und Berlin.— Druck von Liſcher Wittig in Leipzig.
V freilich mit faſt übermäßiger Anſtrengung, Einhalt gethan werden. V
oon welchem Punkte aus— Knopf oder Wolke— die Erſcheinung ausgegangen.
rwother und ein violetter Funken ſich einigten. B.
krönen. en⸗ Viertel⸗Glocke— ſind theilweiſe geſchmolzen und geſprungen, die Steingiebel ſind ſtark beſchädigt; dem tieferen Eindringen des Feuers aber konnte jetzt,
Ich muß dem beifügen, daß unſere Feuerwehren ſich wie immer brav, muthig und beſonnen erwieſen und man kann wohl ſagen, daß ein großer Theil der Arbeitenden ſich in faſt fortwährender Lebensgefahr befanden, ſelbſt abgeſehen von der gefährlichen Höhe, ſchon allein durch glühende herabſtürzende Trümmer und durch den heftigen Sturmwind, welcher dergeſtalt tobte, daß nicht ſelten fünf bis ſechs Männer ſich aneinander klammern mußten, um nicht hinabgeriſſen zu werden. Aber eben dieſer heftige Sturm und die Schwierigg keit, Waſſer in hinreichender Menge auf jene Höhe zu ſchaffen, vereitelte alle Anſtrengung, des Feuers Herr zu werden.
Unbedingt hat mancher unſerer Leſer ſich die Frage geſtellt, warum dieſes
und mehr Blitzſchläge in ſeinem Gefolge gehabt, als in manchen andern Jahren die ganze Summe aller im Sommer ſtattfindenden Gewitter; ja, wenn er eine Reihe von Jahren hindurch ein aufmerkſamer Beobachter war, hat er wohl ge funden, daß der vorliegende Fall nicht iſolirt daſteht, und nur zu häufig ſchon eingetreten iſt.
Man hat für Deutſchland nach den einzelnen Jahreszeiten folgende Ge⸗
wittermengen berechnet: Winter 1,4% Frühling 24,4% Sommer 66,0% Herbſt 8,2%
Würde man aber die Zahl der Blitzſchläge berechnen, welche zündend oder zerſchmetternd niederfuhren, ſo würde man ganz andere Zahlen erhalten. Mit andern Worten, man würde finden, daß es bei Wintergewittern bedeutend häufiger einſchlägt, als bei den in andern Jahreszeiten ſtattfindenden.
Man wird der Wahrheit ſehr nahe kommen, wenn man ſagt, daß die Gewitter, welche in wärmeren Jahreszeiten vorkommen, höher ziehen, und daß
Elektricitäten austauſchen, während bei Wintergewittern die eine dieſer Wolken⸗ ſchichten durch die Erde repräſentirt wird und Erde und Wolkenſchichten poſittv und negativ geladen ſind, d. h., im Sommer ſchlägt ein Blitz vorzugsweiſe von einer Wolkenſchicht in die andere, im Winter aber ſchlägt er von der niedergehenden Wolkenſchicht in die Erde.
Den nicht zündenden Blitzſchlag anlangend, welcher am 10. Januar 1863 den ſüdlichen Thurm unſerer Kirche traf, ſo war bei demſelben die Ausgleichung beider Elektricitäten ſehr ſchön wahrnehmbar.
Es zeigte ſich(ich ſtand etwa 30 Schritte vom Thurme entfernt) anſtatt eines Strahles oder Zickzacks eine gekrümmte Doppellinie von Funken oder Feuerballen, die eine Reihe derſelben voth, die andere violett und vom Thurmknopf bis in die Wolken reichend, ohne daß man wahrnehmen konnte,
Dabei waren Blitz und Donner gleichzeitig und letzterer ohne alles Rollen oder Nachklang, täuſchend ähnlich einem in nächſter Nähe abgefeuerten Flintenſchuſſe, weiter entfernt indeſſen wurde der Schlag ganz auf gewöhnliche Weiſe ver⸗ nommen.
Kaum braucht bemerkt zu werden, daß die Doppelreihe von Funken eine leicht zu erklärende optiſche Täuſchung war, und daß in Wirkiichkeit blos ein
Schlanheit der Ratten.
Von der Schlauheit der Ratten erzählt Baron v. Müller bei ſeiner Fahrt durch das Antillen⸗Meer ein intereſſantes Beiſpiel. Auf dem Schiffe hatten ſich die fatalen Thiere wie gewöhnlich in zahlreicher Menge als blinde Paſſagtere eingefunden und decimirten in den unteren Räumen die Lebensmittel nach Herzensluſt. Nur den Durſt konnten ſie ſich nicht daſelbſt ſtillen und kamen deshalb während der Nacht auf dem Verdeck zum Vorſchein. Aus Furcht vor den Matroſen nahmen ſie jedoch ihren Weg nicht über das Verdeck ſelbſt, ſondern kletterten von der Luke aus am Forkmaſt hinauf, dann an den Verbindungstauen wie die Eichhörnchen bis nach dem Beſanmaſt, von dort hinab nach den Booten, die außen an den Schiffsſeiten hingen. In dieſen hatte ſich vom Regen Süßwaſſer geſammelt. Nachdem ſich die Ratten daran hinreichend delectirt, nahmen ſie ihren Weg wieder in derſelben Weiſe in der Höhe rückwärts nach ihren Verſtecken.
Zaunkönigneſter.
Das alte Märchen vom Wettflug der Vögel läßt den Zaunkönig Schutz ſuchen unter den Flügeln des Adlers. Vergangnen Sommer fand ein Jäger in Mecklenburg ein Zaunkönigneſt mit Jungen am Rande eines Schreiadler⸗ horſtes, aus welchem letzteren freilich zwei Mal nach einander die Eier aus⸗ genommen worden waren. Derſelbe Jäger hatte die Gewohnheit, bei ſeinen Ausgängen geeignete Zweige abzuſchneiden, zu Dohnen zuſammen zu drehen und zu ſpäterem Gebrauch an verſteckten Bäumen aufzuhängen. So hatte er im Frühjahr 1863 acht Dohnenſtäbe an einer Eiche aufgehangen; als er im
Moos getragen und ein Neſt daraus hergeſtellt hatte, das blos vorn ein kleines Flugloch beſaß. In dieſem Moospalaſt ſaß das Thierchen und brütete unbeſorget H. W.
jin Leipzig, Poſtſtr. Nr. 2.
Die beiden dort oben angebrachten Glocken— die Stunden⸗ und V


