Jahrgang 
1865
Seite
214
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Ihnen gänzlich Unbekannten kommt! ich bitte Sie, theilen Sie mir

alles mit, was Sie von ihm wiſſen. Es kann nicht zuviel, nicht zu ausführlich ſein. Für jedes Wort können Sie ſich meiner wärm⸗ ſten Dankbarkeit verſichert halten. Ich habe Gründe der verſchie⸗ denſten Art, die mich den größten Werth darauf legen laſſen. Nochmals aber bemerke ich, daß die gegen ihn aufgebrachte Beſchuldigung noth⸗ wendig auf Irrthum oder Bosheit beruhen muß. Wie wäre es denkbar, daß jemand auf ſträfliche Weiſe ſich anzueignen ſuchte, was er im Ueberfluß ſelbſt beſitzen könnte und, wie es ſcheint, aus der ſelt ſamſten Grille in fremden Händen läßt? Ob ihn zu dieſem uner⸗ hörten Schritt auch noch andre Gründe bewogen haben? Vielleicht können Sie auch darüber etwas erfahren haben.

In der Hoffnung, daß Sie einer Unbekannten verzeihen werden, wenn ſie Ihnen Mühe verurſacht, und daß Sie mich mit einer recht baldigen Antwort erfreuen, lege ich meine Adreſſe hierneben ein und bin mit der größten Hochachtung

B., d. 3. Juli 1801. Ihre ganz ergebenſte

Lodoiska Kronau.

N. B.(auf den vorſtehenden Brief geſetzt.)

Da die Acten vom Obergericht noch nicht wieder zurückgeſandt ſind, ſo habe ich nur aus dem Gedächtniſſe alles, was hier von dem ſonderbaren Tuvia Panti gerichtlich bekannt geworden, an Fräulein Kronau mitgetheilt und ihr zugleich eine Abſchrift ſeiner gefundenen Aufzeichnungen überſandt.

d. 7. Juli 1801. Wildung.

Reſcript des ꝛc. Obergerichts in M. an das ꝛc. Oberamtsgericht zu L.

Unterm 11. Mai d. J. hat das Oberamtsgericht zu L. dem Obergerichte Acta in Unterſuchungsſachen gegen den Zigeuner Tuvia Panti aus Ungarn wegen verſuchten Geigendiebſtahls vermittelſt nächt⸗ lichen Einſteigens eingeſandt, um bei dem in dieſer Sache entſtandenen dissensu votorum höhere Entſcheidung zu veranlaſſen. Nachdem aber beſagte Acten bereits vor geraumer Zeit ad referendum ausge- ſtellet, erſiehet das Obergericht zu ſeiner Ueberraſchung aus einem in öffentlichen Blättern publicirten Steckbriefe, daß der Inculpat ſchon in der Nacht vom 9/10. d. M. mittelſt Ausbrechens entwichen, ohne daß hiervon ſchuldigermaßen Anzeige gemacht worden iſt. Dem Ober⸗ amtsgerichte wird wegen dieſer Pflichtverſäumniß hierdurch ein Ver⸗ weis ertheilt, und werden die mehrgedachten Acten anbei remittirt, um ſolche nach etwaniger Wiederverhaftung des Inculpaten ſachgemäß zu vervollſtändigen, und bei auch dann etwa noch obwaltendem dis- sensu Votantium zur höheren Entſcheidung wiederum einzuſenden.

Dem Aſſeſſor Wildung werden zugleich die Anmerkungen ſeines erfahrenen Vorgeſetzten zur Nachachtung empfohlen.

M., den 9. Juli 1801.

Das ꝛc. Obergericht.

Geſchehen L. am Oberamtsgerichte, d. 18. Juli 1801. Den anliegenden Brief von Fräulein Lodoiska Kronau zu B. finde ich mich veranlaßt, zu den Acten abzugeben. in fidem Wildung.

. Geehrteſter Herr Aſſeſſor!

Wie ſoll ich Ihnen danken für die Mittheilungen, die Sie mir in ſo gütiger und reichlicher Weiſe über den unglücklichen Panti oder Panting gemacht! Endlich nach ſo vielen Jahren eine ſichere Nach⸗ richt über ihn, ſo ſchrecklich, ſo betrübend ſie auch iſt! Ihre Ueber⸗ zeugung von ſeiner Unſchuld, Ihre herzlicheu wohlwollenden Aeuße⸗ rungen über ſeinen Charakter ſchließen auch mein Herz gegen Sie auf, um ſo mehr, als gewiſſe Audeutungen in ſeinen Aufzeichnungen auch Ihnen nicht entgangen ſind. Ich glaube, man kann gegen einen ganz Unbekannten, von deſſen edler Geſinnung man überzeugt iſt, offener ſein, als gegen Näherſtehende. Man hat bei ihm nicht die⸗ ſelben Folgen des Vertrauens zu fürchten, wie bei dieſen. Und Ihr freundlicher Brief zeigt ein ſo warmes Intereſſe für Panting, und auch für mich, daß ich Ihnen gern alles erzähle.

Der Kaufmann Kronau in B., deſſen entfernte Verwandte ich war, lebte mit ſeiner Frau in kinderloſer Ehe. Sie hatten oft ſchon daran gedacht, ein fremdes Kind anzunehmen, allein ſie wünſchten nicht, daß daſſelbe in zugänglichem Bereiche noch Verwandte hätte, und ein ſolches Kind fand ſich nicht leicht. Da traf es ſich, daß mein Vetter Kronau, bereits im höheren Alter, ein wichtiges Geſchäft in Ungarn abzuſchließen hatte. Er ergriff die Gelegenheit, um zugleich in dieſe Gegenden eine Vergnügungsreiſe zu machen und ſeine Frau begleitete ihn. Auf dieſer Reiſe trafen ſie mit einem ziehenden Zigeunerſtamme zuſammen, und als ſie die mitlaufende Kinderſchar ſahen, entſtand in beiden zugleich der Gedanke, eins dieſer Kinder zu ſich zu nehmen, wenn ſich fände, daß eine Waiſe darunter ſei. Auf dieſe Art gelangten ſie zu Tuvia Panti, deſſen Namen, deutſchen Ohren ungewohnt, ſie in Tobias Panting abänderten. Daß das Kind getauft ſei, hatte ihnen der Anführer des Stammes verſichert.

Wegen des folgenden kann ich mich auf Pantings Aufzeichnungen beziehen. Es iſt wahr, daß eine ſchnelle Auffaſſung für alles und ein ſtarkes Gedächtniß ihn vor vielen Knaben auszeichneten. Ich. weiß das von ſeinen Lehrern, theils aus Geſprächen, theils aus ſchrift⸗ lichen Urtheilen über ihn aus ſeiner Schulzeit, welche mir vorliegen. Am genaueſten, denn am längſten, kannte ihn wohl der jetzige Profeſſor Wolfart, der ihn zuerſt als ſein Hauslehrer, ſpäter als Gymnaſial⸗ lehrer beobachten konnte. Dieſer äußert ſich in einem Privatſchreiben an meinen ſeligen Vetter ſo über ihn:Tobias hat viel gelernt, und ſich angeeignet, was ſich aneignen läßt, aber an eigentlich geiſtiger Thätigkeit und Productivität mangelt es ihm. Auch das Gelernte iſt nicht in ſein eignes Selbſt übergegangen, ſondern ihm gewiſſer⸗ maßen äußerlich geblieben, wie zum beliebigen Gebrauch. Er hat eine glühende Phantaſie, tiefe und lebhafte Empfindung, großes Ge⸗ ſchick für alles Mechaniſche, ſeine hohe muſikaliſche Begabung iſt außer Zweifel, aber er beſitzt ſo wenig Ideenvermögen als Abſtractionsgabe. Das Gebiet des Gedankens iſt ihm fremd, was da erhaben, tief, ſcharf⸗ ſinnig iſt, läßt ihn ganz theilnahmlos, er hat dafür kein Verſtändniß. Ich kann deshalb die Anſicht meiner Collegen nicht theilen, daß er zu einem gelehrten Berufe geeignet ſei. Kennte ich nicht Ihre Abneigung dagegen, mein verehrungswürdiger Freund, ſo würde ich ſagen: Laſſen Sie ihn Violinvirtuoſe werden, wie unſer Muſikdirector meint. Ob er ſich für den Kaufmannsſtand eignet, wage ich nicht zu entſcheiden, aber ich rathe zu dem Verſuche. Wiefern dazu ſein Charakter paßt, muß ſich zeigen. Sie kennen ſein düſteres, verſchloſſenes Weſen. Wenn alles um ihn lacht und fröhlich iſt, ſo blickt er entweder ſtumm und träumeriſch darein, oder er wendet ſich mit einem Ausdruck finſtrer Verachtung ab, und wenn er einmal lacht, ſo thut er es(um mit Shakeſpeare zu reden) mit einer Miene, als ſpotte er ſein ſelbſt, daß etwas ihn zum Lachen bringen könne. Obgleich er ſich an andre Knaben nie angeſchloſſen, ſo iſt er gegen Liebe und Wohlwollen doch nicht unempfindlich und ich weiß, daß er gegen Sie und Ihre Frau Gemahlin die dankbarſte Anhänglichkeit beſitzt. Schon aus dieſem Grunde wird er, glaube ich, jeden Beruf ergreifen, den Sie für ihn wählen. In dieſen Worten iſt gewiß am beſten zu⸗ ſammengefaßt, was die Zeugniſſe der andern Lehrer an ihm tadeln und loben.

Ich komme auf die Zeit, da ich in das Haus ſeiner Pflegemutter eintrat, die damit auch die meinige wurde. Auch ich war ſeit mehren Jahren eine Waiſe, aber meine ehrwürdigen Verwandten hatten mich reichlich unterſtützt und mir eine ſorgfältige Erziehung geben laſſen. Ich glaube, ſie hatten mich in ihren Gedanken für Panting beſtimmt. Cemnoaſe Kingen nſene dereen ae ehen elſafe indr. nich. 1 kals heitern und lebhaften Weſen widerſtrebte anfangs der ſtumme Ernſt des dunklen Angeſichts und es ängſtigte mich, wenn er die tiefen brennend ſchwarzen Augen ſo feſt auf mich geheftet hielt. Bald aber fing dies verſchloſſene Weſen an, mich zu intereſſiren, und we rin ſo derbauern Weiſe uns duf ſeiner Bialine vorſpine. unnderbaar 3 Erreiſender iſe; I lernen erloldat deſchien er mir unbeſchreiblich anziehend. Wavtin ſoll ich es leugnen? Ich faßte allmählich eine Peige, ie hu leicnn 8 ihni, de ich es mir nicht mehr ver⸗ verge daß er ei eiche Leidenſ fur in Rit allein in ſeinem Gehen Aa Renadenſchaſt ſüür. mich empfand. l rs ehen nud Kommen, ſeinen Blicken und ſeinem Wnehmen in der e wie er ſein leidenſchaftlich zirtliches Violinſpiel an mich allein zu richten ſchien, verrieth ſi f Verſe und Lieder beſcir areehlhdens; i ſen anedalh ſos Tel Rer.( hIr hr NeIld ut und zum Theil von unvergleichlicher Schönheit, entweder in meiner Näharbeit, oder in

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