Jahrgang 
1865
Seite
194
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Ükät iſt die Werkſtatt der Kupferſchmiede und Keſſelſchläger fort⸗

während mit einem höchſt feinen Kupfer⸗ und Kupferoxydſtaube er füllt, ſo daß man in ihr bald den Kupfergeſchmack auf der Zunge bemerkt. Betrachtet man nun die Arbeiter ſelbſt, ſo findet man die Haare der älteren unter ihnen von Kupfer grünlich gefärbt. Dieſe Leute athmen und verſchlucken dies vermeintliche Gift Jahr aus Jahr ein, 3050 Jahre hindurch und bleiben geſund. Einem älteren Arzte, der einem Kupferſchmiedemeiſter ſeines Wohnorts einſt bemerkte: ſein Geſchäft müſſe wohl ein recht geſundes ſein, da weder er noch ſeine Leute jemals ſeine ärztliche Hülfe verlangt hätten, erwiderte dieſer ſchmunzelnd:Unter ſeinem Gewerbe ſei das längſt bekannt und habe auch er ſelbſt viele alte rüſtige Meiſter kennen ge⸗ lernt; er wiſſe aber wohl, daß die Aerzte anderer Meinung ſeien. In dieſem Punkte aber hielte er die Aerzte für Stocknarren, die Er fahrung ſpräche ja gegen ſie!

Wenn man nun gegen dieſe ſchlagende Thatſache einwenden möchte, daß die Kupferſchmiede an das Kupfergift ſich allmälig ge⸗ wöhnt haben könnten, ſo gilt dieſer Einwand nicht. Denn es ſteht feſt, daß der Organismus ſich an metalliſche Gifte ſchlechterdings nicht gewöhnt. Dem Mechanikus und Spiegelbeleger hilft die Ge⸗ wöhnung an das Queckſilber nichts, er wird unter allen Umſtänden die Beute dieſes Giftes, ebenſo, wie ſich der Maler und Farbenreiber niemals an das Blei gewöhnt, und wie der Arbeiter in den Arſenik werken unrettbar derHüttenkatze anheim fällt.

Faſt ſcheint es, daß dieſe einzige Thatſache genügend ſei, um die Ungiftigkeit des Kupfers zu beweiſen. Aber es gibt noch andere Beweiſe, die wenn möglich noch ſchlagender ſind. Man hat nämlich die Erfahrung gemacht, daß auch die Arbeiter in den Kupfer⸗ hütten und Bergwerken ebenſo wie die Kupferſchmiede ſelbſt, ſich einer auffallenden Geſundheit und Langlebigkeit erfreuen: wie wohl dieſe Leute bei ihrer Arbeit dies vermeintliche Gift maſſenhaft in ihren Körper aufnehmen. Ihre Haare werden allmälig grün, ſie ſpucken grün aus, ja ſelbſt ihre Knochen, beſonders das Bruſtbein, werden mit der Zeit durch Kupferverbindungen grünlich oder bläulich gefärbt. Hin und wieder treten allerdings bei dieſen Leuten Koliken ein, die indeß bald vorübergehen und ihre Ge⸗ ſundheit nicht beeinträchtigen. Dies iſt um ſo bemerkenswerther, als das Kupfer nicht etwa nur in den feſten Körpertheilen, wie in den Knochen, in unlöslicher Form deponirt, ſondern in großen Maſſen der Säftemaſſe beigemiſcht iſt, da es in den täg⸗ lichen Auswurfſtoffen leicht erkennbar wird. Am auffallend⸗ ſten aber ſind unzweifelhaft die Beobachtungen in den Grün⸗ ſpanfabriken. Bekanntlich wird dies Salz in der Weiſe be⸗ reitet, daß man Kupferplatten zwiſchen gährende Weinträber ver packt und den ſich bildenden Grünſpan von Zeit zu Zeit abkratzt, bis das Kupfer gänzlich zerfreſſen iſt. Zu dieſer Arbeit werden meiſt Weiber und Kinder verwendet, und dieſe nehmen ſich gewöhnlich nicht einmal die Mühe, ihre durchweg mit Grünſpan bedeckten Hände bei der Mahlzeit zu waſchen: dennoch bleibt ihre Geſundheit ebenſo ungeſtört, wie die der Arbeiter, welche den fertigen Grünſpan trock⸗ nen, dabei deſſen Staube ausgeſetzt ſind, formen und verpacken.

Aber dennoch hält die große Mehrzahl der Aerzte das Kupfer für ein tödtliches Gift. In den meiſten Handbüchern der Giftlehre (Toxikologie) wird der ArtikelKupfervergiftung mit jener Vor⸗ liebe behandelt, die den Gegenſtänden des Aberglaubens immer ſicher iſt. Zahlreiche gelehrte Namen hat man für dieſe angebliche Ver⸗ giftungsſpecies erfunden, dabei aber freilich erklärt:daß ſie äußerſt ſelten ſei! Wer nun aber fragt:Bei wem denn dieſe gelehrte Vergiftungsſpecies vorkomme, dem antwortet der gelehrte toxikologiſche Profeſſor:ſie werde bei Färbern, An ſtreichern, Kattundruckern, Malern und anderen Gewerbetreibenden beobachtet, die mit Kupfer zu thun hätten; aber ſie komme nur ſelten vor, und ſchiene eine gewiſſe Prädispoſition zu verlangen! Nun wohl alle dieſe genannten Gewerbtreibenden haben außer mit dem Kupfer auch noch mit vielen anderen oft ſehr giftigen Stoffen zu thun, und es gehört der Aberglaube des Toxikologen dazu, dieſe ſämmtlich außer Anklage zu ſtellen, und das unſchuldige Kupfer zu belaſten!

Uebrigens iſt die Sache ſelbſt durch zahlreiche, directe Verſuche völlig entſchieden: durch Verſuche, welche viele Aerzte, ſowohl durch anhaltendes Einnehmen in kleineren und größeren Mengen der ver⸗ ſchiedenen Kupferpräparate an ſich ſelbſt, wie an anderen gemacht

haben. Ich ſelbſt habe zu verſchiedenen Zeiten ſehr große Doſen der Erktal

Grünſpantinktur(zu einer Drachme) eingenommen, ohne jemals außer dem höchſt intenſiven und widerwärtigen Geſchmack das Ge⸗ ringſte an meinem Befinden wahrgenommen zu haben. Bei dieſen Verſuchen eben hat ſich herausgeſtellt, daß die Zeichen einer ſchäd⸗ lichen Kupfereinwirkung erſt bei einer Gabe hervortreten, die über⸗ raſchend groß und nicht kleiner iſt, als bei den bekannten Eiſenprä⸗ paraten, namentlich beim Eiſenvitriol.

Es bleibt nun noch zu unterſuchen, wie es zu erklären iſt, daß die Aerzte zu der Annahme der Giftigkeit des Kupfers gekom⸗ men ſind?

Es iſt dies dahin zu beantworten, daß ſie gewiſſe That⸗ ſachen falſch gedeutet haben. Zu dieſen Thatſachen aber ge⸗ hören die Erfahrungen, daß Perſonen mitunter nach dem Genuß von Speiſen ſchwer und ſelbſt tödtlich erkrankten, die in Kupfer ge⸗ kocht oder aufbewahrt waren.

Dergleichen Erfahrungen hat man längſt gekannt. Aber ihre richtige Deutung erforderte eine Fertigkeit der Beobachtung, welche die Gelehrten der früheren Jahrhunderte nicht beſaßen, und welche die charakteriſtiſche Eigenthümlichkeit der modernen Naturwiſſen⸗ ſchaft iſt. Zwar gab es auch ſchon damals Aerzte, die unbefangen genug waren, den bloßen Umſtand, daß in Kupfer gekochte Speiſen mitunter ſchädlich wirkten, nicht für einen Beweis dafür zu halten, daß hier gerade das Kupfer das Schädliche geweſen ſei. So hatte ſchon 1756 Dr. Ellers in der Abhandlung der Berliner Aka⸗ demie nachgewieſen, daß das Kupfer in dieſen Fällen gänzlich unſchuldig ſei: aber ſeine Stimme verhallte.

Wie ſind denn nun aber dieſe unläugbaren Thatſachen zu er⸗ klären? Einfach dadurch, daß in allen vorurtheilslos unterſuchten Fällen von dergleichen Vergiftungen ſich ein ganz anderer Stoff, als das eigentliche Gift klar herausgeſtellt hat. Von den zahlreichen hierhergehörigen Thatſachen will ich einige anführen. Ein mir befreundeter Arzt wurde eines Nachmittags eilends zu einer Familie gerufen, deren ſämmtliche Mitglieder an einer ſchweren Vergiftung, einige ſchon dem Tode nahe darnieder lagen. Mit tiefem Kummer klagte ſich die ebenfalls jämmerlich leidende Hausfrau als Urheberin dieſes entſetzlichen Ereigniſſes an: ſie habe zum Mittageſſen Blaubeerſuppe, und zwar in einem kupfernen Topfe, kochen laſſen! Dem Arzt kam es doch höchſt unwahrſchein⸗ lich vor, daß der kupferne Topf ſo bösartig ſein ſollte, und nachdem er die nöthigen Verordnungen getroffen, eilte er, der Sache auf den Grund zu kommen. Von der Vermuthung ausgehend, daß unter den Blaubeeren die ihnen ähnlich ſehende, giftige Sumpfbeere ge⸗ miſcht ſein möchte, begab er ſich in den Victualienkeller, aus welchem die Blaubeeren gekauft waren. Auch hier fand erdie ganze Familie unter denſelben Vergiftungserſcheinungen darnieder liegend: and auf die Frage nach der Urſache erhielt er zur Antwort: daß nur die Blaubeerſuppe, die m an des Mittags gegeſſen, an dem Unheil ſchuld ſein könne. Erwartungsvoll fragte der Arzt weiter: ob dieſe Beeren etwa in Kupfer gekocht ſeien? und erfuhr zu ſeiner Genugthuung, daß man gar keine kupferne Kochgeſchirre beſäße, die Suppe viel⸗ mehr in einem eiſernen Topf gekocht worden ſei. Uebrigens ſei in dem Marktkorbe noch ein Vorrath der ſchädlichen Beeren vorhan⸗ den und zur Unterſuchung bereit. Als der Arzt den Korb unter⸗ ſuchte, fand er deſſen Wände und Boden ſehr ſchadhaft und deshalb von innen mit Stücken einer grünen Tapete ausgelegt, von welcher der Quadratfuß faſt ¼ Loth Arſenik in der giftigſten Form enthielt. Dies Gift war durch die gedrückten Beeren aufgelöſt und hatte ſich der ganzen Maſſe mitgetheilt, die bei weiterer Unterſuchung ſich durchweg mit Arſenik imprägnirt fand.

So ſtellte ſich dieſer Fall, den ein an dies Kupfergift glauben der Arzt als einen höchſt beweiſenden gebucht haben würde, als eine gewöhnliche Arſenikvergiftung heraus.

In einem andern Falle ergab ſich, daß die Perſonen, welche nach dem Genuß einer in Kupfer gekochten Speiſe lebensgefährlich erkrankt gefunden wurden, gleichzeitig der Einwirku ngdes Kohlendunſtes ausgeſetztwaren. Das Kohlenoxyd⸗ gas, nicht das Mittageſſen, war der Grund ihrer Erkrankung ge⸗ weſen. Vor mehreren Jahren ereignete es ſich in einem großen Pramfenhauſe zu Wien, daß eine ganze Station bald nach der Mittagsmahlzeit an Vergiftungserſcheinungen erkrankte, ja, einige

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