Jahrgang 
1865
Seite
195
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der Erkrankten ſtarben. Bei der chemiſchen Unterſuchung der Ein⸗ geweide fand man in den letzteren Kupfer, und meinte ſomit einen Beweis erhalten zu haben, daß hier das Kupfer tödtlich gewirkt habe! Allein bei näherer Unterſuchung ergab es ſich, daß die fragliche Speiſe mit einem Fett angemacht worden, welches die Köchin aus einem kupfernen Topfe entnommen, den ſie allmälig mit dem über⸗ flüſſigen Suppenfett gefüllt hatte. Dieſes Fett war einer eigen⸗ thümlichen Verderbniß unterlegen, wie ſolche mitunter in alten Käſen, Fiſchen und Würſten vorkommt, und höchſt giftig wirkt. Aber unbegreiflich iſt es, wie man bei der Beurtheilung ſolcher Fälle den wichtigſten Punkt ſo vollſtändig hat überſehen können. Wenn nämlich eine Familie nach dem Genußeiner in Kupfer gekochten Speiſe erkrankte, und einige Glieder der⸗ ſelben ſogar ſtarben, ſo hat jedes derſelben aller⸗ höchſtens nur einen Gran, meiſt nur den minu⸗ tioſen Bruchtheil eines Granes Kupfer bekommen. Denn mehr vermögen ſelbſt ſtark ſaure Speiſen während des Kochens und ſelbſt beim mehrſtündigen Verweilen im Kupfergeſchirr davon nicht aufzulöſen. Nun aber ſteht es feſt, daß erſt recht erhebliche Mengen dieſer Kupferpräparate über⸗ haupt merkbar, und nur ſehr gewaltige Doſen ge⸗ fährlich einwirken können. Es iſt kein Fall bekannt, in welchem eine Doſis, geringer als ein Loth, d. h. 240 Gran, tödtlich geworden wäre, und ſelbſt die beiden Fälle, die ich nach langer Mühe als tödtlich abgelaufene Kupfervergiftungen verzeichnet fand, ge⸗ hören dem vorigen Jahrhunderte an, einer Zeit, in welcher die Kritik chemiſcher Erfahrungen noch ſehr in ihrer Kindheit war. Wenn

man uns aber einreden will, der zehnte oder hundertſte Theil eines Grans, den jemand beim Genuß einer in Kupfer geſtandenen Speiſe genoſſen, ſolle Schuld an ſeiner Erkrankung, ja an dem er folgten Tode ſein, ſo wenden wir uns von ſolchem Unverſtande achſelzuckend ab.

So lange nun dieſer Aberglaube von der Giftigkeit des Kupfers noch herrſcht, ſo lange werden noch hin und wieder Beobach tungen von angeblichen Kupfervergiftungen vorkommen, bis nämlich die Wahrheit, daß Kupfer kein Gift ſei, ebenſo oft gedruckt iſt, als der Irrthum, daß es Gift ſei, und bis die Bücher, in denen letzteres behauptet wird, durch die Länge der Zeit der Vergeſſenheit anheim gefallen ſind. Uebrigens, wenn doch einmal geirrt werden muß, iſt es immer beſſer, ein unſchuldiges Mittel für giftig, als ein giftiges für unſchädlich oder gar für heilſam zu halten. Ja, dieſer Irrthum hat ſogar ganz poſitiv nützliche Folgen, die ich zum Be⸗ weiſe meiner Unparteilichkeit nicht verſchweigen will. Zunächſt nämlich werden die Hausfrauen aus Furcht vor der Giftigkeit des Kupfers ihre kupfernen Geſchirre ſtets möglichſt blank geputzt erhalten, wodurch dem Intereſſe der Reinlichkeit ein großer Dienſt geſchieht; der zweite Nutzen äber iſt viel größer. Es ſind nämlich viele Fälle bekannt, in denen Perſonen in ſelbſtmörderiſcher Abſicht große Mengen Grünſpan, den ſie für ein ſicheres Gift hielten, verſchlungen hatten. Kein einziger dieſer Selbſtmörder erreichte ſeine Ab⸗ ſicht, im Gegentheil wurden alle von dem kurzen Unwohlſein, welches darauf folgte, hergeſtellt, und hatten ſomit lediglich ihrem Irrthume von der Giftigkeit des Kupfers es zu danken, daß ſie ihr ſündhaftes Vorhaben bereuen konnten.

Am Familientiſche.

Der Schellſiſchfang.

Zu Anfang des Frühlings, wenn ſich Kabliaue, Schellfiſche, Makrelen und andere Fiſche nach Norden begeben und zur Zeit des Herbſtes, wenn dieſe zurückkehren, fahren unſre Fiſcher von Borkum und Nordernei einige Meilen in die Nordſee hinaus, durch glücklichen Fang ſich einen nicht zu verachtenden Verdienſt zu verſchaffen. Der Borkumer Fiſcher fiſcht nur mit Netzen, der Norderneier mit der Angel und benutzt als Köder den Tobias⸗ fiſch, die Quappe und den Pierer.

Es iſt ein feuchter Frühlingsmorgen. Da öffnet ſich auf Nordernei Thür an Thür, welche die Frauen und Jungfrauen herauslaſſen, die geſtiefelt und bewaffnet zum Strande ziehen, Köder für den Fang zu graben, denn am folgenden Tage wollen die Böte zum erſten Mal auf den Schellfiſchfang ausfahren. Die Waffen beſtehen aus der Gräpe leiner dreizackigen Gabel) und der Püſſe(einem flachen Eimer). Mit jener kehren ſie den Boden um und dieſe nimmt die Gefangenen auf. Jede muß wenigſtens 900 Stück der genannten Thiere heimbringen, denn ſo viel gebraucht der Fiſcher an einer Angelſchnur und da in der Regel drei Mann an Bord ſind, ſo müſſen für jedes Schiff, ſo oft es in See geht, 2700 ſolcher Würmer gegraben werden. Nordernei beſitzt aber mehr als 60 ſolcher Fiſchſchaluppen, ſo daß täglich wenigſtens 150,000 Würmer erforderlich ſind. Auch in dieſer Beziehung iſt der Strand nicht zu allen Zeiten gleich ergiebig, zuweilen ſind ſie ſo ſparſam und ſelten, daß die Weiber den ganzen Tag am Strande ſtehen müſſen, um am folgenden ihren geſtrengen Herren Gemahlen den erforderlichen Köder bieten zu können. Hat man endlich die nöthige Anzahl zuſammengebracht, ſo müſſen ſie auf die Angeln geſteckt werden, eine Arbeit, die nicht wenig zeitraubend iſt. Damit ſind die armen Weiber noch nicht frei. Die von der vorigen Fahrt zurückgebrachten Angelſchnüre haben an ihren einzelnen Angeln noch manche Würmerreſte aufzuweiſen, die mit den Fingern abgeſtreift werden, an manchen Angeln hängen auch noch Fiſche, die gereinigt und eingeſalzen werden müſſen. Denn der Fiſcher nimmt nur die Schellfiſche von der Angel, alle andern Fiſcharten, als Schellen, Knurr⸗ hähen ꝛc. läßt er hängen und hat die Frau ſolche davon zu entfernen. Nach⸗ dem dieſe eingeſalzen und auf einem vor jedem Hauſe befindlichen Gerüſt getrocknet ſind, verkauft man ſie ſpäter an die Helgoländer, die ſie als Köder beim Hummerfang benutzen oder verſpeiſt ſie voh oder gekocht in der eigenen Familie.

Sobald der Schiffer ſeine drei Angelſchnüre an Bord genommen hat, ſegelt er wieder in die See hinaus. Dort angekommen, werden dieſelben über Bord geworfen, wobei der Fiſcher nie vergißt, den Hut abzunehmen oder ein kurzesin Gottes Namen! zu ſprechen. Lange brauchen die Angeln nicht über Bord zu liegen, nach etwa einer halben Stunde zieht man dieſelben wieder auf, um ſie von dem Fange zu befreien. Einer der Fiſcher zieht die Schnur ein, ein anderer reißt die Fiſche davon ab und wirft ſie in den Raum des Schiffes. Diejenigen Fiſche, die ſich nur verbiſſen haben und beim Heraufziehen leicht herunterfallen, werden mit einem vorn mit Stacheln verſehenen Stock raſch aufgepickt. Endlich ſind die ungefähr 12,000 Fuß langen Angelſchnüre vomHaler eingezogen und derScholer hat alle in den Bauch des Schiffes befördert. Im allerglücklichſten Falle werden 2000

und mehr Fiſche gefangen, wer aber mit 500 ſeine Rückreiſe antreten kann, der hat nichts zu klagen und klagt auch nicht. Raſch ſegelt nun das Fahr⸗ zeug zum Strande zurück, wo ſchon verſchiedene Schiffe, theils hieſige, theils Everſchiffe von Finkenwerder, Blankeneſe ꝛc. bereit liegen, den Fang ein⸗ zuhandeln, um ihn nach dem beſten nächſten Markte zu bringen. Um dieſe Kaufſchiffe verſammeln ſich nun nach und nach die aus der See heim⸗ kehrenden Böte, ihren Fang zu verſilbern. Es entſteht ein langes Feilſchen und Dingen, denn es herrſcht einmal die Regel: den Preis, den der eine gibt, muß der andere auch geben, wozu der eine verkauft hat, muß es auch der andere, wenn er nicht vorzieht, ſeinen Fang ſelbſt in einem feſtländiſchen Hafen feilzubieten. Der Preis richtet ſich nach der Jahreszeit und nach der größeren oder geringeren Ernte. Derſelbe ſchwankt zwiſchen 5 Fl. holl. und weniger und 14 bis 15 Fl. pr. Hundert.

Sobald der Handel abgeſchloſſen iſt, werden die Fiſche in kleinen, ge⸗ flochtenen Körben von der Schaluppe in das Kaufſchiff transportirt. Hat dieſes ſeine volle Ladung, ſo eilt es davon, die Fiſcher aber bereiten ſich vor, am folgenden Tage ihre Arbeit wieder aufs neue zu beginnen. In den Seeſtädten hat man die mit Netzen gefangenen Schellfiſche lieber, als die mit Angeln gefangenen, weil dieſe ſofort an der Verblutung ſterben, jene aber nicht ſelten noch lebendig in die Hände der Käufer gelangen.

Hermann Meier. Matthiſſons Vater im Felde.

Der Vater eines der liebenswürdigſten deutſchen Dichter, Matthiſſon, war Feldprediger im Regimente des Oberſten von Pfuhl. Als während des unglücklichen Ueberfalls bei Hochkirch ſich das Regiment ſammelte, um dem Feinde entgegenzurücken, bemerkte Pfuhl, wie ſich der Feldprediger auf ein Pferd warf, um ſeine Perſon in Sicherheit zu bringen.

Wo wollen Sie hin, Herr Feldprediger? rief der Oberſt,halten Sie Stich und bleiben Sie bei uns. Matthiſſon, berühmt durch ſeine treff lichen Impromptus und Stegreiſgedichte, konnte ſelbſt in dieſem kritiſchen Augenblicke ſeine Talente nicht verläugnen. Er rief mit großer Ruhe vom Gaule herab:

Der Ruf geht nur an Euch, Ihr Streiter,

Und nicht an mich, der ich nur Hirte bin!

Stich halt' ich nicht. Ich reite weiter

Bis dort zu jenen Bergen hin.

Da bet' ich denn wie Moſes that,

Bis ſich der Kampf geendet hat.

Mit dieſen Worten ritt er ruhig nach den Bergen von Doberſchütz zu, wo die preußiſche Armee ein Lager bezog und ſich gegen den Feind ſetzte.

Matthiſſon war ein äußerſt beliebter Feldprediger, den Officiere, Ge⸗ meine und auch die höchſten Befehlshaber ſehr ſchätzten. 4

Ziethen, Hülſen und der Herzog von Bevern, ſo wie mehre andre Ge⸗ nerale, deren Namen Berühmtheit erlangt haben, hörten ſeinen Vorträgen äm Lager mit größter Aufmerkſamkeit und Andacht zu. V.

Wunderliche Worte..

Zwar iſt die Geburt der Worte, wie der geſammten Sprache, noch viel⸗

fach in geheimnißvolles Dunkel gehüllt; doch gibt es manche Worte, denen

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