Jahrgang 
1865
Seite
205
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Ueber den Hauptpunkt, die himmliſchen Erſcheinungen, gab die Angeſchuldigte die bündigſten Erklärungen und verſicherte:Sie kommen von Gott und ich bin von Gott geſandt. Ich hege mehr Furcht, etwas zu ſagen oder zu thun, was ihm mißfallen könnte, als Euch Rede zu ſtehen. Oft höre ich die Stimmen, ja bisweilen wecken ſie mich aus dem Schlafe, oft habe ich die Heiligen unter Menſchen geſehen, während dieſe ſie nicht ſahen. Die Stimmen ſind meiſt die der heiligen Katharine und Margarethe oder auch des Erzengels Michael.

Auf die wunderliche Frage:Hatte der heilige Michael Haare? antwortete ſie:Warum ſollten ſie ihm verſchnitten ſein? Auf die boshafte Frage:Erſchien Dir der heilige Michael nackt? Glaubt Ihr, daß Gott nicht habe, ſeine Heiligen zu bekleiden?

So wehrte ſie die liſtigen Streiche ihrer Feinde ſiegreich ab, die Bemühungen, ſie auf Grund ihrer eigenen Ausſagen zu verdammen, ſchlugen fehl. Man ſandte einen Geiſtlichen unter der Maske eines franzöſiſchen Kriegsgefangenen zu ihr, um ſie auszuhorchen, und ver ſteckte zwei Männer hinter einem Fenſter, die den Befehl hatten, alles aufzuſchreiben, was Johanna offenbaren würde. Auch dieſes ſchänd liche Mittel führte nicht zum Ziele, das Mädchen zeigte ſich in den vertrauteſten Reden ſchuldlos wie beim Verhöre.

Nun entſchloſſen ſich die Häupter zu einer Maßregel, die nichts Geringeres war als ein Schurkenſtreich. Es wurden aus den Acten 12 Artikel ausgezogen und dieſe ſo gefaßt, als wenn der Inhalt be wieſen ſei. Der Auszug enthielt nicht gerade volle, greifbare Un wahrheit, aber alles, was für Johanna ſprach, war beſeitigt, alles, was gegen ſie benutzt werden konnte, war aus dem Zuſammenhange geriſſen und in das ſchwärzeſte Licht geſtellt.

Die Anklagen reduciren ſich auf zwei Punkte: daß ſie männ⸗ liche Kleider trage, was gegen das bibliſche Gebot verſtößt(5 Moſes Cap. 22, Vers 5), und daß ſie Offenbarungen und perſönliche Er ſcheinungen von Heiligen vorgebe.

Der Actenauszug wurde an die Pariſer Univerſität und an etliche fünfzig Gelehrte und Corporationen zur Begutachtung geſchickt. Die Gutachten fielen einſtimmig dahin aus: Johanna ſei ſchuldig, göttliche Offenbarungen abergläubiſch erfunden zu haben; weil dieſe Offenbarungen zu ſo großem Blutvergießen geführt, müſſe man an nehmen, daß ſie die Wirkung böſer Geiſter ſeien, mithin ſei Beklagte überführt, böſe Geiſter verehrt, Gott entſagt, die Heiligen geläſtert, Götzendienſt getrieben zu haben und vom Glauben abgefallen zu ſein.

Die Vorausſetzung dieſes Urtheils war, daß die Angeklagte wirklich ausgeſagt habe, was in den Artikeln ſtand. Dies war indeß nicht der Fall, und auch nach dem Urtheil hielt man es nicht für nöthig, der Jungfrau die Artikel vorzuhalten und ſie darüber zu ver hören. Man forderte, Johanna ſolle ſich dem Spruche der Kirche unterwerfen oder widerrufen.

Am 24. Mai 1431 wurde auf dem Kirchhofe der Abtei St. Quen die Schlußverhandlung gehalten. Zwei große Gerüſte waren aufgeſchlagen, auf dem einen nahmen der Biſchof von Beauvais, der Kardinal von England und 33 Beiſitzer Platz, das andere war für Johanna und den Prediger Erard beſtimmt. Der letztere predigte über den Text:eine vom Stamme abgeſchnittene Rebe kann keine Frucht bringen und überhäufte die Jungfrau mit Vorwürfen. Man ſtellte ihr nochmals die Wahl: entweder ihre vorgeblichen Offenba⸗ rungen als ſataniſche Vorſpiegelungen zu widerrufen, dann ſolle ſie in milder Haft gehalten werden, oder den Feuertod zu ſterben. Man las ihr die Abſchwörungsformel vor. Sie ſagte:Ich verſtehe den Sinn dieſer Worte nicht und appellire an den Papſt und das allge meine Concil. Ihre Appellation ward verworfen, man ſetzte ihr heftiger zu. Seufzend ſprach ſie:Ihr werdet viele Mühe haben, mich zu verführen. Der Biſchof hub endlich an, das Urtheil zu ver⸗ kündigen, der Henker griff nach ihr, da brach die Herrliche zuſammen. Sie erklärte:Ich will lieber widerrufen als verbrannt werden. Haben die Männer der Kirche entſchieden, daß die Erſcheinungen, welche ich hatte, nicht behauptet werden können, ſo will ich ſie nicht behaupten.

Sie unterzeichnete eine Schrift, die man ihr vorlegte, ſprach die Worte einer Abſchwörungsformel, die ihr der Gerichtsſchreiber vorlas, nach. Die Formel iſt nicht erhalten, Augen⸗ und Ohrenzeugen haben indeß verſichert, es ſeien etwa 6 bis 8 Zeilen geweſen und Johanna habe namentlich das Verſprechen gegeben, nie wieder männliche Kleider und Waffen tragen zu wollen. Bei den Acten ſindet ſich ein endlos langes Sündenbekenntniß mit ihrem Handzeichen verſehen, es iſt jedoch untergeſchoben. Der Geheimſchreiber des Königs von England führte

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ihr die Hand beim Unterzeichnen eines Documentes, deſſen Inhalt ſie nicht verſtand.

Der Biſchof von Beauvais nahm Johanna nach den Widerruf zwar wieder auf in den Schoß der Kirche, fällte aber, ſich zu ihr wendend, den harten Spruch: Du geſündigt haſt gegen Gott und die Kirche, verurtheilen wir Dich aus Gnade, den Reſt Deiner Tage im Gefängniß zuzubringen bei dem Brote der Schmerzen und bei dem Waſſer der Trübſal.

So war das große Werk der moraliſchen Vernichtung durch Johannas eigene Erklärung vollbracht. Es haben dabei viele Urſachen zuſammengewirkt: einmal die rohe Behandlung im Kerker, durch welche ihre Körperkraft aufgezehrt und in Folge deſſen auch die Energie ihres Geiſtes geſchwächt wurde, ſodann die volksthümliche Ehrfurcht vor den Prieſtern. Johanna mochte ſelbſt einen Moment irre werden, als ſie hörte, daß ſo viele Männer der Kirche ihre Erſcheinungen für Hirngeſpinnſte hielten. Die natürliche Scheu vor dem Feuertode kam hinzu, und endlich hatten ihr die himmliſchen Stimmen von Erlöſung im allgemeinen geredet, was ſie auf Befreiung aus der Gefangenſchaft durch einen Sieg der Franzoſen, nicht auf den Märtyrertod gedeutet hatte. So vereinigte ſich alles, um ſie zu beugen, und es iſt nicht auffallend, daß ſie zuletzt widerrufen, man muß ſich wundern, daß ſie ſo lauge widerſtanden hat.

Während die Jungfrau in Rouen von dem geiſtlichen Gericht gepeinigt wurde, weilte ihr König unthätig in den Grenzen ſeines Reiches. Man hätte erwarten ſollen, daß er alles aufbieten würde, um ſeine Retterin zu retten, er machte indeß nicht einmal den Ver⸗ ſuch, ſie loszukaufen. Wie leicht wäre es für ihn geweſen, mit Re⸗ preſſalien au den engliſchen Kriegsgefangenen zu drohen, wie gewichtig mußte es ſein, wenn die Reſultate der Unterſuchung von Poitiers geltend gemacht worden wären! Dort hatten ja ebenfalls Männer des Rechtes und der Kirche über Johanna zu Gericht geſeſſen, unter ihnen ſogar der Vorgeſetzte des Biſchofs von Beauvais und von ihnen war das Mädchen für eine gute katholiſche Chriſtin von unſträflichem Wandel anerkannt worden. Es war ſo naheliegend, daß man der Unterſuchung in Rouen die Unterſuchung in Poitiers entgegengeſtellt, oder die ſchiedsrichterliche Entſcheidung des Papſtes angerufen hätte. Und doch geſchah nichts. Johanna wurde von allen den Ihrigen verlaſſen, auch von dem Könige, dem ſie das Reich und die Krone er⸗ kämpft. Das Motiv dieſes empörenden Undanks mag geweſen ſein, daß der König beſorgte, wenn er eifrig für die Gefangene wirkte, würde man ihn der Mitwiſſenſchaft, vielleicht gar der Theilnahme an ihren Zauberkünſten beſchuldigen.

Johanna wurde nach dem Urtheilsſpruch nicht, wie das Geſetz es erforderte, in geiſtliche Kloſterhaft, ſondern in ihr früheres Gewahrſam zurückgebracht und daſelbſt fort und fort mit Ketten beladen. Sie mußte nach wie vor die Gegenwart wüſter Kriegsknechte in ihrer Zelle dulden und wurde von neuem an einen Block geſchloſſen. Sie ließ ſich Frauengewänder anlegen und das Haar nach Artder Büßerinnen ſcheeren.

Am dritten Tage nach der feierlichen Gerichtsſitzung, es war gerade der Sonntag Trinitatis, wird dem Biſchof gemeldet, die Jung⸗ frau habe ihr Gelübde gebrochen und Manuskleidung angezogen. Er ſendet Geiſtliche zu ihr, um ſie zu verhören, die Wachen verweigern ihnen indeß den Zutritt. Am Montag kommen die Richter ſelbſt zu ihr in den Kerker. Befragt, warum ſie wieder männliche Kleidung trage, gibt ſie zu Protokoll:Weil ich dieſe Weiſe, mich zu kleiden, für anſtändiger halte, ſo lange ich von Männern bewacht werde; überdies habt auch Ihr nicht gehalten, was Ihr verſpracht, daß ich dürfte zur Meſſe gehen, den Leib des Herrn empfahen und daß ich nicht mehr an dieſen Block gefeſſelt würde. Das Protokoll verſchweigt, was wir durch die Ausſage ihres Beichtvaters wiſſen, daß man ihr die Frauengewänder weggenommen, abſichtlich die Männerkleidung hin⸗ gelegt und daß ein großer Lord ſie durch ſeine Zudringlichkeit gezwungen hatte, in der Männertracht den Schutz ihrer Ehre zu ſuchen. Als ihr der Biſchof vorhielt, daß ſie ihren Schwur gebrochen, antwortete ſie:Ich will lieber ſterben, als in dieſen Ketten leben. Vergönnt Gefängniß, ſo will ich

Biſchof fuhr fort:

Wie

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mir, zur Meſſe zu gehen, gebt mir erträgliches gut ſein und thun, was die Kirche will. Der. lo

Er habe auch gehört: daß ſie noch immer an ihren vorgeblichen Offen barungen feſthalte, ob ſie ſeit letztem Donnerſtage wieder die Stimme der Heiligen gehört? Antwort:Ja. Ob ſie glaube, daß ſie von Gott kämen? Antwort:Ja, ſie kommen von Gott.. Man macht ihr den Widerſpruch dieſer Erklärungen, mit der Abſchwörung bemerk⸗