Jahrgang 
1865
Seite
220
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220o um mich nach dem ſerneren Wege zu erkundigen und erſtaunte meiſten verſchloſſen, die andern verfallen und voll erſtickenden, mdhigin .: 7., C:. 5 g.. 1 2 A- Sch 3 nicht wenig, ſie im Aeußern wie im Innern abſchreckend zu finden Düngers... Eitle Täuſchung! Jeder Schimmer von Hoffnung iſt und ohne jede Spur des dürftigſten Comforts. dahin.

Eine häßliche Sennerin mit dem unvermeidlichen Kropfe am Halſe war das einzige menſchliche Weſen, das ich gewahrte. Sie wies mich auf meine Frage an, nur immer längs den Bergen, an der weſtlichen Seite der Alme zu gehen, der Weg ſei ganz kenntlich. Ich eilte einige ſteinerne, in den Moorgrund gelegte Stufen weiter und befand mich plötzlich vor dem weitausgeriſſenen Bette eines Gießbachs, der in der Mitte deſſelben mit jäher Haſt dahinſtrömte. Ueber den⸗ ſelben führte ein Steg, d. h. ein nicht ſehr breites, aber dünnes Brett, das nur loſe auflag. Da ich nicht ganz ſchwindelfrei bin, da die Schwingungen des Brettes den Schritt unſicher machten und das unten pfeilſchnell vorüberſchießende Waſſer das Auge verwirrte, ſo kann man ſich denken, daß ich glücklich war, als ich unverſehrt am andern Ufer anlangte.

Es mochte etwa halb ſechs Uhr ſein. betretenen Fußpfad und

Bald fand ich einen verfolgte ihn eine Strecke. Je weiter ich kam, um ſo mehr ſchien ſich die Alpe auszudehnen; bisweilen war keine Spur des Weges ſichtbar; ich mußte häufig große ſumpfige Stellen umgehen und über die ſteinernen, etwa zwei Fuß hohen Um⸗ hegungen der einzelnen Almbezirke ſteigen. Nach einer halben Stunde gelangte ich an eine Gruppe von Sennhütten; die meiſten waren ver⸗ ſchloſſen oder voll Vieh. Eine Sennerin, die ſich eben zeigte, fragte ich nach dem Wege; denn von der Moorhütte ließ ſich noch immer nichts entdecken. Sie rieth mir gleichfalls, ich ſolle mich nur immer rechts halten; in einer Viertelſtunde könnte ich dort ſein. Ich ſah, es that Eile Noth, wollte ich das erſehnte Ziel noch vor dem Einbruch der Dunkelheit erreichen.

In ſolcher Lage ſpannt ſich alle Kraft und jeder Sinn. Das Wirrſal in den Wegen ſollte hier erſt recht beginnen. Ein guter Pfad hört plötzlich bei einer einzelnen Almhütte auf. Ich finde einen andern, der in einem Flußbette endigt; ein dritter führt mich in Moor und Bruch hinein. Die gewieſene Richtung halte ich aber feſt und ſo komme ich doch ſchnell weiter. Allein der September hat kurze Tage. Das Thal iſt rings von mächtigen Bergen umſtanden und ſchon ſeit geraumer Zeit hatte ich keinen Sonnenſtrahl erblickt. Die Wolken werden dichter und dunkler: feuchter und kälter weht der Abendwind.

Immer vorwärts! Bald muß ſich die Hütte doch zeigen faſt anderthalb Stunden bin ich umhergeirrt. Ein Pfad, den ich

finde, ermuthigt mich aufs neue: Da hört derſelbe auf ich eile

weiter ein wüthender, breiter Gießbach hemmt meine Schritte.

An ſeinem Ufer laufe ich hinauf, hinunter, von Hügel zu Hügel ſpringend auf dem moorigen Grunde, um eine Uebergangsſtelle oder ein Brett zu entdecken. Nichts von dem allen! Faſt verzweifelnd ſchöpfe ich einen Augenblick Athem... eine unheimliche, ſchauerliche Situation rings umher! Ich befinde mich in einer ungeheuern Felſenniſche; ſchwarzgraue rieſige Wände ragen rings ſteil empor bis in die Nebel und Wolken. Von ihnen herab ſtürzen von allen Seiten Gießbäche mit donnerndem Getoſe, das den heulenden Wind übertönt. Wohin ich blicke, öde Heideflächen mit Stein nnd Moor und alles eingehüllt in tiefe graue Dämmerung....

Wer nie in einer ähnlichen Lage geweſen, dazu ſo ganz allein, ſo fern von jedem menſchlichen Weſen: der kann es unmöglich nach empfinden, mit welch einem durchdringenden Grauen die öde kalte fürchterliche Wildniß gleich einem Ungethüm den völlig einſamen Wanderer angähnt!

Es galt einen Entſchluß: von meinem Plane mußte ich abſtehen

alſo zurück! Doch wohin? zur Eishütte? Die bedenklichen, im Dunkel vollends gefährlichen Umgebungen riethen von dem Wagſtücke ab. Alſo zur nächſten Sennhütte, wo ich jene Sennerin geſehen. Das dürftigſte Lager von Heu wird doch Schutz gegen die Nacht ge währen und ihre durchdringenden Nebel.

Die Dunkelheit wächſt mit mächtigen Schritten. Die Pfade, die mich vorhin geleitet, vermag ich nicht mehr zu ſehen; ich muß auf gut Glück die Richtung einhalten. Endlich liegen jene Almhütten vor mir. Ich trete an die eine heran: ſie iſt feſt geſchleſſen! Ich rufe mächtig keine Antwort. Wo blieb die Sennerin? Da ent⸗ ſinne ich mich zu meinem Entſetzen, daß ſie, als ich ſie vorhin traf, eben eine Hütte zuſchloß; ſie wird ihren Weg zurückgenommen haben, vielleicht ins nächſte Dorf. Ich unterſuche die andern Gebäude: die

Das Schauerliche meiner Lage trat mir betäubend vors Auge. So mußt Du hier die Nacht über im Freien zubringen, unter Sumpf und Moor, mit ihren giftigen Dünſten, ihrem feuchten Hauche, in der eiſigen Luft der Hochalpen. Nerven, mit fliegenden Pulſen, furchtbar ermüdet und in Schweiß gebadet. Ich fühlte es mit voller Gewißheit: eine Stunde Ruhe hier im Freien, ohne Obdach, würde mich in das wildeſte Fieber werfen, von dem höchſtens ein Erwachen zum Tode iſt. Wer würde mich hier, den Bewußtloſen, finden? Welch ein gräßlicher Abſchied vom Leben!

Solche Bilder, die mit Gewalt auf mich einſtürmten, lähmten mich nur einen Augenblick. Verzweifeln wollte ich nich t. Ein Aufblick nach oben gab mir friſche Kraft; denn ſolche Lagen ſind eine ſtarke Feuerprobe, wie tief der Glaube an die Vorſehung im Herzen wurzele. So entſchloß ich mich trotz der Dunkelheit, trotz aller Ge⸗ fahren, die Eishütte aufzuſuchen, und, ſollten auch hier die Bewohner fortgegangen ſein, mir mit Gewalt den Eingang zu bahnen und ein Obdach zu verſchaffen.

Welch ein Rückweg! Kein Tritt war ſicher; jeden Augenblick mußte ich erwarten, zu ſtürzen oder in den Sumpf einzuſinken. Immer dunkler wurde das Grauen der Wildniß um mich her. Nach langem Irren und Suchen rauſchte vor mir jener wüthende Gießbach mit dem weitausgeriſſenen Bette. Einmal ſtürzte ich jählings über eine ſteinerne Umhegung; zufällig reichte das Waſſer nicht ganz bis an die Mauer; mit Mühe raffte ich mich empor; Hände und Kniee waren mir wund. Endlich fand ich, hart am Waſſer hingehend, den Steg, jenes ſchmale, ſchwankende Brett. Der leiſeſte Fehltritt mußte mich hineinſtürzen, ich konnte keine zwei Schritte vor mir etwas wahr⸗ nehmen doch ich mußte hinüber. Da war ich drüben wie es gelungen, weiß ich noch heute nicht.

Kaum fünfzig Schritte von hier nach rechts mußte die Eishütte liegen. Ich gehe das Ufer hinab und biege rechts ab. Der Weg iſt ſumpfig; die Füße ſinken ein; doch das Ziel iſt ſo nahe. Da iſt es! Ich eile um die Ecke der Hütte ich ſuche nach der Thüre und blicke nur in einen Stall voll von Kühen und Ziegen. Ich ſchaue umher nirgend iſt ein ähnliches Gebäude wahrzunehmen. Dieſe Täuſchung ſchmetterte mich faſt nieder: eine neue Verirrung. Er⸗ grimmt ſtürme ich weiter, ohne Pfad, faſt bis an die Kniee verſinkend in den ekeln Moorgrund, von Erhöhung zu Erhöhung ſpringend. Ich ſtürze beinahe über einen kleinen Felsblock ich ſtelle mich auf ihn und rufe laut um Hilfe. Ich konnte nicht ſo weit irre ge⸗ gangen ſein, daß nicht mein Ruf die Bewohner der Hütte hätte er⸗ reichen können.

Aber wie leicht war es möglich, daß die Sennerin, wie jene erſte, die Hütte verſchloſſen und nach dem Dorfe zurückgegangen war? Zu⸗ mal man hier nicht auf ein Nachtlager für Reiſende eingerichtet war. In der Nacht aber desgleichen zu thun, wäre das wahnſinnigſte Unternehmen geweſen bei dem gefährlichen, naſſen und engen Stein⸗ wege, hart am Abgrunde.

Wie lange ich ſo gerufen habe, hätte ich ſogar in demſelben Augenblicke nicht gewußt. Endlich ſchlägt eine menſchliche Stimme mir ans Ohr:wer iſt da 2* Nun erkenne ich in der mattglänzenden Fläche, faſt dicht vor mir, die ich für ein größeres Felsſtück gehalten, das Dach der erſehnten Sennhütte ſelbſt. Auf meine Antwort wird noch eine andere, offenbar weibliche Stimme laut; beide beginnen darüber zu ſtreiten, ob mir die letztere, die Sennerin, den Weg richtig gewieſen habe. Ich erkläre ihnen ſofort, ich würde hier übernachten: man ſolle mir den Weg bis zur Thüre weiſen. Der Mann tritt näher und deutet dann auf ein langes Brett, das bis an die Hütte reicht. Und als ich nun eintrat in dieſe enge widerliche Behauſung, da hätte ich auf die Kniee fallen mögen und Gott ſo äußerlich danken, wie ich es innerlich gethan für dieſe Lebensrettung.

In dem trüben Scheine eines blutrothen, ſehr dünnen Talg⸗ lichtes gewahrte ich neben der Wirthin einen hochblonden jungen Meuſchen von mittlerer Größe und einigen zwanzig Jahren, der mir ſpäter als der Ziegenhirte vorgeſtellt wurde. Zunächſt bat ich, mir einen Raum anzuweiſen, in welchem ich mich umkleiden könne. Denn

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