Jahrgang 
1865
Seite
237
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gegend von Schotten gibt es bei der Hochzeit zuerſt Kaffee und Kuchen, ſpäter Braten mit Zwiebelbrühe und gekochten Zwetſchen, dann bricht der ganze Hochzeitszug auf aus dem Hauſe, damit drinnen das eigentliche Mahl zugerichtet werden kann. In Schotten wird ein Umzug bei dieſer Gelegenheit gehalten, wobei alle männ⸗ lichen Gäſte, ſelbſt die mitgeladenen Buben, thönerne lange Pfeifen tragen, die mit blauen oder rothen Bändchen verſehen ſind. Dieſe Pfeifen werden aber nicht über die Straße geraucht, ſondern erſt im Hauſe angebrannt, wo auf jedem Tiſche Teller mit Tabak, Cigarren und Pfeifen zu weiterem Gebrauche aufgeſtellt ſind. Die faſt ganz abgekommenen Thonpfeifchen müſſen die Schotter Krämer ſtändig, um dieſes Gebrauchs willen, führen.

Bei Beerdigungen wird zwiſchenſtillen undauf⸗ richtigen Leichen unterſchieden. Bei den letztern, den öffent⸗ lichen, verſammelt ſich die Jugend mit dem Küſter und Pfarrer vor dem Trauerhauſe. Der Sarg ſteht in der Thüre. Die Träger, wozu die nächſten Nachbarn genommen werden, ſtehen um ihn herum, den Rosmarin im Munde. In der Hausflur ſchluchzen und weinen die Hinterbliebenen. Nachdem mehrere Verſe aus einem Sterbelied abgeſungen ſind, ſetzt ſich unter dem Geläute aller Glocken der

das ganze Ort geſpeißt beim Tröſtermahle, und nachher ſich drei Jahre als Magd verdingt, um mit ſaurem Schweiß das Geld dafür wieder zu verdienen?

Hübſcher iſt die Sitte, daß man jungen Weibern, die im Wochenbette geſtorben ſind, ein weißes Leintuch über das Grab legt, und die andre, daß die nächſten Freunde ins Trauerhaus Kränze und Sträuße bringen, oder mit Geſangbuchsverſen und Bibelſprüchen beſchriebene Herzen und Schilder, welche man nachher gleichfalls auf den Todtenhügel legt.

Von ungemeiner Wichtigkeit für das Vogelsberger Volksleben iſt die Kirmes. Nach ihr richtet ſich ſchon die Zeitrechnung.Es iſt ſo und ſo viel Wochen vor oder nach der Kirmes, heißt es. Jeder⸗ mann hat da Geld für neue Kleider, Kuchen und Trinken, wenn er auch ſonſt zehnmalein Lump iſt. Sonntags vorher kommen die Burſche im Wirthshaus zuſammen. Jeder, derKirmesburſche werden will, muß ſich da aufzeichnen laſſen, nebſt dem Mädchen, das er zum Tanze führen will und mit welchem er nun ausſchließlich zu tanzen das Recht hat. Am Sonnabend vorher richtet man den Tannenbaum vor dem Wirthshauſe jubelnd auf, der oben mit einem bänderreichen Kranze verziert iſt, und in Erwartung der Dinge, die

Ein altes Vogelsberger Ehepaar.

Trauerzug in Bewegung. Voran trägt man das Crucifix oder das Grabkreuz, dann gehen ſingend die Schüler, der Küſter, die ledige Jugend. Vor dem Sarge ſchreitet der Pfarrer. Neben demſelben gehen, war der Verſtorbene unverheirathet, Mädchen, welche Kränze und Kronen aus Flittergold tragen. Hinter dem Sarge kommen die allernächſten Hinterbliebenen einzeln im Trauermantel und Trauerflor, dann, nach dem Grade der Verwandtſchaft, die Uebrigen. In derſelben Weiſe rangiren die Weiber. Die Trauernden tragen hier und da noch eine ſchwarze Hülle über das Geſicht, das ſ. g. Gärrgeſchirr(gärren= weinen). Iſt die Einſegnung der Leiche auf dem Kirchhofe vorüber, ſo kehren alle um nach der Kirche, wo die Leichenpredigt erfolgt, und nach derſelben die Perſonalien des Ver⸗ ſtorbenen, welche der Schulmeiſter aufſetzen muß, verleſen werden, bei welchen um keinen Preis vergeſſen werden darf, alle dörflichen Ehren und Würden, die er bekleidete, einzeln zu benennen.

Nun erfolgtdas Tröſtermahl oderder Flannerts, der officielle Leichenſchmaus. Dieſer Gebrauch iſt dem Bauernſtande beſonders lieb und werth, und alle Verordnungen der Regierung haben bis jetzt wenig oder nichts daran geändert. Man ſieht näm⸗ lich den ganzen Schmaus als die letzte Ehre an, die man dem Todten erweiſt, und je mehr Leute Theil nehmen, um ſo größer hat man dieſenäſtimirt. Daß bei ſolchen Umſtänden 60 80 Pfund Wurſt u. m. conſumirt und eine erſtaunliche Menge Kaffee und Branntwein vertilgt, ja mitunter es den Trauernden ſo luſtig zu Muth wird, daß ſie wohl mögenSchelmenlieder ſingen, Vieh händel machen oder tanzen, iſt nichts Unerhörtes. Trotz alledem muß es aber ſo ſein, und wer möchte die Koſten auch ſcheuen? Hat nicht eine arme Frau in Michelbach, als ſie ihren Mann begruben,

da kommen ſollen, tummelt ſich die Schuljugend, während die Größeren ſingen, auf dem leeren Tanzboden herum.

Am Sonntage, nach Beendigung der Mittagskirche, ſtrömen die jungen Burſche zuſammen. Einer von ihnen wird verkleidet, er muß denluſtigen Rath ſpielen und die Geſellſchaft erheitern. Dann wird das Kirmestuch an eine bunte Stange geheftet, die Muſik ſpielt rauſchend auf und nun geht's vor die Häuſer, die Mädchen einzeln abzuholen. Weil ſich jedoch das erſte von ihnen ſchämen würde, ſo muß des Wirths Tochter oder ſeine Magd, ſelbſt wenn ſie lange ſchon das annum discretionis hinter ſich hätte, dem Zuge ſich an ſchließen. Der Wirth ſelbſt geht auch mit, er erfriſcht die Kehlen der Muſikanten mit ſeinem gefüllten Kruge und hat ſich äußerlich in Hemdsärmeln und blendend weißer Schürze aufs beſte herausſtaffirt. Vor dem Pfarrhauſe, dem Schulhauſe und der Wohnung des Bürger⸗ meiſters macht man Halt. Da ſpielt die Muſik zu Ehren ein Stücklein.

So geht's ins Wirthshaus zurück, wo ſich unterdeſſen Schau⸗ und Trinkluſtige aller Art eingefunden haben. Die Kirmespaare tanzen die drei erſten Stücke allein, dann treten die Burſche zurück und überlaſſen den Fremden mehr das Feld, die alte gute Sitte will es ſo; außerdem aber iſt's ihr Vortheil, denn je mehr Fremde tanzen, um ſo geringer wird für ſie ſelbſt der Beitrag zu den Koſten der Muſik.

Der zweite Tag der Kirchweihe gehört mehr den Orts bewohnern ſelbſt. Am Morgen bringt die Muſik den Vornehmeren und Reichen ein Ständchen, und Mittags zur gewöhnlichen Zeit be ginnt dann das fröhliche Treiben von neuem, mit Sang und Klang, mit weitſchallendem Jubelrufe und derbem Witze und Wort. Denn:

Heute ſein die Bauern luſtig, Heute ſein ſe toll und voll.