Jahrgang 
1865
Seite
241
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Ein deutſches Familienblatt mit Illuſtrationen.

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1865.

Ausgegeben im Junuar 1865. Der Jahrgung läuft vom October 1864 bis dahin 1865.

N 18.

Tupa, das Indianermädchen. Von Ernſt von Bibra.

(Fortſetzung.)

Dann ſah Benito, wie der wohlriechende Lorbeerbaum ſeine tief dunkelgrüne Blätterpracht entfaltete, er bewunderte die geſchmei⸗ digen Blattformen des Cingue, den Peumo mit ſeinen hochrothen Beeren, und die Myrthen reichlich vertreten durch vielfache Arten, und eine wundervolle Abwechslung bietend, durch Blatt, Blüthe und Frucht, alle aber übertroffen von ihrer Königin, der Luma, die weit⸗ hin einen trefflichen Wohlgeruch verbreitet, die mit einer Anzahl von glänzenden, weißen Blüthen übergoſſen iſt, und deren Rinde eine prachtvolle roſenrothe Farbe trägt.

Bisweilen wichen die Bäume zurück und gaben tiefgrünen Waldwieſen Raum, und rückte der Wald daun wieder näher, ſo ſchien er verändert und meiſt aus zierlichen, kleinen Tannen gebildet. Der

Avellano mit ſeinen hellgrünen ſchlank geformten Blättern und mannig⸗

fach gefärbten Früchten, der Canello, ausgezeichnet durch die Regel⸗ mäßigkeit, mit welcher er ſeine Aeſte ausbreitet, und meiſt umſchlungen von der ſchönſten aller Schlingpflanzen, der Copigne, welche ein aus

ſcharlachrothen Blüthen geflochtenes Gewinde zu ſein ſcheint, und

hundert andere kleinere Baumarten und zierliches Geſträuche, erſetzten hier die gigantiſchen Formen von vorhin.

Wieder an anderen Stellen ſchien der Wald eine Maſſe geworden zu ſein durch eine ungeheure Menge von Schlinggewächſen, welche Stamm⸗ und Aſtwerk aller Bäume verflochten, und von den Gipfeln derſelben wieder auf die Erde ſtiegen, und ſich durch neu geſchlagene Wurzeln zu kräftigen ſchienen, um ihr Werk aufs neue zu beginnen.

Benito blickte verwundert und entzückt auf dieſe ihm ganz neue Welt, und nachdem er die Bewohner dieſer Wälder glücklich geprieſen hatte, begannen allerlei kleine Annexionsgelüſte in ihm aufzuſteigen.

Dieſe dummen Wilden, ſagte er zu ſich ſelbſt,ſind eigentlich gar nicht würdig, die Herren dieſer prachtvollen Gegend zu heißen. Sie begreifen und faſſen auf keinen Fall ihren Werth. Stumpf⸗ ſinnig paſſen ſie auf alle dieſe Schönheiten, und gedankenlos betritt ihr ungeſchlachter Fuß dieſe reizende Pfade. Aber Geduld! Wir werden uns ein wenig umſehen, wir werden Pläne dieſer Berge und Schluchten zeichnen, wir werden lernen, wie dieſe Indianer ihre

Lanzen führen, wie ſie den Feind angreifen und wenn wir gelernt haben, ihre einfältige Sprache zu ſprechen, müßte es doch ſonderbar zugehn

Seid willkommen auf dem Gebiete der Araucaner, Sennor Offizier, ſagte in dieſem Augenblicke dicht neben Benito eine Stimme in ſpaniſcher Sprache, ſeid willkommen, und erlaubt, daß ich Euch zu denen geleite, welche Euch erwarten.

Benito zog unwillkürlich die Zügel ſeines Pferdes ſo heftig an, daß es ſich bäumte, denn er war erſchrocken, wie das wohl ſo ziemlich jedem begegnen wird, der ſo plötzlich und unerwartet angeſprochen wird. Im andern Augenblicke und als er ſich hierüber zu ärgern begann, bemerkte er aber, gewiſſermaßen zu ſeiner Beruhigung, daß es ſeinem Diener gleich ihm ergangen ſein mußte, denn auch jenes Pferd bäumte ſich hoch auf.

Die beiden Araucaner, welche ſo geräuſchlos herbeigekommen

waren, ſchienen nichts weniger zu bemerken als die Beſtürzung, welche

ſie veranlaßt hatten, ſondern ritten ſchweigend und mit abgenommenen Mützen neben Benito und ſeinem Diener, und nachdem der erſtere den Gruß des Indianers erwidert hatte, ſagte dieſer:

Da Ihr Eure Leute ohnfern unſerer Grenze zurückſchicktet, ſo ſchloſſen wir, daß eine zahlreiche Begleitung Euch läſtig wäre, und kommen deshalb auch nur zu Zweien.

Die Schlingel haben mich alſo ſchon im Auge gehabt, noch ehe ich ihr Gebiet betreten, dachte Benito,und ſpielen noch dazu die Unſchuldigen, indem ſie thun, als wüßten ſie nicht, daß mir nur ein Mann zur Begleitung geſtattet iſt.

Er ſagte indeſſen nichts hierauf Bezügliches, ſondern began ſeinem Begleiter über die Schönheiten des Waldes zu ſprechen, welchen ſie dahin zogen.

Der Araucauer verbeugte ſich:

In Eurem glorreichen Vaterlande befinden ſich, wie wir Li⸗ fahren haben, die ſchönſten Wälder der Welt, ſagte er.

Dann fragte Benito nach dem Namen eines Baumes, der ihm unbekannt war.

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