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bis jetzt nicht in gleichem Maaße geſucht wurden, wie die Familien⸗ wohnungen. Durch die Einrichtung der Reſtauration wird den täglichen Bedürfniſſen vieler auf einfache und wenig koſtſpielige Weiſe Genüge geleiſtet; ſie erhalten eine geſunde Hausmannskoſt, welche eben für ſie berechnet iſt und können im voraus genau ihre Rechnung machen, denn die große Speiſekarte wird jeden Tag, mit angefügten Preiſen, im Eßſaal aufgehängt, damit jeder nach ſeinem Belieben ſich wählen kann.
Noch praktiſcher, als dieſe Reſtauration iſt das Bade⸗ und Waſchhaus. Die körperliche Reinlichkeit iſt ja die Grundbedingung des rechten Wohlſeins, ſie iſt das ABC der Geſundheitspflege und ihre Vernachläſſigung zieht faſt immer Krankheiten und damit, ſonſtiges Elend nach ſich. Für die Arbeiterklaſſe iſt der reichliche Gebrauch des Waſſers eine wahre Lebensfrage. So nimmt in einer Arbeiterſtadt, wie die unſrige, das für alle leicht zugängliche Bade⸗ und Waſchhaus eine ſehr bedeutende Stelle ein. Der Preis eines Bades war bis vor kurzem zwanzig Centimes und iſt jetzt auf nur fünfzehn C. herabgeſetzt worden. Dieſe Billigkeit wird denn auch belohnt durch eine reichliche Frequenz der Anſtalt, ſo daß dieſe ſtets einen ziemlich beträchtlichen Ueberſchuß abwirft. Die Benutzung der Waſcheinrichtungen ſteht um die geringe Taxe von nur einem Sou odex fünf Centimes für zwei Stunden offen und iſt daher auch dem Allerärmſten nicht verſchloſſen. Derſelbe hat auf dieſe Weiſe nicht nöthig, die ſonſt zum Waſchen nöthigen Geräthſchaften ſich zu verſchaffen und Einrichtungen zu treffen, er wird darum deſto leichter dazu kommen, ſeine Wäſche in ſauberem Stande zu erhalten. Daß letzteres in der That geſchehe, dafür ſpricht bei unſerer Arbeiterbevölkerung der Augenſchein; durch⸗ gängig findet man ſie an Sonntagen in reinlichem Weißzeug, friſch⸗ gewaſchenen Blouſen u. ſ. w.; eigentliche Unreinlichkeit bildet jeden⸗ falls eine Ausnahme.
Auch für die Krankenpflege iſt, wie bei den Armen Mülhauſens überhaupt, ſo auch in der Arbeiterſtadt trefflich geſorgt. Sie liegt in den Händen der evangeliſchen Diakoniſſen von Straßburg, welche nicht nur in dem großen Mülhauſer Bürgerſpital ſehr zahlreich vertreten ſind, ſondern auch die ſogenannte„Stadtpflege“ handhaben. Von den ſechs Quartieren, in welche die ganze Stadt eingetheilt iſt, bildet die Arbeiter cité(alte und neue zuſammen) eines. Im Mittelpunkte deſſelben hat die Diakoniſſin ihr geräumiges Häuschen von zwei Zimmern und einer Küche. In dieſer Wohnung befindet ſich die kleine Quartier⸗ Apotheke, ferner werden hier zu beſtimmten Stunden die täglichen Geſuche bei der„Schweſter“ angebracht, die täglichen Suppenportionen für die Kranken abgeholt, ebenſo finden daſelbſt die Conſultationen mit dem Quartierarzte ſtatt; alles unentgeltlich. Von dieſem Centrum aus beſucht nun die Diakoniſſin Tag für Tag die bedürftigen Kranken ihres Quartiers ohne Unterſchied der Confeſſion. Dieſe ganz vor treffliche Einrichtung hat bis jetzt Früchte getragen, deren hoher Werth von allen Seiten einſtimmig anerkannt worden iſt; für Unzählige ſchon iſt ſie eine Quelle des Heils geworden. Die Koſten werden ausſchließlich durch freiwillige Beiträge der Vermöglichen, vornehmlich der Fabrikanten, die damit für ihr eigenes Intereſſe weiſe beſorgt
ſind, beſtritten.
Nachdem wir nunmehr das Wichtigſte in der äußeren Geſtaltung der Arbeiterſtadt überblickt haben, iſt es zum richtigen Verſtändniß unerläßlich, auch noch das innere Syſtem der Erbauung, des Verkaufs und der Vermiethung der Wohnungen ins Auge zu faſſen.
Die Société Mulhousienne des Cités ouvrières ward gegründet im Jahre 1853, hauptſächlich auf Anregung des jetzigen Maires, Herrn Jean Dollfus; ſie beſtand aus zwölf Aktionären, mit einem
Kapital von 300000 Franken;*) jetzt zählt ſie neunzehn Aktionäre mit einem Kapital von 355000 Franken, alſo die Aktie zu 5000 Fr. Durch ihre Statuten hat die Geſellſchaft ſich jeden Profit verſagt, wie denn die Aktionäre nur 4 Procent erhalten und etwaiger Gewinn immer für Ausgaben zu gemeinem Nutzen verwendet wird. Das Verhältniß nun zwiſchen der Geſellſchaft und den Arbeitern iſt dieſes: die erſtere baut Häuſer für nur eine Haushaltung und verkauft ſie an letztere mit Gewährung langer Ziele, oder vermiethet ſie ihnen in Erwartung des Verkaufs. Wenn dieſer vom Arbeiter gewünſcht wird, ſo hat der Käufer eine erſtmalige Einzahlung von drei bis vier⸗ hundert Franken, je nach dem Preis des Hauſes, zu machen, welche Summe ihm gutgeſchrieben wird und zur Deckung der Verkaufsrechte und Verkaufskoſteu dient, ſobald die Zeit der Uebergabe gekommen iſt. Ferner verpflichtet ſich der Käufer zu einer monatlichen Abzahlung von achtzehn bis fünfundzwanzig Franken; es ſteht ihm auch frei, ſtatt jener erſtmaligen Einzahlung eine verhältnißmäßig höhere Monats⸗ rate zu entrichten. Von allem ſo Eingezahlten bezieht er nun 5 Procent, hat alſo ſein Geld in eine gute Sparkaſſe gelegt und bekommt überdies durch die regelmäßig mit ihm geführte Abrechnung eine feſte Vorſtellung von ſeiner ſocialen Poſition, eben damit auch einen neuen Antrieb zur Ordnung und Sparſamkeit. Auf dieſe Weiſe geſchieht es, daß er vermittelſt jener erſtmaligen dreihundert Franken, der monatlichen Einzahlung von 25 Fr. und der Zinſen, nach Verfluß von dreizehn Jahren und einigen Monaten, ein Haus im Werth von dreitauſend Franken ſein freies Eigenthum nennen kann. Natür⸗ lich bleibt es dem Arbeiter unbenommen, ſeine Einzahlungen, wenn er kann, zu erhöhen und den Ankauf zu beſchleunigen; aber in jedem Fall kann er ſich auch ſchon während jener Wartezeit als Herr und Beſitzer betrachten und gleich von Anfang an in ſeine Rechte eintreten. Dieſes Syſtem hat ſeine Ausführbarkeit dadurch bewieſen, daß während des erſten Jahrzehntes der Geſellſchaft von den 6—700 Häuſern, die bis zum 30. Juni 1863 gebaut waren, am gleichen Termin 550 verkauft(obwohl noch nicht ganz bezahlt), die übrigen vermiethet waren. Es iſt ſomit unter der Mülhauſer Arbeiterbevölkerung ein ſtarkes Verlangen nach dem ehrlich erworbenen Vorrecht des dauernden Beſitzes geweckt worden, was ſich auch daran ſehen läßt, daß durch die Baumwollenkriſis keine bedeutende Abnahme in der Zahlung von Monatsraten herbeigeführt wurde, wie denn der Unterſchied zwiſchen dem Rechnungsjahr 1861/62 und 1862/63 nicht einmal zweitauſend Franken Abnahme betrug. In dem letztgenannten Jahre nahm die Geſellſchaftskaſſe an Miethzinſen 16,917 Franken ein; an Verkaufs⸗ geldern: 145,410 Franken und 68 Centimes.**) Am Schluſſe der⸗ ſelben Periode konnten 75 Häuſer als vollſtändig abbezahlt, 150 als zur Hälfte abgezahlt gemeldet werden, was immerhin ſehr ermuthigend klingt und als ein gutes Zeichen begrüßt wer⸗ den kann.
Freuen wir uns, daß es der erfinderiſchen Opferwilligkeit, die ſich immer wieder belohnt ſieht, gelungen iſt, auf ſolider, rechtſchaffener Grundlage ein bleibendes Werk aufzuführen, welches in eminentem Sinne als eine„rettende That“ bezeichnet werden kann. Allen, die in gleichen Verhältniſſen dieſelbe Aufgabe der Hebung des Arbeiter⸗ ſtandes vor ſich haben, wie die Fabrikanten Mülhauſens, rufen wir zu:„Komm und ſieh!“ und dann:„Gehe hin und thue desgleichen!“
J. Seſſing.
*) Ein Frank= S Silbergroſchen, hat 100 Centimes oder 20 Sous. ) Die Einnahme für Bäder und Waſchhaus belief ſich, nach Abzug aller Koſten, auf 1116 Fr. 60 Cent. Die Zahl der in demſelben Jahre genommenen Bäder war 8,356.
Am Jamilientiſche.
Folgen der Indiscretion.
Im Jahre 1756 ließ der Prinz Heinrich, Bruder Friedrichs des Großen, während ſeines Aufenthaltes zu Rheinsberg plötzlich ſeine Feld⸗Equipage in Stand ſetzen. Ueber dieſe kriegeriſche Vorbereitung gerieth die ganze Stadt in große Unruhe. Man forſchte genau nach, konnte jedoch zu keinem Reſul⸗ tate gelangen, da Prinz Heinrich tiefes Schweigen bewahrte. Ein junger Mann, deſſen ſich der Prinz als Secretär bediente, war jedoch durch ſeine amtliche Stellung hinter die Urſache der beunruhigenden Vorbereitungen ge⸗ kommen. Der Secretär hatte eine verlobte Braut in Rheinsberg, welcher er das Geheimniß anvertraute, das Mädchen theilte es ihrem Vater mit,
dieſer wieder einigen guten Freunden, die Freunde verſorgten ihre Bekannten wieder mit der Neuigkeit und ſo wußte es bald die ganze Stadt. Endlich erfuhr es der Kammerdiener des Prinzen, der, ein geborner Sachſe, ſich un⸗ gemein freute, als er vernommen hatte: Der Zug ſolle nach Sachſen gehen. Um ſich von der Wahrheit des Gerüchtes zu überzeugen, ſchien es ihm das Beſte, ſich bei dem Prinzen ſelbſt zu erkundigen. Prinz Heinrich untewielt mit ihm gern ein Geſpräch während des Friſirens und natürlich wurden hier die Stadtneuigkeiten zum Thema der Unterhaltung genommen. Der Karn⸗ merdiener fragte denn auch ganz naiv: Ob es wahr ſei, daß aitan bald, nach Sachſen marſchiren werde?„Wer hat Ihm das geſagt? fuhr der Prinz


