——— ——————————⸗⸗—⸗———-ℳ⸗ꝛꝛ--—--—————— „ ſie muſicirte der Nachtwind, in der Ferne hörte man auf der Landſtraße Nachträglich wurde Tuvia Panti um ſeine Morgeſchite be⸗ ſuct z fahren, in der Nähe pfiffen bisweilen ein Paar Feldmäuſe. Zu fragt. Es wurde ihm vorgehalten, daß er Erziehung, ja 1 n Pert andern Zeiten hätt' ich dort wohl einige Stunden geſeſſen, in die verrathe, daß er ſich gut und gewählt auszudrücken wiſſe und fließend bedſt Geheimniſſe der Nacht geſtarrt und den Melodien gelauſcht, die durch ſchreibe. Das laſſe vermuthen, daß er nicht der gemeine Zigeuner ſh V die Luft irren und die keiner hört, als der, den ſie ſuchen. Diesmal ſei, als den er ſich einführe. Er antwortete hierauf: e Tadſſ aobber wollte mir der Gedanke an die arme, unverſtandene, mißhan⸗„So nennen Sie mich einen ungemeinen Zigeuner. Mir iſt drbi V delte Geige nicht aus dem Sinn. Mir war's, als ob ſie mich zu das gleich. Ja, man hat mich erzogen, man hat mich allerlei gelehrt. glin Hilfe riefe, als ob ſie mich anflehe, nur Einmal, nur eine Viertel: Wie und wo, das werde ich nicht ſagen. Auch ein gemieiner oder 1 ſttunde lang alle die himmliſch ſüßen und gewaltig wogenden Klänge, ungemeiner⸗Zigeuner darf ſeine Geheimniſſe haben und für ſich be⸗ wih die in ihrer Bruſt ſchliefen, aufzuwecken und ausſtrömen zu laſſen. halten, ſo gut wie die unfreien hausſäſſigen Leute in ihren Städten, ran Je länger ich daran dachte, deſto gewiſſer wurde es mir, daß ſie nach Dörfern und Landſitzen. So wenig dieſen aber der Wald und die lür mir verlange, daß ich ſie nothwendig einmal ſpielen müſſe, ja noch Heide, der Bach und der freie Vogel ihre Geheimniſſe erzählen, ſo khale in dieſer Nacht, wenn das herrliche, köſtliche Weſen nicht vor Ver⸗ wenig wird's auch der freie— auch nicht der gefangene Zigeuner langen darnach zerreißen und zerſpringen ſolle. Ich wußte nicht, thun. Zureden wird mir nichts weiter entlocken. Ich bitte nur, bft was ich thun ſollte. meinen Ausſagen Glauben zu ſchenken und mir ſo bald als möglich an „Mit dieſen Gedanken fand ich mich auf einmal am Garten- die beiden einzigen Schätze zu geben, die ich beſitze, meine Freiheit nin zaun neben dem Hauſe ſtehen, wo ich vorhin die Jammertöne gehört und meine Geige.“ 1 diſ hatte. Vielleicht bin ich von dem Hügel, ohne daran zu denken, Ungeachtet aller Zuſprache erachtete ſich der Angeſchuldigte nicht nits wieder zurückgegangen. Es kann auch anders geſchehen ſein. Ich verbunden, mehr auszuſagen, als er bereits gethan. 1 weiß es nicht. Oftmals begegnet es mir, daß ich von einem Orte B. G. U. daß plötzlich auf einen andern gerathen bin, ohne zu wiſſen, wie. Tuvia Panti. ui Näheres hierüber kann ich nicht angeben. Hierauf ließ man den Gefangenen einſtweilen abtreten. Ric „Das Fenſter, aus welchem ich vorhin die Geige gehört, ſtand in fidem vüi noch offen. Es ging in den Garten. Da war mir's mit einem Wildung, Amtsaſſeſſor. fren Male klar, ich müſſe dieſen Weg nehmen, die Geige ſuchen und ſie An drinnen mit all ihrer Kraft und Süßigkeit erklingen laſſen, daß dar⸗ Actum L. am Oberamtsgerichte. Eodem. beig über auch ihr herzloſer eitler Peiniger aufwache und einmal höre, was Nachdem Subscriptus wahrgenommen, daß der Herr Aſſeſſor Cu für ein überirdiſches Weſen er beſitze und was Muſik ſei. Ja, auch Wildung den dieſe Nacht wegen Einbruchs zur Haft gelieferten län die arme Gefangene jammerte mich. Sie ſollte einmal ihre volle, ſo Zigeuner zum Protokoll verhöret, ehe und bevor die gegen denſelben lange von Pfuſcherhänden gemarterte und eingeſchloſſen gehaltene erhobene Beſchuldigung gehörig unterſuchet worden, ſo wurde ge⸗ fra Seele austönen laſſen mit alle der Klage und alle dem Jubel, die in nanntem Herrn Aſſeſſor zuvörderſt verweislich bemerklich gemacht, wie Ab ihr wohnten. Wollte ich auf mein bloßes Wort verſichern, daß ich es ſich gebühret hätte, vor allem durch Vernehmung des Herrn V run nicht die Abſicht hatte, ſie zu entwenden, ſie mir anzueignen, kurz ſie Dr. Philippi und allenfallſige Ocularinſpection an Ort und Stelle un zu ſtehlen, ſo weiß ich ſehr wohl, daß man mir nicht glauben würde. den objectiven Thatbeſtand feſtzuſtellen, und wie man erwarte, daß V Was gilt den anſäſſigen, gebundenen, weißen Geſichtern das Wort er hiernach in künftigen ähnlichen Fällen verfahren werde. run eines freien braunen Zigeuners? Aber ſo arm und leer ich hier Demnächſt wurde zur Vernehmung des inzwiſchen erſchienenen den ſtehe, ſo wäre ich doch im Stande, die Geige neunmal mit Gold Herrn Dr. Philippi, der ſein ſpäteres Erſcheinen mit Berufs⸗ amt aufzuwiegen— und wahrhaftig ſie wäre es werth. Aber ich rede geſchäften entſchuldigte, geſchritten, und ſagte derſelbe, ermahnt, ſeine ſpr nicht davon, das iſt mein Geheimniß, und ich ſage es nur, um zu Ausſage ſo einzurichten, daß er ſie nöthigenfalls beſchwören könne, Pu beglaubigen, daß ich nicht ſtehle, auch nicht zu ſtehlen brauche. Daß aus, wie folgt: cor man mir glaube, was ich vom Golde ſage, verlange ich nicht.„Ich heiße Friedrich Chriſtian Philippi, bin Doctor der 8 „Als ich jenen Gedanken gefaßt hatte, da hob mich's über den Medicin, in hieſiger Stadt ⸗wohnhaft, 43 Jahr alt, katholiſcher län Zaun und durch den Garten und durch das offene Fenſter hinein Religion und unverheirathet. ver ins Zimmer. Der Mond leuchtete herein, ich ſah mich um und Zur Sache:„Am geſtrigen Abend hatte ich noch ſpät in ab fand den Geigenkaſten, aber er war verſchloſſen; ich ſuchte nach den meinem Wohnzimmer, welches zu ebener Erde liegt und an den ich Schlüſſel umher und fand ihn nicht. Da lag ein Stückchen Draht Hausgarten ſtößt, auf der Geige muſicirt, dann ſelbige in ihren fun vor dem andern Fenſter. Ich bog die Spitze zwiſchen den Zähnen Kaſten verſchloſſen und war zu Bett gegangen. Meine Schlaf⸗ um und verſuchte nun das Schloß zu öffnen, aber es gelang mir kammer befindet ſich neben dem Wohnzimmer und iſt durch eine bei nicht, und dabei verweilte ich ſo lange, bis die Leute hereinſtürzten Thür mit demſelben verbunden, welche zugemacht war. Es mochte vor und mich einfingen. Sie haben mich dabei getroffen, daß ich beim eine halbe Stunde nach Mitternacht ſein, als ich von einem Ge⸗ als Mondlicht in dem Schloſſe herumſtocherte. Jeder leidlich Vernünf- räuſch im Wohnzimmer geweckt wurde. Ich hörte deutlich Schritte, tige wird zugeben, daß ich, hätte ich ſtehlen wollen, mich damit gewiß Stoßen und leiſes Klopfen. Da ſich am geſtrigen Jahrmarktstage gele nicht bemüht, ſondern die Geige ſogleich ſammt dem Kaſten würde viel verdächtiges Geſindel in der Stadt umhergetrieben, ſo gerieth fortgenommen haben. Neunmal würd ich's gekonnt haben, eh' ich ich ſogleich auf den Verdacht, daß bei mir eingebrochen ſei und ich mei geſtört wurde. Und das iſt der Beweis für die Wahrheit meiner beſtohlen werden ſolle, weshalb ich ſofort leiſe aufſtand, mich noth⸗ wel Rede, wenn man dem Wort des Zigeuners nicht glaubt. dürftig ankleidete und durch eine andre Thür in das Vorhaus ging, kan⸗ „Was weiter geſchah, iſt bald geſagt. Da die Leute ſogleich wo ich die beiden Geſellen meines Hauswirths, des Tiſchlermeiſters mei mit dem Geſchrei: Packt den Dieb! hereinſtürzten, ſo wollte ich Welp, weckte, welche auch ſofort aufſtanden, Licht anzündeten, einige r durchs Fenſter wieder entfliehen, aber ein Stoß von draußen ſchleu⸗ unentbehrliche Kleidungsſtücke ſchnell anlegten und mir folgten; Meiſter u derte mich zurück in die Hände der Verfolger, und da ich einſah, ſie Welp ſelber, der dazu gekommen, begab ſich durch die Hinterpforte in un würden mir die Wahrheit nicht glauben, da ſie auch mit einer Menge den Garten, um das Entkommen der Einbrecher nach außen zu hindern. ſe Scheltwörter, die ihnen ſehr geläufig ſchienen ſie haben ſie wohl oft Als wir vom Vorplatz aus durch die Stubenthür in das Zimmer ein⸗ ſch hören müſſen— auf mich einſtürmten, ſo war mir's gewiß, ich ſolle drangen, fanden wir den zur Haft gelieferten Zigeuner mit meinem d gar nichts ſagen, bis zu ſeiner Zeit. Ich blieb daher ſtumm, ließ Geigenkaſten im Mondſchein in der Nähe des Fenſters ſtehen, im an mir die Hände auf den Rücken binden und mich aus dem Hauſe Begriffe, mit einem Stückchen Draht, das im Zimmer gelegen und Bt durch die Straßen führen. Unterwegs traf noch ein Nachtwächter das er ſehr geſchickt zu einem Dietrich umgebogen, das Schloß des V und ein Gendarm zu uns, und ſo brachten ſie zu Sechſen mich ans Kaſtens zu öffnen. Als wir hinzueilten, um ihn zu ergreifen machte Gefängniß, wo ich nach etlichem Klopfen und Warten eingeführt er mit großer Leichtigkeit einen Sprung in das offene Fenſter allein wurde. Man band mir die Hände los, führte mich in eine Zelle, ein kräftiger Stoß von Meiſter Welp warf ihn wieder in das D und ich habe dort wunderſam geſchlafen.“ Zimmer zurück, worauf wir ihn ſofort handfeſt machten und gemein⸗ 4 Doet Tunen Jönur ſnn nach dem Oberamtsgefänguiſſe transportirten, auf welchem 8 „ 3 ge ſich der Nachtwächter und der Gendarm Wilhelms zu uns ge⸗ 1 b unn — 4 1 eider ö i
Jahrgang
1865
Seite
182
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