Jahrgang 
1865
Seite
210
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thor auf der Belforterſtraße hinauswandernd ſehen wir bald zur Linken die ſtattlichen Gebäulichkeiten der berühmt gewordenen Ecole und ſodann wenige Schritte weiter zur Rechten das Mülhauſer Diakoniſſenhaus, deſſen freundliche Baumgruppen aus dem Inneren des Hofes einladend herüberwinken und gelangen hierauf an eine links, nach Süden, über den Dollerkanal führende neue Brücke, die Dollerbrücke. Hier ſtehen wir nun eben an dem rechten Orientirungspunkt, um einen vorläufigen Begriff von der Ausdehnung der Arbeiterſtadt zu gewinnen, nämlich in der Mitte zwiſchen der alten und neuen Cité, welche beide ihrer Zanzen Länge mach von der ſdnurzedaden, breiken Napoleonsſträße, von Norden⸗ nach Süden durchſchnitten und durch die Dollerbrücke mit einander verbunden ſind. Zu unſrer Rechten, alſo nordwärts, breitet ſich die alte Cité aus, ſo genannt, weil ſie einige Jahre vor der ſüdlich über dem Dollerkanal liegenden erbaut wurde, welch letztere darum dieneue Cité heißt. Beide zuſammen begreifen jetzt eine Anzahl von etwa ſiebenhundert Häuſern in ſich und bilden mit ihren rein

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. 5... blichen, luftigen, breiten Straßen, mit ihren Baumpflanzungen und

hübſchen Gärtchen ein Ganzes, das man nur mit Wohlgefallen über⸗ ſchauen kann.

Lenken wir zuerſt über die ſchon erwähnte Brücke in dieneue Cité ein, indem wir gemächlich die Napoleonsſtraße hinaufwandern. In einer Arbeiterſtadt ſucht man billigerweiſe keine Paläſte, noch überhaupt impoſante Facaden, ſondern kleine, wohlgebaute, praktiſch eingerichtete Familienwohnungen. Zwar ſtünde die Breite der Straße in gutem Verhältniß zu hochragenden Gebäuden, denn ſie beträgt etwa drei und dreißig Fuß und iſt auf beiden Seiten mit hübſchen Trottoirs verſehen, welche durchweg von netten Gärtchen begrenzt ſind, hinter deren Laubwerk die freundlichen Häuſer hervorſchauen. Aber hochragende Gebäude wären in unſerem Fall nichts anderes, als Arbeiterkaſernen, alſo keiner Empfehlung werth. Die Woh nungen ſind nach verſchiedenen Planen gebaut. Entweder ſehen wir, wie hanptſächlich im Anfang gebaut wurde, Reihen von zehn bis zwanzig zuſammenhängenden, einſtöckigen, ausſchließlich je nur für eine Haushaltung beſtimmten, alſo ganz für ſich abgeſchloſſenen Häuſern, an deren Rücken gegen eine Parallelſtraße zu eine gleiche Reihe angebaut iſt; oder, was ſpäter den Vorzug fand: Gruppen von nur vier ſolchen, für je eine Haushaltung beſtimmten Häuſern, wobei zwei und zwei mit dem Rücken gegeneinanderſtehen; oder endlich:einfache Häuſerreihen, nach vorn und hinten frei. Jede einzelne Haushaltung iſt ſomit abgeſondert, ſowohl im Haus, als im Garten. Dieſer letztere iſt eine wirkliche Zierde der Straßen, wie auch die Lindenpflanzungen, welche längs der Trottoirs hin⸗ laufen. Das Ganze gewährt, beſonders in der Sommerszeit einen ſehr lieblichen, erfreulichen Anblick.

Wenn Abends, nach des Tages Laſt und Hitze, der Hausvater müdgeſchafft und beſtaubt heimgekehrt iſt und mit ſeiner Familie das einfache Nachteſſen eingenommen hat, ſo kann er hier, vor ſeiner Thüre, im Kreiſe der Seinigen, fern von dem dumpfen Brodem und Lärm der Altſtadt, noch ein Stündchen die reine, kühle Abendluft genießen in ſeinem eigenen Gärtchen. Da ſiehſt und hörſt Du von rechts und links faſt überall Zeichen eines vergnügten Familien⸗ lebens und Dein Auge erblickt zahlreiche Illuſtrationen zu jenem be⸗ kannten Schullied:O wie wohl iſt mir am Abend! Die Fabrik iſt, ſo zu ſagen, die Stadtwohnung des Arbeiters, ſein Häuschen in der Cité iſt ſeine Villa. Wie ſehr mag man dieſes beſcheidene Maaß von behaglicher Ruhe und Freiheit dem Arbeiter gönnen, der den langen Tag über ein freiwilliger Sklave geweſen! Hier iſt er Menſch, hier darf er's ſein! und je wohler es ihm unter ſeinem eigenen Feigen⸗ baum werden kann, deſto weniger wird er in Verſuchung kommen, anderwärts herumzuirren und Frau und Kinder verwahrloſt daheim zu laſſen. Je mehr er ſich ſeines, wenn auch kleinen, doch reinlichen und netten Beſitzes erfreuen lernt, deſto eher kann er die täglich wiederkehrende Wanderung in den Fabrikſaal mit gutem Muth an⸗ treten; er iſt ſich bewußt, daß er noch eine andere, höhere Stellung im Leben hat, als die an der Maſchine, er wird eben deßhalb ſeinen Beruf nicht mehr mit ſo verdrießlichen Augen anſehen, derſelbe iſt ihm ja der Boden für eine geordnete, anſtändige Exiſtenz, die Quelle eines beſcheidenen, aber dauerhaften und behaglichen Wohl⸗ ſeins! Es leuchtet ein, welch unſchätzbaren Einfluß dies auf das Familienleben der Arbeiter, auf die Reinheit und Geſundheit der häuslichen Atmoſphäre, auf die Kindererziehung, auf die Empfänglich⸗

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keit für geiſtige Intereſſen haben muß! Iſt es doch eine häufig ge⸗ machte Erfahrung, daß wo zahlreiche Haushaltungen in engen, ge⸗ ringen, ſchlechtgelüfteten Wohnungen zuſammengedrängt ſind, ſich auch gewöhnlich, als Folge, Unreinlichkeit, Mißfallen am eigenen Herd, Mißvergnügen, Unfriede einſtellten! Darum eben iſt es auch ein Hauptgrundſatz der Geſellſchaft, welche die Cité erbauen ließ und läßt: je ein Haus auch nur an eine Haushaltung zu verkaufen oder zu vermiethen und den Miethsleuten das Zulaſſen von Zwiſchen⸗ miethsleuten ausdrücklich zu verbieten. Eine Haushaltung in einem Haus Aſt eine Grundbendagung, von deren pünktkicher Erfüllung zum ſich die erwähnte Geſellſchaft geſetzt hat. Jeder Hausbeſitzer oder Miethsmann muß ſich aber außerdem noch beſonders dazu ver⸗ pflichten, ſein Gärtchen ſorgfältig zu bauen und zu pflegen, ſowie den äußeren Stand des Ganzen der Wohnung in der rechten Ord⸗ nung zu erhalten; ja um den Eifer der Bewohner mehr zu wecken ſind neuerdings jährliche Preiſe ausgeſetzt worden für die Inhaber der hübſcheſten Gärtchen und geordnetſten Haushal⸗ tungen.*) Auf dieſe Weiſe geſchieht es, daß oft eine ganze Straße im Blumenſchmuck prangt und manche Arbeiterhütten an äußerer Lieblichkeit den Wohnungen der Reichen wenig nachgeben. Es iſt in der ſchönen Jahreszeit eine wahre Luſt, ein angenehmer Spaziergang, am kühlen Abend dieſe Quartiere zu durchwandern und zu bedenken, wie ſo ganz anders das Loos der hier Wohnenden aus⸗ gefallen wäre, wenn ſie ſich müßten in ſonnenloſen, düſteren Winkel⸗ ſtuben ober in traurigen Kaſernen herumbehelfen, ohne am Abend eine wirkliche Erfriſchung und Erholung in freier Luft genießen zu können. So nun dürfen Kinder und Erwachſene täglich eines er⸗ heiternden Naturgenuſſes froh werden, mitten in ihrem Eigenthum, unter Ihresgleichen.

Aehnlich wie in der Hauptſtraße finden wir wenigſtens in der neuen Cité, auch die Einrichtung der Nebenſtraßen, deren es in letzterer acht bis zehn, in der alten Cité etwa ebenſoviele giebt. Am Eingang in die Rue Lavoisier aber bemerken wir ein hübſchgebautes, in umzäuntem Hofraum ſtehendes größeres Haus, das für die Kinderwelt den Mittelpunkt bildet. Es iſt die Salle d'Asile des Cités, oder: das Kleinkinderaſyl, deren Mülhauſen ſechs an der Zahl beſitzt. Gerade in dieſem Quartier iſt ein ſolches von der größeſten Bedeutung, wenn man erwägt, daß ſo manche Eltern, Frau und Mann, den ganzen Tag über in der Fabrik ſind und ſo ihre Kinder kaum unter ordentlicher Aufſicht zurücklaſſen könnten, wenn nicht dieſes Aſyl eine wahre Schutzſtätte für dieſelben wäre, wo ſie nicht blos äußerlich geborgen ſind, ſondern auch die erſten Grundlagen des Unterrichts ſpielend empfangen. Hier jubelt die fröhliche Schar von etwa drei bis vierhundert Kindern, während ihre Väter und Mütter arbeiten, und dann am Abend können die letzteren ihre Kleinen die Lieder ſingen hören, welche von denſelben im Aſyl fleißig und reichlich eingeübt werden. Die Wohlthat ſolcher Kleinkinveraſyle, gerade für die Arbeiterquartiere, kann man nicht hoch genug anſchlagen; die betreffenden Eltern fühlen es auch deutlich und ſprechen bei jeder Gelegenheit es dankbar aus, daß ſie ohne das Aſyl gar nicht mehr auszukommen wüßten. Gewiß, die verhältniß⸗ mäßig große Summe von zweiunddreißigtauſend Franken, welche bis jetzt nur auf dieſes eine Kleinkinderaſyl verwendet wurde, iſt ſehr gut angelegt, und trägt immerhin ihre Zinſen und Zinſeszinſen, wenn man ſie auch nicht in Procenten ausrechnen kann!

Kehren wir nun auf der Napoleonsſtraße zurück über die Doller⸗ brücke in diealte Cité, um auch in ihr uns noch ein wenig umzu⸗ ſehen. Wir brauchen nicht weit zu gehen, ſo gelangen wir auf den Napoleonsplatz, der ſich durch zwei Gebäude auszeichnet, die der Beachtung werth ſind. Auf der einen Seite des Platzes ſteht nämlich die große B äckerei und Reſtauration, auf der andern: das große Ba de⸗ und Waſch haus. Die erſtere iſt im Stande, in drei Oefen täglich achthundert fünfpfündige Laibe Brot zu backen, welches von ſehr guter Qualität iſt und unter der Taxe geliefert wird; ebenſo kann in der Reſtauration zu ſehr geringen Preiſen recht gut nach der Karte geſpeiſt werden, was hauptſächlich für die un ver⸗ be ira th eten Arbeiter bequem iſt, denen zu lieb denn auch in der

6 0 4 9 61 8 vari 1*.. 3 beſondere l otements Parnis pour Célibataires(Möblirte hnungen für Unverheirathete) errichtet worden ſind, welche jedoch

*) Vgl. unſere Mittheilung am Familientiſch. D. R

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