Jahrgang 
1865
Seite
188
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warum wollt Ihr Euch um meine Reden bekümmern? und wenn Ihr uns Aufſchub gebet, ſo könnt Ihr doch nur Gewinn haben. Die Zinſen wachſen und ſicher ſind wir Euch ja.

Sicher? ha! ha! wer iſt ſicher? habe ich nicht von allen Arten gehabt? wer iſt mir ſicher? Wie viel Geld glauben die Herren, das mir gegangen iſt in den Rauchfang? he?

Herr Lippold, fuhr Henning auf,wir ſind Euch Geld ſchuldig, können es nicht zahlen, und daher habt Ihr Gewalt über uns. Aber keiner ſoll ſagen, daß Edelleute ſich Schmähungen haben gefallen laſſen. Noch ein Wort der Art und Ihr ſollt ſehen, wie ich Euch ſtrafe.Herr Henning, rief der Jude,bleibt zurück. Ich will Euch nicht ſtunden die Summe. Geht doch hin zu Euren Freunden, vielleicht bringen ſie zuſammen, was Ihr braucht. Ich geb' Euch beim Adonai keinen Aufſchub. Am zweiten Jänner des nächſten Jahres ſeid Ihr mir verbunden zu zahlen das Geld und, beim Gott meiner Väter, ſo Ihr es nicht gebracht habt um die zehnte Stunde des Abends, will ich Euch laſſen ſuchen vom Gericht des Kurfürſten, wo Ihr auch ſeid. Laßt mich jetzt in Fried', ich habe zu arbeiten für mein Haus. Unwillig, mit den Füßen ſtampfend, verließen die Edelleute das Gemach und Traugott ſpie auf die Schwelle des Juden.Verdammt, Du unbarmherziger Hund, rief er,er hat fünfzig vom Hundert genommen im voraus, gleich bei der Zahlung, und nun will er uns nicht einmal ſtunden.Alle Wetter, was iſt da zu machen? ſagte Henning, ſich den Kopf krauend. Die Summe iſt groß. Ich wüßte keinen unſrer Freunde, der uns helfen könnte.Sie ſind alle abgebrannt, ſagte Traugott mit komiſcher Wuth.Alle kahl wie Kirchmäuſe. Sollen wir mit dem Kurfürſten ſprechen?Kein ſchlechie Hedante. Warten wir die Jagd ab beim Jagdſchloſſe Grunewald und bitten wir dann den Kurfürſten um Gnade, vielleicht iſt er günſtig geſtimmt. Sie hüllten ſich in ihre Mäntel und ſchritten die Kloſterſtraße hinunter.

Als Lippold, der Münzmeiſter, allein war, erhob er ſich und ging einige Male im Zimmer auf und nieder. Er ſchien nachdenk⸗ lich geworden zu ſein.

Aufſchub geben, murmelte er.Nichts da! Gewinn klar vor Augen klarer Gewinn. Ich laſſe ſie greifen am Verfalltage ohne Erbarmen. Dann werden die Vettern und Freunde kommen und werden ſehen, daß ich machen will Ernſt, und werden nicht zulaſſen, daß ein Glied des Adels oder zwei Glieder fallen in die Hände des Münzmeiſters und verfluchten Ebräers, wie ſie mich nennen. Sie werden zahlen mögen ſie mich ſchelten und be⸗ ſchimpfen, laßt ſie nur zahlen, dann bin ich ſchon zufrieden. Eine keifende Stimme, aus dem Nebengemache kommend, unterbrach ſeine Betrachtungen.Hagar, rief er,was gibt es wieder?

Henohlim! ſchrie die Stimme,wo ſteckſt Du? den ganzen Tag läſſeſt Du Dich nicht ſehen. Eine Frau trat in das Gemach. Sie ſchien einſt ſchön geweſen zu ſein. Noch jetzt zeigten ſich auf ihrem Haupte prachtvolle, ſchwarze Haare. Ihre weißen Zähne blitzten zwiſchen den aufgeworfenen Lippen und nur die kreiſchende Stimme verlieh der ganzen Erſcheinung einen beſonderen Anſtrich von Gemeinheit.

Sie lief in alle Ecken des Zimmers und ſchlug gegen die Wände.Haſt Du keine verborgenen Thüren? rief ſie.Man ſagt mir, und ich ſage Dir, Veitel will es geſehen haben, daß Du Chriſtenweiber liebſt, daß Du mir untreu biſt. Lippold, hüte Dich. Man hat Dir Unſinn vorgeſchwatzt. Du weißt, daß ich Dir anhänge und daß ich Dich genommen, als ich kam nach Berlin, wo ich, ein armer Bube, in die kurfürſtliche Rentei gekommen bin. Wir kennen beide unſre Geſchäfte. Gold und Geld iſt die Loſung. Ich ſag' Dir, Hagar, ich werde ſie noch haben alle unter mir, und Du und unſre Tochter, Ihr ſollt ſitzen an der Tafel im kurfürſtlichen Schloſſe neben den Edelleuten aller Geſchlechter.Es geht nicht mit rechten Dingen zu, wie Du ſteigſt, Lippold. Sag mir's auf⸗ richtig, wie machſt Du's? haſt Du nicht etwas dem Kurfürſten bei⸗ gebracht, daß er Dich lieben muß? ſag es aufrichtig. Ich hab' Dir nicht getraut, ſeit Du auch die Bürgermeiſter in der Taſche haſt. Du kannſt es nicht niachen allein mit dem Geld, ſag mir, was treibſt Du?Laß mich zufrieden, Weib. Ich will Dir nicht Rede ſtehen. Ich leih' Geld und das macht ſie mir geſchmeidig.Ich glaub's nicht, Lippold. Du kannſt noch mehr. Was haſt Du vor? Sie ſagen, auf dem Mühlendamme, wo Du haſt Deine Münze, treibſt Du allerlei Geſchichten. Sie ſagen, Du ſprichſt mit dem Teufel

und er gibt Dir Tränke für die Menſchen.Poſſen, ſagte Lippold. Ich glaub' nicht, daß es Poſſen ſind.Nun denn, rief der Münz⸗ jude ärgerlich,ſei's denn, ja. Ich kann, was gekonnt hat der Thurneyſche und vielleicht noch mehr. Da ſchau her, rief er, ein ſchwarzes Buch aus einer Ecke ſeines Repoſitoriums hervorziehend, das iſt mein Schlüſſel, mit dem mache ich alles zurecht, wie ich es haben will. Nun laß mich in Ruhe. Aengſtlich betrachtete Hagar das myſtiſche Buch, in welchem allerlei Charactere ſonderbarer Art verzeichnet waren.Leg es weg, Lippold! leg es weg! und hüte Dich, daß Deine Feinde es nicht finden.So geh und laß mich in Ruhe, herrſchte der Jude. Die Frau ging.Nun wird ſie doch ſein zufrieden, ſagte Lippold für ſich.Ich habe ihr etwas gezeigt, was ſie für Zauberwerk hält, aber es iſt doch nichts als ein arabiſches Münzbuch. Muß man nicht die Weiber belügen, wenn man will haben Ruhe vor ihnen!

Er ſtülpte eine Kappe über und warf einen langen Mantel um, griff eine Blendlaterne und faßte einen dicken Knotenſtock in ſeine Fauſt. Dann verließ er ſein Haus. Die Georgenſtraße hinabſchreitend, kam er bis zu den Häuſern am Mühlendamme, wie zu jener Zeit die heutige Poſtſtraße genannt wurde. Das hohe alte Haus, welches die Münze enthielt, war Lippolds Geſchäftslocal, woſelbſt er für Rechnung des Staates arbeitete. Er zog die Blend⸗ laterne unter dem Mantel hervor und rührte den Klopfer der Ein⸗ gangspforte. Nach wenigen dumpfen Schlägen ward die Thür ge⸗ öffnet, ein Diener, mit der Leuchte in der Hand, trat unter den Thor⸗ bogen. Mppold ging hinein und die Pforte ſchloß ſich. Der Münz⸗ meiſter ſtieg die Schneckentreppe hinauf, und nachdem er verſchiedene Pforten geöffnet, betrat er ſein Arbeitsgemach. Hier lagen allerlei Gold- und Silberbarren, altes Goldgeſchmeide und Geräthſchaften aus edlem Metalle durcheinander, der Einſchmelzung harrend. Lippold ſetzte ſich an den Tiſch und begann zu wiegen. Nachdem er verſchiedene Notizen in ſein großes Buch eingetragen hatte, fing er an zu rechnen.Eilftauſend, einhundert und einunddreißig Thaler. Es ſind lauter verſetzte Dinge, Pfänder, Bürgſchaften. Hoffentlich werden ſie verfallen. Das Meiſte haben die Räthe des Kurfürſten und die hohe Bürgerſchaft Berlins geliefert. Am 2. Jänner des nächſten Jahres werden wir ſehen. Die meiſten Scheine lauten auf dieſen Tag. Es wird eine Goldernte werden.

Eine glänzende, die Pracht des kurfürſtlichen Hofes repräſen⸗ tirende Menge von Cavalieren und Damen belebte die ſchneebedeckte Waldung, welche ſich um das Jagdſchloß Grunewald hinzog. Das Jagdſchloß war ſchon lange vollendet. Es verdankte ſeine Entſtehung einer Laune der Gattin des Kurfürſten, der Prinzeſſin Hedwig. Von dem Baumeiſter Caspar Theiß im Jahre 1542 begonnen, ward es ſchon in einem Jahre der Vollendung entgegengeführt. Auf dem Platze vor dem Haupteingange hatten die hohen Jäger einen Kreis gebildet, am den kurfürſtlichen Herrn zu empfangen, der heute die Jagd eröffnen ſollte. Endlich erſchienen die Jagdjunker des Kur⸗ fürſten, das Thor ward geöffnet und der Kurfürſt ſprengte hervor. Ein lautes Vivatgeſchrei erhob ſich. Joachim dankte, er ſah ſehr friſch und munter aus, freundlich ließ er ſich mit ſeiner Umgebung in Geſpräche ein, der ganze Kreis der Cavaliere umdränugte ihn. Plötzlich wurde eine Bewegung unter dem Schloßthore bemerkbar. Eine rothſammtene, palankinartige Sänfte ward von ſechs Trabanten getragen. In Pelze gehüllt, von Sammt und Seidenſtoffen bedeckt, lag in derſelben eine bleiche, leidende Frau. Dies war Hedwig, die Kurfürſtin von Brandenburg. Schreckliches Unglück hatte die blühende Frau dem Siechthum entgegengeführt.

Im Jahre 1549 luſtwandelte ſie am Arme des Kurfürſteu durch die Hallen des Jagdſchloſſes Grimnitz, als mit furchtbarem Krachen der Boden der Gallerie zuſammenbrach. Beide Gatten ſtürzten in die Oeffnung hinab. Des Kurfürſten Gewandtheit rettete ihn vor größerem Unglück; ſich mit den Ellenhogen anſtemmend, blieb er zwiſchen den Bohlen hängen. Hedwig aber ſtürzte tiefer und verletzte ſich an einem jener gewaltigen Hirſchgeweihe, mit denen die unter dem Corridore liegende Gallerie verziert war. Sie ſiechte ſeit jener Zeit dahin und mußte an Krücken ſchleichen. Bei keinem hohen Feſte aber fehlte die Kranke. Der Kurfürſt ſah es gern, wenn ſie

zugegen war. So auch heute. Jede Art von Sänften oder Trag⸗ ſtühlen ſtand bereit, die Fürſtin aufzunehmen. Sie wollte das Ab⸗

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