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Ein deutſches Familienblatt mit Illuſtrationen. Erſcheint wöchentlich und iſt durch alle Buchhandlungen und Poſtämter vierteljährlich für 15 Sgr. zu beziehen.
Kann im Wege des Buchhandels auch in Monatsheften bezogen werden.
Ausgegeben im Jannar 1865. Der Juhrgang läuft vom Ottober 1864 bis dahin 1865.
RM 16.
Mittheilungen aus den Kcten, betreffend den Zigenner Tuvia Yanti aus Angarn.
Herausgegeben von Victor von Strauß.
(Fortſetzung.)
Entwurf zum Steckbriefe. Demnach der wegen verſuchten Diebſtahls durch Einſteigen bei Nacht im hieſigen Oberamtsgefängniſſe verhaftet geweſene Zigeuner
und Muſikant Tuvia Panti aus Ungarn in der Nacht vom 9. auf
den 10. d. M. aus ermeldetem Gefänugniſſe ausgebrochen und von hier heimlich entwichen; als werden ſämmtliche Gerichts- und Polizei⸗ behörden geziemend erſucht, auf denſelben vigiliren zu laſſen und ihn im Betretungsfalle zu verhaften und gegen Erſtattung aller Koſten
an das unterzeichnete Gericht abliefern zu laſſen, als welches zur Er⸗
weiſung gleicher Gefälligkeit in ähnlichen Fällen allezeit bereit iſt. Beſchreibung.
Größe: 5 Fuß 5 Zoll.
Statur ſchlank.
Haar: ſchwarz und lang.
Stirn: niedrig.
Augenbrauen ſchwarz.
Augen: ſchwarz und tiefliegend.
Naſe: Habichtsnaſe.
Bart: ſchwarzer Schnurrbart.
Mund: gewöhnlich.
Kinn: ſpitz.
Geſicht: oval mit ſtarken Backenknochen.
Geſichtsfarbe: gelblich-braun.
Beſondere Kennzeichen: Spielt die Geige und ſpricht deutſch, auch lateiniſch, und wahrſcheinlich noch mehre Sprachen; ſcheint überhaupt nicht ohne Kenntniſſe zu ſein, da er unter gebildeten Menſchen erzogen und erſt ſpäter wieder zu den Zigeunern entwichen iſt. Bei ſeiner hieſigen Entweichung war er mit Kittel und weiten Hoſen von Haufleinen bekleidet.
L., den 12. Junii 1801.
Das ꝛc. Oberamtsgericht. Bevern, Oberamtsrichter.
Geſchehen L. am Oberamtsgerichte, d. 7. Juli 1801. Bei Abweſenheit des Herrn Oberamtsrichters Bevern wurde der anliegende Brief von Fräulein Lodoiska Kronau in B. von dem Unterzeichneten eröffnet, zu den Acten gebracht und ſofort beantwortet. in fidem Wildung.
Hochgeehrteſter Herr Oberamtsrichter! In den Zeitungen finde ich zu meinem großen Schrecken die
Nachricht, daß ein Mann bei Ihnen wegen Diebſtahls verhaftet ge⸗
weſen ſei, an welchem ich ſehr großes Intereſſe nehme, da er der lang⸗ jährige Pflegeſohn ſehr werther Verwandten von mir war und vor etwa neun Jahren nach deren Tode auf unbegreifliche Weiſe von hier ver⸗ ſchwunden iſt, unmittelbar nachdem er von ihnen eine Erbſchaft von mehren hunderttauſend Thalern gemacht. Es iſt zwar unerklärlich, daß ein ſo begabter und gebildeter Mann ſich einer Lebensweiſe über⸗ laſſen haben ſollte, wie ſie aus Ihrer Bekanntmachung vom 12. v. M. geſchloſſen werden muß, obgleich er immer ein ſonderbares, in ſich gezogenes Weſen hatte. Allein, daß ein Mann, der recht gut weiß, daß er eine jährliche Einnahme von 10,000 Thalern und mehr haben könnte, einen Diebſtahl begehen ſollte, werden Sie ſelbſt gewiß mit mir für unmöglich und undenkbar halten. Er brauchte ja nur hierher zu kommen, wo man ſein ungewiſſes Schickſal lange betrauert hat, und wäre einer der reichſten Männer der Stadt. Nein, es iſt ganz un— möglich! Aber ich ſchreibe nicht, um Ihnen, verehrteſter Herr, dies auseinander zu ſetzen, ſondern einzig und allein, um Sie auf das Inſtändigſte zu bitten, mir jede Nachricht, die Sie von Tobias Pan⸗ ting oder Tuvia Panti erhalten könnten, ſofort mitzutheilen. Sollten Sie auch noch weitere Nachforſchungen nach ihm anſtellen können, ſo bitte ich herzlichſt, nichts zu unterlaſſen. Ich bin zum reichlichen Erſatz aller Koſten bereit. Zuverläſſig haben Sie auch jett ſchon manches von ihm gehört und erfahren. O, ich bitte Sie, und laſſen Sie, verehrter Herr, meine Bitte nicht unerfüllt, weil ſie von einer


