man es auf den erſten Blick anſieht, daß ſie eine ganz beſondere Geſchichte gehabt haben müſſen, und man zerbricht ſich dann oft vergebens den Kopf, dieſe Geſchichte zu entdecken. Für ein Paar Fälle wollen wir Hilfe leiſten; vielleicht geben wir damit Anlaß, daß andere manch anderes Räthſel löſen.
„Hokuspokus“, der Titel für alle ſinnenverblendende Täuſcherei und
Taſchenſpielerei, woher iſt er entſtanden? Er iſt von ſo hoher Abkunft, daß man wünſchen möchte, der Charakter des höchſt zweifelhaften Nachkommen möchte den heiligen Adel ſeines edlen Ahnen nicht ſo ſchnöde verleugnen. Das Wort„Hokuspokus“ iſt nichts als eine Entſtellung der ſakramentlichen Einſetzungsworte:„hoc est meum corpus“(das iſt mein Leib), und die Geſchichte der Abendmahlslehre und der um die Verwandlungs⸗Lehre ge⸗ führten Kämpfe macht es allein erklärlich, daß aus dem bibliſchen Golde jenes Wortes ein ſolcher„Hokuspokus“ hat gemünzt werden können.
„Blümerant!“ Mir wird ganz blümerant vor Augen! So ruft wohl, wer über eine hirnverbrannte Logik in Entſetzen geräth, oder wer aus Nervenſchwäche einer Ohnmacht nahe iſt. Blümerant! Was iſt das: blümerant? Hängt das mit„Blumen“ zuſammen, etwa einer ſtark duftenden, die den Sinn benebelt? Oder womit ſonſt?—„Blümerant“ iſt ein Fran⸗ zoſenkind und heißt mit ſeinem rechten Namen„bleu mourant“, d. h. ein ſterbendes Blau, ein Blau, das in Schwarz verrinnt. Wem alſo„ganz blümerant“ wird, dem wird blauſchwarz oder ſchwarzblau vor Augen, was wir hiermit conſtatirt haben wollen.
„Saalbadern!“ Jedermann kennt den langweiligen Gräuel, den dieſes Wort bezeichnet; aber wer kennt den Urſprung deſſelben? Wir fanden eine Andeutung darüber in dem bereits früher einmal genannten Buche Otto Benekes:„Von unehrlichen Leuten.“ Die„Bader“ ſind nämlich nichts anderes als„Barbiere“, die bekanntlich überall und jederzeit ob ihrer Redſeligkeit und Zungengeläufigkeit ſich eines wohlbegründeten Rufes erfreut haben. Seit der orientaliſche Ausſatz ſich verheerend auch über Deutſchland verbreitete, erkannte man fleißiges Baden für eines der wirkſamſten Vor⸗ beugungsmittel, und deshalb legten nicht nur barmherzige Mönchsorden und Magiſtrate, ſondern auch Privatperſonen ſolche heilſame Badeſtuben an, deren Haupterforderniß immer ein mächtiger Schwitzofen war. Diejenigen, denen in dieſen Stuben das Amt des Badens oblag, erhielten den Titel „Bader“, und daß ſie dabei auch andere der Körperpflege gewidmete Dienſte, wie Haarſchneiden, Raſiren, Bartputzen, ſowie Aderlaſſen, Schröpfen u. dgl. verrichteten, das lag nahe und war ihren Kunden bequem. Es läßt ſich denken, daß dieſe Badeſtuben die Heck⸗ und Brüteneſter alles unſeligen Stadtklatſches wurden und deshalb in üblen Verruf kamen, zumal auch andrer leichtfertiger Unfug in ihnen ſich einniſtete. Und wenn man in chriſtlicher Frömmigkeit, zum Heil der eigenen oder einer befreundeten Seeke, wohlthätige Badean⸗ ſtalten ſtiftete, in denen arme Leute gratis ihres Leibes Reinigung fanden, ſo wird durch dieſen chriſtlichen Zweck dem faulen Gewäſche, das in den Bade⸗ ſtuben niſtete, wohl ſchwerlich vorgebeugt ſein; vielleicht iſt es damit in dieſen wohlthätigen Anſtalten noch ſchlimmer beſtellt geweſen, als anderswo, weil hier eine noch gemiſchtere Bevölkerung ſich zuſammenfand. Da nun dieſe zum Nutzen der Armen geſtifteten Bade⸗ und Klatſchanſtalten„Seel⸗Bäder“ genannt wurden, ſo wäre es nicht zu verwundern, wenn„Seelbädern“ als⸗ bald ſoviel bedeutet hätte, wie: faules Gewäſche machen; woraus dann unſer „Saalbadern“ entſtanden ſein kann. Doch iſt es auch möglich und wird von Autoritäten behauptet, daß der Saalbadereien Namengeber ein berühmter Hauptſchwätzer geweſen ſei, Hans Kranich, um 1620 Beſitzer der Anno 1369 zu frommen Zwecken geſtifteten Baderei an der Saale zu Jena, der in loſer Zungenarbeit ſo Unerhörtes geleiſtet haben ſoll, daß er mit ſeinem Bad an der Saale einen Ruf durch das ganze liebe Deutſchland bekam, welches fortan ſalzloſes und hohles Gewäſche nicht treffender zu bezeichnen gewußt hat, als mit dem Ehrentitel der„Saalbadereien“.
Cayenne⸗ Pfeffer und der Pfeffertopf.
Graf Görtz erzählt bei Schilderung ſeines Aufenthalts in Cayenne auch von der daſelbſt üblichen Verwendungsweiſe des Cayennepfeffers. Bei Tiſch präſentirt man kleine, etwa einen halben Zoll lange Schoten, die noch grün ſind. Sie beſitzen ein köſtliches Aroma, ſind aber ſo furchtbar ſtark, daß ſie den Mund förmlich verbrennen. Auch Pfeffer⸗ Punſch ſpielt hier eine Rolle. Die Pfefferfreſſerei erreicht ihren Höhepunkt in dem Kultus des Pepperpot (PPfeffertopf), der noch aus der holländiſchen Zeit ſtammt und von den Eng⸗ ländern übernommen worden iſt. Es iſt ein Kochtopf von anſehnlicher Größe, in welchen die vom Tiſche abfallenden Fleiſchreſte geworfen werden. In an⸗ ſtändigen Häuſern nimmt man wenigſtens nicht diejenigen von den Tellern dazu. Dann ſetzt man viel Pfeffer und andres ſtarkes Gewürz dazu, kocht den Hexenbrei jeden Tag von neuem auf und ſetzt ebenſo jeden Tag neues Fleiſch, Pfeffer und Gewürz hinzu. Niemals wird der Topf gereinigt, Jahr aus, Jahr ein iſt er in Gebrauch, bis ihn einſt das unvermeidliche Geſchick alles Irdiſchen ereilt.„Ein recht ehrwürdiger Pepperpot, der etwa ein Menſchenalter lang beſteht, wie es in Wirklichkeit vorkommt, iſt allerdings werth, neben den Penaten des Hauſes ſeinen Platz zu finden; ewige Jugend
ziert ihn und er bleibt zwiſchen den wechſelnden Geſchlechtern der Menſchen unverändert in edlen Ruß gehüllt, beſtehen.“ Blumenbouguets aus Perlmutter ſind ein ganz neuer und ſchöner Schmuck. Sie wetteifern an Glanz und Farbenſpiel mit Juwelen. Der perlenähnliche Theil der Muſchel wird in ganz dünnen Streifchen abgetrennt und dieſe letztere zur Nachbildung von zitternden Hafer⸗ oder Weizenähren verwendet. Giftige Spinnen.
Daß die Spinnen Gift enthalten und in dieſes die Wunde einfließen laſſen, ſobald ſie eine Fliege beißen, iſt bekannt. Bei einigen Arten äußert dieſes Gift aber nicht bloß auf kleine Inſekten, ſondern auch auf größere Ge⸗ ſchöpfe eine verderbliche Wirkung. So erzählt der Reiſende Scherzer von einer großen Erdſpinne, welche die Grasebenen von Guanacaſte im Staat Koſta⸗Rica bewohnt und theilt mit, daß durch dieſes Geſchöpf jährlich mehr als 100 Pferde, welche dort weiden, in den Fuß gebiſſen würden. In Folge der ſcheinbar unbedeutenden Wunde entſteht eine Entzündung, das Pferd ver⸗ liert den Huf und geht zu Grunde. H. W.
Gleich und Gleich geſellt ſich gern.
In irgend einem Städtchen des Hannoverlandes lebte ein Amtsrichter, der in dem Rufe ſtand, der gröbſte aller Beamten zu ſein. Eines Tages traf in dem Wirthshauſe jenes Ortes ein Weinreiſender ein, der ſich nach allen den Häuſern erkundigte, in denen er ſeine höchſt preiswürdige und ausgezeichnete Waare abſetzen könne. Der Wirth nennt alle Honoratioren, ſchließlich auch unſern Amtsrichter, fügt aber hinzu:„Den zu beſuchen rathe ich Ihnen nicht— das iſt der gröbſte Kerl weit und breit— neulich erſt hat er einen Ihrer Collegen kopfüber kopfunter die Treppe hinabgeworfen.“ Der Weinreiſende läßt ſich aber nicht einſchüchtern und geht zu der Wohnung des Groben. Er fragt im Hauſe nach dem Zimmer des Herrn und wird die Treppe hinaufgewieſen.
Mit feſten Schritten ſtampft er hinauf— ein tüchtiger Fauſtſchlag gegen die Thür. Aus dem Zimmer brüllt ein„Herein!“ Der Kaufmann reißt die Thür auf und ohne weiter zu grüßen ſchreit er„Wein?“—„ Nein“, ruft's ihm entgegen und mit Gekrach fällt die Thür wieder zu und die Treppe geht's hinab, wie's heraufgegangen.— Kaum aber iſt der Reiſende vor der Thür— als der Herr Amtsrichter ihm aus dem Fenſter freundlich zuwinkt:„Haben Sie vielleicht recht guten Rothwein? Dann könnten wir am Ende doch ein Geſchäft zuſammen machen.“ Natürlich wird umgedreht— das Geſchäft zu beiderſeitiger Befriedigung abgeſchloſſen und ſeit jener Zeit iſt der Amts⸗ richter der beſte Kunde ſeines ebenbürtigen Geſchäftsfreundes.
Nüchternheit der Chineſen.
Betrunkene Chineſen ſieht man äußerſt ſelten. Die chriſtlichen Völker könnten von der Mäßigkeit und Nüchternheit der Chineſen viel lernen. Wie grell ſtechen von ihnen auf den hinterindiſchen Inſeln die europäiſchen Sol daten ab, die zum Theil im höchſten Maße der Trunkſucht ergeben ſind! Auch in Californien ſind die Chineſen faſt die Einzigen, auf deren Nüchternheit unter allen Umſtänden zu rechnen iſt. Als unter Kaiſer Yu um 2200 vor Chr. G. der Reisbranntwein erfunden wurde und man dem Kaiſer auf einer Reiſe durch ſein Reich von dieſem neuen Getränk eine Probe reichte, da rief er:„Ach, wie viel Unheil ſehe ich aus dieſem Getränk für China entſpringen! Man verweiſe den Erfinder aus des Reiches Grenzen und verſtatte ihm nie wieder die Rückkehr!“— Ein Kaiſer des fünften Jahrhunderts nach Chr. G. verbot den Handel mit Branntwein ſogar bei Todesſtrafe.— Uebrigens nimmt man es mit der Todesſtrafe in China zu Zeiten ſehr ernſt. Als dem edlen Kaiſer Tat tsong(im 7. Jahrhundert nach Chr. G.) ein Todesurtheil zur Unterzeichnung vorgelegt wurde, befahl er, die Hinrichtung noch drei Tage aufzuſchieben und das UÜrtheil in dieſer Zeit ihm täglich vorzulegen. Während dieſer Zeit faſteten die Richter und der Kaiſer in ſtrenger Trauer. E
An die Einſender von Gedichten.
Wir wiederholen die dringende Bitte, von allen uns eingeſendeten Ge⸗ dichten eine Abſchrift behalten zu wollen, da es uns ga nz unmöglich iſt, die nicht zur Aufnahme ſich eignenden zurückzuſchicken.
Die Redaction.
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Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Re
Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bieleſeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in
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L. eip 3 ig. 1 Druck von Fiſcher„ Wittig in Leipzig.
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