Jahrgang 
1865
Seite
208
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208

Schacht geſchoſſen und die Kohle dadurch entzündet habe. So wenig Sicherheit des. Albinus Angabe auch bietet, ſo iſt doch mit Gewißheit anzunehmen, daß der Kohlenbrand ſchon im Anfange des ſechszehnten Jahrhunderts entſtanden iſt und ununterbrochen fortbeſtanden hat, wenn auch nicht immer mit gleicher Heftigkeit und ſogar den Ort wechſelnd. Der Hiſtoriograph Johannes Lindner, der 1530 ſtarb, erwähnt bereits denbrennenden Berg bei Zwickau, und ebenſo ſicher iſt es, was Georg Agricola, der Begründer der Metallurgie, der eine Zeit lang als Rector in Zwickau lebte, berichtet, daß das Feuer 1505 mit beſonderer Heftigkeit hervorbrach.

So verſchiedenfache Urſachen auch für die Entſtehung dieſes Kohlenbrandes angegeben werden ſo ſollen Zwickauer Bürger bei dem Ausräuchern eines Fuchſes aus ſeinem Bau die hochſtehende Steinkohle und den darüber ſtehenden Wald entzündet, nach anderen ſoll der Blitz in den Stollen geſchlagen und das Feuer hervorge⸗ rufen haben ſo läßt ſich doch keine als die richtige nachweiſen, es iſt ſogar wahrſcheinlich, daß das Feuer durch Selbſtentzündung der Steinkohle, wie ſolche in England, Belgien, Schleſien, an der Saar, bei Zwickau und im Plauenſchen Grunde bei Dresden vorge kommen, entſtanden iſt. Je weniger man damals den Proceß der Selbſtentzündung kannte, um ſo natürlicher war es, daß für die Entſtehung dieſes Brandes verſchiedene Urſachen angegeben und dieſe mit der Zeit mehr oder weniger ausgeſchmückt wurden.

Erſt ſeit der Mitte des ſiebzehnten Jahrhunderts haben wir wieder Nachrichten über den Kohlenbrand. Aus dem Fehlen alter Nachrichten über den Brand von 1589 bis 1641 hat man geſchloſſen, daß das Feuer erloſchen geweſen ſei, eine weitere Begründung liegt für dieſe Annahme nicht vor.

Als 1641 Zwickau von den Kaiſerlichen belagert wurde, bargen viele Bürger ihr Geld und ihre Koſtbarkeiten in den Planitzer Kohlenſchächten, verdeckten ſie und belegten ſie mit Holzwerk. Die kaiſerlichen Soldaten, denen dies verrathen war, zündeten die über den Schächten befindlichen Kohlenhütten an, von denen das Feuer dann weiter um ſich griff und bald mit großer Heftigkeit in dem unterirdiſchen Raume wüthete.

Alle Verſuche, es durch Waſſer und Luftentziehung zu löſchen, mißlangen. Von 1668 bis 1675 mußte auf dem Planitzer Ge⸗ biet jede Kohlenförderung eingeſtellt werden. Es rollte und krachte unter der Erde wie Donner, mächtige Rauchſäulen ſtiegen aus allen Schächten empor. In den an das brennende Flötz grenzenden Gruben herrſchte eine erſtickende Hitze, ſo daß die Bergleute einen Bericht an den Kurfürſten von Sachſen, den damaligen Beſitzer von Planitz einreichten, in dem ſie klagten:das unterirdiſche Feuer ſei ſo ſtark, daß es ihnen die Lichter ſchmelze und die Schuhe verbrenne, ja, daß ſie der Hitze wegen genöthigt ſeien, in den Gruben faſt ganz nackt zu arbeiten und obenein noch befürchten müßten, von dem ein⸗ ſtürzenden Erdreich erſchlagen zu werden.

Das einzige Mittel, um der Heftigkeit des Feuers, deſſen Glut durch Waſſer nur noch geſteigert wurde, einigermaßen Einhalt zu thun, war die Verſtürzung der einzelnen Kohlenſchächte, durch welche der Rauch des Feuers emporſtieg, um ihm die Luft zu entziehen. In den Jahren 1700 und 1751 wurden zwei Schächte verſtürzt, dennoch fand ſchon fünfzehn Jahre ſpäter ein neuer Ausbruch des Feuers ſtatt. Sie wiederholten ſich 1775, 1776 und 1790. Alle Mittel, das Feuer zu löſchen, wurden erſchöpft, bedeutende Koſten wurden vergebens daran gewendet. Man mußte zuletzt zu dem verzweifelten Mittel greifen, alle Planitzer Schächte zu verſchütten.

1822 wagte man die Schächte wieder zu öffnen. Man fand kein Feuer mehr, gab ſich ſchon der Hoffnung hin, daß daſſelbe ge⸗ löſcht ſei und begann die Arbeiten der Kohlenförderung wieder; allein die Hoffnung war eine nichtige geweſen, denn ſchon 1824 brach das

Feuer wieder mit neuer Heftigkeit hervor und verbreitete ſich ſo

ſchnell, daß alle Schächte wieder verſchüttet werden mußten. 1838 brach die Flamme aus einem alten Schachte, der ſchnell verſchüttet wurde, 1849 aus einem anderen Schachte, den man gleichfalls preis⸗ geben mußte. Seit 1849 ſind keine neuen Ausbrüche des Feuers mehr erfolgt. Der Brand wüthet indeſſen in dem Kohlenflötze un⸗ unterbrochen fort und man hat längſt jede Hoffnung aufgegeben, ihn je ganz zu löſchen.

Von jeher hatte die Erdoberfläche über dem unterirdiſchen Brande die Aufmerkſamkeit auf ſich gezogen. Es war, ſo weit das Feuer reichte, im Sommer ein öder Fleck, der rings von einem grü⸗

nen, blühenden Rahmen eingeſchloſſen, nur das kümmerlichſte Gras hervorbrachte. Auch dieſes verdorrte gänzlich, wenn eine regenloſe Zeit hinzukam und völlig abgeſtorben war dann der ganze Raum. Sobald indeß der Winter kam, wo ringsum alles abſtarb oder mit Schnee bedeckt war, überzog friſcher, grüner Raſen dieſen Raum. Ein Stück Frühling mitten im Winter, ein Zufluchtsort für eine Anzahl Vögel der Umgegend, die hier Schutz vor der Kälte fanden.

Man beſuchte dieſe Stätte des Kohlenbrandes, ſtaunte im Win⸗ ter die kleine Frühlingsoaſe an, die höchſtens einer Anzahl Schafe als Weideplatz diente, ließ ſich der Merkwürdigkeit wegen in den auf⸗ ſteigenden heißen Dämpfen Eier ſieden, in denen das Dotter ſofort erhärtete, während das Eiweiß ſtets halb weich blieb, allein niemand kam auf den Gedanken, die hier in ſo reichem Maße zu jeder Zeit und umſonſt gebotene Wärme praktiſch auszunutzen und von den reichen Schätzen, die unten nutzlos verbrannten, zum wenigſten noch einen geringen Vortheil zu ziehen.

Erſt 1836 wurde Dr. E. A. Geitner in Schneeberg, der in der Nähe des Kohlenbrandes ein Hüttenwerk beſaß, durch eine Notiz in Dinglers polytechniſchem Journal über die Benutzung der durch unterirdiſche Kohlenbrände hervorgebrachten Wärme zum Erziehen frühzeitiger Gemüſe in den Niederlanden auf den Gedanken geleitet, auch dieſe Strecke über dem Kohlenbrande bei Planitz in ähnlicher Weiſe auszubeuten, und ſchon im folgenden Jahre wurde der Anfang damit gemacht.

Freilich war der Anfang ein geringer und ließ nicht voraus⸗ ſehen, daß ſich aus ihm in dem Zeitraum eines Vierteljahrhunderts eine ſo großartige Auſtalt entwickeln würde, wie jetzt die Gärtnerei ſeines Sohnes iſt. Wurde doch ſogar von manchen, die eine ſolche Treibgärtnerei für unmöglich hielten, viel darüber geſpottet. Es war ein ſogenannter holländiſcher Kaſten mit ſechs Fenſtern und einem verſchließbaren Eingange von Ziegelſteinen aufgemauert. Um die aufſteigenden Dämpfe zurückzuhalten, war auf dem Grunde dieſes Kaſtens zuerſt eine Schicht Lehm gebracht und feſtgeſtampft, darüber wurde guter Humus geſchüttet. Die erſte Pflanzung beſtand aus Biſchofserben, Buſchbohnen, Gurken, Melonen, Salat und Radies⸗ chen. Sie gedieh vortrefflich.

Da dieſer erſte Verſuch ſo wohl gelungen war, ſo erbante Dr. Geitner noch in demſelben Jahre ein Glashaus mit einer Gärt⸗ nerwohnung, legte mehrere Treibbeete an, verſorgte die junge Anſtalt durch eine Röhrenleitung mit Waſſer und begann zugleich mit der Anzucht und Vermehrung von Topfſpflanzen, die gleich gut gelangen.

S hon im folgenden Jahre gründete er eine kleine Aktiengeſell⸗ ſchaft, um dieſe Anſtalt zu vergrößern und das erforderliche Geld dazu aufzubringen. Das Unternehmen ſchritt vorwärts, allein verſchiedene Umſtände wirkten ſchädlich darauf ein, ſo daß es nicht den Gewinn abwarf, den die meiſten Aktionäre gehofft hatten. Die Häuſer waren bei dem kleinen Anlagefond leicht gebaut, Reparaturen und Neubau⸗ ten wurden bald nothwendig und die Aktionäre waren nicht bereit, neue Opfer zu bringen. Dazu kam, daß die der Erde entſtrömenden heißen Dämpfe immer noch nicht benutzt wurden.

1846 löſte ſich die Aktiengeſellſchaft auf und den Garten erſtand der Sohn des erſten Gründers, Guſtav Geitner, der auf Reiſen durch Deutſchland, die Schweiz, Frankreich, Belgien und Holland ſich hinreichend für den Betrieb einer größeren Handelsgärtnerei aus⸗ gebildet hatte. So viele Schwierigkeiten ſich dieſem neuen Beſitzer auch entgegenſtellten gleich anfangs ſtürzte ein Haus über ihm zu⸗ ſammen und ſeine erſte Geſchäftszeit fiel in das Nothjahr 1847 ſo ſiegte doch die Umſicht und unermüdliche Thatkraft des neuen Beſitzers und von Jahr zu Jahr blühte die Anſtalt immer kräftiger empor. Er machte ſich die emporſteigenden heißen Dämpfe unmittelbar dienſtbar, indem er in die Klüftungen, aus denen ſie emporſtiegen, Röhren einfügte, durch welche er nun die Dämpfe durch die Warm⸗

d 3 r 9 3 5 2 2.. Treibhänſar leitete, ſo daß es ihm leicht wurde, jederzeit die Wärme der Tropenländer in ihnen herzuſtellen.

1 Haus auf Haus entſtand nun in der Gärtnerei. 1855 wurde das große Palmenhaus gebaut; zwei Jahre ſpäter erſtand Geituer ein nahegelegenes Areal zur Freilandkultur, welches er für Baum⸗ ſchulen benutze⸗ und 1861 machte er mit unendlicher Mühe ein wüſt⸗ gelegenes Kohlenabbaufeld unmittelbar hinter dem Garten urbar, wodurch derſelbe faſt um das Doppelte vergrößert wurde.

Unſere Abbildung, welche von dem Balkon des Wohnhauſes

des Beſitzers aufgenommen iſt, gibt einen Blick auf den Garten mit

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