Jahrgang 
1865
Seite
223
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war, kam der zweite Junge daran, ſeine Eroberung auf gleiche

Weiſe zu bedienen, die er bis dahin eiferſüchtig bewacht hatte, als könne ihn noch jemand um die Freude bringen, den Dienſt dabei zu verſehen. Das ältere Mädchen hielt unterdeſſen, um doch auch etwas zur Bequemlichkeit des guten Papas beizutragen, die vom Neſthäkchen hingeſetzten Schuhe bereit, ſie ſofort nach Entfer⸗ nung der Stiefeln an die Füße des Vaters zu ſtecken. Nachdem dies alles geſchehen war, ging das Klettern am Vater hinauf los. Da putzten die Mädchen den noch vom Schnee naſſen Bart und herzten und küßten ihn dabei ab, während die Jungen, trotz der Mutter Gebot, den müden Vater doch endlich in Ruhe zu laſſen, auf ſeinen Schenkeln ritten, daß es eine Luſt war. Flugs aber ſprangen alle herunter, als die Mutter die dampfende Suppe auf den bereits gedeckten Tiſch ſetzte. Theils vorn gezogen, theils hinten geſchoben wurde der Papa an den Tiſch gebracht. Jedes ſetzte ſich nun auf ſeinen Platz und ließ ſich vorerſt die wärmende Hollunderſuppe ſchmecken, welche die fürſorgliche Hausfrau aus ge⸗ trockneten Beeren bereitet hatte, den Vater nach ausgeſtandenen Strapazen und Kälte zu erquicken. Fröhlich wurde gegeſſen und dabei erzählt, ſo daß die Kinder bald wie Roſen glühten. Eine Schüſſel köſtlicher mehlreicher Kartoffeln bildete außerdem das eigent⸗ liche Gericht, das durch ſaftige ſaure Gurken und einen friſchen

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Trunk Bier gewürzt wurde. Auch die Dachshunde, welche bis dahin blinzend am Ofen gelegen hatten, bekamen ihren Theil an Brot, Kartoffeln und einigen Ueberbleibſeln des Mittagstiſches, und die alte graue Hauskatze, die ſich friedlich dazu geſellte, wurde unge⸗ hindert als Gaſt anerkannt. Als abgegeſſen war, räumte die Mutter ab, wobei die kleinen Mädchen ſchon halfen. Während aber die Mutter in der Küche das Geſchirr reinigte, ließen ſich die Kinder, welche ſich abermals um den Vater geſchart, von ihm erzählen, wo er den Fuchs und den Haſen geſchoſſen, ob er nicht mehr draußen geſehen, und warum er nicht alles geſchoſſen habe. Als aber der Vater nach Beantwortung der geſtellten Fragen auf vieles Verlangen ordentliche Geſchichten zu erzählen anfing, da rückte ſelbſt die unter⸗ deß wieder hereingekommene Mutter näher und horchte, an einem Fangnetze ſtrickend, aufmerkſam zu, denn das Erzählen verſtand der Förſter gar zu gut! Das klang alles, als hätt er's wirklich ſelbſt erlebt. Vorzüglich liebten es die Kinder, wenn er von Koboldchen und Wichtelmännchen ſprach und da er heute gerade in der rechten Stimmung war, ſo begann er mit jenem eigenthümlichen, Spannung erregenden Tone:

Bin ich vorigen Sommer ein⸗ mal im Walde und laure an der Moosbucheiche auf einen Hirſch.

Weißt, wendete er ſich zu ſei nem älteſten Jungen Paulwo

Du einmal mit'nausfuhrſt, als wir den erlegten Hirſch herein holten? Alſo ich ſtehe dort mäuschenſtill hin⸗ ter dem Stamm und gucke, wo der Hirſch herkommen ſoll. Da höre ich vor mir, nicht zehn Schritte weit, etwas raſcheln. Ich denke, es iſt ne Maus oder ſonſt ſo etwas, und beacht' es weiter nicht.'s raſchelt aber fort, und wie ich ſchärfer hin⸗ gucke, kriecht ſo eine kleine Teufels⸗ krabbe von einem Koboldchen unter einem mächtigen Wurzelſtocke hervor. Oho! da mußt Du doch Acht geben, was der macht, denke ich. Es war ohnehin noch zu zeitig, nach dem Hirſch auszugucken, denn ich wußte ſchon, daß er in der Regel erſt ſpät heraustrat und hatte mich nun für alle Fälle ſchon hinausgeſtellt. Verfolge alſo das Ding mit den Augen, das glücklicherweiſe mir immer näher kam und, wahr⸗ haftig! wie ein kleiner alterthüm⸗ licher Jäger ausſah! Grad' wie man ſie auf alten Bildern ab gemalt ſieht. Statt des Spießes aber,⸗den die Jäger aus jener Zeit hatten, trug das putzige Männchen einen Zweig von Kreuz⸗ dornſtrauch, an deſſen Spitze es den längſten Dorn hatte ſtehen laſſen. Außerdem hatte der kleine Knirps noch einen ebenfalls langen Dorn im Gürtel ſtecken, welcher letztere aus zuſammenge⸗ flochtenen Wurzelfaſern beſtand. Das Wämſel aber, das er trug, ſchien ebenfalls aus ſolchem Stoff gewoben und war mit Mäuſe⸗ fellchen gefüttert und beſetzt. Auch trug er noch ein Kapuzchen über den Kopf, aus dem das alte, erdfahle, runzelige Geſichtchen mit fuchsrothem langen Barte gar poſſirlich herausſchaute. So ſchlum⸗ perte das närriſche Kerlchen in den Gräſern und Farren umher, guckte in jedes Mauſe- und Wurzelloch, ſowie in die Baum- und Felſenritzen, grad' wie ein Wieſelchen, und ich glaube wirklich, daß die Wieſel, wenn ſie verenden, ſolche vertrackte Dinger werden! So hatte ich ungefähr ein Viertelſtündchen zugeguckt, als der kleine Schwerenöther ſeine Waffe einlegte und wüthend auf etwas, am Fuße einer Eiche, losging. Was es war konnte ich nicht ſehen, und zuſpringen wollte ich nicht, um mein Männchen nicht zu verſcheuchen; warte es alſo ruhig ab. Endlich hatte es ſeinen Feind beſiegt, und nun bemerkte ich deutlich, daß der Kampf einem großen Hirſchkäfer gegolten, der von ihm getödtet worden war. Flugs drehte nun der kleine Sieger ein Paar Halme Niedgras zuſammen, um⸗