Jahrgang 
1865
Seite
190
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190 Chriſtus in die Welt gekommen iſt, ruft er mit matter Stimme. ein Gemurmel des Unwillens, das immer lauter anſchwoll. Ter Soin G Guft, die G. ſſ A;. 1o; 2 S e Heur d Sein Haupt ſinkt in die Kiſſen zurück. Joachim II. hatte geendet. widerſpricht mir, wenn ich im Namen meines Herrn handle? rief der Jude.Ich, donnerte eine Stimme von der Eingangsthür

4 A Die Uhren ſchlugen die neunte Stunde des Abends.

Der Abend des zweiten Januar im Jahre 1571 ſah die Vettern von Schliefen in großer Aufregung durch die Kloſterſtraße ſchreiten. Sie gingen zum Schatzjuden, um ſich mit Leib und Leben ihm hinzu- geben, bis ſie einen Freund gefunden, der ſie erlöſte. Der Makel auf dem Wappen, das gebrochne Leben, die ſchlimme Nachrede alles tanzte vor ihren Augen. Noch einen Ausweg hatten ſie aber gefunden. Sie boten dem Juden ihr Gut an und verſchrieben darauf die Summe. Wenn der Jude nicht darauf einging, ſo war es wenig⸗ ſtens offenbar, daß er aus Bosheit handelte und mit den Vettern war die öffentliche Meinung. Als ſie in die Kloſterſtraße ein⸗ bogen, ertönte ein gewaltiges Schellengeläut. Eine glänzende Schlittenfahrt kam die Straße entlang. Prachtvolle Pferde trugen ſammtene Schabracken, an denen ſilberne Glöcklein klangen, und mit Fackeln und Lichtern verſehene Edelknaben ſtanden hinten auf. Wer iſt das? fragte Henning Schliefen, obgleich ganz von ſeiner ſchlimmen Lage eingenommen, dennoch verwundert über den präch⸗ tigen Anblick.Ei, Herr, ſagte ein Bürger,das iſt die ſchöne Ginſterin; ſie hat eine Fahrt nach Köpenick gemacht und hier beim Lippold augehalten. Vermuthlich haben ſie wieder beide mit Geld gewirthſchaftet und die Sydow hat ſich neuen Vorrath beſtellt. Di Vettern gingen weiter. Von den Kirchthürmen herab dröhnte die neunte Stunde. Sie ſtanden in des Juden Zimmer.Iſt Geld da? herrſchte er die Edelleute an.Wir haben keins, aber wir ſtellen uns Dir, nach unſerm Wort, mit unſerm Leibe zum Pfande. Iſt ſchlimm für Euch, Herr Henning, und für Euren Vetter. Ich laſſe mir mein Recht nicht nehmen.So braucht es. Wir bieten Euch noch einen Vergleich. Das Gut meines Vetters, das letzte unſerer Habe, nehmt es als Pfand für die Summe, welche wir ſchulden.Bogshagen? rief der Jude.Es läßt ſich reden darüber. Aber wartet, ich muß es überlegen. Tretet bei Seite, es warten viel andre noch, die heute Abend kommen ſollen.

In dem Vorzimmer war eine große Menge Menſchen. Alle Stände ſchienen vertreten. Jeder hatte Papiere oder Geld in Händen. Dieſer zeigte ein ruhiges Antlitz, auf dem Geſichte des andern ſpiegelte ſich Verzweiflung. Es war der Zahltag des Juden, die Stunde, wo die Pfänder verfielen.Bis Mitternacht, ſo lautete der alte Rechtsſpruch,ſoll gegeben ſein die Friſt, dann aber iſt alles verfallen. Schon den ganzen Tag über hatte Lippold im Gelde gewühlt, Leute auf das Stockhaus geſchickt, Zahlungen entgegen genommen und neue Verträge gemacht. Wie ein Fürſt geberdete er ſich und hohnlächelte über das Knirſchen und die Verwünſchungen, welche ihm nicht entgingen. Er war mit Gewalt in die Häuſer von achtzehn wohlhabenden Bürgern gedrungen, hatte hier Schränke und Kaſten geöffnet und im Namen des Kurfürſten alles edle Metall nach ſich genommen. Das Metall ſchleppte er in ſeine Münze und den Eigenthümern ſtellte er als Erſatz ſchlechtes Geld zu. So ver⸗ beſſerte Lippold die Finanzen. Mit welcher Wuth die Berliner daher den Juden betrachteten, kann man ſich denken. Der Kurprinz Johann George ſuchte vergebens dem Unweſen zu ſteuern, arbeitete doch die Sydow im Intereſſe des Juden.

Aus der Menge hervor hörte man die Stimme des Lippold. Er trug ein gewaltiges Buch in der Hand und rief die Namen derer auf, welche zu zahlen hatten. Da gab es denn Heulen und Zähneklappen genug. Immer berief ſich Lippold darauf, daß er für die kurfürſt⸗ liche Kaſſe arbeite. Die Vettern hatten ſich in eine Fenſterbrüſtung zurückgezogen und betrachteten ſchweigend das ſonderbare Schauſpiel. Da bat eine alte Frau um Aufſchub.Ich kann nicht zahlen, ge⸗ ſtrenger Herr Münzmeiſter. Mein Sohn iſt noch nicht zurück von Prag, von wo er das Geld bringen ſoll. Er wird kommen und zahlen, gebt Friſt.Habt Ihr nicht die 1000 Thaler entliehen und erhoben aus der Kaſſe des Hofamtes, dem ich vorſtehe? Hier iſt keine Friſt. Die tauſend Thaler gehören auf den Weinberg der hoch⸗ gebornen Frau von Sydow, deren Geld ich verwalte, und ich muß dafür ſtehen, daß Ihr pünktlich einzahlet, ſonſt iſt der Kurfürſt un⸗ gnädig. Dieſe offenbare Lüge, die ſchamloſe Frechheit, mit welcher Lippold ſeinen Herrn herabſetzte, empörte alle. Ungeachtet der

Sorgen, die jeden in dieſem Zimmer Beſindlichen drückten, erhob ſich

Die d

her. Erſtaunt wich alles auseinander. Klirrend in Waffen, Piken und Partiſanen in der Hand, trat ein Commando bewaffneter Bürger plötzlich in den Saal. Lippold ſtand allein. Er glaubte zu träumen. Tiefe Stille lagerte auf der Verſammlung, man fühlte, daß eine Kataſtrophe herannahte. Vor den Bewaffneten her ging Herr von Röbel, ein junger Edelmann, den blanken Degen in der Hand.Was ſoll das? herrſchte ihn der Jude an.Was wollt Ihr?Dich, brüllte Röbel.Hollah, ihr Bürger, im Namen des gnädigen Kur⸗ fürſten, greift den Juden.Seid Ihr toll? wartet, ich will Euch das Spiel ſchwer machen. Zum Kurfürſten.Zu welchem, Lippold? Du wirſt bei Johann George ſchlimm wegkommen, und Seine kurfürſtliche Gnaden Herr Joachim II. ſind vor einer halben Stunde zu Köpnick im Herrn entſchlafen. Hier iſt mein Befehl. Er hob ein Papier empor. Mit ſtarrem Entſetzen hatten alle die Botſchaft vernommen, dieſes Entſetzen wich aber bald der raſendſten

Heftigkeit.Greift den Juden! hängt ihn! ſchlagt ihn nieder! ſchallte es von allen Seiten.. Lippold war mit einem Schlage in ſich zuſammengeſunken. Er

glich einem gekrümmten Wurme. Klappernd mit den Zähnen, ſchreiend, nach Luft ſchnappend, wälzte er ſich am Boden. In die Höhe geriſſen, von allen Anweſenden geſchlagen, geſtoßen, geſchimpft, ſuchte er Schutz zwiſchen den Bürgerwachen. Kreiſchend lief ſein Weib herzu, eine Ladung gräßlichen Hohnes wartete ihrer. Hinunter zerrte man den Juden die Treppe bis auf die Gaſſe, wo ſchon eine Menge neugierig harrte. Wie ein Lauffeuer hatte ſich das Gerücht vom Tode des Kurfürſten verbreitet. Johann George hatte kaum die erſten Thränen über ſeines Vaters Ableben vergoſſen, als er ſich ſchon aufs Roß warf, um nach Köpnick zu eilen, die Reiter mit Fackeln hielten neben ihm. Als der Kurfürſt eben fort wollte, ſchien ihm noch etwas ein⸗ zufallen.Schnell Papier und Feder, rief er. Man brachte es herbei. Johann George beſchrieb zwei Papiere. Ein Trabant hielt ihm die Tartſche auf dem Sattel, die er als Schreibtiſch benutzte. Hier, ſagte er,von Röbel! Dies für Euch. Und Ihr dort, von Brand, dies für Euch. Greift mir die beiden. Er gab dem Pferde die Sporen und trabte, umgeben von ſeinem Gefolge, in die Nacht hinaus.

Wer war der zweite, den der neue Kurfürſt greifen ließ? Es war ein Weib, ein Weib, das da hoch geſtanden hatte, mit dem Winken der Augen das kleine Land regierte und keinen Widerſpruch duldete. Herausgeriſſen aus ihrem prächtigen Hauſe, wehklagend, jammernd, von den weinenden Töchtern begleitet, ward Anna Sydow, die mäch⸗ tige Ginſterin, in einen Wagen geſchleppt.Wer läßt mich richten? Johaun George, der neue Kurfürſt.Der Sohn! der Sohn! ich bin verloren. Hinaus in die kalte Winternacht jagt der Wagen, den Bewaffnete umgeben. Ueber die Zugbrücken Berlins donnert er, durch finſtre Wälder geht es. Wohin? Der Mann neben ihr gibt keine Antwort. Es iſt Herr von Brand die Sydow hat ihn oft⸗ mals geſehen, oft mit Verachtung behandelt. Ein Fröſteln überfliegt ihren Körper, ſie hat eine ſchwere Sammetſchaube im Augenblicke ihrer Verhaftung mitgenommen, ſie wickelt ſich feſt hinein. Immer weiter rollt der Wagen immer nebelhafter, unbeſtimmter werden die Umriſſe der Gegend. Endlich hält der Wagen vor einem Thore, das hinaufragt, rieſig, groß. Es öffuet ſich, das Gefährt rollt in einen weiten Hof.Steigt aus, Anna Sydow, ruft Brand. Der Schlag wird geöffnet. Ein weiter Kreis von Bewaffneten umgibt die Kutſche. Anna ſetzt zitternd den Fuß auf den Boden.All⸗ mächtiger! wo bin ich?In der Burg zu Spandau.In Barmherzigkeit hier ſoll Wich bleiben?Hier! Eure Wohnung iſt der Juliusthurm. Schließer, zeigt der Dame den Weg. Die Pforten ſchleſſen ſich krachend hinter der einſt ſo mächtigen Frau. Paenaß enhakens deneneeg Erade en deen dhs is runden Gemäuer des Vrlinsthuru irts enn dur Shei nhen nur Es war das Gefängnißzimmer d d ttenen whenihe 3 0edie acht

das Gefängnißz der ſchönen Ginſterin. Sie hat es nur als Leiche verlaſſen.

Glücklicher war ſie aber, als der Mann, den um eben

die heulende Menge durch die Gaſſen Berlins verfolgte. jene Zeit

Lippold

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